Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 23 (5.6.1890)
- Date
- 1890-06-05
- Page
- Seite 173 (sequence 5)
- Language
- German
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Amt»gebiete»^ hinaus sich hohe Verdienste erworben, einen recht rühm- und ehrenvollen Tag zu bereiten. Zn diesem Zwecke konstituirte sich unter dem Borsitz de» Herrn Prof. ׳Dr. Samuel, ersten Vorfitzendeu der hiesigen Synagogengemeinde, ein Comitä, bestehend au» dm angesehensten Ärmeindemitgliedern, um die mühevolle Arbeit de» Arrangement» and Festprogramm» freiwillig zu übernehmen. Die Folge hat gezeigt, wie sehr man allseil» den Herren für ihre Bereilwilligkeit zu Danke verpflichtet seien muß. Der Jubeltag fiel auf da» Schowuau-fest und erhielt durch diese» Zusammentreffen noch einen erhöhte» Glanz. Die Sonne blickte schon am frühen Morgen heiter hernieder auf da«, was man die Königsberger Welt nennt, und weckte «ine kleine Sängerschar, die setzt au» allen Theilen der Stadt in Frsttag«kleidern hiawallte zu dem Sammelplatz in der Dammgasse. Hier vereinigteu sich die Zöglinge der Dr. Kosch'schea Waisenerziehungsanstalt mit denen de« ilr. Waisenhauses für Stadt und Provinz, um ihrem lieben Dr. Bamberger zu seinem 2bjähr. AmtSjubiläum einen Morgeugruß zu bringen, voran die Knaben beider Anstalten, danach die Mädchen, jede» mit einem Bergißmeiunichtsträußchen in der Hand, unmittelbar dahinter die Deputation der ehemaligen Zöglinge der letztgenannt:n Anstalt, so be» »egte sich der lange Zug in Begleitung der Beamten dem Festhause zu. Mit Gesang und Deklamation — darunter auch ein von dem Organisten der Synagoge, Musidirektor Franz, eomponierte» Feftlied — brachten die Kleinen ihrem gemeinsamen Wohlthäter ihre Glückwünsche dar. Die ehemaligen Zöglinge de» i»r. Waisenhauses für Stadt und Provinz ließen durch den oanä. phiL Fa bian ten Ausdruck ihrer Liebe und Dankbarkeit abftatten und überreichten al» äußere» Zeichen derselben einen silbernen Pokal mit entsprechender Widmung. Thränendeu Auge« sprach d,!r Jubilar seinen Dank für die ihm bereiteten Freuden au». Die Zeit zum FestgotteSdienste war heraagekommen und jeder eilte, um sich in dem diesmal in besonderer Weise reichgeschmückten Sotteshause einen Platz zu sichern. Wie in mancher andern Hinsicht, so hatte auch hier da» Schowuau»- §est den Charakter de« Jubrltage« beeinflußt. Die sonst an eine» solchen Tage nie fehlende Schaar von auswärtigen AmtSgenoflcn und Freunden de» Jubilar«, waren diesmal «u» leicht erklärlichen Gründen auSgebtieben; — doch nicht »um Schaden der Festtagsstimmung. Jeder einzelne der Erschieuenrn fühlte sich dadurch, wenn möglich, dem Jubilar aac noch näher und ein gleicher Ton schien auch au» deffen Rede zu klingen, worin er ««»führte, wie die Bedeutung de« Lage« für ihn zurücktrrte vor der Bedeutung de« Feste« für ganz Israel. Rach einer Schilderung de» von der Lehre für dieMensch- .heit au-gegangenen Segen» sagte der Redner: Glücklich der .Einzelne, der wie der Lehrer der Religion, sein Zelt am Luß« de« Smai aufschlagen darf. An diesem Tage fei er einst in sein Amt eingeführt worden und danke, wie Israel und jeder Lehrer, wa« er geworden der Lehre und der Gemeinde, die sein Wirken unterstützt. Redner habe «inst mit Bangen sein Amt angetrete«, da« vor ihm eine Leuchte talmudischer Gelehrsamkeit und Frömmigkeit, R. Hirsch Jacob Mecklenburg, und eine Zierde der Wissenschaft und bewunderter Meister der Rede. Prof. Dr. Saalschütz, bekleidet. Den Dank für die GoUeSguade und die Liebe der Menschen, die er erfahren, wolle er durch treue Hingabe an sein Amt «lch weiterhin abtrageo. Die meisterhafte Rede hob die Begeisterung der Zu- HSr-r nur noch mehr. Zur Verherrlichung dr- Festgotte«- Liruste« sang der Synagogenchor vor und nach der Predigt besondere der Bedeutung de» Tage» entsprechende Lieder und der erste Cantor der Gemeinde, Herr E. Birnbaum, trug den 100. Psalm al» Sologesang mit bekannter Meisterschaft vor. Rach Schluß de» Gottesdienste« begann die Gratutatiouscour im Hause de» Jubilar», nach der vom Lomite festgesetzten Ordnung. Die Reihe der Gratulanten eräffneten die Lehrer und Beamten der G.'meinden. in deren Nrmen Herr Dr. W ol ff berg sprach. Eine Schülerin der Religion»- schule trug da» vom zweiten Cantor Herrn H. Lohn dem Jubilar gewidmete Gedicht vor und überreichte zugleich namen» ihrer Mitschüler und Mitschülerinnen einen Prachtvollen Blum nkorb und einen goldenen Halter mit gleicher Feder. — Inzwischen waren die Deputationen der verschiedenen Körpers haften, die sich im SitzungSsaale der Gemeinde versammelt hatten, eingetroffen. Sie ordneten sich in folgender Reihenfolge: Der Vorstand der Synagogengemeinde (Sprecher Prof. Dr. Samuel), die Deputation der Repräsentantenversammlung (Laser Eichelbaum), die Central- Armen-Commisston (Prof. Dr. Samuel), da» israelische Waisenhaus für Stadt und Provinz (Dr. Friedländer). Dr. Koch'jche Wriseaanstalt (Dr. Schlesinger), Verein für Krankenpflege und Au-schuß de» Verbandes der Synagogen- Gemeinden Oüprruzen» (Jul. Fürst), SludieubrförderungSverein (Prof. Dr. Jaffä). J»r. Stift (S. Magnu»), Armen- Unterstützuag»-Berein (Paitzeirath JagielSki und Kaufmann Puppet), FeuerungS-Bereiu (A. Sommerfeld) Bekleidung». Verein (I. Lazar), Frauenvcreine (Frau B. Wedel und Frl. Fürst). Sie alle rühmten die den Interessen ihrer Körperschaften seiten« de» Jubilargeleisteten Dienste und dankten ihm dafür, vielfach unter Ueberreichung von Adreffea. Der Jubilar dankte nun auch seinerseits mit sichtlich bewegten Worten für die ihm gespendeten Ehren und betonte schließlich, daß da», wa« ihm zu erreichen vergönnt geworden nur möglich war unter der treuen und eiamüthigeu Mitarbeiterschaft der Vertreter der Gemeinde und der Kollegen in der Verwaltung wohlthätiger Anstalten. Nunmehr überreichte Prof. Dr. Samuel da» de« Jnbilar seiten« der Gemeinde gewidmete Ehrengeschenk; da» ca. 1 m hohe, in Silber gearbeitete Standbild de» ,Mose.- Die Darstellung zeigt den Gesetzgeber nach der Michel «»geloschen Auffassung in sitzender Stellung umgeben von den Genien dr» Frieden«, der Wissenschaft und der Vormherzigkeit. An dem Mittelbau stad in getriebener» ciselierter Arbeit drei Scenen au» dem Leben de« Gesetztgeber« dargestellt; die Auffindung de» Mose; Mose« in der Wüste au» dem Felsen Wiffer schlagend; die Rückkehr der Kundschafter au« Kanaan. Außerdem wurde dem Jubilar ein Kapital zu einer ,Bambergerstiftuug* überwiesen. Damit war der »fficielle Theil de» Tage» beendet. Fast gleichzeitig mit den Deputirten hatte sich eine andere Schaar von Gratulanten eingefnudea, dir. bald alle Theile der geräumigen Wohnung bi« zum Erdrücken füllend, nun in nicht enden wollenden Maffrn mit gesnchten und ungesuchten, stet« aber herzlichen Worten dem Jubilar den Au«drack ihrer Verehrung und Dankbarkeit, sowie aufrichtige Wünsche für sein fernere« Wrhlergrhen abstattetrn. Ihnen schlossen sich viele Hunderte von telegraphischen Grüßen au»- wärtiger Kollegen, Freunde und Schüler an. Auch an finnigen Geschenken brachtc der Tag erne reiche Fülle. Bon besonderer Bedeutung war die Sapitalsendnuz dr» Berliner Lokal-Lomite» der All. i»r. zu« Zwecke einer Bamberger- Stiftung und eine kostbare Schulchaa-Deckr, die au» Anlaß de» Tage« von der Gattin de« JubUar» der Synagoge gewidmet worden. (Schluß folgt.) Rußland. Au« 3M«»>«r§ wird dem ,Berl.-Tgbl." über die für den Reich»rath vorbereitete, aber auf Befehl de» Zaren zurückgezogene Vorlage, betreffend die Beschränkung der Rechte der Juden» Folgende» mitgetheilt: Wie man in der russischen Hauptstadt erzählt, wurden der Vorlage die Arbeiten der ehedem vielgenannten Pahlenscheu Kommission zn Grunde gelegt, welche von dem inzwischen verstorbenen Minister de» Innern, Grafen Tolstoi, seinem Adlatn», v. Plehwe, zur weiteren Bearbeitung übergeben worden waren. Ferner hatte Graf Tolstoi 20 Btze-Gouoerneure nach Petersburg berufen, und unter Mithilfe dieser.