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Israelitische Wochenschrift · 1890-06-05 · 23 (5.6.1890) · p. Seite 172

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
23 (5.6.1890)
Date
1890-06-05
Page
Seite 172 (sequence 4)
Language
German
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172 Rechnet man Hiewan die 499 Schüler ab, die in jenem Semester die beiden Frankfurter iSr. Realschulen besuchten (e* sind überall die Vorschulen nicht mitgerechnet), so stehen im Durchschnitt in den höheren Schulen des preußischen Staates etwa 9 jüdisch« 100 christlichen Schülern gegenüber. Run stehen in den höheren Schulen der ganzen preußischen Monarchie den rund 11,002 jüdischen Schü'ern nicht blos rund 134,000 christlich« Schüler, sondern auch über 6500 christliche Lehrer gegenüber. Äcerdings sagt man, die Gefahr zeige sich erst, wenn man nicht den Durchschnitt, sondern einzelne Gruppen ins Auge saffe. Tann hätte man aber ehrlicher Weise heworheben müssen, daß «I große Staatsgebiete gibt, in d:ncu diese Gefahr »׳'cht vorhanden ist. In Hohcnzollern besucht kein einziger Jude das Gymnasium, in Lchleswig-Holsieiu kommen aus 2400 Gymnasiasten 48 jüdische, in der Prov n; Sachsen auf 741 t: 149, in der Provinz Hannover auf 5193:170, in Westfalen aus 0155: 251, in Brandenburg auf 5321: 279, in Osipreußen auf 4300 : 321, in Pommern auf 4683 : 339, in der Rheinprovinz aus!»941: 435 jüdisch« Gymnasiasten. Für dm weitaus größten Theil des preußischen Staates isr also di« vermeintliche Gefahr absolut nicht vorhanden. Anders freilich steht eS in der Provinz Heuen-Nassau, wo aus 3803: 301, in Westpceußen wo auf 0085 : 405, in Schlesien, wo aus 10303: 1450, am schlimmsten in der Provinz Posen und in Berlin, wo auf 4028:943 und aus 9109:1827 jüdisch« Gymnasiasten kommen. Aber auch hier concentrirte sich Alles aus einige große Städte, und statt von dem ganzen Lande zu sprechen, bäklen die Herren, wenn sie bei der Wahrheit bleiben wollten, auf die Gefahr Hinweisen müssen, die dem Staat und der lkirche durch die Ueberzabl der jüdische» Schüler nur in den Städten Posen und Breslau, Frankfurt a. M. und Berlin drohen. Auch in dem schlimmen Berlin batten sie doch noch Trost finden können, denn auch dort giebl es eine Anzahl von Gymnasien, in denen die jüdisch« Schülerzahl eine minimale ist: e» waren im Winter 1888 89 im Joachimthal'schen Gymnasium von 512 Schülern 10, im Lessing-Gymnasium (von 459) 22 im Louiseu-Gymnasium (von 055) 30, im Humboldt Gymnasium von 515 42, jm Friedrich Wilhelm-Gymnasium (von 723) 70. So schrumpft der ganze Thatenbesiavd, der dem Angstschrei der Herren Stöcker, Pfeil und Kleist-Retzow zu Grund« liegt, dahin zusammen, daß es in Berlin, wo etwa der fünfte Theil der gesommtcn jüdischen Bevölkerung Preußens wohnt, umer 10 Gymnasien 5 gibt, in denen d e Schüler zu Hälfte und darüber der jüdischen Religion aogehörrn, daß auch in Breslau und Posen an zusammen 3 Gymnasien dasselbe Berhältniß obwalten mag, daß es in Frankfurt a. M. 3 höher« Schulen giebt, in denen die jüdischen Schüler * , der Äesammtzahl übersteigen. Bon den 537 höheren Schulen des preußischen Staates mag di« größere Hälfte ausschließlich von christlichen Schülern besucht sein, die Zahl derjenigen in welchen die jüdischen Schüler 10 Procen» ausmachen, dürste 30 nicht übersteigen. Das also genügt, um von Berjudung unserer sllmmtlichen höheren Schulen zu sprechen! Eine in den Bcrhältnissen btgründelc Beschwerde ist es also nicht, die vorgebracht worden ist. Herr v. Kleist-Retzow hat in seiner geraden, oneuen An eS herausgesagt: di« Juden sind uns nun einmal anti» parhisch, darum müssen sie fort. Es handelt sich gar nicht um deutsche und christliche Bestrebungen, die hier zum Ausdruck kommen, sondern um Rassenhaß und Fanatismus, um jene Elelemente, di, dm innere» Frieden bedrohen. Diese Herren Konservativen treiben aus der Tribüne 1 unsere« Landtages die schlimmste Demagogie. Sir haben in unseren Lehrerkreisen, zumal unter de» jüngeren, deren Studimzeit in die Zeit der Blüthe der antisemitischen Bewegung gefallen ist, nicht wenige, die antisemitisch angehaucht sind. Diesen schwillt der ftamm, wenn sie die Reden vernehmen, die neulich im Herrenhausr gehalten wurd.-n. So wird Haß und Zwietracht da genährt, wo Lieb« und Frieden uaerläßlich sind.- Areala«, 1. Juni. (Or.-Cor.) Die XII. ord. Generalversammlung des ״Vereins i«r. Lehrer in Schlesien und Posenfand Dienstag abends 8 Uhr und Mittwoch vorm. 11 Uhr im Safe Restaurant hier statt. Anwesend waren 34 Mitglieder und 13 Gäste. Dem vom Vorstande erstatteten Berichte zufolge zählt der Verein z. Z. 100 Mitglieder. Die Einnahmen des verflossenen Rechnungsjahres betrugen M. 165.99, die Ausgaben M. 76.98. Der Vorstand de« abgelaufenea Jahres bestehend aus den Herren Dr. Samuelsohn-BreSlau, Dr. Badt-BreSlau, Freudenthal-BreSlau, Blumenfeld.Schweidnitz. Dr. Sohn-Kattowitz, Herbst- Lissa, Dr. Ma tterSdo rf-Sleiwitz, wurde durch Akklamation wiedergewählt. Zur Besprechung kamen Fragen über die Stellung des Vereins zu dem dem Abgeordnetenhaus« vor» liegenden Gesetzesentwurf in Betreff de« schulplanmäßigen Religionsunterrichts, ferner zu einer von jüdischen Gemeinden ausgegangenen Petition den Schulzwang auch auf den jüdischen Religionsunterricht auszudehnen, endlich über den Sharakter diese« Religionsunterrichte« selbst. Den Haupt» gegenständ der Erörterungen bildete eine von der Versammlung einstimmig angenommene Resolution, die den verletzenden Urtheilen, welche wiederholt in jüngster Zeit über die jüdi» sche Religion und ihre Bekenner gefällt worden find, entgegeatreten soll. Die «bendoersammlung wurde gegen 11 Uhr, die Hauptversammlung gegen 2 Uhr geschloffen. (In der nächsten Nr. werden wir da« ausführliche Pro» tokoll sowie den Wortlaut der Resolution bringen. Red.) Zabrze (Ober-Schlefien), den!.Juni. (Or.-Sr.) Ich freue mich. Ihnen die Mittheilung zu machen, daß Dank der Opferfrrudigkeit der jüdischen Gemeinden und WohlthätigkeitSvereine die ״israelitische Kinderheilstättein dem Tool» bade LönigSdorff-Jastrzemb heute, den 1. Juni mit dcn ersten Pfleglingen eröffnet wird. Die Räume des ״Kinderheim«-, da» für diese« Jahr au» 3 großen Hellen, aneinanderschließenden Zimmern besteht, sind in einem gesunden, trocknen Hause, umgeben von einem Blumengarten, dicht an dem über 8V Morgen großm Kurpark gelegen. Sinder demittelter Eltern werden für den Pension-prei« von 50 M. pro Mon. incl. Sur und Bäder ausgenommen, minder bemittelten und ganz Armen werden halbe eo. ganze Fre i stellen gewährt. Diejenigen Eltern, die ihre Sinder noch in diesem Sommer in dem ״Kinderheimunterbringen wollen, thun gut daran, da noch einige Betten zu vergeben sind, sie schleunigst an den Vorsitzenden de» Komitee«, Herr« Rabbiner Dr. W. Münz in Gleiwitz, zu wenden. A. Pinczower. Metefekb, 28. Mai. Gestern und heute fand hier die von ca. 80 Personen besuchte Konferenz der israelitischen Lehrer Rheinland-W-stfalen» statt. Aus der Reihe der ein» gehend berathenen Gegenstände der Tagesordnung sei der Vortrag de« Lehrer« Herrn Spier»Bocholt ״über die ge» setzliche Stellung der israelitischen Schulen in Deutschland und insbesondere in Rheinland und Westfahlenhervorznhebe». Der Vortragende beherrschte da« gesammte rinschlägige Material «nd stützte sich auf statistische Daten. Obwohl der Herr Referent ausdrücklich hervorhob: ״daß wir un« mit der paritätischen Schule, wie sie in Berlin, Heffen-Naffau rc. bestehe, wohl befreunden könnten-, so stellte er doch unter der Begründung, daß diese Schulen auf dem Aussterbeetat ständen, und im Hinblick auf die evangelischen und katholischen Eiferer für die rein koosesfionelle Schule» auch für die Bestrebungen der Israeliten auf dem Gebiete ihre« Schulwesen« folgende Thesen, die auch Annähme fanden: 1. Di« bestehenden jüdischen Volksschule» sind möglichst zu erhalten. ..... 2. An denjenigen Orten, wo eine beträchtliche Anzahl!üdlscher Kinder vorhanden ist, und wo die finanzielle» Mittel der dezüglichen jüdischen Gemeind« auSreichen, ist ein« eigene jüdisch« Schule »u errichte». 3. Es ist dahin zu streben, daß diesen Volksschulen der tha» racter der öffentlichen Schule» verlieh«» wird. 4. Sn denjenigen Orten, w» di« jüdischen Kinder die allaemeine Ortsschule besuche», hat die jüdische Gemeinde eine Religiansschule «inznrichten, deren Besuch obligatorisch ist. 5. Es ist «LnschenSwerth, daß, vorläufig für Rheinland und Sestsaleu, eine Lentralstellc in» Leben gerufen werde, von der au» die Gemeinden angeregt werde», ihre konfessionellen Schulen z» erhalten, neue zu errichten und diese zu öffentlichen erheben ,» lasse». Die Besprechung de« Spier'schen Bortrage« wurde auf die Tagesordnung der nächstjährige», in Münster stattfinden» den Konferenz gesetzt. B. T. P. 1. Juni (Da» Samberg er» Jubiläum.) E« waren schöne erhebende Festtage, die die hinter un« liegende Woche uu» gebracht, sowohl für den Jubilar, wie für jeden der Betheiligteu; denn sie legten Zeugniß ab von der Macht, die dem schwache» Menschen in der treuen Pflichterfüllung und in der liebenden Hingebung an die Jutereffrn seiner Mitmenschen gegeben ist und von der Begeisterung, deren da« Menschenhcrz fähig ist, wenn «» von der Liebe erwärmt wird. Schon seit Monaten bildete da« helannahende Fest den hervorragendsten Gegenstand de» Gespräch« in unserer Gemeinde. Eine eifrige Thätigkeit gab sich überall kund, um den allseitig geliebten und verehrten Rabbiner, der über den Rahmen seiner eigentlichen AmtSthätigkeit und seine»

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