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Israelitische Wochenschrift · 1890-05-29 · 22 (29.5.1890) · p. Seite 166

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
22 (29.5.1890)
Date
1890-05-29
Page
Seite 166 (sequence 6)
Language
German
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häktniffe mächtiger, als seineL'persönlichen Neigungen. Als in dm SV er Jahren die Robbinerversammluvgen zu BreSlau, Braunschweig und Frankfurt a. M. ungemein und viel von sich reden macht׳», gährte es auch mächtig im Lchooße unserer Gemeind,. Radikale Neuerer suchten sich der Cultusreform zu bemächtigm. Die G'istir und Meinungm platzten auf einand'r. Da schaarte sich ein Häuflein der» jenixen. welchen die Verkürzungen und Verstümmelungen gewisse, Gebete nicht b,hasten, um R. Abraham Deutsch. Es wurde ein Plivatsottcsdnnft eing'richtet, bei welchem in der stow men Väter Weise unverkürzt und unverändert gebetet wurde. R. Abraham Deutsch war zum Lehrer und Leiter diestr Privatg׳meinte, welche von der Gebetordnung abgesehen stets sich eins rnd ein׳g mit der Hauptgemeinde fühlte, auSersehen. Durch seine belehrender Vorträge, welche sich weniger durch die rach Außen blendende Schönheit der Form, als durch die Gediegenheit ibreS Inhaltes und die religiöse Wärme ihrer echt israelitischm Gesinnunxstüchtigkeit und Urberzeuaunostreue »vSzeichnetm, hat er «ine Fülle von seist,oer Anregung seinen Verehrer». Freunden und Schülern geboten, welche — bewußt oder unbewußt — auch heute noch segensreich nack wirkt. Wenn Gleiwitz schon in den Jahrm des Sturmes und Dranges sich bei der EultuSreform Mäßigung und weise Eelbstbeschränkung zur Pflicht machte, so war dies nicht in letzter Reihe auf die Wirksam» keit tes frommm und gelehrten R. Abraham Deutsch, den man respectir-n mußte, zurückzuführm. Als diese Privatgemeinde vor Jahren sich ouslüste, nahm dir Hauptgemeinde ihn mit wohlwollmdster Rücksicht und mit einer ihn in jeder Hinsicht ehrenden Auszeichnung in ihrer Mitte auf. Seinen Lindern war es gegönnt, den Sbmd seines Leben» ihm durch cpferfteudigen Zartsinn zu erheitern und zu verschönen, so daß nunmehr Tage und Jahre oehaglichrr Ruh« und väterlicher Freude bei ihm rinkehrte״. Die letzten Jahre seines Lebens wurdihm durch ein Augrnlcidm, welches ihm das Tborah-Siudium zur Unmöglichkeit machre, getrübt. Der Mangel an Thorah-Kundigen, mit denm er sich hätte ouSsprechen tönnm, ließ ihn sein Urbel geradezu als rin schwere- Unc lück empfinden. Seine geistige Regsamkeit hatte bis zu seiner Todesstunde darunter nicht zu lridm. Sauft, siomm und gottergeben, wie er gelebt, ist er auch entschlaen. In seiner großen Bescheidenheit hatte er sich vorher jede Rede an seinem Grabe verbeten. Dieser letzte Wille »urde auch geehrt. Seinem Wunsche entsprechend folgten die Lultukbeamtm seiner Bahre nicht in ihrer AmtStracht. Sie solltm ihm nicht als Beamte, sondem als Freunde di« letzte Ehre erweisen. Mir ihm ,st der letzte bedeutmde Talmudgelehrte vom altm Schlage au» unserrr Mitte geschieden. Möge sein Geist auch ferner hier waltml!זכי* צחק יברכו — ne — Lefierreitd-Ungar«. r. ZN» Dlngar», 18. Mai. (Dr. #orr.) Wie weit die lluversrorenheit der Antisemiten reicht, mag der Umstand beweisen, daß der Abgeordnete Lueger den General Skudi.r im Wiener ReichSralh« zu interpellirea wagte, weil dieser den AutisewttiSmuS eine Schmach und Schande unseres Jahrhundert» nannte. Der Herr General wird sich darüber zu trösten «ifleu in der Ueberzeuguug, daß er in dieser Beruriheilung des Antisemitismus einen großen Borgängrr i» dem deutschen Kaiser Friedrich hatte und daß die Gebildeten aller Nattone« seine Ansicht theilen. — Der Pester Israelitische Fraoenverein ist eia Muster» Juftttut unter der bewährten Leitung der Vorsitzenden, Frau Johanna Bischitz. Der Fraueuverciu gewährte im abgr. laufenen Jahre 25,47b Gulden Unterstützungen, den Beitrag von 23,471 Gulden für Waisenhäuser. 125.391 Personen wurden thrtlS kostenfrei, theil» zu ermäßigten P! eisen vom Brreioe in der Volke küche mtt Speise und Trank versehen, ebenso 14,499 Schulkinder. Allerdings hat die Verwaltung des KranenvereinS eia Defizit aufzuweiseu. Doch welch« Fülle bei diesem Mangel, welcher Segen beim Uebergewicht von Ausgaben vor den Einnahmen, auf dem Gebiete hoch« herzige» Walten» und Wirken». Der Frauenvereiu bellagt den 'Verlust dreier verstorbener edelgesinnter Mitglieder: der Frau Neuwelt, der Fr. Ellenberger und der Frau Szögyrn. Segen dem Angeber, lenz, dieser Wohlthäterinnen l Grosibttitannten. «Lauda« im Mai. Im Nachfolgenden theilen wir de« Text de» wichtigen an den Präsidenten der United-Synagoge, Lord Rothschild, gerichteten Schreiben«, bezüglich der hier die Gemüther in hohem Maaße deschästigenden Oberrabbiner» frage mit. Dasselbe lautet: Hochgeehrter Herr! E« liege» zahlreiche Beweise für die Existenz eine» weitverbreiteten Wunsche» vor, welcher dahingeht ») die euglichrn Juden unter Leitung eine» präfidikenden Ehiefratbi, welcher als oberster geistlicher Berather aller Joden de» britischen Reiche» zu gelten hat, zu vereinigen und d) den einzelnen Gemeinden eine gewisse in genau de» stimmten Grenzen sich bewegende Freiheit zur Ab- Snderung einiger Punkte ihre» gottesdienstlichen Ritual« zu gestatten; denn dt« Erhaltung der Bruderschaft in Israel ist weit wichtiger, al» eine Abweichung in der Liturgie oder dem Ritus. Wir EndeS-Unterzeichnete glauben daher, daß e» jetzt au der Zeit sei. Einladungen ergehen zu lassen an die spa» nisch-portugiefische Synagoge; die svdrrirlen Synagogen (deren Präsident Einer der Unterzeichneten ist); die Wrft-Londou- Synagoge der britischen Jude» (zu deren Rath Einige von un» gehören); die übrigen Synagogen der Hauptstadt und Provinzen, um gemeinschaftlich mit der United Synagoge, der Sie al» Präsident oorstehen, ein beratyende» Eomitee zu wädlen, welches einen Plan zu Bereinigung der Juden des britischen Reiche» womöglich auf folgender Basis zu eutwerfen hat: Der Ehirfrabbi soll da» geistliche Oberhaupt jämmt» licher Juden de« britischen Reiche» sein, jedoch in Bezug auf die portugiesch« und West.London-Gemeinde nur als berathende Autorität, da diesen Gemeinden ihre Auto- »omie zu erhalten ist. Um dem Wunsche einiger Gemeinden brtr. Modifikation der bestehende» Gottesdienstordnung rntgegrazukommen, sollen von verschiedenen Synagogen hierzu ernannte Laiea-Delegirte dem Ehtefradbl ihre Borschläge unterbreiten, welcher als» dann unter Assistenz eine» SynagogeurathS, beft'heud au» dem Lhacham der portugiesischen Gemeinde, de« Geistliche» der söderirteu Synagogen, den Häuptern der verschiedenen Sy» »agogrn und dem Direktor de» »Jew'S Lollegr" Entschetdüng zu treffen hat. kein« Synagoge soll Verbünde» {da' Abänderung«« aereptiren zu müsse«, wenn nicht י/, der Sitzinhaber derselben ihre Zustimmung zu diese» gegebe» haben. Fernerer Erwägung muß. e» Vorbehalten bleiben, ab mit Rücksicht auf die massenhafte Arbeit, welche dem Chiefrabbt hierdurch erwächst, e» nvthig sei« wird, ihu durch einen geistlichen Rath zu unterstützen. Doch würde e» sich empfehle«, di« Wünsch« de» Ehiesrabdi dieserhalb erst zu höre». Die Stellung der gegenwärtige» im A«tte stehende« Funktionäre an den verschiedenen Synagogen soll unver» ändert bleiben. Die Dienstpflichten derselben solle» unter Zustimmung der Autorttäten ihrer eigene« Synagoge» «ach Anordnung der Gesammtgeme nde festgestellt werdeu. Wir hegen da» Bertraueo, »aß e« unter Ihrer Präsidrutenschaft sich ermöglichen lassen werde, auf der Basis vorstehender Grundsätze alle Juden de» britische« Reiche» zu einem Bunde zu vereinigen und jo nutzt nur die Sache uusrrer Religion zu fördern, souoeru auch die der Humanität, indem Alle veranlaßt werdeu zu den verschiede»« Wohl» thätigkeitSaustaltru und UnterftützuagSkaffen brizuttageu.

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