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Israelitische Wochenschrift · 1890-05-29 · 22 (29.5.1890) · p. Seite 167

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
22 (29.5.1890)
Date
1890-05-29
Page
Seite 167 (sequence 7)
Language
German
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167 -- Wir haben dir Ehre zu zrichoeu: F. D. Mocatta, Philipp Magau«, Alfred 8. Lohe«. Tomuel Mou.tagu. Herbert Ä. 8 onsad^a. Alfred tz. Reddington. Permischte und neueste Uachriästen. Berlin. Nach einem .Berliner Telegramm' an Daljiel in London bat di« jüdische Gemeinde den Relchitag-abzeordne'en Professor Birchow ersucht, im Reichstage nicht dl« Bertheidigung der Juden zu übernehmen, sondern die» solchen Abgeordneten zu überlassen, tvelche die Jude» nicht all ein .nothwendige» Uebel' betrachten. (Also berichtet da» Londoner .Iew. Standard'.) Berlin, 27. Mai Dem Geh Sanitätsrath Dr. Kriftel ler Wurden gestern anläßlich leine» 70. Geburtstage« viele Zeichen der Anerkennung zu Theil Nachdem am Morgen die Angehörigen ihr« Glückwünsche dargebrach« Hutten, erschien zunächst eine Deputa'ion der Berliner Medizinischen Gesellschaft, zu deren Begründern Dr. Kristeller gehört. Sprecher dieser Abordnung war Pros Falk. De Bynäkologisch« Gesellschaft erisandte den Privatdozenten Dr. Martin. DI« Berliner ärztlich« Untcrstützüngskaffe ließ durch den SanitLISrath Dr. Helberg «ine Adresse übwreichen. Im Namen de» Bereln» Berliner Armenärzte sprach SaaitäiSrach Dr. Solger. Bom Magistrat üb.ubrachte Stadtrath -raus« die Glückwünsche. Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund wurde durch Prof. Lazaru» vertreten, der ein Ehren» mtrglied-diplom und die Urkunde über eine Sristeller-Itisrung (zur Förderung de» Handwerk» unter den Juden) sowie ein Gruppenbild der Ausschußmitglieder überreicht«. Berlin. Der Bauvlan für die neue Ahnagrge in der Lindenftraße ist durch di« Polizei gehörig verkürzt worden. Da» im Bau begriffene Gotte«hau« war auf 2000 Sitzpläj« berechnet; jetzt werden c« nur 800 (?) E« muß nämlich rund herum eine Zufahrt für die Feuerwehr frei bleibe». Da« Grundstück hat in Folge der Berhand» lungen zwei Jahre lang brach gelegen. (Der leitend« Architekt be» richtig« diese von Berliner Blättern gebrachte Mitiheilung dahin, daß die Zahl der Sitzplätze aus 1800 festgesetzt sei, und daß die Baupolizei außer der ersten Umarbeitung de« Plane« jetzt kein« neuen Forderungen gestellt habe.) Berlin. Der Reichtag«abgeordnete Pickenbach sammelt Gelder, «m hier, e nem tiefgefühlt»!! Krach-Bcdürfniß entiprechend, eine neue aulisemitische Zeitung in» Leben zu rufen, deren Redaktion dieser geschätzte Mitbürger selber übernehmen will. Berlin. Auch in die Strafanstalten und Zuchthäuser fällt ein freundlicher Strahl der Pfingstsonne. Am ersten Feiertage erhält eder Gefangene au» Staa1»mittelu 180 Src.mm gekochte« Fleisch und «inen halben Liter Bier, er darf außerdem einen bestimmten seiner dnrch Ueberverdieust erzielten Ersparnisse zur Beschaffung von Nahrung«» «titeln anlegen, die sonst nicht auf den Küchenzettel stehen. Im Moabiter UniersuchungSgesängniß, welche« zur Zeit über 1000 Insassen birgt, hatte der Küchenmeister gegen 500 Pfund Fleisch in Portionen an »heilen. Die christlichen Gefangenen erhielten Schweinefleisch, die )üdtschen — Rindfleisch. Breslau. Nach der .Schlesischen Zeitung' beruht die Ansorderuua de« Provinzialschulkollegium» in Br«»lau, über da« Berhältniß der jüdischen zu den christlichen Schülern und über die Ersahrungen «tt dem Fleiß und den Leistungen jüdischer Lehrer Bericht zu erstatten, anf einer allgemeinen Bersügung de« Kultu»minifterium«. Hamburg - Di« verwtitweie Krau Timon Mai spendete anläßlich ihre« <0 Geburt-lage« den Betrag von Betrag von 10,00• zur Unterstütz»»» von Wittwen jüd. Lehrer. Heidelberg, 20. Mat. Der außerordentliche Prof. Dr. Koch, Kustos an der hiesigen Universität«»Bibliothek, schoß sich heute in seiner Wohnung in selbstmörderischer Absicht eine Kugel in di« Brust, blieb jedoch am Lebe» und wurde in da» akademische Krankenhiu« «bracht. Man hofft ihm Leben zu erhalten. Professor Koch, ein Jude, ledim SS Jahre alt. erfreut sich hier allgemeiner Beliebtheit. Nach A»»sage seiner Hau«leute klagt« er fett sech» Wochen über Kopfschmerzen. Di« Motiv« seiner Lhat sind unbekannt. Hellbrou». 21. Mat. (Or.-Lorr.) Gestern tagte hier der Verband »ürttembergischer Stenographen. Bei dem mit dem B«rband«tag verbundene» Korrekt» und Schönschreiben erhielt Leopold Hühnlein. Sohn de« iSrael. Lehrers Hähnletn in Hall den 2. Preis (silberne Medaille). — Die heutige hier erscheinende .Neckarzeitung'enthält folgende Korrespondenz au« Mergentheim, 18. Mai: — Im RabbinatSdezirk Mergentheim ist gegenwärtig eine groß« Bewegung unter den Israeliten. Dieselben barten eine Versammlung in Mergentheim, um gegen ihren Rabbiner klagend auszutretrn, da sich derselbe dieser Tage in Berlichingen (Filiale von Mergentheim) angeblich eine bedeutende Sabbalhentweihung zu schulden kommen ließ. (ES ist höchst bedauerlich, wenn solche Interna in öffentlichen Blätter» behandelt werden.) Wien. In 4 Bezirken fände» vor. Woche Wahlen für die Bezirköanschlüss« statt; in allea 4 Bezirken wurden anttsemitische Kaudtdaten gewählt. Wie». Hier heirathetr Herr Felix Ritter von Ton neathal, der Sohn de» berühmte» Künstler« de» Hofburgtheater«. Krl. Adele Koeitschouer. Prediger Dr. Jellinek vollzog di« Trauuug im Dempel der inneren Stadt und hielt «tu« de» Kaust» »ad de» Familieafina des Ober-Regiffear« o. S-uneuthal verherrlichende Red«. r. Au« Ungar», 19. Mai. (0a-Lorr) Dir Bemerkung de» Lorrespondetea an» Landiberg a. W. ln Nr. 20 der qesch. Wochenschrift giebt mir Veranlassung hervor mheben, daß kein elnziger Ungar in einer giistlichea Stellung im deutschen Judenrhu« sich jemal« besanden hat» der einer solchen sich nicht stet« würdig erwiesen hätte. Sie gehören i» überwiegender Anzahl einer liberal-erhaltenden Richtung an. Alu« stldouy in Ungarn wird als Luriosum gemeldet, daß der dortige Rabbiner Dr. B. Aaida, der an der Spitze einer jüd. Deputation beim Bischof Konstantin Schuster in Saitzen zu dessen Begrüßung erschienen war, sich tief erniedrigte und dem Kirchenfürst als Huldigung die Hand küßt«! London» 15. Mai. Die Königin Victoria von England beehrt« gestera in Begleitung!hier Tochter und ihres shwiegersohne«, Princeß und Prince Battenberg, den Herrn Baron Ferdinand de Rothschild und Lord Rothschild mit einem besonderen Besuche aus den Gütern deletzteren unweit London und hielt sich daselbst mehrere stunden auf. Tiflis. (Or.-Lo.r.) Bei der am 13. Mai kstattgehabtcn ersten Ziehung der russischen Adeligen Pfdbs. Prämienanleihe siel der Haupt» treffer von einigen 200.000 Rubel einigen armen jüdischen Familien zu. N«w»Bork. Herr Julius Kagenverg von hier schreibt dem .American H!brew': Lin rühmliche« der Nachahmung würdiges Serk, wird binnen Kurzem von unseren Glaubensgenossei in Lhic a ao zu Stand« gebracht werden. Diese haben nämlich einen Verein zur Förderung des Sindorbeitsunterrichts unter der Heranwachsenden Generation der vom Glücke «cniger begünstigten Einwanderer gegründet. Der Bereln hat de» Bau eine« diesem Zwecke dienenden Hauses beinahe vollendet, und beabsichtigt nun, dasselbe auf» Zweckmäßigste und den Anforderungen der Gegenwart entsprecheud einzurichten. ES ist ein besonderes Glück für diese Sohlthätigkeitsanstalt, daß da« Eomite, oder vielmehr Rev. Dr. Emil Hirsch, die Oberleitung der Anstalt in die Hände eine« Manne« gelegt hat, welcher in unserer Stadt zuerst da« neue Problem praktisch und mit dem besten Erfolge gelöst hat. Herr G. Bam ber g e r, Bruder de» Herrn Rabb. in Königsberg, seit 11 Jahren Direktor der von dein Verein für ethisch« Erziehung uaterhaltenen Handwerkerschule, wird die Leitung drr Schule übernehmen. Unsere dortigen Freund« sind zu dieser Aequisttio» ausrichtig zu beglückwünschen, denn einen »üchttgern, gewissenhafteren und begei» sterungSvolleren Lehrer hätten sie schwerlich finden können. BemerkenSwenh ist die Aeußerung, welche Herr vamberger de» Schreiben dieser Zeilen gegenüber gethan hat: .Ich Hab« mich beinah« 11 Jahr« mit dem Unterrichte und der Erziehung zahlreicher Kinder christlicher Handwerker beschästigt und fühle mich außerordentlich "־'“ .. ' Herzen und ganzer Seele thun werde.' Möge e» demselben gelinge», sein Wirken von dem besten Erfolge gekrönt zu sehen! AuS dem II. O. B. « Mew-Bork. Am 1.Juni wird zu Richmond dieLonvention de« Orden» B'ne B'rith stattfinden und vorau»sich«lich werden die Verhandlungen «ine ganze Woche in Anspruch nehmen. E« ist sett 1868 da» erste Mal. daß an Stelle der Vertreter der einzelnen Logen von der »roßloge (auf Vorschlag der Loge») gewählt« Delegirte der Lonvention anwohnen werde». Hterdurch ist da« numerisch« Berhältniß reducirt, da anstatt der 400 Vertreter nach dem früher» System jetzt nur 80 bcleairt werden. Die Lonvention wird über wichtige Gegenstände zu verhandeln »»gelassen werden. In jedem Falle hat dt« Ersahrung »er 1u setzten Jahre bewiese״, daß Logenversammlungen eine« Ritual« bedürfe», welch«» von dem gegenwärtigen prosaischen sich unterscheidet, und obschoa einige hochgesinnte Mitglieder die Nothweudigkeit zur Biedereiuführuug eine« imbonireaden Leremoniell» »ich» einsehen mögen, io ist da» vedürfaiß eine« solchen nicht« destoweniger vorhanden, und die mairre» risch« Brüderschaft, di« .sonderbarr» Gesellen' und Flitter der Pythia' sind der beste Bewet» für den mächtigen Einfluß eine« anziehende» Ritual». — (In Deutschland hält man da» bisherige Ritual noch viel zu wettschweifig; die viele» Formalitäten erdrücken den G e t st, da» Ideale — ist hier di« Ansicht der denkende» Mitglieder.) Auch die fiskalischen Beziehungen der Logen zu der Loaftitution»- großloge solle» anomweitig geregelt werden; e» wird von alle» Setten über z» hohe Abgaben geklagt, darum wird auch die Leben«- Versicherung«», sowie Wittwen- und Waisen-Unterstützung-fraa« zum endgiltigea Au«1rag kommen müffe»; denn di« die«bezuglicheu Schwankungen schädigen den Orden sehr ln seiner «eiteren Entfaltung. Das Hauptstrcden der Loaventton wird aber daraus gerichtet sein, de« Orden ncue«Leben und frisch« Kraft einzuhauchen, da er in den letzte» 10 Jahren numerisch nicht zugenommen hat. Et» solcher Orde» kau» aber keinen numerischen Stillstand auskommen lass«»; und «oea» auch eia Herr, welcher jüngst in der ,Deborah' einen Artikel gegen di« .Optional Eudowement» veröffentlichte, de» Bewet« z» kühre» versuchte, daß nicht so sehr di« Zahl «l» die Will«»»ftärke der Mitglieder in» Gewicht falle, so giebt r« doch viele hervorragende Orde»«»itglied«r, welch« diele Ansicht nicht «heilen und eine Reorganisation de« ganze» Orden« für durch»»» nöthig halrr^.

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