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Israelitische Wochenschrift · 1890-05-22 · 21 (22.5.1890) · p. Seite 158

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
21 (22.5.1890)
Date
1890-05-22
Page
Seite 158 (sequence 6)
Language
German
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Somit ist dieser Hau« der aagemrffeaste Ausdruck und ein Bild der Jodenthumr i» der Beschicht«, derhalb hat «r ihm de» a»«t«ich- »eudea Ramea de« Hekdesch, de» ״Heilt״thamrverliehen. Da« ist di« EchLtzung diese« Hause«, seine Seihe. Möge e» denn dazu beitrage», auch da« Alter Deijeaigen zu verklären, die hier Ausnahme finden sollen. Möge e» Ihnen ergehen wie dem Judeuthum. Mögen fi« im Alter sich vergnügt, bei ihrer Schwach« sich innerlich starb fühlen durch den Beist Botte«, di« erhaltene -rast de« Jndenthum«. Und so spreche ich denn de» üblichen Weihespruch: .Belobt sei der Err2׳«, unser Gott, der König der Welt, der di« Vollendung und Eröffnung diese« Hause« un» hat «rleben lassen, der un« eine Zeit hat erleben lasten, in welcher ein edler und gütiger Leiser alle feine Unterthai ea mit gleicher Lieb« umfaßt. Möge dieser Beist der Lieb« von der Höhe de« Throne« sich herabseakea auf all« Bürger dieser Stadt und diese« Reiche«. Möge diese» Hau», da« au» dem Geiste der Lieb« entstanden, sei» wie da« Judenthum, noch im Alter jung und unverwüstlich. Amen." 3fr «g, 11. Mai. (Or.-Lorr.) Jo Anschluß an die Korrespondenz in Nr. 19 d. Blattemuß ich eine Tyalsache berichten, die von jüdischen Blätlern bisher todt geschrieben wurde, obwohl sie schwere Schäden unsere» GemeindelebenS aofdcckt und darum euch von den Aotistmitn, mit Hellem Jubel aufgegriffeu und verarbeitet wurde. In Gablonz, welcheseit kurzer Zeit eine jüdische Gemeinde bat, ist der dortige, mit den Funclionm eine- Rabbiner» betraute Kantor M. Schwarz auf Antrag der Regierung seine- Amtevtrlustig und zur Bekleidung «ine» solchen für dauernd unfähig erklärt worden. Der Hergang der Sache war folgender: Schwarz, ein gebürtiger Ungar, der vor einigen Jahren auch mit einem elenden literarischen Machwerk, ״Der darkochbaische Aufstand", schriftstellerisch debütiert hat, war in Potsdam Kantor. Bon dort kam er nach mancherlei Irrfahrten nach Böhme«, wo er in einer kleinen Gemeinde, die ktioen Rabbiner hat, als Kantor und Lehrer angestellt wurd׳, bald aber in sich einen hohen rednerischen Beruf mit dem uöthigeu theologisch« Wiffen entdeckte. Welche Art von Zeugnissen er beibrachte, um seine Anerkennung als Rabbiner bei der Behörde durchzusetzen, weiß ich nicht, genug, er erlangte da- Recht, Trauungen zu vollziehen und war somit Rabbiner, ohne auch nur die geringste humanistische, geschweige denn akademische Bildung zu besitzen. Zur Vollendung seines Glücke» fehlte ihm nur noch der Doctortitel, aber auch den glaubte er sich verschaffen zu köuo!n. kr schrieb an den Dccan der philosophischen Facultät einer schweizerischen Universität einen Brief, worin er sich al- Vermittler für den Verkauf von Doctordiplomen aotruz und bot zugleich einige 1000 Mark für zwei Diplowe, wovon daeine für einen Recht-auwalt. da» andere für einen Journalisten gebraucht werde, als Honorar an. Al- Gegenforderung verlangte cr nur ein Diplom für den berühmten Schriftsteller M. Schwarz, Rabbiner iu Gablonz, wofür dieser Herr auch noch die ordnung-mäßigen Gebühren zahlen wollte. Merkwürdigerweise ließ der Herr Decan auf Antwort warten, worauf Herr Schwarz eine weitere Mahnung ergehen ließ und dabei die zarte Bemerkung anschob, e» würde genüge», wenn der Herr Decan diese- Diplom, zu welchem er rin Formular in seiner Kanzlei gewiß Hab-, mit seiner eigenen Unterschrift versehen ohne die de- Rectorau-ftelle. Der Herr Decan aber sandte diesen Brief an die öfterreichische Gesandtschaft, welche ihn wieder dem Ministerium zur Verfügung stellte, welcheden ״verdienstvollen" Gelehrten und Seelsorger seiner Stellung enthob. Dieser Fall ist leider nicht vereinzelt, sondern geradezu typisch. Die kleinen Gemeinden, deren eso viele giebt, wollen um jeden Prei» ihre Sesbstständigkeit behaupten und dazu ist eia Rabbiuer nach de« jetzige» Staude der Gesetzgebung unerläßlich, aber auch früher, wo danicht der Fall war, war der Gemeinde daran gelegen, eiuen zur Boruahme von Trauungen berechtigten Beamten zu besitz«,, sei e» schau d«»wtgea, um die Macht de- Vorsteher» auf dies«, Quast-Rabbiuer au-zudehueu. So hat eine Anzahl von Individuen die Rechte und zum Theil auch den Titel eine- Rabbiuererlangt, welche höchstender Bolk-schule ihre allgemeiue Bildung vndaukeu und drrea sachliche- Wiffen so erbärmlich fft, daß sie eine Schächter» qualificatiou nicht fehlerfrei , b sch reibe« köuaea. Selbstverständlich ist durch solche Leute auch die Achtung vor dear Staude auftiefste Niveau herab gedrückt »ordeu. Ob «- iu Zukunft besser sein wird, hängt lediglich vou der »och zu erwartenden Mtuisterialserorduung ab, welche deu Grad׳ der für deu Rabbiner uöthigen allgemeinen Bildung de» stimmen wird. Aus Alugaru, den 13. Mai. (Orig.-Lorr.) Während iu Berlin dapreußische Herrenhaus sich für da- G hmuasial- Ghetto und gegen die durch die Initiative dehochgesinnt«» jungen Kaiser» herbeigeführteu Humanitären Maßnahmen zu» Schutze der Arbeiter-Klaffen ausgesprochen hatte, wurde in Wien im Reich-rathe vom Justizmiuister lebhaft betont, daß Allegeschehen ist und geschehen muß, um die antisemitische Bewegung zu unterdrücken und den konfessionellen Friedru zu erhalten. Segen die Ausschreitung der Arbeiter- Massen hielt in derselben parlamentarischen Körperschaft der Minister Graf Falkenhayu e« am gerathensteu, wenn eiuerseit» de« Kultus de- Kapitals durch die Pflege idealer Güter ei» Gegengewicht geboten, andererseitwiederum durch religiöse Erziehung und Bildung die Achtung vor fremde» Eigeuthum in der Menge aufrecht erhalten würde. Die Uebertrribungen, an denen diese Rede litt, wurden zwar vou oppositioneller Seite scharf kritifirt, doch liegt iu Len ministeriellen Aeußerungen viel Wahrheit und Berständniß für die öffentlichen Verhältnisse. Auch in Budapest schlägt die Arbeiter-Bewegnug hohe Wellen, doch wird die friedliche Arbeit der ReligiouSgemeinschaften nicht durch diese Regsamkeit gestört. So hat die Ottvbral, icnckisoka (heil. Brüderschaft) der Pester J-r. Religion-gemeinde auf dem Gebiete der öffentlichen Wohlthätigkeit recht erfreuliche Resultate aufzuwrisen. Die Gesellschaft hat zum Spitalbau 50900 fl., zum Gemeinde- Hau-Halt für 1890 die Summe von 13,687 fl. 40 Ir.; zum Siechenhause 10,891 fl. 63 kr. beigetragen. An Uuterstützungen gewährte der Verband 35.493 fl. 36 kr. und für unentgeltliche Leichenbestattungea den Betrag von 13.647 fl. 50 kr. Da in Nr. 19 diese» gesch. Blatte» vom Wohlthäligkeit-budget der Großgemeioden Deutschland» die Rede war, glaubte Ihr Korrespondent vou den Humanitären Leistungen der hauptstädtischen Großgemeinde Ungarn'- gleichfalls eine Uebersicht bieten zu sollen. Die Barmherzigkeit für Arme und Kranke, und die Pietät für Verstorbene sind wohl die Gruudzüge de- Herzenunserer Glauben-genoffen aller Länder. Großbrit»»«t«n. «London, 8. Mai. Eine iu jüngster Zeit in einer Kirche zu Linconshire gemachte iutrreffaute Entdeckung würde vor nicht allzulanger Zeit die Juden England» iu die größte Augst und Gefahr gestürzt habeu. Uuter deu Wandgemälden in der Allerheiligeukirche (Fri-kuey) hat mau ein solche« gefunden, welchein unser« Laude wohl al- Uuicum gelten dürfte und die ״Hostieuschäudung durch die Juden" darstellt. Diese- Ereiguiß soll sich 1869 zu Brüssel zugetrageu habeu, objchou wir nicht eiuseheu können, mit welchem Spccialfalle dasselbe ideutificirt «erde» köuute. Im Mittelalter waren Märchen dieser Art sehr »erbreitet, da in demselben die Juden öft«S beschuldigt wurde», Hostien durchstochen oder mit Steinen nach deuselbeu geworfeu oder iu aadnrr Weise die Priester bei Ausstellung der heiligen Embleme beschimpft zu habe». Der Au-bruch solcher Beschuldigungen hatte gewöhulich die schrecklichste» Leiden im Gefolge. Mau kannte keiue Grenzen für die den unschuldigen Opfern der Bo«hett und verlrumduug zugefügte Grausamkeit. Dagnvöhuliche Verfahren bestand darin, die Inden in ihre Häuser zu treideu nud diese dau» anzuzündeu. Iu de» meisten Fällen tödteteu aber die gefange» gehaltenen 5 »deu, um der Taufe zu entgeh«,, ihre.

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