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Israelitische Wochenschrift · 1890-05-15 · 20 (15.5.1890) · p. Seite 148

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
20 (15.5.1890)
Date
1890-05-15
Page
Seite 148 (sequence 4)
Language
German
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148 tagen. Lönnte da gelegentlich nicht einmal die Frage veu» tilirt «erden, ob e« in unserer Zeit der antisemitischen Agitation für die jüdische« Gemeinde» «och thunlich ist. bei Besetzung ihrer EultuSbeawtenstellen »ach dem Grundsätze zu verfahren: bMg aber schlecht! Man begnügt fich in kleineren Gemeinden mit einem billigen Schachet, der die Linder auch hebr. lesen lehrt. Diese Gemeinden haben dann auch nicht» dagegen einzu»ende», wenn so ein EultuSbeamtrr nebenher auch noch Handelsgeschäfte treibt oder seine Frau und Töchter hanfire». Wie ist'» aber damit dem Religionsunterricht beschaffen? Sann die Heranwachsende Jugend auf Grund solchen Unter» richtS fich für unser Judenthum begeistern? Oft wiffen es die Vorstände solcher Gemeinden nicht, wie sehr ste fich gegen »aS Judenthnm versündigen, wenn sie einem Maun ohne jede viffenschaftliche Bildung den Religionsunterricht ihrer Linder anvertrauen.*) Der D. I. G. B. schickt ja seine Vertreter zu den Eonferenzen; man mache ihn auf diesen KredSschadea unsere» Gemeindeleben» aufmerksam, zeige ihm die Arge, auf denen Abhilfe zu schaffen möglich, und ich bin überzeugt, er wird gern dazu beitragen, daß man dem jüdischen Lehrer mit der Achtung entgegen kommt, die ihm gebührt und daß auch fürder bester für sei» materielle» Wohlergehen gesorgt wird. M. Nuß bäum, Lehrer. Gerichte mrd Correspondenreu. Deutfcdtand. MagSetnrg. ES gewährt un« eine besondere Freude, hiermit auf den Jahresbericht des Vereins zur Förderung des Handwerks unter den Jude» und des ,israelitischen VorschußoereinSzu Posen pro 1889 und der segensreichen Thätigkeit beider Vereine Hinweisen zu können. Während der elftere die löbliche Tendenz hat, die Ausbildung von Haudwerksiehrlingen zu fördern, sucht der andere die be» drängte Lage de» kleinen Gewerbes durch eine da» Zartge» fühl nicht verletzende Art der DarlehnSgewähruug zu oer» bessern und zu verhindern, daß der Ereditbedürstige der Arwuth auheimfalle. — Ts find von elfterem Verein 9 Hand» »erkSlehrliuge (1 Buchbinder. 3 Uhrmacher, 1 Schlaffer, 2 Bäcker, 1 Llcmpner und 1 Holzbildhauer) unterstützt und beanjfichtigt worden. Die Unterstützungen betrugen M. 231; die ertheilieu Darlehen belaufen sich auf M. 7916, gegen M. 429S im Vorjahre. Die zurückgezahltru Darlehen be» trugen M. 6471,50. Der Eofsenbericht schließt in Ein» nähme und Ausgabe mit M. 9148,36 ab. Der Verein zählt an Mitgliedern 418 gegen 320 im Vorjahre und au Jahresbeträgen M. 1716,90 gegen M. 1455,40 im Vorjahre. Desgleichen wollen wir hier auch nachdrücklichst auf ein segensreich wirkende» Institut, die Luranstalt für arme Israeliten io Bad Soden am Taunus (früherVerein zur Verpflegung kurbedürftiger armer Israeliten in süddeutschen Bädern) Hinweisen. Der un» vorliegende Jahresbericht der Verwaltung de» Verein» trägt die Devise an der Spitze: h<5« würde nicht schwer sein, aller Noth eia Ende zu machen, weun jeder Einzelne begriffe, wie leicht e» ist, Freude um fich zu verbreiten.* Eingedenk dieses Spruche» werden hoffentlich die Gönner der Anstatt fich stetig iu großer An» zahl mehren. Das -durch die opferwillige Gefinnuag der Fra» Baronin Wilhelm v. Rothschild erbaute Hau», Speisesaal und Lüche enthaltend, mit seiner schöne» luftigen Veranda, ist im vergangenen Jahre seiner Bestimmung übergeben worden. E» haben im vergangenen Jahre 133 arme Brust» und Lungenkranke (gegen 98 im Vorjahre) liebevolle, auf» merksame Pflege unter Leitung de» Herrn Vr. m«d. Mayer gefunden. Derselbe hat auch i« Anfänge einen ausführlichen *) AVer die Vorsteher kleiner Gemeinden müssen mit der Noth- Wendigkeit, mit den geringen Einnahmen rechne», die kaum zur Besoldung eine« EultuSbeanUen htnreichea, der dann Alle« in Alle«, Schachet, Lhasa», Lehrer und Schanone« für ei» Geringe» sei» muß; «in seurina» ristischgedUdeterLehrerwürde dafür «.dazu nicht zu bekommen sei». (N.) sehr intereffaaten mediciaischen Bericht erstattet. Die Bilanz ergiebt in Liunahme und Ausgabe M. 22661,31. Dir jähr» lichen Mitgliederbeiträge betrugen M. 6553.65, Geschenk« M. 10664,39. Nerk», 11. Mai. (Or.-Eor.) In der Meyerbeerstraße, Berlin 170, (Önnrtior jaif) wohnt ein ehrlicher, armer, mit Lindern reich gesegneter jüdischer Glaser, Namen« L.(atz.) Diese« biedern Handwerker traf vor einiger Zeit das Ltglück, daß seine Gattin, die ihm helfe» wußte, die starke (10 Löpfe zählende) Familie zu erhalten, schwer er» krankte. Außer Stande, siinem kranken Weibe die aöthige Pflege zu gewähren, veranlaßte S. mit schwerem Herzen deren Ueberführung »ach eine« hiesigen Lraukenhause, zu deffeu Beschützerinnen die Gemahlin eines der höchsten preußischen Staatsbeamten gehört. Frau von Toßler — diese» ist der Name der wohlthätigeu Dame — bemerkte die geduldige und bescheidene Patientin und stattete ihr häufige Besuche am Krankenlager ab, nie ohne durch freundliche Gaben da» Herz der armen Leidenden zu erfreuen. Bei einem ihrer Besuche fand Frau v. G. am Bette ihre» Pflegling« ein neunjährige» Mädchen vor, da» Töchterchen der Glaserfrau. DaS Lind, eine echt orientalische Schönheit, wohlerzogen und von einer bei ihrer Jugend auffallenden Verständigkeit, erregte in hohem Maße da» Interesse der Frau ». G., die fich mit dem Mädchen häufig und gern unterhielt und von ihren vortreffliche» Eigenschaften entzückt war. Eine» Tage», die Frau de» Glaser» war mittlerweile genesen und in ihr ärmliche» Heim zurückgekehrt, erschien in der niedern Behausung Frau v. G. und machte den Eltern den Vorschlag, fie wolle, da fie kinderlos sei. im Einverständuiß mit ihrem Gemahl, da» Mädchen, da« fie liebgewounen hatte, adoptiren; ste bot den Eltern eine für deren Verhältnisse namhafte Summe für die Abtretung de» Kinde» und versprach ihr andere Bortheile. Allein, weder die Eltern noch da» Lind wollten sich entschließen, den so vorthrilhafteu Schritt zu thun, weil ihnen die Bedingung gestellt war, daß das MSdchen im christlichen Glauben erzogen werden sollte. So handelten arme Eltern, au» jenem Stamme, dem mau Geldgier und Eigennutz nachschmäht. G. P. □ Perki», 12. Mai. (Or.»Lor.) Unter der Ueberschrift ,Student und Proletarier* bringt da« Stöcker'scht ,Volk* einen Arttkel mit folgendem Anfänge: ,Hermann Eonradi, vermuthlich ein Jude, ein Freund von Eonrad Aberti» alias Sittenfeld, jener tragischen Judeafigur, die den Juden, Antisemiten und Nichtautisemiten in einer Person darstelll, schreibt auf Seite 47 seiner Schrift: ,Wilhelm II. und die junge Generatton' mit ech t jüdischer Frechheit: u. s. ». «. s. w. E» folgen die häßlichsten Schimpfereien über Eonradi*), wie fie eben nur eia fromme» Blatt wie ,da» Voll* auf den Tobten häufen kann. Warum wird nun Louradi zum Juden gemacht? Doch nur, «eil da» Blatt schimpfen will, und wa» von ihm beschimpft wird, da» muß Jude sein. Semitisch ist e», dem Tobten nur Gute» nachzusagen. dem Tobten eine Handvoll Erde auf'» Grad zu werfen, antisemttisch dagegen, den Tobten zu beschimpfen und mit Lot zu bewerfen. DaS Stöcker'sch« Blatt ist bekauuttich im Besitze einer hiesigen ,Attieuges. für Druckerei und Verlag*; iu der zum 30. d. M. einberufeueu General» Versammlung soll über Liquidation Beschluß gefaßt werden. Doch darum stirbt diese Schwutzpreffe nicht etwa au». Im Grgentheil. Mau weiß ja, daß Unkraut immer »etter uud um so üppiger wuchert, je mehr mau r» au-jäten will. So erscheint jetzt iu Hamburg im Verlag von Hübner: ,Dt« Jugeudftage und der AuttsemttiSmn» vor dem Richterftuhl« der Menschlichkeit von Michel Wehrdichl* Der Erzeuger diese» *j Hermann Sonradi aas Jeßnitz in Anhalt au» streng lutherllcher Familie ist an; de» onhodox-evangel. Sloster ll. L Fr. in Magdeburg erzogen worden und ist ebensowenig Jude wie etwa Herr Stöcker. L. war eia über«»» begabter Lops an» starb vor etwa j Iah«, da er sich durch lleberarbetnmg de» Lob zugezogea hatten.

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