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Israelitische Wochenschrift · 1890-05-15 · 20 (15.5.1890) · p. Seite 146

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
20 (15.5.1890)
Date
1890-05-15
Page
Seite 146 (sequence 2)
Language
German
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— 14a führt werde», sind in einem verhältnißmäßig kleine» »kau« in ftciaem Zahl vorhanden. Innerhalb de« kleinen Rau«^ kSnae, Organisationen Ön werxn, wonach die Loafesstonen im Unterricht geschieden sind. sinen davon «erden wir ja in Wsstp^uße» »ad sonst mrchen müffen. Dt« Bemerkung. daß W zn weü ging«, wenn den Christen zugemuthtt wird, jüdisch: Sabbath« zu seien», ist «in« lleberspaannag. denn man muthet de» christlichen Schülern nicht zn, den Sabbath mit» »»feiern, In einem Staat mit gemischter Bevölkerung ist e» nnmög» lich, keine Rücksicht ans da» religiös« vekenatniß zu übe». Daria aber, da» di« christlichen Schüler »ater Umstünden aenöthigt find, am Sabbath keinen Unterricht zu empfangen, liegt Vielleich" eine Anerkennung de» religiösen Bedürfnisse» der jüdischen Mitschüler, aber keine Mttfeier de« Sabbath«. Auch Artikel 12 der Lersaffang kann auf di« Einrichtung de« Schulwesens nicht angeweadet werden. »Wir habe» zunüchft die Frage zn entscheiden: hat die Unterricht»- venoallunz da» Rech", re» Jude, dm Zutritt zu irgend einer Anstalt zu verwehre»? Herr Graf -seil bekümpst die Auffassung der UnterrichtSverwaltung, »»eiche sich auf Art. 4 de» Allgemein« Land recht» stützt. Danach dns in Beziehung auf eine einzeln« Schul« bei keine« Sind« um seiner Sonsession willen eia Unterschied gemach: werden. Rach der bi»hnttge« Entwicklung halte ich «» nicht für möglich, daß ohne «ine gesetz ich« Regelung die Unterrichtkoerwiltnng sich aus ein« andern Standpunkt stellen könnte. Wir halte» daran fest, daß, wenn in irgend einer Ortschaft eine Schul« ist, ei» Sind «egen seiner Soufesfion von dieser nicht zurückgewiesm werdm kan». Wohin würde «» auch führ«, wenn wir besondere Anstalten errichte» wollte»? E» läßt sich doch nicht annehinm, daß da» spätere Leben di« Berschiedmheit so »eit au»glcicht, bah de« gemein!amm Ziele der Lutwickelung de» Vaterlandes gegenüber alle willig die Hand reichen obmohl sie keine «'amt Bildung durchgemacht haben. Auch di« Lehcersrage würde erheblich komplizitt werden. Für die l&OQO jüdischen Schüler, die wir jetzt hadm. würden wir ungesühr 500 jüdisch! Lehrer gebrauchen, währmd jetzt »nter 3670 Lehrern nur 49 jüdisch« sind, davon 9 in Brandenburg. 32 in Hsssm-Rrffau und von letzter« 23 auf den beidm jüdisch« Rmlanstaltm in Frankfurt a. M. Wir habttr auch von Seiten der Judmschaft nie dm Wunsch gehört, dah die Lehrer jüdischer Eonsissioa vcrmehtt werden. Dah von den jüdisch« Lehrer» den christ» lichm Schule« eine andere Denkweise beigebracht werden könnte, al» da» der christlich« Religion entspricht, ist nach dm bisherigen Eriah» rungm nicht anzunehmen. Auch die vorhanbm« jüdische» Schulen ft» Frankfurt a. M. schließen sich durchaus nicht gegen die christliche Consession de: Lehrer ab, vielmehr sind dort eia :nifprecheader Prozentsatz der Lehrer Christen. Fragt min, wie sich gegenwärtig der UnterrichtSbctrieb mit Rück» sicht aus di« Dispensation an jüdische» Feiertagen und Sabbathea in Bezug aus da« Schreib« der jüdisch« Schüler stellt, so erinnere ich daran, daß i« Jahre 1859 der Minister Bethmann-Hollweg sich für eine Bewährung der Di-pmsatton am Sabbach aus Wuasch der Elte« «ljchftde» hat, und daß 1860 Minister Müher für den Fall der Lheiluahme am Unterricht Rücksichtnahme aus die ritnellm Borschriften für zulässig erklärt hat. An diesen beidm Entscheidungen hat di« UnterrichlSvrrwalwng im Sesmrlichm sestgehaltm. Di« Enquete, auf welch« ich i« Sdgeordnetmhau» Bezug nahm, war veranstaltet Word« weg« eine» Berichte» eine» östlichen Proviazialschulkollegtum». in welchem Klage geführt war über die Störung« j» Folge der jüdisch« Festtage. Die angestellt« Erhebung« bestittgtm die» zum Theil, ergab« jedoch im allgemein«, daß e» »och möglich sein werde, diese Schwierigkeiim zu überwinden. Demeutsprechmd habe ich «ich in einer Bersügung von 1884 den früheren Bersügung« im wesentlicheu angeschlossen, zugleich aber ausdrücklich erklärt, daß dm Elte« bei der Ditpmsatio» ihrer Sinder die ganz« Berantwortung dafür überlass« »erd« müsse, daß ihre Sinder da» zu erlangend« Maß von Smutnissm aus andere Weis« «rlangm. In Bezug auf di« Misch« Feiertag« herrscht nach der Enquete große Berschiedmarttgkrit. In Ostprmßm wurde aus einem Gymnasium «ine Freigabe von 15V, Tag verlangt. Da» har sich aber anderweilig herabgemäßigt aus 2—3 Lage, und namemlich werdm di« Schwierigkeit« dadurch überwunden, daß dm Ellern da» Interesse chrer Sinder besonder» «ingeschärst und ihn« «sagt wurde, da» Fehl« an jüdische» Feiettageu werde bei Per» setzungm nicht berücksichtigt werdm, wenn sich ftgendwelch« Lücken in der Aukbildung zeigten. Seit 1884 besteht »ach meiam Nachforschung« im groß« und ganze» die Auffassung, daß innerhalb dieser Vorschrift ein« zweckmäßige Berwaltung de« höhere» Unterricht»w«s«» möglich ist. Ich bitte die Herr« dringmd, doch dies« Fragen auf dem unterricht»rechnisch«a Gebiet zu belass« und nicht zu großen, allgemein politisch« Anforderung« überzugehm. Dl« StoatSregieruag hat genng Ausgab« zu lös«, die rascher und wichtiger sind und unter dies« Umstände» wäre es nicht gut, wen» hier mit Schärf« und zu große» Vorbedacht Frag« hineingeworsm werde», die über de» unterricht»- technisch« Antrag htnau»li«gm und vo, viel« der Mitbürger al« unberrchiigt hingestelll werden. Damit sörde« wir ein« Entwickelung, di« ihre recht ernst« Seit« hat. Bei den Last«, di« ans de« öffentlich« Leb« und aus dm Schulte« der Regierung rühm, sollten wir alle» thun, um dm Znsammeahaug mft unser« 8last»leb« ansrecht zu er» halt«, der doch schlftßlich da» Wichtigste in unserer gnnzm Entwickelung ist. Ich bitte Sie dringend, nach dieser Richftmg Ihre weitrrr Be» sprechung eiurichten zu wollen. (Beifall.) Oberbürgermeister Dr. Miguel: Der Aatrng ist in seine« Wortlaut weniger bedenklich all in der allerdlag» sachliche» Interpretation, welche d:r Antragsteller ihn gegeben hat. Der SaltuSmialfter hat die UnanSsührbarkelt de» Plane» von getrennten Schalen dargelegt. Erst müßte da» Laadrrcht geändert w.-rde» Auf de« Berwal.'uag»w«ge kann eine« solchen Wunsch »ich« stattgegebea werde». Die »ezng»- nähme de» Antragsteller» auf da» Beispiel von Kraakfurt ist nicht durchschlagend. Ei» Gymnasium haben wir in Kranksnrt überhaupt nicht. soad.1» nur jüdisch« Realschulen. Ihre Gründn», aber ist kei,e»weg» in der Lendenz erfolgt, da» jüdische und da« christlich« Element z» trenn«, sonder» erklärt sich au» der Entwicklung Durch Privat. Personen und -Stiftungen sind solche Realschulen gegründet worden, well ans den humanistischen Gymnasien di, realen Fächer zu wenig dieselbe wieder zu einer völligen Gemeindeschule zu machen. Ich Hab« e» bisher abgelehnt au» finanziell« Gründen. Wenn «Ir eia« Scheidung zwischen jüdischen und christlichen Schülern vornehm«, so müßten wir nach demselben Prinzip zu einer Scheidung zwischen evangelischen und katholischen Schülern kommen. Wir würden dazu kommen, auch katholische Gymnasien errichten zn müssen. Denn wie könnte ein katholischer Lehrer z. B. die Geschichte der Reformatio» evangelischen Schule« objektiv darleg«? Wo hat denn da» Prinzip übe!Haupt eine Grenz«? Ja einem Staat mit gemischter Bevölkerung entstehen stet» llnzuträglichkeit«, da» läßt sich nicht verhindern. Diese Schwierigkeiten können aber durch «in« gute Schulverwaltung überwunden werden. Die Gefahr, daß jübssche Schüler und Lehrer einen antichristlichea Seist in die Schule bringe», ist gewiß zur Zeit noch nicht vorhanden, und da soll man den Leusel nicht an die Wand malen. Wir stehen vor der Thatsache, daß unser« jüdische Be» vülkeruug gleichberechtigt ist. (Rufe: leideri) Ob leider oder nicht, ist gleichgiltig. E» kann keia Zweifel sei», daß «in wesentlich«» nationale» und staatliche» Interesse vorhanden ist, den jüdischen Schülern, welch« eine höhere BUdung sich erwerben wollen, soweit al» möglich ist, den deutsch» י nationalen Geist und die gesammte Grundlage de» deutschnationalea Leben» zu geben. Jsoliren wir die jüdisch« Bevölkerung von der christlichen, so verbittern wir sie und schaffen einen künstlichen Gegensatz und ein« Doppelnationalität. Da» kann nicht znm Heile de» Baterlande» sei». Bei den schwere» Gegensätzen, di« schon heute i« öffentlich« Leben hervortreten, müssen wir nicht trennen, sondern vereinigen, sammeln und versöhnen. Ich freue mich, daß die Debatte in sachlicher Weise geführt wird, und ich hoffe, daß da» auch weiter der Fall sein wird. Die Frage ist eine rein pädagogisch« und muß al» solche behandelt «erden, und nicht eine Frage der Feindseligkeit und Gehässigkeit. (Beifall.) Nberbürgermeister Bötticher (Magdeburg): .Jh war von vorn» herein geneigt, gegen den Antrag zu stimmen und bin darin durch di« AuSsühruoaea de» Herrn CultuSminister» und meine» verehtten Herr» College» Miquel noch bestärkt worden. Der Antrag an sich ist nn» schuldig, aber die Au»sührungen, die daran geknüpft sind, di« erklärte Absicht, die jüdischen Schüler möglichst vollständig von den andere» zu trennen, ist etwa», wogegen ich mich ganz entschieden erklären muß. Wir leben in eine« christlichen Staate, und auch ich bi» der Ansicht m# AntragSfteller», diß da» Christenthum die Schule behrrrlchen muß. Aber wer beschränk dm» unserer Jugend «ine nationale und christlich« Er» ziehuag? Sie Hobe» ja christlich« Schulen, christlich« Lehrer, di« jüd. Schüler müff« sich allen Anordnungen fügen, und ich halte da» auch für eia« Bottheil für unsere Jugend, daß di« Juden christliche» Geist i» unseren Schul« lerne». Allerding» hnt ja der Herr Autr,^. steiler üderascheud« Zahlen angesühtt- Wir in Magdeburg sind ander» dar»,; wir haben bei einer Bevölkerung von 200,000 nur 2000 Inden,also rttaa l'/^uud wir habe» mit diesen Schmerzen »icht zu kämpfen. Da» will ich ge« zugeb«. Wenn nun wttter au»g«fühtt ist, daß eia Rißverhältniß vor» liegt zwischen der jüdischen Einwohnerzahl und den jüdische» Schülern, so ist da» sehr natürlich. Di« Juden können sich 01» leisten, ihren Sind«« eine höhere Bildung zu verschaffen, «nd dann 'haben sie auch «in natürliche» Streben »ach Bildung Run heißt «», st« können ja diese Bildung suche» an jüdischen Schulen, wie «» in Frankfutt der Fall ist. Aber da stad auch die Berhältaiffe ganz andere. I» die technische» Schwierigkeit« dieser Fra« könnm wir überhaupt nicht eingreisen, da« müffen wir dem Minister überlaff«. Wir könn« un» nicht auf den Standtpuak stellen, den «an an» dem tz. 10 de» Allgemein« Landrecht» hat heran» deduriren wollen, wir könne» nicht «echt. Ich bin der Ansicht, daß der Anti« prakisch nicht durch» sührbar ist und stimme de»halb gegen den Antrag." (Beifall.) Eine« Punkt haben sämmtliche Redner außer Acht >e» lasten, nämlich, daß die Juden im Berhältniß zu ihrer Anzahl doch anch di« Steuern zur Sommune zahle«, «nd als«, wenn fie ein größere« Schülereonttngeat stellen, auch ein« größeren Proceutsatzzur Erhaltung der Schule» beitragen, brseader» durch da« «eist sehr hohe Schulgeld an dr» höheren Lehranstalten. Da« ist sehr in Anschlag zu dringen. ,

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