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Israelitische Wochenschrift · 1890-05-08 · 19 (8.5.1890) · p. Seite 142

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
19 (8.5.1890)
Date
1890-05-08
Page
Seite 142 (sequence 6)
Language
German
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heutigen Generation und die erfreuliche Zunahme de» Interesseau jüdischen Angelegenheiten. Dain derselben zur Berathung gekommene Statut» kann wohl den Gemeinden nicht aufoctroyiert werden und wird endlich auch nicht für alle Verhältnisse au«reichen, enthält aber sehr schätzenSwerthe und nutzbare Winke, welSe besonder» den kleineren Gemeinden eine erwünschte Richtschnur für ihr Verhalten geben werden. Merkwürdig ist dabei, daß mit dem Aufblühen te» Lentralverein» der Niedergang defrühem LentralorganS der böhmischen Judenschaft. der sogenannten böhmischen LandeSjudenschaftSrrpräsentanz, Hand in Hand geht. Diese Repräsentanz besteht auden Vertretern der Gemeinden, welche für jeden der früher bestandene»!, politischen streife einen Vertreter zu wählen haben, deren gesetzliche Eompetenz aber nur die Verwaltung gewisser Fond» umfaßt. Die Repräsentanz sah nun in der vom Lentralverein einoerufenen Versammlung eine Durchkreuzung ihrer eigenen Macht und warnte die Gemeinden in ei״em ausführlich motivierten Schreiben vor deren Beschickung. Wie die Thatsachcn lehrten, mit einem Erfolge die da» geschwundene Ansehen dieser Körperschaften deutlich manifestirten und in Zukunft noch deutlicher manifestiren werden. »Das Alte fällt und neue» Leben blüht au» den Ruinen-. Großbritannien. London, Anfang» Mai- (Or.-Lorr.) Der wichtigste Gegenstand, der die gesamwte englische Judenheit während der letzten paar Wochen in hohem Maße beschäftigt har und «och immer lebhaft beschäftigt, ist die bevorstehende Wiede״ brsetzung de- Posten» eine« Lhief - Rabbi. Die geei«neteste Persönlichkeit, diesen hohen Posten mit Würde und Anstand zu bekleiden, ist zwar nicht weit zu suchen, denn wer Dr. Hermann Adler, den Sohn und langjährige» Stell- Vertreter de» seligen Lhief-Rabbi, nur einigt rmaßrn kenut, muß zugestehen, daß er, wie der Engländer sag«, the right man in the right plaoe sein würde. Doch handelt e» sich hier weniger um die geeignete Person, alvielmehr um den religiösen Standpunkt, den der zu wählende Lhief-Radbi eiuzunehmen die Absicht haben wird. Wie in den meisten gebildeten kontinentalen und amerikanischen Gemeinden, so finden sich auch hier in Eng» laud und in den englischen Lolonirn mehrere größere Und kleimre Gemeinden, die resorwatorisch gesinnt find, und alle jene Au-wüchse im Judenthum beseitigt wissen wollen, welche letztere« so schmählich verunstalten. S« ist wohl kaum uöthig, alle solche Auswüchse hier mit dem rechten Namen zu nennen und haarklein zu beschreiben» da die Leser der ,Wochenschriftsie meht oder weniger bereit» kennen. Doch dürste r» nicht überflüsfig sein, hier einige wenige Punkte zu berühre», die dlos ans den jüdischen Gottesdienst Bezug haben. Die Form desselben, wie fie in fast allen englischen Gemeinden austritt und gehandhabt wird, erfreut sich keine»- weg« einer allgemeinen Popularität. Der meist erbärmliche Lhorgesaug (ohne Orgeldegleitung), die langwierigen Wiederholnngen gewisser Gebete, die durch««» nicht geeignet find, die Andacht zu Heden und fördern, uud endlich, gewisse Leremonie» in der Synagoge, die jedem Anstande Hohn sprechen, all die» und viele» Andere auf dem Gebiete der jüdisch,» Liturgie, wüßte nach der Meinung vieler englischer Gemeinden entweder modistzirt, oder, wo uöthig, vollständig beseitigt werden. Anderseits giebt e» hier wieder (tont oomme ohez Vous)grwisse jüdische Zeloten, die Hauptvertrer der Küchenreligio«, welche selbst de» jetzt in den meisten englischen Gemeinden gebräuchliche» Gottesdienst al» zu «eit reformirt verschreie», und jene» goldene Zeitalter herbeiwüuschen, wo noch in der Mitte de» Gottesdienste» die sogenannte» ,Mizwoihper Auktion verkauft wurden. Ja, der Rädelsführer dieser verblendeten Schwärmer hatte sogar kürzlich die Kühnheit, offen zu erkläre», daß er die englische Regierung um Hilfe anruseu würde, falls der zukünftig« Lhief-Rabbi irgend welche Aeuderung im jüdischen Ritual vornehmen oder de- 1 fürworten sollte. Derselbe, dem seine Anhänger sicherlich I den Titel ,Gaon- oder >d׳e Säule der Welt- > (מור הדורם?) beilegen, hat eine solch' große Meinung von ן sich selbst und seinen Anhängern und hä't so wenig von ן seinen andersdenkenden Glaubensgenossen, daß er z. B. die ן höchst ehrenwerte» Mitglieder der hiesigen Reformgemeinde! als Richtjuden stempelt und ihnen da« Recht adspricht, in jüdischen Angelegenheiten irgend welche Meinung ouSzu- 1 drücken. Erinnert dies nicht lebhaft an die jüdischen Zeloten in Deutschland? Die vorstehenden kurzen Bemerkungen über die jetzige j hiesige Sachlage werden dem Leser einen Begriff von der! schwierigen Aufgabe verschaffen, die dem»Loncil der Unitedj Synagogezur Lösung entgegentritt. ES handelt sich hier nicht bloS um die Befriedigung einer einzigen Gemein',«, sondern der Wünsche aller jener zahlreichen Semeiuden, die in ein m so ausgedehnten Reiche wie England leben, wo bekanntlich ,dir Sonne niemals untergeht.- Rußland. Zkrlersburg, S. Mai. (Or.-Lorr."- Die russische Zeitung ״Nowosttbrachte vor Kurzem einen sehr eingehende» sachkundigen Artikel über die Juden in Rußland. Mit den schlagendsten Beweisen wird daselbst für deren Sleichberechtiguug plaidirt. Es weift die große Schädlichkeit durch die Beschränkung der Rechte für die Juden nach, während selbst die asiatischen Bewohner Rußland», die dem Götzendienste ergeben sind, alle Rechte haben. — Die Grundlosigkeit der Klagen über die Exploitation wurde unter Hinweis auf da» ungeheure Elend der jüdischen Massendevölkerung in Rußland dargethan und die wenigen reichen Juden sind deshalb so auffallend, wnl fie ihr Geld in lebhaftem Verkehre hat'..,. Hochinteressant ist jedoch der Schluß, worin die Berufung einer allgemeinen Lonferenz — nach Art der jüngsten Ardeilrr-Lonferenz in Berlin — projecttrt wi-r», bedui« internationaler Regulirung der jüdischen Angelegenheit, damit rin für allemal die anti-humanitären, gesellscha.tschädlichen, antisemitischen Agitationen niedergeschlagen weiden l Diese kühne Idee verdient die größte Aufmerksamkeit. Neter»I»rß. (Or.-Lr.) Wie da» wohlunterrichtete Pete 1• burger Blatt,Kraj-mittheilt,wurdeüderdiemehkbrregtenProj7rie hinsichtlich der SutSrechte der Juden in Polen, bereits vom Ministerium de« Innern ein Gesry dem ReichSratae -Merbreitet, welche« feststellt, daß Juden im Lause von S Jahre» ihre bisher in Polen befindlichen Grundstücke verkaufen und au» den Dörfern in die Stadt ziehen müssen. Die Juden werde» da« Recht haben, ihre Lapitalien auf Güter Hypothekarisch zu leihen, aber kein Recht, diese Güter zu laufen! — Der regierende Senat in Petersburg hat auf Grund de» Rekurse» de« Rabbiner» Mose« Landy de» Wolhy.-.sch-n Gubernial-Bescheid, daß kein Rabbiner von außerhalb SO Wirrst der Gemeindeniederlaffung gewählt werden könne — uerwarfen und sonach die Zulassung ertheilt, daß Rabbiner auch au» Gegenden die außerhalb diesbezüglicher Gemeinden stammen, gewählt werden können. — Der »WoSchodhebt hervor, wie zwei russische junge Israeliten Ansehen uud Larriere erlangten. Der Stue ist Lewtnson Less tug, et» Zögling der Petersburger Universität, Geolog, welcher von der belgischen Gesellschaft der ueuentdeckten Goldminen Longo'» in Afrika, zum Delegatto׳ thavpte mit 20,000 Franc« JahreSgehalt ernannt wurde — außer Reiseuud AufeuthaltS-Sosten im Loago. Der zweite ist M. BerdyczewSki, im südlichen Rußland geboren, rin Zögling der Realschule in Lifli«, der dann da» Polytechnikum in Wien und Pari» absoloirte. Eine Pariser Ge.ellschaft soll ihm die Summ« von 12 Millionen Frc». zuficheru für seine neuerfuudene elektrische Beleuchtung, di« 200mal geringere Kosten, al» die bisherigen Erfindungen, verursacht. *) Sir ersuchen die jüdischen Blätter in Berlin, Vien, Lewberg, Pest «. a. die unsere Original-Lorrespondenzen (resp. Uebersetzungeaabdrucken, »te» doch wenigsten»' mit Angabe diese» Blatte» al» Quelle zu thnn. (Der Loerrsp.)

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