Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 19 (8.5.1890)
- Date
- 1890-05-08
- Page
- Seite 141 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 141 — ständiges, gemeffnie«, Patente« studentische« Benehmen nach« rede», faßte die Lache ernst auf; eist stellte er außerhalb de« Lokal« den Freorr zur Rede, und als dieser weiter prooozirend sich äußerte, dm Ausdruck .Judenjnoge" wiederholte und mit ,Ohrfeigen' drehte, ji dazu di« Hand schon augezogm haben soll, schlug er zuerst de« Armer, obgleich dieser wit größer und stärker war, in« Gesicht, unbekümmert dämm, daß ihm Frmer bei der dann folgenden Balgerei wett überlegen mar. von Freunden ließ dann ftönigsfeld dem Armer andern Tag« «in« scharfe Forderung zuftellen, und bei derm Austrag am nächstfolgenden Tage bekam Frmer einm Schuß quer durch die Brust, welcher die Leber und Milz zerriß, absolut tätlich war und auch bei der Rückfahrt au« dem Guttenberger Wald da« Ableben de« nicht mehr zum Bewußtsein gelangtm Freuer zur Folge hatte. ftönigSfeld, der die AuSglttchsversuche de« Unparteiischen nach jedem ftugelwechsel adgelehnt hatte, währmd Freuer grueigt schien, darauf eiuzugehen, zeigte sich tief erschüttert, eilte ganz bestürzt über den Ausgang herbei, Freuer die Hand zu reichen und ihn um Verzeihung zu bitten. Er stellte sich daun Nachmittag« sclbst dem Gerichte, vor dem die Sache nun ihren gerichtlichen Abschluß fand. ft. wurde zu 2 */, Jahren, unter Abrechnung der 33tägigen Untersuchung«- Haft, verurtheilc. Der Staat«auwalt hatte 6 Jahre, der Bertheidiger 2 Jahre (da« Strafminimum) beantragt. So hat die leidige Gewohnheit antisemitischer Aeußerungeu wieder einmal ein Meuschenlebm gekostet und einen talmtvollen jungen Mann, der im Staatsexamen stand, in seiner ganzen Larriere geschädigt; möge der traurige Fall, für alle Betheiligten von unliebsamen Folgen (ein im Sefänguiß aufgegriffener Brief ftönigSfeld'S an seinen Vater legt Zeuguiß dafür ab, wie schwer derselbe von der Gewiffenrlast, einen .Mordbegangen zu habm, sich bedrückt fühlt, ״nur um dem Egoismus der eigeom Ehre genug zu thun-), eine Wamung für unsere studirmde Jugend sein, doch da« Gift der ftonfesfion«- und Raffenverhetzung nicht aufkommen zu lassen, da« unwillkürlich auch Solihe in unbedachten Augenblickm übernimmt, denm sonst der kühle verstand dieselbe l-iederzuhalten ermöglicht. Auch««, 4. Mai. (Or.-Ecr.) Am 16. April hielt der Eentral-Armrn-Berband der Khnagogen-Gemeiuden Bochum, Dortmund, Duisburg, Effm. «elseukirchm, Hagen, Hörde, Mülheim a. d. Ruhr, Ruhron, Steele, Unor, Witten seine 9. General-Versammlung ab. Au« dem Geschäft»- bericht für dir Zeit vom l. März 1889 bi« 31. Mat 1890*) dürfte nachstehende« weitere ftreise interesstreu: Ln 997 Personen (841 mänul. und 166 11 ei bl.), wurden 3,524 Mk. 50 Pf. verausgabt. Unter den UnterstütznugSnehmern befanden flch 317 Handwerker, 274 Händler, 75 Lowmi«, 42 (I) Lehrer, 18 ftaufleute, 13 ftnechte und Tagelöhner, 2 Rabbiner (?), 46 verschiedenen Berufsarten angehörtge Personen und 54 ohne bestimmte« Gewerbe, von den 156 weibl. Ptrsonrn waren 37 Wiltwen. 57 ftranke, 17 ftrüppel, 14 Blinde, 11 Taubstumme waien zu verzeichnen. E« kamen au«: Rheinprovinz 116, Westfalen 59, norddeutschen Proviazen 216, Süddeutschlaud 65, nichtleutsche Staaten (vorzüglich Rußland) 539, nicht-europäischen Staaten 2. Hiernach war die Zahl der au« de« Ausland« kommenden um 85 stärker, al« die der Deutschen. 516 Personen erhielten zu« «rstenwale eine Unterstützmig und 103 eine mehr al« etnmaltge Gab«. — Al« Vorort wurde Bochum und der hiestge Stznagogen-Bor stand al« Vorstand de« Verbandes wie setlhe: einstimmig wirdergewählt. — Jo den nunmehr abgelaufeneu 9 Geschäftsjahren wurden au 8,122 Personen 25,804 Mk. Unterstützung ausgezahlt und hat sich der Zweck des verband««, die Hausbettelei zu beschränken, als sehr empfehlruswerth erwiese». Die Bemühungen noch weitere Gemeinden zum Anschluß au de« verband, bezw. Gründung e««s ähnliche» zu gewinnen, solle« fortgesetzt werden. J. S. *) Da fftt die Folge da« RechauaaKjahr mit de« 1. April beginnen soll, heute da« Berichtsjahr 1b Monate. '■׳* Oesterreick-Uwqerr«. Me», 4. Mai. (Or.Lorr.) Die mehrfach beregre Angclegeaheit betreff« der Fundatto» de« Baron Hirsch wird von Pontu« zum Pilatu«, von Wien nach Galizien, von Galizien wieder nach Wien hin und her geschickt, ftaum ist der galizische Landtag für dieselbe gewonnen worden, mußte eine Deputatton galizischer Israeliten nach Wien zum Minister de« Innern Grafe» Taafr, um die Durchführung zu bitten. Nunmehr erwiederte dieser, daß er allerdings Nicht« gegen die Fundatton prinzipiell habe, allein sich da« Recht vorbehalte, die Hälfte der Eurotoren zu erueaneu und daß die Fundatiou entweder speziell jüdisch oder ohne jeden Unterschied der Eonkesston zur Verwendung komme«. Urber diese endgiltigen Bedingungen hat nunmehr der hochherzige Fundator zu entscheiden. 28. Avril. (Or.-Eor.) AntisemitiSmu« und gesetzliche Regelung der Bemeindeverhältnisse bringen in unser Judenthum einen frischen und kräftigen Zug. Während noch vor zehn Jahren die große Menge der gebildeten und wohlhabenden Juden fich dem Judenthume gegenüber p isstv verhielt, erleben wir heule eine Rührigkeit, die geradezu Staunen erweckt, und besonder« an der Entfaltung des Bereinlebens gemessen werd n kann. Wie in Wien die Union ist e« in Prag der Eentralverein, welcher es zu ttner hervorragenden Bedeutung nicht nur in dem Gemeindeleben der Hauptstadt, sondern in dem de« ganzen Landes brachte. Der Lentralvereia hat, al« er vor wenigen Jahren in'« Leben trat, mancherlei ftopfschüttelu hervorgerufen. Zunächst, weil an jüdischen Vereinen in Prag ohnehin schon ein bedenklicher Ueberfluß herrscht und daun auch deswegen, weil er gar zu vielerlei Zwecke in jeia Pro« gramm aufnahm. Er wollte nicht nur die Verfassung«»«!- hältniffe der Gemeinden regeln, sondern auch Handwerk und jüdische Wiffenschaft fördern, den Antisemitismus bekämgfen und den Eultu« reformiren. Zugestanden aber muß »eroen, daß er eine große Errungenschaft vollbracht hat. indem er thatsächlich ein Organ geworden ist, wodurch die einzelnen von einander unabhängigen und aus ihre Unabhängigkeit erfersüchtigen Gemeinden de« Landes fich mit einander verbunden fühlen. Da« will bei dem ParticulariSmus der jüdischen Gemeiuden und bei de» ungezügelten Judioiduali«mu« der Juden wirklich sehr viel bedeuten. Noch verdienstvoller ist aber diese Errungenschaft in Böhmen, welche« von jeher auch in vormärzlichen Zetten, zumeist nur sehr kleine Gemeinden hatte, so daß Gemnuden von fünfzig Familieuhäupteru schon ganz respektable ftvrperschaften waren. Eine solche Gemeind« hatte einen etwa« besser gearteten ״Schammes*, der schlachtm konnte, und infolgedessen auch utcht nur al» ftautor, sondern als Lehrer und Rabbiner fungirte, dem gegenüber der Vorfteher selbstverständlich du Rolle eines gnädig:«» öfter auch die Rolle eine« ungnädigen, Herrn spielte und sich so ge» wöhnte, in seiner Gemeinde Papst und ftaiser zugleich z« sein. Wer aber wurde im Laufe der Jahre nicht Vorsteher in seiner Gemeinde! So bestand das ganze Judeathum aus Borstehrrn «der aus solchen, die e« waren und aus solche», die es in allernächster Zeit werden wollten. Außerdem waren die meisten böhmischen Gemnuden nicht in Städten, sondern in den erbärmlichsten Dörfern. Dadurch war der Geficht«kreis der Gemeiudemitglieder und Vorsteher ein ebenso beschränkter und unausgesprochen individualistischer, wie er dem Bauern zu eigen ist. E» ist daher, wie Zesagt, kein kleines Verdienst, daß es dem ״Eentralverein* gelungen ist, eine« entschieden eeotralistischea Zug io das Gemeindelebea zu dringen. Dieser schöne Erfolg zttgte fich in der am 13. April abgehalteneu Versammlung von Vorstehern der böhmischen Gemeinden, welche von etwa zweihundert gewählten Ber« treten, besucht war und den Zweck hatte, ein Normalstamt ür die böhmischen Gemnuden auszuarbeiten. Die Verammlung, von Herrn Sigmund Maut Huer geleitet, zeigte in erfreulicher Weise die parlamentarische Schulung unserre