Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 19 (8.5.1890)
- Date
- 1890-05-08
- Page
- Seite 143 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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14S Vermischte tttib neueste Wuchrichte«. Berlin, 6. Mai. In dem soeben auSgrgebenen Bericht über da» Neichenheimsch« Waisenhaus für da» Jahr 1889 widmet der Direktor Dr. Jutrosin»ki ans den ersten Blättern den j»d im abgelaufen«» Jahre verstorbenen Mitgliedern de» Kuratorium», den Herren Julia» I. Meyer uad Kommerzienrat Frtedländer, war« «mpfundene Gedenkworte. — Dt« Einnahmen beliefen sich auf 82 »83 M. 4'J Pf. Diese Summe wurde bi» aus 816 M. 92 Pf. verausgabt für die Verpflegung, Bekleidung, den Unterricht von durchschnittlich 78 Zögling« und für die Berwaltung»kost«n de« Waisenhaus«». Al» jährlicher ErztehunaSaufwand für jede» Lind «rgiebt sich 709 M. 20 Pf., gegen 704 M. 97 Pf. im vorigen Jahre. All« Zögling« besulyen öffentliche Schule». Rur ein Handferligkit»unt«rricht für größere Knabeu, Gesang- und Turnunterricht wird in der Anstalt erteil». De« Lmnuiiterrtcht kommt eia« in diese» Jahre neu erbau'« Tur,Halle zu statten. Durch besoudere Stiftungen, z. B. «inen Fond» für entlassen« und einen erst im Entstehen begriffenen AuSsteuerfono» kann Näisenhau» auch für da» serner« Wohl seiner Zöglinge sorgen. Berlin. Jn Sachen Stvrker-Witt« fand vor einigen Tagea der für BeleidigungHklaaen vorgeschriebene Sühnetermin vor de« Schted»mann statt. Die seiden streitenden Pastoren waren erschienen. Herr Stöcker lehnte e» aber ab, vor dem Schied»mann zu verhandeln, weil derselbe jüdischer lkonsession sei, und setzt« dasselbe auch bei seinem Herr» Amt-bruder dorau». Pastor Witte aber erklärt«, daß er dem biblisiben Wo t gehorchend unter!,»» sei der Obrigkeit, denn «» sei Mac Obrigkeit ohne von Go«. Herr Stöcker entfernt« sich darauf, und «» wurde demgemäß e.n Protokoll ausgenommen. Berlio. Die ftftma B. Manheim«! hat au» Beranlassung ihre» 80jährigen Aelchäsirjubtläum» laut »Eonfettionair" 40000 Mart gestiftet zur Unterstützung hilf»bedürftiger Mäntelnäherinnen. Dies« neu« Stiftung wird, ebenso wie die schon bestehend« für verarmte Schneidermeister, dem Magistrat unterstellt. Hanebneg, 8. Mai. Di« Eröffnung der neuen l»raelittsch«a Reliftonsschule von 1890 fand heute. 9 Uhr, in! staatlichen Schulgebäude apendamm Nr. 8 statt. Der Borstand bestand au» den Herren Ge- «eindevorstcher N. Samson, Dr. Ltppmanu, E. Wassermann, M. Fürth, H. Rothschild. A. Lewandow»ky, I. Reiß und au» den beiden Predigern de» Tempelverband«» DDr. Leimdörser und Sligmann, welche die Leltuug übernehmen und zugleich mit Herrn ett I« in drei gesonderten »bcheilungcn den Unterricht ertheilen. E» nd bitlang 61 meist höbe« Anstalten besuchend« Schüler und Gchüleru.nen angemeldet worden. Jn Gegenwart de» Besammtoorstande» eröffn«« Dr. Leimdörfer die Schul« mit einem Weihespruch und einer ieierltchen Ansprache, in der Redner die Ziel« der Anstalt al» eine iflanzstätte der Religion, Tugend und humaner Gesittung bezeichntte und deren Wichtigkeit für di« «or«lisch« «ntw.cklung der Jugend auch tu staatsbürgerlicher Hinsicht hervorhob. Mit de« Ausdruck des Dank:» gegen de» Senat und die Behörde und mit einem warme« Appell an die Schüler, Ordnung, Gehorsa«, Ausmerksamkit und Fleiß an den Tag zu lege», schloß der Redner, woraus die versammelten Schüler sich in die betreffenden Elaffen zum Empfang de» erste» Unterricht» begaben. RSniaSberg C.׳ft Der verband der Synagogen-Gemeiuden Ostpreußen» hält leine viert« ReltgiouSlehrer-Konserenz am 18. Mat, vormittag» 10 Uyr, hier i« israelitischen Wajsenhause, Neue Damm» gaff« Nr. 1, ab. Die vorläufig« Tagesordnung ist: 1. Geschäftlich«». 2. Bericht der Commission für Umarbeitung de» bisherige» Normal-, Schul- und UnterrtchtSplan». 8. Ueber Methode, Umfang und Lehr» buch d«S nachbiblisiyen Geschichtsunterricht» in der ReligtoaSschul«. 4. Bericht der Schulinspeetion. 8. Bericht über den Stand der HilsS» kaffe. 8. Ist dt« Anstellung eine»Lehrer» für zwei Nachdargemetnden in unserer Provinz durchführbar uad «rstrebenSwerth? 7. Probelektionea mit Besprechungen. (Antri'ge für die Tagesordnung find noch bi» 11. Mat an den Vorsitzenden, Herrn Rabbiner Dr. vam» berger, einzusenden.) WrankfMtt a. R. Am 18. April feiert« Herr Adolf TeblSe, der langjährig« Vorsitzende der »Achawa", in voller körperlicher wie geistiger Rüstigkeit und Frisch« seinen 70. Geburtltaa. Schon in der Früh« wurde ihm Namen» der Loge ,zur ausgehenden Morgenröthe" durch dt« Kapelle der 81er ein Ständchen gebracht. Telegramms und Brief« brachten Glückwünsche von überall her. Der Schulratb de» Phtlantropin», an dem der Jubilar früher wirkte, brachte sein« Gratulationea durch Herrn Dr. «ed. L ohn, tal Lehrerkollegium durch Herrn Dttector Dr. Baerwa l d, da» »Mädchensttft" durch Herrn Jae. Phil. Oppenheimer in Begleitung der Damen de» Vorstand«». Die Loge »zur ausgehenden Morgearothe" ließ durch den Meister vom Stuhl Herrn Fritz Auerbach nebst einer Deputation einen silbernen vokal überreichen. Auch eine Deputation der Loge »zum Frankfurter Adler" aratultrte durch rin« Anrede de» Meister» vom Stuhl Herr» Ernst Rosenberg ihre« Ehrenmttglied« und überbrachte «ine Adresse und «in werthvolle» Geschenk. Ebenso entsandten di« übrigen hiesigen Loge», deSgleicheu die Großlog« de« ,Eklektischen Freimaurer Kunde«" ihr« Glückwünsche durch Deputat»»»«. Bon den Verwaltungen anderer wohlthättger Vereine, denen Herr Teblt« angehört. »Sn Freund« uad Betaut« trafen fortwährend Besuche und Gaben aller Art rin. (Auch wir wünschen tan vielverdtenten Mann« »och ei» recht lang« fegen»- reich« Wirksamkeit in all« ihm unterstehend« Humanitätsanstalt«. Red.) — Am 29. v. M überreicht« da» Lehrercolleginm de» Phil«tropin Herrn A. Durlacher bet seine« Scheiden au» dem Schulrathe, welchem er mit geringen Unterbrechungen seit 1871 angehörk, eine kunstvoll auSgeführte Adresse al» Zeichen dankbarer Verehrung. Soh. Schlldberg in Posen, 29. April. (Qt.Sott.) Eine, herb« Verlust hat unser« Gemeind« durch dr» Tod de» greisen gelehrten Herrn Kalonymu» Bergmann erlitten. Am 24. April früh 6 Uhr hauchte er »ach kurzem aber schwere« Leiden seine reine Seele au«. denen er während seineganzen Leden» nicht wich. Kaum dem JünglingSalter entwachsen, stellte er sich ta den Dienst Gmte« «nd seiner heiligen Lehr« und bekleidet« in verschiedenen Städten Posen» uad Schlesien« fast 40 Jahr« lang da» Amt eine» LultuSbeamten. Sie er al» solcher gewirkt und wa« er in den Gemeinden geschaffen, davon legt bi« Lieb« und Verehrung, die ihm an de» Stätten seiner Wirk» samkit bi» über den Tod hinan» gezollt wird, beredte- Zeiwntß ab. vor mehr al« 20 Jahr« trat er von seiner amtlichen Thcktigkeit zurück; um so thalkrästiger widmete er sich der Pflege der Thora «nd der Ausübung frommer und edlerWerke. Jn welche« Maaße er sich «ährend seine» Aufenthalte« hier die Liebe «nd Achtung Aller erworben, bewies der allgemeine ungeheuchelt« Schmerz, den sein Heimgang hervorgerufen und di« groß« Betheiligung aller Lonfesstonen an der Leichenfeier. Im Sterbehaus« widmet« der Religionslehrer Herr Llbogen dem scheidenden, theueren Freunde «inen tiefempfundenen Nachruf. Am Grab« sprachen HerrRabbtner Schreiber und Herr Lehrer Lüwe'nthal. Kür dt« au» weiter Kerne herbeigrettten Söhne — 2 derselben sind beliebt« Aerzt« in Hannover — und Töchter mußte ta der großen Theilnahm« und allgemeinen Verehrung, die ihrem Later gezollt wurde, ein« reich« TrostrSquell« liegen. Alu» Baden» Antisemitisch« Agitation betreiben Llebermon» v. Gonnenblrg und H«tschrl gegenwärtig in Heidelberg und Weinheim unter der wohlwollenden Neutralität der dortigen Nattonalliberal«. Wien. Herr Anton Schey hat 800,000 Gulden Humanitären Zwecken zugewandt und besonder» die hies. i»r. Gemeind« bedacht. Italien. Herr Senator Artom. bevollmächtigter Ezmintster wurde m>t dem Großkreuz de» St. Moritz und St. LararuSorben» derorirt. (Er trat in den italienischen Staatsdienst i« I. 1888 al» Graf Lavour ihn zu seinem Privatsecretär ernannte.) Warschau. Herr Dr. Larl Herz, Mitglied unserer jüdischen Gemeind«, welcher al» Professor der Mathematik am hiesigen Gymnasium beschäftigt ist, ist zur Würde «ine» russischen StaatSrath» er» hoben worden. Johannisberg (Süd-Afrika). Seit der Ansiedelung der Juden hierseldst hatten wir noch kein eigene» Organ, welches di« Interessen der Juden vertrat. Sin solche» erscheint nun in unser« Orte unter dem Titel: »Der Afrikaner JSraeltt", welcher in deutscher Sprach« geschrieben nnd mit hebräisch« Typen gedruckt wird. Erwägt man di« Schwierigkeiten, welch« «tt der Herausgabe einer jüdischen Zeitung in so abgelegener Gegend uad besonder» mit der Beschaffung hebräischer Lettern und jüdischer Setzer verbunden sind, so zeugt da» Erscheinen «ine» solch« Blattes von dem großen Unternehmungsgeist der polnischen und deutsch« Glaubensgenossen unsere» Lande». U»S dem U. O. B» B. Bertt» (Schluß.) Die meisten Menschen, «elch« sich Vereinen zu geg«ns>.!tlger Unterstützung »nschlirßen, lhun die«, von dem Gedankn geleitet, daß «unkl« Stund« über sie bereinbrechea können, in denen sie werfthättger Freunde benöthigt sind. Unser Orden, dir zwar aus solch» Erwägungen allein hin nicht ausgesucht werden will, steht doch als einer der ersten da, wen, wir dk Leistungen humaner verfthättgkeit an und für sich in'» Auge fassen; unser« Logen haben wohl relativ viel aeleistet, in ihrer Oraanisation vermögen sie" auch noch jetzt manche Thräne zu trockn«, sie haben sich ol» thtilweise wirksame Schutzmittel erwiesen, so lange wir in d« Jahren gesunder oder auch scheinbarer Prosperität lebten, so laoz« »ur in größer« Zwischenräumen in ver» «tnzelten Fälle» ihr« Hilfe beansprucht wurde, heut« aber, wo in manche» Logen die UnterstützuugSbedürsttgkeit der Mitglieder wächst, wo in viel« Fällen der g«ze Logenfond nicht aulreichen würde, dr« Rothstande zu steuern, heute ttttt die ernste Pflicht namentlich an diejenigen Mitglieder heran, welch« ta ungewiss« Verhältnissen lebe», für die Zukunft ihrer Familie selbstthätig Fürsorge zu treffen. ES giebt eben gar viel« in einer Großstadt, welche weder ideal angelegt, noch edel gesinnt und wohlthätig find, di« sich wentg für «in» humanen Gedankn zu erwärmen vermögen. Und von diesen schleichen sich Manch« mit lammfrommer Miene in dt« HumanttäiSbüud« «in. Wa» fi« such« ist Befriedigung de» Ehrgeize» »nd dt« FSrbernng per» sönlicher Interessen. Die Jntereffen ihrer Mitglieder, tote hohe» Z «t« de» Orden» liegen ihn« fr«. Gegen solch« Schäden müssen dk besser« Elemenk im Ordm unermüdlich ankämpsea, ja st« alle find verpflichtet, in erster Reih« für dt« ideakn Prtuztpkn de« Orden» un- «rschiwckrn etnzutrekn, nnd dies« hmhzuhalte», bt» sie den sch»»« Tyeoriea zu einer praetischen und jesunden Lebensfähigkeit vrrholfe» Hab« Darüber, «a» un» not tut, «in andermal. F.