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Israelitische Wochenschrift · 1890-05-01 · 18 (1.5.1890) · p. Seite 133

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
18 (1.5.1890)
Date
1890-05-01
Page
Seite 133 (sequence 5)
Language
German
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188 — »während de» zweijährigen Bestehen» unser« Verein», welcher sich neben der Förderung der Lollegialität unter den Hörern der Lehranstalt vornehmlich di« Alärung der Ansich «n über all« di« moderne jüdisch« Lheologi! bewegenden Fragen zur Aufgabe gemach», ist on» da» Bedürfniß nach einer Institution im ner fühlbarer geworden, di« e» un» selbst ermöglicht, unbemittelte Hörer durch rechtzeitige Beihilfe vor dringender Noth zu bewahre!. In Erwägung diese» Brdürfniffe» hat unser Verein unter dem pro:«ctorate Sr. Ehrwürden de» Herrn Rabb. vr Mavbaum und mit Zustimmung de» Luratorium unsrer Lehranstalt eine varlehn»lasse begründet, welch«, auf dem Prinrip der Lollegialität beruhend, nothleidenden Mitgliedern in aller Still« und unter billiger Berücksichtigung der obwaltenden Verhältnisse rückzahlbare Unterstützungen zu gewahren und so durch Uebung zartfinniger Mildthätigkeit, wenn auch nur in engen Areis« und zunächst in bescheidenen Grenzen, segensreich und wohlthätig zu wirken berufen ist. ver unier der Hörerschaft de» Brc»lauer Rablnn rseminar» bestehend« Unters»Lyung»verei>l .,I.ivejatll 6l>«u") verdankt di« Mittel zu seiner erfolgreichen Wirksamkeit vornehmlich den ihm von außen her zustießenden Spenden und so dürfen denn wohl auch wir der Hoffnung Raum geben, daß die schon so oft bewährte Hochherzigkeit unsrer Glaubensgenossen uu» durch Zuwendung reichlicher Beiträge unsere Justitution auf einer sicheren dauernden Grundlage wird errichten helfen und daß insbesondere die Freunb« und die ehemaligen Zöglinge der ״Lehranstalt' unserem zur Förderung bedürftiger Jünger der wiffenschast de» Judenthum» begründeten Werke ihr« thatkrättige lNitwirkung nicht versagen werden.'/ Gef. Zuschriften und Beiträge bitten wir an unsren mitunterzeichneten Vorsitzenden zu richte.«; öffentliche «vuittung erfolgt in dem alljährlich zugleich mit dem Berichte de» Luratorium» der »kehranstall" erscheinenden Rcchenschastbericht über die Verwaltung der Varlehns-Aaffe. 1)r F. Bl um ent Hai, Vorsitzender, Auguststr. 85. S. Sam uel, cand. phil. Schristwarl. IV. Barol, cand. phil. Aaffenwart." _ [25. April. (Or.- Torr.)^., Anläßlich der Feier de» SO jährigen Beslehen» der hiesigen' Synagoge hat der langjährige Gemeindevorsteher, RcchlSanwalt Emil Lchmann, im Gustav Salomon'schen Verlag eine Festschrift er. scheinen lassen, die den Manen der edlen hochsinnigen und werklhäligen Gattin de» Autor» gewidmet und mit den Bildern der Or.Or. Oberrabbiner Zacharias Frankel, Wolf Landau und Gemeindevorsteher» Bernhard Beer geziert ist. Sie trägt den Titel »Ein Halbjahrhundert in der iSraelilischrn Religion-gemetnde Dresden" Erlebte« und Erlesene» und bildet eine Art Fortsetzung zu seiner früheren Schrift de» Verfasser» »Berend Lehmann der Gründer der Dresdener i»rael. Gemeinde'. Luch in der nun erschienenen Festschrist, von welcher ein Theil da» Thema eine» im verflossenen Winter im hiesigen Brüter-Verein gehaltenen vor« »rage» bildet, weht ein Zug warmherzigsten Empfinden» für die Thaten und da» Wirken der Väter, der Liebe zur heiwathlichcn Stätte. — Sie dielet so viel, auch für weitere Kreise Interessante», daß fie für gar Manchen, der Sinn für die Gesckichte de» jüdischen Gemeindelebev» der neueren Zeit hat, lesenSwerth sein dürfte, um wieviel wehr für Diejeuigen, die einst in ditser Gemeinde weilten und die Beruf oder Erwerb an andere Orte ziehe» ließ. Der Verfafler sagt am Schluffe der feffelnden Schrift: »Eine alte jüdische Sage läßt in der Nacht de» Versöhnung»- feste» die Lodteo in der Synagoge versawmelt sein. Unser rückschauender Blick, unser dankbare» Gemüth sieht in der Synagoge die Heimgegangenen Lieben gegenwärtig nicht al» furchterregendes Schreckbild, sondern al« traute Erinnerung, als liebevolle Ermahnung. Wie fie hier in Freud' und Leid «eilten, Ruhe und Frieden fanden, so auch wir. Aber wie fie eine schönere, freiere Zeit herbeisehvtea, so müffen und wolle» auch wir, gewüthlich rin» und einig mit ihnen, immer mehr dahin wirken, daß die große Scheidewand, welche noch immer, und je länger, desto mehr zwischen Gottesdienst und Leben, zwischen Bräuchen «ud Ueberzeugungen •) ver 9 bei Statuts lautet: wer der ,varlehnskaffe" einen jährlichen Beitrag von mindesten» 5 Mark ober einen einmaligen von mindesten»!00 Mark zowenbet, wirb ,unterstützende» Mitglied"; wer für dieselbe einen jährlichen Beitrag von mindesten» z5 Mark ober «inen einmaligen von mindesten» 500 Mark zahlt: wird ,Stifter" der ,varlehnikaffe"; die Namen sämmtlicher wohlthätrr der .Varlehn»- kaff«' werben vom Vorsitzenden in «in besondere» Albnm eingetragen, a»ch soll ihnen alljährlich «in Le<hens<haft»b«rtcht über di« verwoltnng der,varlehnskaff«' zugehen. sich aufthürmt, brseitigt, daß die Entfremdung vom religiösen Leben, die Erkaltung für jüdische» Wesen, herbeigeführt nicht blo» durch Gtrederthum und ungünstige Zeitftrvmung, sondern durch die, trotz aller einzelnen Neuerungen noch immer allzustark betonten »astatischrn(!)' und asketischen Ab» sondrrltchkeiten(?) au» uralter und au« mittelalterlicher Zeit einer reineren, freieren Auffassung de» Herrlichen de« Einzigartigen im Judeathum weichen, daß da» Gemüth und die Phantasie ihre ethische und ästethische Befriedigung im deutsch-jüdischen Gottesdienst erhalte und man sich immer mehr bewußt werde: »Daß da» Judenthum die Re» ltgion ist de» Geiste» und de« Herzen», die kein Opfer de« Verstände» erfordert, sondern, je gründlicher erforscht, desto leuchtender strahlt, weil ihr Grundgedanke ist: »Ein Gott, eine Menschenliebe.' Je älter man wird, auf eine je längere Lebensdauer der Mensch zurückblickt, desto klarer wird er sich der göttlichen Vorsehung, ihrer liebevollen Leitung durch Nacht zum Licht bewußt. Da» zeigt sich, wie im eigenen, einzelnen Leben»» laufe, so in dem der Gesommtheit der Geschichte. La» offenbart auch der israelitischen Religion«gemeinde Dresden ihr letzte» Halbsahrhundert. Mögen seine Schöpfungen und Errungenschaften unsere Kinder und Nachkommen fördern und zu weiterem Fortschritt ermuthigen.' Ein echt Emil Lehmann'sche» Glaubcn»bekenntniß I A. L. Z>re»öe«, 27. April. (Or.»Eorr.) Würdig und glanzvoll vollzog sich die Feier de« SOjährigen Bestehen» de» derzeit ältesten jüdischen Golte»hause» im Königreich Sachsen, der Synagoge zu Dresden, welche im Verbindung mit dem Freitagabend-Sotle«dienst abgehalten ward. Da» sowohl von außen, wie besonder» im Innern schön geschmückte Hau» war selbstverständlich in allen seinm Theileu gefüllt. Unter den Ehrengästen befanden sich u. S. der Bürgermeister Bönisch, mehrere Stadträthe, Vertreter der Regierung, die Stadtverordneten-Vorsteher, darunter Geh. Hofrath Ackermann. Voller Lichterglaoz erstrahlte in dem so stylvolle» Semper'schen Bau. Die Vorsteher und Deputirten hatte» ihre Plätze auf der geschmückten Estrade. Auch eine, freilich kleine Zahl Herren, die schon vor SO Jahren al» Gemeiudemitglieder der Einweihung beiwohnten, ja sogar zum Theil bei derselben al» Eommiffare thätig fungirten, hatten da» seltene Glück, auch diese» Jubelfest mitfeiern zu können, an ihrer Spitze der würdige Senior der seil über 1'/, Jahrhundert hier in großen Ansehen stehenden Familie Bondi, Hcir Banquier B., der vor 4 Jahren schon sein 2Sjährige» Vorsteher-Jubiläum feiern durfte. Von hervorragender Wirkung waren die Gesänge de» durch Herren, Damen und Knaben der Gemeinde verstärkten Synagogenchores, um deffen Lonstituirung sich Herr Ober» cantor Wolf»sohn höchst verdient gewacht hatte und zwar de« Beethoven'schen »Die Himmel rühmen' während de» Thora - Umgänge», nachdem zuvor der Rabbiner auf der Kanzel mit der Thora im Arm da» Schema JiSroöl au»» gerufen, — wie ganz besonder» de» überau» stimmung«- vollen vom Vorsteher Hrn. Rechtsanwalt Emil Lehman» gedichteten, vom ehemaligen Ehordirigenten der Synagoge, jetzigen Lautor der Annenkirche, Volkmar Schurig, kowpouirteu Weiheliede», mit dem Kehrreim: »Da» ist ein Tag, den Gott gegeben. Laßt un« Alle fröhlich sein'. Die ergreifenden Soli führten Frl. Hedwig JoSl (vomKönigl. Eonsrrvatorium) und Hr. oand. mei Hirsch vorzüglich au». Gehalt- und weihevoll, erhöhte die Festpredigt »ebst Gebet de« Hrn. Rabbiner vr. I. Winter die Etadrücke. Die Liturgien de» Gottesdienste» waren abwechselnd Tompofitionen Gulzer» und Lewaudow»ky'» und wurden vom Ober» eaator WolfSsoh» würdig vorgetragen und geleitet. Einen vornehm prächtigen Eindruck übten die von frei» willigen Spenden gestifteten neuen Bekleidungen al» Porauche»-, Kanzel-, Altarwie BortragSpultdecken. Unser Gotteshaus, bekanntlich ein Jugeudwerk Meister Gottfried Semper'», ist

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