Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 18 (1.5.1890)
- Date
- 1890-05-01
- Page
- Seite 131 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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I— ltl tag arte L. Abel [cf vom ReichstagcIfordertH e« nach de« Beispiel von England und Amerika zu» Gesetz erhoben »erd«, baß eine i« Duell erfolgte Tödtnng »ie Mord bestraft wird, so daß die Größe de» Strafmaße« schon ein genügende« Prohibitiv wöre gegen allen Z»eikawpf mit derSchuß- »afft. Und mau wird eg al« eine Wendung zum Befferen in der so heiklen Duellfrage schon begrüße« können, wenn nach dem Borschlag desselbeu <5. Abel zunächst auch nur die studentischen Ehrengerichte eine Aruderuug dahin erführen, daß au ihnen »ie au de« der deutschen Officiere stet« ältere Personen betheiliqt sein müssen, so daß bei solcher Zusammensetzung eine Gewähr mehr vorhanden wäre, daß da« Duell nicht zum ftivolen Spiel mit dem Leben au«arte. Eben zu rechter Zeit kommen auch Erlaffe, wir die Zeitungen melden, von höchster Stelle, de» treffend den Zweikampf, die wenn fie zunächst und direct von Sr. Majestät dem Kaiser nur für dir Armee gegeben fiud, doch sicherlich auch die Aufmerksamkeit ftudeolischer Kreis« erregen werden und r« wäre dringend zu wünschen, daß Bestimmungen wir diese, daß zwei Obersten an der Spitze de« vor dem Duell zu befragenden Ehrenrath« stehe« müffen und daß wegen Streit« io einem Vereine, Kasino. Lafg oder ähnlichem Local überhaupt kein Duell stattfiuden dürfe, in der Stud ent euwelt Nach ahmuog fänden. Doch auch der besten Einrichtung studentischer Ehrengerichte verbürgt nur eine von Schule und Elternhau« heranerzogene unerschütterliche Achtung vor dem Leben uud «ine Weltanschauung, die noch etwa« Höhere« al« da« ritterliche Ehrprincip kennt, eiue würdige Handhabung der in solchen Ehrengerich ten geltenden Regeln. AlsoHau«undSchule. Katheder und Kanzel, kurz alle Faktoren der Erziehung find gleicher Weise berufen hierbei mitzuwirkrn. Auch die Presse hat wohl eiu gewichtige« Wort dabei mitzusprechen, «Ud wenn fie ihre« Beiufet nicht vergißt, Mittel der Volks- Bildung, der Bott«. Aufklärung zu sei», wird fie diese ganze Frage gar nicht von der Tagr«ord»ung ihrer Besprechuugrn absetzen dürfen, bi« hier endlich humanere Anschauungen Platz gegriffen. E« gilt eben» daß alle Bernfeuen sich an die Lösung der Aufgabe machen, de« herrschende» Ehrbegriff de« Eommeut« ein Gegengewicht zu schaffen, und zwar durch tiefer begründete Religion und Moral, eine Forderung, in der sicherlich Iudenthum uud Thristenthum sich begegnen. Arthur Schopenhauer hat e« mit Gründen de« Berstande«, mit der Linst de« Witze«, de« Esprit«, seiner Ironie versucht, da« ritterliche Ehrprincip zu Falle zu dringen» aber da« Duell besteht fort mit all seiner verheereadrn Wirkung. So mag denn die Religion und die mit ihr verbündete Erziehung«wissenschaft ihre Mission in dieser Frage thnu! Ihr Eltern, ihr Erzieher, die ihr die Erziehung unserer studirenden Jugend di» zu ihrem Uebertrftt zur Universität zu leiten HM, laßt uu« vom Katheder, vou der Kanzel, vom Elterutisch au« ankämpfen «ft aller Kraft nusere« heftigen Lehramte« gegen einen verkehrten Ehrbegriff, der unsere Söhne in den Kampf, in den Tob treibt für — eia Phantom! Rechtzeitig, da fie dem Hanse noch angehört, da fie aoch an der Schule ist, ist sie bekannt zu «acheu «ft demselben und ihr da« wahre Gesicht solchen Ehrbegriff« zu zeigen, ba«tt sie gerüsteter al« bi«her eintrete tu den Kampf gegen den Druck deffelben, einen Kampf, der ihr ach! nur zu leicht plötzlich anfgezwungrn wird. Da« Ideal der Ehre, selbst studentischer Ehre soll der Jngend nicht genommen «erde». Da« erhöhte Ehrgefühl der academtsche» Jugend hat ja seine Berechtigung. Rur baß e« da« gar nicht einmal mehr ist, sondern eine äußer« Zwangslage, in der beide Lontrahentrn sich befinden, indem konventionell« Könne» tyrannisch den Zweikämpf fordern und die herrschenden Auschaunngen di« Revocation einer in der Erregtheit gethaueu Beletdignug »ie jedwede« Wiedcreiuleuken gleich zur ,Feigheitstempeln, da« rechtzeitig bei der Jugend erkenne» zu laffe», erachte ich für! «tnegdringend« Aufgabe der Grziehung's «nserer Lage, und r« swird so der Bode» »orberettet »erde», baß von innen heran«, au« den Kreisen der Studirruden selber der Wunsch rege wird, d׳r studentische Ehre in anderer Weis« aldurch solchen Zwang wiederhergeftellt zu sehen. Uud ist erst die Idee »eif, dann «uß die That, die Abschaffung oder doch Umgestaltung de« Duellweseu«, Nachfolgen. Aber von unten auf muß die Arbeit begiunen. vor Allem der Nachwuchs der studirenden Jugend, der noch nicht im Bannkreis der herrschenden Vorstellungen vou ritteilichrr Ehre steht, ist für den Gedanken zu gewinnen, da» Duellwesen allmählich in die Formen bürgerlichen Recht« überzuleiten. E» muß sich in der Studentenwelt selber eine Art geistiger Eoalition bilden, an der der herrschende Ehrbegriff de« Lvmment« sein Lorrectiv fände und im gegebenen Falle auch ein Palliativmittel abgäbe gegen die schlimmsten Ausschreitungen auf diesem Gebiete, während heute Alle« auf Universitäten, mit wenigen Ausnahmen unter dem Ba-me de« Ehrbegriff« de« Eomment« steht. Dazu thut aber Verschärfung der Gewiffen, Stärkung de« moralischen Gefühls, mit einem Wort, tiefere Begründung der religiösen Welt- und Leben-anschauung gerade auf der Schulbank in dem keimenden Jünglingsalter, als» in der Periode der letzten Schuljahre, vor Uebergang zur Univerfität» noth. > Lieber etwas weniger Namen, etwa« weniger Gelehrtengrschichte im Religionsunterricht, aber dafür! Eoncentrirung der erziehlichen und unterrichtlichen Thättgkeit nach der gedachten Seite hin. damit e« dem Bewußtsein de« angehende» Studirenden sich tief eiopräge, daß die Pflichten gegen Eltern und Geschwister, gegen Vaterland, bürgerliche Gesellschaft Beruf und Wiffenschaft unendlich Häher stehen, als der Beifall duellsüchtiger Tomonlfttonen. Entschließt euch, möchte man den jetzigen Studirenden, uincr.n jungen Freunden von der Ur oersität, zurufen. der Religion, der VolkSmoral, die doch gewiß auch iqr in eurer Ersamwtheit ehrt, zurückzugebe«, was ihr gehört, um euch desto ungestörter de« Genuffe« studentischer Freiheit, die Kciarr, der selbst einmal Student gewesen, euch mißgönnen wird, zu erfreuen. Wir stehen im Zeichen des Passah, hüben «ie drüben hat die gesittete Welt so eben eia« ihrer heiligsten Feste gefeiert. Un« bedeutet e« Befteiung, wahre Freiheit. Und ei» Stück Befteiung in unseren gesellschaftlichen Zuständen wäre e«, wenn im Jntereffe der VolkSmoral, der Volk«, erhaltung das Duellwesen in seiner jetzigen Gestaltung einer befferen Einrichtung Platz machte. Dr. Lehmann-Mainz. Dr. Lehman», Rabbiner der i«r. ReligionSgrsellschast (Separatgemeinde) in Mainz ist gestorben, noch nicht alt an Jahren, aber seit Jahren schon kränklich. Mehrere separatistische Rabbiner der Nachbargemeinden, mit ihnen auch HUdeSheimrr vou Berlin, wohnten de« Begräbnisse bei, aber auch Dr. Salfeld, Rabbiner der Hauptgrmeinde in Mainz, sprach am Grabe. Wir loben da«, uud kenuen kein Be!« spiel, da« Aehnltche« seiten« separatistischer Rabbiner bei« Tode eine« gegnerischen sog. Reform-Rabbiner« geschehen sei. Anch wir «nterlaffe« nicht, in diesen Blättern den Tobten zu ehre«, der sich im Leben al« «nser Gegner bezeichnet und nu« stet« al« Gegner behandelt hat. »Der Tod sühnt-, ist jüdischer Grundsatz. In der sog. orthodoxen Preffe geschieht e« nicht so. Der Tod selbst großer Männer unter den Reformrabbiueru wird garnicht oder nur al« Tagesereigniß erwähnt, aber mit der Erklärung abgelhan: ,Er war Resormrabbiuer-, d. h. er war ein Abtrünniger, dem wir nicht« Gute« uachsageu können, wir waren und bleiben ihm fern und ftewd. — 8.'» Gemeinde bildete sich, al« in die^Maiuzer Shoagoge Orgel uud gemischter Ehor etngeführt wurde. Daran«