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Israelitische Wochenschrift · 1890-05-01 · 18 (1.5.1890) · p. Seite 130

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
18 (1.5.1890)
Date
1890-05-01
Page
Seite 130 (sequence 2)
Language
German
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180 christlichen Religion. Die Lomm«t.Ehre will et. — Ms« fort »it Arb« und Moral! Dentsche« vorartheil! Solch' eine Larrikatur hast tat au« heiligsten Begriff«, der Shre gewacht!" Wie sehr sticht diese offenbar vom tiefst« Mich« E«ft eingeged«e im Grunde nur darum bitter werd«de Klage, weil ihr Urheber da» deutsche Vaterland liebt uud seine» Botte» Blüthe, die akademische Jugend, wie sehr sticht dieselbe geg« eine gleichfalls in diesen Tage» er« schicmne Zeitungspolemik ab, in der meine» Dafürhalten» der Kernpunkt der ganz« Frage nur versqob« wird, wenn heule noch de» Lange« hin und her geftrittm wird, ob nicht zu viel Licht auf die Person de« Gefallen« und zu viel Schatten auf die Person feine» Gegner» gehäuft worden, ob e» Meuchelmord oder sonst wa» gewesen u. dgl. m. Wird nicht durch solche Einwendungen die öffentliche Aufmerksamkeit auf Nebendinge obgelenkt, statt daß alle Kräfte unserer d«lschen Nation uud dir Preffe voran an der Lösung der einen, so acut gewordmen Duellfrage arbeiten sollten? Doch kehren wir zum Ausgangspunkt unserer Betrachtung zurück. Die ganze Hohlheit und Unhaltbarkeit de» sogenannten llttertichen Ehrprincip» für unsere Zeit hat ja bereit» Arthur Schopenhauer in der geistvollsten und zugleich überzeugendsten Weise in ׳einen Parerga I, S. 380—412 dargethan, so daß darüber kaum noch ein Wort zu verlier«. WaS aber bei letzterem gar nicht in Betracht gezogen worden, obwohl es für den Erzieher, den Volksfreund das Bedenklichste und zu ernstestem Nachdenken Auffordernde in all diesen Dmllen ist, da» ist einmal das von Lurt Abel nur gestreifte Thema des Leichtsinns, der nichts fragt nach Sorge. Gram der Eltern, Geschwister und Freunde, sodann aber auch die gänzliche Außerachtlassung, daß doch auch B at e rl a n d, b ü r g e r» liche Gesellschaft, Beruf und Wissenschaft ein Recht auf Erhaltung unseres Lebens, einer jeden Menscheukraft haben. Bon dem Jünger e«stcr Wissenschaft zumal darf mau doch wohl erwarten, daß er nie und nirgends vergesse, was er diesen Faktoren schulde, uud daß er, so viel ihm auch an dem Beifall der Eommilitonen liegen mag, doch auch bei der Entscheidung, ob ein stampf auf Leben und Tod stattfinden solle oder nicht, die Erwägung in die Waagschale fallen lasse, ob er nicht einem Phantom von Ehre viel höhere Rücksichten uud Interessen nachfetze. E» ist nicht denkbar, daß nicht vor d« beiden in Hitze geralh«« Duellgegnern und wohl gar noch in dem Augenblicke, da sie einander gegenübertreren, um entweder den Gegner »ach all« Regeln der Kunst todtzuschieß« oder fich selbst nach all« Regeln der Sunst todt schieß« zu lassen, wie L. A. fich drastisch ausdrückt, daß nicht dir vielleicht greise, ehrwürdige Gestalt der halb trauernden, halb zürnenden Eltern von daheim auftauche. Jrdmfall» ist die Zwischenzett zwischen Foiderung uud Duell lang genug, daß fich beide Eontrah«t« der Folg« ihrer Handlungsweise bewußt werden. E» kann als» nicht von bloßem Bergefs« die Rede sein. Nein! da» ist'», daß alle schuldige Rücksicht auf theure Mltlebeude, die Rückficht auf Beruf, Gesellschaft, Vaterland geopfert wird — dem Lamm ent! Diese Glrichgtttigkett gegen de» wahr« Werth, die wahren Güter de» Leb«» ist da« wahrhaft Erschreck«!»« in der Duellfrage. Uud zieh« wir dm Schluß für die ErziehuugSwiffeuschast, so ist derselbe betrübend genug. E» ergiebt fich nämlich iu der Erziehung, wie fie heute mttgebracht wird auf Uuiverfttätm, ei» Deficit der religiösen Welt- und Lebens-Anschauung und «iu Plus jener da» äußere Ehrpriucip höher stellenden Geistesrichtung, wovon wir in unserer Betrachtung auSgegaugen. Und der Erzieher, der Lehrer der Religion zumal, gleichviel ob Ehrist oder J»raeltt, der dieser akademisch« Jugeud während der Schulzeit nahe gestand«, wird es fich schmerzlich eiogesteh« müsse», daß e» ihm nicht geluug«, in drnselb« Maximen» wie fie der religiös« Weltuud Lrbmsauschauung entsprechen, so tief, so fest zu begründ«, daß dieselben nicht gleich mtt de« Uebergaug zur Univerfität von einem Idol oder Phantom entwurzelt werdm. Oder wird e» uicht von Allen, die wst. der religiös« Unterweisung der Jugeud betraut find, bet Gelegenhett der Besprechung de» 6. Gebote» derselbe» eingeschittft, daß wie wir uns da» Leb« nicht gegeb«, e» uns auch nicht direct »der iudttect nehmen dürfen, geschweige, daß unter keinerlei Borsaud ein Angriff auf fremde» Lehm gemacht werdm darf, uud bei dem ö. Gebot, daß wir Elte« Dank schulden und daß dieser Dank darin besteht, daß ihnen nicht Gram und Kummer bereitet, ihr guter Name sticht befleckt werde durch leichtfinnige Ha«dluug»wrise ihrer Sinder draußm und bei den .Pflichten gegen fich selbst", daß wahre Ehre da« ist. daß man fich nicht selbst erniedrige, selbst entehre. Und alleda« wie weggeweht l Uud wovor? Bor dem Machtspruch de» Studenten-Lomment« I Stehen wir da nicht vor einem Problem der Erziehungswissenschaft? Zum Mindesten giebt es zu denken! Nicht länger wird man im Bolke. und am wenigsten der Erzieher, mtt Gleichgültigkrit zusehen können, wie Genoss« desselben Volke» ein» ander mit der Mordwaffe grgmüder tretm, sei e» au» welchem Grunde immer, und die tödliche Kugel mitt« im Frieden einen Thett der BolkSkraft und gewiß nicht den schlechtesten hinwegrafft, und fich damit trösten können, daß der einzelne Duellfall hinterher strafrechtlich verfolgt wird. Ich habe e» hier nicht mit der Ursache de» Duell» zu thuo! ob nun dasselbe wegen einer antisemitischen Beleidigung oder au» sonst einem Grunde stattgesunden und noch stattfindet. Insofern freilich gehört dieselbe hierher, al» e» die Regierung de» Lande», die den eonfesfionellen Frieden will, io der , Hand hat, durch geeignete Schulverorduungen auch weiter j Sorge zu tragen, daß da» konfessionelle Borurtheil an seiner! Wurzel gefaßt werde und iu der Schule schon, besonder»! aber im Geschicht»- und Religionsunterricht, uubeschadet | de» obersten Princip» wahrheitsgetreuer Darstellung religion»« i geschichtlicher Daten, noch weitere Abschwächung erfahre 1 uud Gott Lob! steht ihr bei diesem Bestreb« eine große i Zahl von weltlichen Lehre« und geistlich« Führern zur Sette, i die fich keine Gelegenheit iu ihrem Beruf»leben entgeh« lassen, j dem konfessionellen Frieden da« Wort zu red«, und e» ׳ steht dann zu hoffen, daß mit dem seltener werdenden Anlaß! auch da» Duell selber, wenigsten» die blutigste Art drffelbm,! scltmer werde. Aber einmal steh« hier oft Hau» und! Familie mit ihrer so viel tiefer greifenden Erziehung gegen« über und wie Rickert neulich sehr z«treff«d im preußisch« Abgeordnetenhause bemertte, hat mau fich eb« nicht z» wunde«, wmn die Linder solcher Männer, die anttsemitisch«! Anschauung« vertreten, dieselben ihr« jüdischen Mitschüler»; gegenüber bi» zur Hochschule zum Ausdruck bringen. Sodann i aber, uud da» scheint mir der tiefer« Grnnd, befind« wir > deutsche Jud« un» iu polttischer uud mehr noch in socialer > Hinsicht noch immer in einer UebergaugSperiod«, die e» mit ׳ fich bringt, daß da» zähe Borurtheil nicht so bald weicht,; uud daß das Neue, wie wahre Duldung uud parttätischeS Verhalten sich nur langsam bei un» in Deutschland riulebt, so daß für einige Zeit wohl noch mtt einer so häßlich« Erscheinung, wie der Anttse«iü«mu», die ja der Hochseltge Kaiser Krttdrich, der Edle, eine Schmach de» Jahrhundert» genannt hat, schon virb zu rechneu sein. Bemerk«» Werth ist e» übrig«», daß in all d« iu Bezug genomm«« Duell« zwar zwei derselb« an süddeutsch« Univerfität« stattgefund«, aber weder der Provocireade noch selbst sein Duellgcgner ein Süddeutscher gewesen. Doch ich wiederhole» es liegt mtt fera, da» Duell al» coufesstouelle Krage z» behandeln, schon um deswillen, wett ich mir von derartiger Behandlung auch nicht so viel versprech« kau», daß auch nur ein Duell weniger zwischen christlich« und jüdisch« Student« ftattfiude. Nein! und dermal» Net«! Da» Dnell ist eine intercoufessiouelle Erziehuua»- frage uud al» solch« z» behandeln — •ine ir» et ■taaio. Wa» nun die Art der Bekämpfung de» Duell» und zwar der gefihrlichst« Art deffelb« betrifft, so wird «an wohl bet uns in Demschland noch laug« darauf wartm müssen.

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