Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 17 (24.4.1890)
- Date
- 1890-04-24
- Page
- Seite 126 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/6492344-5935074-5956703--0150-5373770- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Utbminftimniung mitj. drr fgf. i-raelitschen Oberkircheubrhörde, warum wacht man nun bei« reinen Vorsänger eine Ausnahme? Do» Wahlrecht der Gemcinde schädigt aber noch mehr, wenn wir in Beirocht ziehen, daß eS auch den Bestand der allzeit tüchtigen israelitischen Volksschule untergrübt; denn schon manche Gemeinde hat ihre Volksschule (SonfesfionSschule) aufgegeben und eine reine Vorsäogersielle errichtet, nur um selbst den Lehrer wühlen zu dürfen. (Schluß folgt.) £ef?evrei<fc<llttg<1rtf« Ans Angnrn, im März. (Or-Er.)?Herr Benjamin Ungar, Grundbesitzer in Omorovicza (BocSka), hat für 34, OVO Gulden öst. W. IVO «eiten Ackerfeld gekauft zum eiehufe der Errichtung einer frommen Stiftung. Da» Grundstück, auf dem »och 7,500 Gulden Schulden lasten, die der greise Herr noch bei seinem Leben tilgen möchte, geht in den Besitz der icraelitischm Gemeinde O. an dem Tage über, an dem der jetzt 77jährige Herr doS Jubiläum seine« vollendeten achtzigsten Lebensjahre» feiern wird. Sollte er früher das Zeitliche segnen, so geht da» Grundstück dann sogleich in den Besitz der Gemeinde über. Da» Grundstück bringt heute 2,150 Gulden jährlichen Pachtschilling. Bon diesem Erträgniß sollen der israelitischen BolkSschnle in O. 500 fl. jährlich zugrweodet werden unter der Bedingung, daß an derselben ״Tenachuolerrichtet werden muß. 200 fl. erhalten jährlich arme fleißige BacSkaer Sinder, welche da« ungarische LandrS-Rabbiner-Seminar besuchen. 200 Gulden jährlich erhält ein uubescholteueS Mädchen in O. Je 10—10 fl. erhalten die säwmrlichen Gemeindebedieostelen und der Rabbiner 50 fl. jährlich für die Bririchtung des üblichen Kaddisch-GebeteS im ersten Jahre nach dem Tode und an dem ,Jahrzeitetagede» Tode« de« ,Stifter». Wa» mit den noch übrigen ca. 800 fl. jährlich geschehen soll, darüber will Herr Ungar — den Gott noch lange gesund erhalten möge! — mit maßgebenden Personen Rücksprache nehmen. Wahrlich, da» ist eine echt - jüdische Stiftung, die nenneuSwerther ist, als die in alle Blätter hinausposaunte de« Herrn Siegmund Schoßberger, der man die Absicht (StaudeSerhöhung) sofort aomerkte. Diese ist ja auch erfolgt, ober giebt jetzt zu einer unangenehmen Interpellation «egen der ,Baronieim Ungar. Reichstage Anlaß. Schweiz. Au» Aaset, 16. April, schreibt mau der 91״. Züricher Zeit.-: Was in deutschen Städten, die einen größer» Theil »er israelitischen Bevölkerung zu Mitbürgern zählen, schon seit längerer Zeit besteht, wird noch und nach auch tu Basel verwirklicht. Wir meinen die rituelle Reform innerhalb der israelitischen Gemeinde und die größere politische Antheil- »ahme der stimmberechtigten Israeliten au den öffentlichen Fragen de» Staate» und der Gemeinde. Bi» ganz in die jüngste Zeit hinein war unsere iSraelttische Geuoffenschast durch und durch orthodox, eine Antastung der rituellen Gebräuche und überkommenen Sitten galt als «»befugter Eingriff in die ewig dauernde« Justitutiouen der jüdische» Gemeinde. Hand in Hand ging damit die politische Zurückgezogenheit der stimmberechtigten Männer. HerrRabbiner Dr. Lohn waltete unumschränkt iu seiner Semeiude und wußte die Orthodoxie rein und unverfälscht zu erhalten. Auch politisch brthätigte sich die Semeinde nicht, sie schloß sich keiner Partei an und blieb von ter Urne »eisten« fern. In neues!«» Zeit ist nun ein« förmlich« Umgestaltung »or sich gegangen, die als Folge de» rasche» WachSchumS der Semeinde und der Zugeknöpstheit der staatlichen Be- Hörde» gegenüber de» Wü»sch«u der Israeliten auznseheu ist. Unsere Stadt zählt zur Stunde 1100 Israeliten, von denen etwa 2—300 das kantonal« Stimmrecht besitzen. Di« iSraelitische Gemeinde hat eine hübsche, heute jedoch zu klein ge׳ wordene Synagoge, eine» Rabdiurr, eine Rtligionsschul; mit einem Lehrer, einen Santor und verschiedene kleine Institute zur Unterstützung der Armen und für andere wohlihätige Zwecke. Da« Gemeindebndget hat dir jährliche Summe von 20.000 Fr., welche allein durch die Gemeinde auf privatem Wege aufzubrinqen find, schon längst überschritten. In nächster Zeit soll die Synagoge erweitert und eine Orgel angeschafft werden. Nach innen fängt die Gemcinde an, sich zu reorganisiren- Drr vorgeschrittene Theil der Gemeinde- Mitglieder hat sich zu einem Verein freisinniger Israeliten zusammengeschaart, um mit der Zeit vorwLrt« zu schreiten und die Fesseln einer für die moderne Zeitrichtung unbequem gewordenen Onhodoxie abzustoßen. Drr Geist der Reform ist einzogen uud wird wohl auch bei den Israeliten eine Trennung der jetzigen Gemeinde nach sich ziehen, wie e» hier seit sechzehn Jahren in der evangelisch-protestantischen Landeskirche der Fall ist. Auch politisch will die Gemeinde mehr hervortreten und al» kompaktere Partei an den politischen und sozialen Bestrebungen unsere» Gemeinwesen» Theil nehmen. Man darf auf die weitere Entwicklung der Gemeinde gespannt sein. Rußland. Marschau. (Or.-Cor.) Auf der hier stattgehabten Handwerker-Ausstellung wurden sehr zahlreiche jüdische Firmen mit den ersten Auszeichnungen — für Galanterie-, Leder«, Buchbinder», Harmonika-. Strickwaaren-, Bernstein- und Holz-AuSorbrituogen betheilt. Wie sehr rechtfertigt diese» meinen ausführlichen Bericht, den ich Ihnen über die War« schauer iSrarl. Handwerker sandte (Nr. 9 Ihrer w. Zeitung). Den glänzendsten Beweis aber für den soliden Handwerkertrieb der Juden in Warschau bietet die Auszeichnung mittelst silberner Riedaille an die Handwerker in den Wrrkstellen der israelitischen Gemeinde. Gegen 400 Schüler au» den ärmsten Schichten der jüdischen Bevölkerung finden daselbst Unterricht in sieben Handwerks-Fächern und ihre Arbeiten coocurriren mit hervorragenden FadrikSerzrugniffrn. Diese» Handwerkinstitut verdient die größte Anerkennung. Net»r»tz»r§. Die Agitation der Studenten an dm russischen Universitäten ist nicht ohne Bedeutung für unsere GlaubmSgrooffm. Die Studenten verlangen u. A., daß auch die Juden ebenso wie die Nichtjuden in unbeschränkter Zahl zugelaffeu werden. D ese« Borgehm zeigt un«, daß der Edelsinn und die Begeisterung der gebildeten rufstschen Jugend für da« Recht weit erhabm find über die vorurtheile, welche die herrschende Klaffe ihnm riozufiößm sich bemüht. Au« solchm Symptomm leuchtet für unsere Brüder ein Hoffnungsstrahl, vielleicht werdm die Wünsche der Studmten vorläufig noch zurückgewiefeu werdm; mau wird ihre Anträge noch nicht berücksichtigen. Aber die Zeit wird ihre B, strebungen mit Erfolg krönen und in dem Kampfe zwischen dem starren MilitaiiSmuS der offiziellm und der l berate« Gesinnung drr vorwärtSstrebmdea Arbeiter«, klaffe muß der Sieg doch endlich dmen zu Theil werden, welche die Zukunft repräsmtireu. Vermischte und «entfte Nachrichten. Brett«. Da» tm Geiste Stöcker» redtgirte ״voll' erstecht sich folgeadeu eyaischen Vorschlag ,ur Lösung der Jndenstage zu bringen: ,1 Die Juden jollea die ihrer Raffe am zusagendste Veschästigang er» alten un» zwar al» Geldlelher za dem zustledenstelleadea Zinsfuß van 000 p-t. 2. Borgt et» Jude unter 1000 pLt., so brancht der Schuld» uer da» Darlehn nicht zuröckzuzahlen. 3. Mit Rücksicht auf diese» enormen Verdienst wird de» Juden jede» andere Geschäft zu führe» verboten, auch solle» dieselben zu Kimm Amt« zuaelafsea werde». 4. Wollen sie sich «a politischer Agitation bethclliaea, so »aß Deutschlaad Hauörecht gebrauchen.- — Gehören solch« Arier nicht in'» Dollhau»? Berttu. Da» seltene Fest der eisernen Hochzett beache» am 4. Mai hier im streif« ihrer Sinder und Verwandten brr Schneid«- meister Isaak Schwarz und Ara» au» Birnbaum Der Jubilar betcciM 8mb feto alr*»ar« st B.» 17. «prtl. Segen de» Zweikamps,, in welch«« drr «and. «ed. Salomo» gefallen ist, sind drr Student Verlag zu zwtt Jahre» and drei Monaten und die Miigl'.edcr de» Lhrmgcrrch'»- zu sechv Monaten Festungöhaft verartheitt worden.