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Israelitische Wochenschrift · 1890-04-24 · 17 (24.4.1890) · p. Seite 125

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
17 (24.4.1890)
Date
1890-04-24
Page
Seite 125 (sequence 5)
Language
German
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125 Schülerinnen einen erweiterten"Religion«unterricht, von je rinn Stunde wöchentlich einznrichte», in welchem die Kinder mit dn jüd. Litteratnr und dem Seifte unsere« religiösen Schriftthum bekennt gemacht werden soll. Der Borstand befürwortet auf's Wärmste die lobenswnthen Bestrebungen und Anregungen de« Rabbiner«, die, wie wir mit gutem Grunde annehmeo dürfen, in unsnn für alle« Gute empfänglichen Gemeinde auf fruchtbaren Boden fallen werden. 8. K»»»«»tr. Der ,Verein zur Unterstützung der Schüler der Bildong«anstalt für jüdische Lehrer" kann nunmehr auf eine zehn jährige Wirksamkeit zurückblicken, er darf sich selbst da« rühmliche Zeugniß au«stcllen, dem Zwecke de« Verein», bedürftigen Schülern der Bildungsanftalt und der damit verbundenen Präparaode Unterstützungen zu gewähren, soweit e« eben die Verhältnisse erlaubten, nachgekommen zu sein. In dem verflossenen Decennium find 75 Lehrer au« dem Seminare hervorgegangeu. Neu ausgenommen wurden Ostern 1889 4 Schüler in die Präparande und 5 rückten in da« Seminar auf. Mit dem Zeugniß der Reife verließen 8 Schüler Ostern 1888 die Anstalt. (Louis Badrian-Bremke, Simon Grünewald-Sulingen, Ferd. Heinemann-Neustadt a. R., Adr. Löd-Evpprnbrügge, Adolf Löwenberg-Sleidiagen, Emanuel Löwenberg-Hausberge. Martin Rosenfeld-Drepenau. Max Borsangrr-Wittmuad.) Ar. besonderen Zuwendungen für Jahrzeit- Stiftungen find im verfloffenea Rechnungsjahre 2100 Mk. zu verzeichnen. Der Verein zählt 278 hiesige uud 384 au«» wärtige Mitglieder, von denen 6492.88 M. an Beiträgen und Geschenken eingingen. Der eiserne Fond« de» Effectenbestände« beträgt 23817,44; Laudrabbiner Dr. Meyer-Stiftung 574,50 M., Prof. FrenSdorff-Stiftung 3713,60 M., Mose« Frankenberg Stiftung 3178 M. und die Jsaac Abraham Goldschmidt-Stiftung 2400 M. Der Verein »erausgabte an Unterstützungen 9161,2 M. Wir wünschen dem löblichen Verein ferneres Gedeihen, auf daß er bald da« sehnlichste Ziel erreicht, rin eigene« Hau» errichten zu können; möge von zahlreichen Seiten der Verein nach dieser Richtung hin unterstützt werden. ALeustei«, 13. April. (Or.-Cor.) Am Dienstag, den 1. April feierte der ReligionSlrhrer und Prediger, Herr Sturmann, sein 25jährige« AmtSjubiläum iu der Gemeiude Osterode. Die Anerkennung und Ehrenbezeugungen, die dem Jubilar von Seiten seiner Gemeinde, seiner früheren und gegenwärtigen Schüler, Freunde und AmtSgenoffen dargebracht wurde, legten Zeugniß ab von der Liebe. Verehrung und Hochachtung, dir der Jubilar in Folge seiner fegen«- reichen Wirksamkeit in allen Zweigen seine« Berufes, im vollsten Maße sich erworben hat. Die ganze Gemeinde hatte freudigen Antheil an diesem Ehrentage genommen. Vormittag- 9 Uhr versammelten sich sämmtliche Schulkinder im Hause de« Jubilars und beglückwünschten ihren geliebteu Lehrer in zwei der Feier angemeffencn Gedichten, vorgrtragen von einem Knaben und einem Mädchen, unter Ueberreichung eines schönen seidenen silberbetresten TaliS. Eine au« früher« Schülern bestehende Deputation ehrte chreu einstigen Lehrer in einer schönen Ansprache und Ueberreichung einer herrlich auögestalteten Adresse, iu welcher rin Werthpapier eingeschloffen war. Um 12 Uhr erschien der Vorstand, welcher im Namen der Gemeinde dem Jubilar die herzlichsten Glückwünsche überbrachte, und al» ehrenvolle Anerkennung der treuen, liebevollen Dienste und Pflichterfüllung ein Paar schwere silberne Leuchter überreichte. Mit der Abstattung der Glückwünsche de« ostpreußischeu Syuagogen-Gemeindeu-Verbaude« wurde der Nestor der jüd. ostpr. Beamten und langjähriger Freund de» Jubilar», Herr T o» u - Allensteiu, betraut, welcher diese« Auftrag« in eiuer brr Frier und der Verdienste de« Gefeierten aogemeffenea Ansprache sich erledigte. Herr Lantor Karo au« Allenstein gratnltrte im Namen aller Nachdarcollege» mittelst Ansprache. Tief ergriffen von den vielen Beweisen der Lieb« uud Treue, die dem Jubilar eutgegeugebracht wurden, richtete err Sturmann gerührten Herzen» seine Dankbarkeit gegen ott, der ihm diesen Tag hat erleben kaffen und gegen seine Gemeinde, die ihm diesen Freudentag bereitet hat, unter Anwendung der Schriflstelle (5. B. M. E. 26) und im Rückblicke auf seine Vergangenheit gedachte er der ihm von Gott erzeigten Wohlthaken, wie er, gleich dem Stammvater Jacob, mit seinem Wanderstabe über den Jarden gezogen, di« er hierhergekommen und zu zwei Lagern geworden. Alda« erste Lager bezeichnete der Redner seine geliebte Gattin, die er hier gefunden und seine teure Familie, als da« andere, seine Gemeinde, mit welcher er in Frieden und Eintracht seit einem Vierteljahrhunderl lebe. — Such der vor 12 Jahren vom Jublilar gegründete jüd. Frauenverrin bezeigte seine Dankbarkeit und Verehrung durch Spenduig eineschönen Talar«. Den Schluß der sehr erhebenden Feier bildete« die smnreichen Worte, welche der älteste Sohn de« Jubilar« gesprachen har. Möge eSHrn.Sturmann beschieden sein, noch lange Jahre in voller Kraft und ungeschwächter Gesundheit seine« Amte« zum Segen seinrr Gemeinde und zur Ehre des JudentbumS zu walten! T. An» Württemberg geht un« ein langer Artikel zu, der die mißliche Lage der israelitischm Lehrer in diesem Lande schildert und dem wir darum — mit nur kleinen Weglasjungen — in unserem Blatte Aufnahme gewähren. Er lautet: Wir israelitischen Lehrer zerfallen in zwei Kategorien: 1. in solche, dir Schullehrer und dabei Vorsänger sind; 2. in solche, die nur Lorsänger sind. Erstrre haben den ganzen Jammer eines Schullehrers zu tragen, dabei al« Vorsänger geringstenfalls die ganze Liturgie im Gottesdienste zu versehen, mit dem Rabbiner sich in den ReligioaSunterricht zu theilen und im israelitischen Kirchenvorsteheramt al« Protokollführer zu functioniren. Da, wo kein Rabbiner ist, — und eS ist in den meisten Fällen der Fall, daß, wo eia Schullehrer-Vorsänger angestellt ist, der RabbinatSsitz sich nicht befindet, — hat der betr. Schullehrer-Borsänger noch al« gesetzlicher Stellvertreter des Rabbiner« den vollständigen Religionsunterricht zu ertheilen, die Sadbathpredigt zu halten, der Seelsorge sich anzunehmen und im Kirchenvorsteheramt den Vorsitz zu führen Sein Wunder, wenn unter solchen Umständen die meisten israelitischen Schullehrer- Vorsänger an den Stimmorganen erkrankt find oder waren! Aber wie werden alle diese Aemter bezrhlt? So viele Nebenämter sollten doch auch entsprechend honorirt fein l Ja, sie sollten e« wohl sein, sie find e« aber nicht. Der Schullehrer-Borsänger bezieht seinen Schullehrergehalt — meisten« die Minimaltaxe — und dazu 80 Mk. au« der Eentralkirchenkasse. Da ist der reine Vorsänger viel bester daran. Elementarunterricht braucht er nicht zu ertheilen, den Religion«- unterricht thrilt er meisten« mit dem Rabbiner; denn der reine Vorsänger fitzt meist in Städten und da find eben auch die RabbinatSfitze. Der Gehalt de« reinen Vorsänger« ist gewöhnlich höher, als der de« Schullehrer-Borsänger«; er fitzt ja in leistungsfähigeren Gemeinden. Mit diesem Unterschiede könnten wir israelitischen Lehrer Württemberg« un« jedoch auSsöhnen, wenn die älteren Lehrer principirll auf die weniger mühevollen und bester bezahlten reinen Borsängerstelle« befördert würden. Da« ist aber leider nicht der Fall; denn für die reine« Borsängerstellen haben die Gemeinden da« Wahlrecht und die Gemeinde sieht mitunter nicht »auf's Herz", sondern auf den krummen Rücken — der aber gottlob bet den württ. israelitischen Lehrern eine Seltenheit ist — und auf ein angenehme« Stimmorgau. Mil Rücksicht auf letzteren Punkt werden!denn auch in der Regel junge Leute gewählt und der alte bleibt eben fitzen. Da« Wahlrecht der Gemeinden für die Besetzung der Vorjäugerstellen ist überhaupt etwa« unzeitgemäße« und «alogische«, e» ist eia Ausnahmegesetz; denn sowohl Kirchenals Schulämter »erde« von kgl. Behörden besetzt: ^der Rabbiner vom Kultusministerium, der Schullehrer-Borsänger von den kgl. Schulbehörden iu

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