Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 17 (24.4.1890)
- Date
- 1890-04-24
- Page
- Seite 127 (sequence 7)
- Language
- German
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— 127 Bretiatt. Einhundert ein Jahr alt wurde am?2. b. M. der Bichmakler -Hirsch Eonnenfeld. Ter Greis befindet sich in geistiger Frische, wenn auch augenblicklich ktrperlich etwa» schwach. Aniäpich seines 100. Geburtstages wurde ihm v»m Kaiser ein Geschenk in Form einer reich verzierten Taffe mit dem Bildniß Kaiser Wilhelm I. au Theil. Der Vater de» Hochbetagten erreichte ein Alter von 113 Jahren. Rflrnbfrg• Im Sitzuag-sal des hiesigen Rathhause» wurde am 28. d. Bk. da» von Freunden und Verehrer» de» verstarbeaea Landtag»-Abgeordneten Justizrath« WolfFrankenburger gestiftete Bild desselben — eia sehr gelungene» Werk de» Maler» Han» Blum — feierlich entfällt. Uv« Hesse«, 16. April. Dil antisemitischen Wahlen in Gießen und Alrseld gaben in der zweiten Kammer gestern veraulaffuag zu einer Diskussion. In derselben bezrichnete der früher: langjährige frei, konservativ: Reich»tag»ubgeordnete Freiherr v. Rabenau da» Wurzelfassen de» >ati'emiti»mu» für eia seht bedenkliche» Zeichen hochgradiger Uvzusri-bmheit. S!aat»minifter Finger erNLrte, daß er die Grscheinung de» AntisemitiSmu» beklage, zumal ihm belanut sei, daß Diener de» Evangeliums daran iheiln-hmm und Hochstehend: Personen derselbm Wohlwollen geschenkt haben. ,Diejenigen — so fuhr er w»rt-!ich soN — die geglaubt haben, sie würden damit vielleicht der Religion bienen oder konservativen Grundsätzen, werden sich täuschen. Dal »er» ehrte Volk wird In aller Kürze einsehen, daß die Juden nicht nach rlästin, gebraedt tocrben, und wird ebenso seine Schuldscheine, die e» »ukückjuerhilten hofft, nicht zurück bekommen. Und wu» wird die Folge lein? Diese Heere» hier (Sozialdemokrat n) werden sich dort einfinden, sie werden den Boden einig-rmaßea bereitet finden." Gin nationalliberaler Redner bezeichrete den Antisemitismus al« eine ,Schweinerei", die hauptsächlich von den Universitäten aulgehe. Wi«u. Der Jahre»bericht de» hiesigen israelitischen Verein»- voll»-Schule ״Talmu'-Tlora" Leopoldstast, Malz,affe 16, sür da» Schuljahr 1889 entnehmen wir sür die Leser der ״Sochmschrist", daß der Vorstand de» vereint freudig aus da« verflossene Jahr zurückblicken kann, obgle'ch beim Beginn de» abgelauseaen Jahre» die finaaziellem Verhältnisse de» Verein» sehr trüber Art waren dma man chatte ein Deficit von 997 fl. und 7 Kr. auszuweisen. Doch Dank hochherziger Spender ist e» nicht allein gelungen, da» genannte Desieit z t decken, sondern sogar den Kaffenbericht pro 1889 mit einem Saldo von 620 fl. und 64י/י Krz. abzuschließen. Auch die Brreiasmitglieder haben sich bedeutend vermehrt, srdaß die Jah:eSbeiträze von 1888 fl. 7b Krz. im Vorjahre gegen 2297 fl. 7b Krz. gestiegen stad; ebenso erreichten die Spenden in den beiden Gemeindetempeln den Betrag von 1»23 gegen 803 im Vorjahre. Wir schließen uu« dem Wunsch de« Vorstände» ge- Pachter Anstalt von Hetzen an, daß der Verein durch dm regm Opferstau unserer Glaubmsamoffm in dm Stans gesetzt werde, die ZSglinge der israelitischen Bolk-schule zu erwerbstüchtigm, wackeren Vüruem zu erziehen. An der Spitze de» Verein» stehm: Rabbiner Dr. M. Büdemann, Ehrmpräse». Anton Bing, Präses. Heinrich Berger, Vice- Präses. Dr. Gustav Kohn, Kaffa-Verwalter. rsieu» Die Kronprinzessin-Wittwe Stephanie hat ihre Gesanasftudi« wieder ausgenommen. Ihre Lehrerin ist eine Jüdin, Frau Rikia» Kempner. A«< Ungar«, 13. April. (Or.-Lor.- Au» meiner Kindheit erinnere Ich mich, daß am Ausgangde» Peffach-Festevor Beginn de» Abendgebet» eine Art Vogelscheuche, eine Strohfigur, durch die Straße de» jüdisch« Ghetto'» geschleppt wurde, die man die ״chomezdige Borchu" nannte. Möglich sollte die» Spottaebilde andeutm, daß mit dem Einzug der wöchentlichen Arbeit da» Gespmst mit Hohn au» der.Welt geschafft ist, welche» in srüherm Zeiten in Gestalt von Vlutbeschuldizung und Hostien» schänduag ausgetaucht ist, in nmesterZeit aber den Ramm de»,Antisewi1i». um»" angenommen hat, welcher, wie e» der Artikel ״Soziali«mu» und Antisemitismus" in Nr. 14 vortrefflich nachwie», mit dm Au»schreitungen der Gozialdemokratie al« einer gegm da» LapUal gerichtet« Bewegung stet« Verbünde» ist. So erklärt sich auch in Wie» die letzte Pöbel-Zusammenrottung. Die Parole de» Arbeiterproletariat» lautet gegen die Judm vorzug-weise gegm die Vranntweiuhändler derselbm, da» Au»bängeschild ^christlich priveligirte Brantweinhandluug" sollte gegen die Raub- und Mordbegier der wütheidm Massm schützen. Do» Militär schafft Ruhe, aber wie selbst der Minister zugesteh« mußte, etwa» zu spät. ivari«. Der Aufschwung de» Antffemifl»mu» in Frankreich!«»zeichnet sich durch stetige Prügelscmen in dm bolangistischea Brrsammlnngm. In einer Versammlung im Kapuzinersaal, in der Drumout und Marquis Mord» sprach«, hieb« die Antismütm, welche die Mehrzahl bildeten, mit Stöcke» auf ihre Gegner ein; Ra au et, welcher dm antisemitisch« Rednem mtgegnm wollte, wurde zur Thür hinan», gedrängt. Art» welch« Bevölkernngsgeschichtm sich dieser pöckernde pariser Pöbel rekrutirt, geht wohl »ur Genüge daran« hervor, daß «au «jener Versammlung 20 Franc« Eint tttsgeld erhob» hatte. So viel G«» sür dm Prügelsport anzuwenden kann sich nur die »goldene Jngmd" leiste». Odessa. Die erledigte Rabbinatsstelle nach dem jüngst versiorden« S. Gurlaud dürfte ganz wahrscheinlich der durch seine eijrige Mtigkttt für ilr. Vereine und Wohlthätigkeitsinstitute wohlbekannt: Mtz. Margulie» erlange», nachdem der hervorragmde Petersburger Orientalist Dr. A. Harkawv solche »blehnte. Smyrna. In Folge eine» Gesuch« unsere» Her« Oberrabbiner» hat der Gmeralgouvemmr augeordnet, daß der Termin zur Erhebung der Militär- und Klaffmsteaer von den Juden mit Rücksicht aus die verhältnismäßig hohm Ausgaben, welche ihnm da« Peßachfest venwsacht, auf kurze Zeit hinaul-eschoben »erb« soll. Gibraltar. Am Montag, dm!81. März, starb der Oberrabbiuer der hiesigm Gemeinde, Herr Samulel Lasry, im hohm Aster von 9ü Jahren. Der Berstarbene war in Tetuan geborm, und kam vor ungefähr bb Iahten hierher. Längere Zeit hat er da» Radbinat uuentgeltlich verwaltet. Er stand bci den Christen ebenso wie bei d» . Begräbni»eeremonie die meisten Läden geschloffen. San Fraueiöeo. H.ir Adolf Sutro (stammt au» Sestphalen) scheuste dem hebräisch« Alt«- und Krankenhaus ein Grundstück unter der Bedingung, daß die Verwaltung der Anstalt innerhalb 3 Jahre aus demseldm ein Gebäude e!rich!eu lasse, welchewenigsten» eine» Werth von 8000 Dollar» repräseatirt. Auch eia jüdische« Armeuhau» werden wir hier bald erstehm sehm. Da» gewählte Komitee ist eifrig mit der Wahl eine» Bauplatze» beichästigt und soll der Bau nach Er» Werbung eine» solch:» fojmt in Angriff genommen werden. Hudson. jMichaugi. Unser GlaabeaSgenoffe, H:rr L. Freu», darf, ist zum Major unserer Stadt gewählt worden. Bombay. Da» Regierungsblatt vom 8. März theilt mir, daß Se. Szeellmz der Gonv.inmr de» Stadtrath« geruhte, Her« Joseph Ezekie l, Direetor de» David - kaffoon - Wohllhätigkestsinftitut» und Mitglied d-r Unversität, zum Friedmsrichter zu ernmnm. Herr Ezekiel ist der ,weste unter den Bene J-rael, welchem diese hohe Auszeichnung zu Theil wurde. HerrSamuel Essayel, Honorarprüfung»- assistmt i« Departement der öffentlichen Arbeiten war der erste Friedenlrichter au» der Gemeinde Bene J-rael. «US dem TI. O. B. B.*) Unsere Ideale und materiell« Kräfte. Die Frage, ivie könam wir sür unsere bedürstigea Brüser, sür ihre oft mittel- und rathlosm Hinterbliebenen ausreichend sorgen, ist eine so ernste, eine unsere praktische Leistuag»>ähigkeit so sehr auf die Probe stellende, daß dieselbe ganz besondere Berechtigung verdient. Ihre Lösung läßt sich »nr durch Erhöhung unserer Opserwilligkeit annähemd derbeisührm, sic ganz zu lös«, wird un» wohl sobald nicht geltagen. Diese Opserwilligkeit bars jedoch nicht allein in erhöht« Geldbeiträgen, im vergrößerten Unterstützungsanweisungen gipfeln, wenn unser Br., von widrigem Schicksal gebeugt, bereit» stastlo« darniederl egt, sonde« sie muß sich ln einer steten biüderlichea Theilnahme und Förder-tng, namentlich in geschäftlicher Beziehung, zeigm, wenn unser Br. in seinem Kampfe um'» Dasein »och frei seine Kräfte entfaltet, aber zu erlahmen droht. Der Verkehr zwischen den Brüdem muß sich ganz ander» gestalten, da» Freundsehast»t>and ein ganz andere» werden, al» e» gegenwärtig ist, wenn der Orden wirklich soziale Erfolge erringen will; e» muß mit entern Won den Prinzipien de» Ordm» ein lebm»warmer, wersthätiger Odem eingehaucht »erden; da» WoN, da» sich nicht aus die Thal zu stütze» vermag, bleibt tost, ist hohle Phrase und wenhlo». Ohne Zweifel kaffen sich durch gegenseitige Unterstützungen im ge» selligm und gefchästllche» Leb« eifteuliehe Resultate erziel«, ohne daß der Gebende dabei etwa» einbüßt, wenn ebm nur der gute Wille zu« Heljm und Gute» zu thun vorhanden ist. Dagegm tretm aus der andem Seite wieder Verpflichtungen an un» heran, welche die Ansauunlung von Fond» etsordem, groß gmug, um alle» Eventualität« ersolgreirb begegnen zu klamm. Sodann hänselt e» sich darum, ein System an »findig zu mache», wie sür die Hinterbliebenen unserer Mitglieder au-reichmd gesorgt werde, ohne daß de« Einzelnen die zu tragende Last zu groß werde. Da» Wenige wa» die Etnzelloge zu thun vermag, kann unmöglich al» Schutz der Hinterbliebenm gelten, e» reicht allmsall» hin, um die Doktor- und Apolhekerrechnungm z« bezahl«, die Beerdigung zu ermöglich« und noch für wenige Woche» da» Leb» zu friste». I» manch« Fälle» wird e» vielleicht nicht einmal so wett reichen. An Versuche», eine »»»reichende Fürsorge zu treffen, hat e» allerding» nicht gefehlt, allein diese!bm waren di» letzt nicht erfolgreich, »eil die ihn« zu Grunde gelegten Prinzip!« theorethisch zwar sür schön ‘ ״*־ ־ ״ ־• ~ - . . .. . . . Sie gerade in neuerer Zeit zahlreich vorgekommenm Fälle von plötzlichem Hinscheidea scheinbar von Gesundhett trotzmder Männer und und die häufig« Unglückrfälle. durch welche dtt Kamttim unserer Brüder Mittel zu sinnen und Wege anzudahnm, wie d« Unsrigea rasche und nirksame Hitse zu bringen. (Fortsetzung folgt.) •) W. 8. Bericht willkommen. Die veröffentlich»»« von »Mit» t Heilungen au» dem Orden" find bekanntlich nach der Entscheidung der overstm vrden»behörde (innerhalb der jede» Br. betaute» Grenze») im Interesse der A«»breitung derOrdensideea gestat tet, und darum erwünscht.