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Israelitische Wochenschrift · 1890-04-24 · 17 (24.4.1890) · p. Seite 124

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
17 (24.4.1890)
Date
1890-04-24
Page
Seite 124 (sequence 4)
Language
German
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— 124 — erlischt. Vieser Modus dürfte sich ganz besonders für kleiner« und Mittelgemeinden empfehlen, weil sonst der Etat mannigfachen Schwankungen unterworfen würde. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde: PH. R » s e n h e i in." AerN»,20. April. Die.Volkszeitungcharakterifirt iu ihrem heutigen Leitartikel: ״Fünf Elemente, innig geselltdie fünf in den Reichstag gewählten Antisemiten in folgender sarkastischen, hock ergötzlichen Weise: ״Fünf kelden sitzen in dem Konvcntikel und keiner, von welchem man nicht sagen könnte; Jeder Zoll ein — Ehrenmann. Fünf Männer, fünf Spielarten der ״Schmach des Jahrhunderts", wie Kaiser Friedrich sagte. Jeder bringt ein gerüttelt und geschüttelt Matz mit von öffentlichen Erfolgen in der Kunst, fich von Makellosigfeit frei zu halten. Der Kriminalist mag anders klasfiffziren, wir theilen die Herren ein nach dem einfachen Urteil des gesunden Menschenverstandes. Da haben wir den Falscheid-Anttsemittsmus, über den der Stöcker die beste Auskunft geben kann. Da stolzirt als Schützer deutscher Mädchenehre einher der Nöckel'sche Alimenten-Antisemittsmus. Und ihm auf die kacken ttitt sporenklirrend der Lrlieutenant kiebermann von Sonnenberg, der Lhampion des Ehrenschein-Anttsemittrmus. Platz da I tönt es, und herantölpelt derKümmelblättche n-Aittisemitismus, der Skandalblätter redigirt, um damit die bäuerischen Gimpel ins Garn zu locken. Erweist kerrn lverner die Reverenz! Aber wo der Pfaff, der Vagant, der Landsknecht und der Schreiber auf Beute ausziehen, darf auch der lvackere nickt fehlen, der den blitzenden Tand, das prangende Geschmeide, den leichten Gewinn der Kriegszüge gegen überreichen Gewinn in klingende Münze versetzt. Ivo ist Sh>lock, der treffliche, der einzige, der unbeschnittene Shylock? Die Mar ketenderin lockt, schon rollen auf den» straffgespannten Kalbfell die lvürfel. und der wein perlt im Becher. Geduld, schon schickt ihn Gießen, den unvergleichlichen, den siebenfach gesiebten Kravattenfabrikanten-Anttscmitismus. keil Pickenbach, dem Vorkämpfer gegen den Wucher der verruchten Juden, die dem hessischen Landmann das Fell über die Ghren ziehen, heil ihm, der uns christlich-germanisch schindet und auswuchert. Fünf Repräsentanten des christlich-germanischen Volksgeistes, des wiedererwachten deutschen Gewiffens, fünf Tugenden, Wahrheitsliebe, Keuschheit, Vertragstreue, Reinheit des Gedankens in Wort und Schrift, und Mildthätigkeit, bei der die linke Hand nichts von der rechten weiß. ״Fünf Elemente innig gesellt," um einen Punsch zu geben, deffen Dünste den Kartellbrüdern gar lieblich die Nasen kitzeln werden. Sic haben ihn angerichtet, gemischt, gebraut. Mögen Sie ihn nüt Andacht genießen.." Aerki«. (Or.-Corr.) Die von Herr״ M. Halle hier tze,rundete Gesellschaft jüdischer Handwerker und Künstler zur Uoterstützuug in Krankheitsfällen hielt am 31. März cr. ihre 45. Generalversammlung ab, dieselbe zählt gegenwärtig 743 Mitglieder, von denen 279 ordentliche und 464 außerordentliche find. Einnahmen und Ausgaben balancireu mit 12732,25 Mk. im verflossenen Jahre und hat der eiserne Fonds 13,050 M.. der Jubel-Fonds 10,250 M. und die 7 Stiftungen ein Vermögen von 13,250 M. Die Wittwenkaffe der Gesellschaft hat gegenwärtig 539 Mitglieder bei eiuem Vermögen von 64,725 Mk. Die au genanntem Tage vorgenommenen Wahlen ergaben Wiederwahl des bisherigen bewährten Vorstandes. Am Schluffe der Versammlung wurden den Gesellschaftsärzten HH. Geheim-Rath Dr. Marcuse und Sau.-Ralh Dr. Hambürg er in Anerkennung ihrer bisherigen 25 jährigen opferfreudigen Thätigkeit zwei prachtvolle silberne Pokale mit Widmung überreicht! Wutuz, 16.März.(Or.-Eorr.) Vorgestern »erschied hiernach mehrmonatlicher Krankheit im Alter von 59 Jahren der Rabbiner der hies. Religionsgesellschaft und Redacteur »rS ,Israelit-, Dr. M. Lehmann, zu einem beffern Leben. Wir wollen nicht, wie der Verstorbene es mit größter RückfichtSlofigkeit zu thuu pflegte — wir erinnern nur au seine Nekrologe über den fel. Oberrabbiner Dr. Frankel-Breslau und Laudrabb. Dr. Meyer-Hannover, denen er Schmähungen noch ins G-ab uachsandte — rin Todtrngericht über ihn halten .«V כי המשפט לאלהים. Daß sein Blatt ihn im Nekrologe in überschwänglicher Weise feiert, chn den ,Fürsten der Fürsten- (.שר השרים) ,die Krone Israels und seine Herrlichkeit- (מר ישראל ופארו) einen .Zaddik und Kodauschnennt, lassen wir ruhig hingeheo, denn es geschieht im ersten Schmerzgefühl und —, אין ארם נתפס בצערו; aber nicht UN- «iderjprocheu können wir es lassen, wenn es^dajeldst heißt: .sei» Ruf uud sein Ruhm ist bei alle» uusern Glaubensgenoffen der DiaSpora, welcher religiösen Richtung sie auch angehören, immer mehr gestiegen und zur Anerkennung gelangt.- Unsere Leser wissen, daß eS ein gar sehr trauriger Ruhm war, den der Verstorbene fich als Redacteur des Teatral-Organ« für das orthodoxe Judeathnm u. A. dadurch erworben, daß er mit zelotischem Eifer für Spaltung in den Gemeinden, Lostrennung uud Bildung von Separatgemeindchen stets eingetreten war. Wenn seine Berehrer ihm, der stolz auf solche Thaten war, die er in m*. jorem dei glorUm zu verüben glaubte, nun diesen Ruhm nicht ungeschm älert laffen, sondern ihn jetzt als ,Friedensförderer unter allen Judenhinstellen, so ist da» ein Lob, gegen welche« niemand mehr, als der Verstorbene selbst proteftiren würde, der fich mit ewigem Ruhm zu bedecken glaubte, wenn er die vermittelnd eFriedenSpartei im Judenthum mit der Lauge de» Spotte» begoß, fie schmähte, verdächtigte, verketzerte. — Gegenüber den übertriebenen und teudenziö i gefärbten Berichten der orthodoxen Blätter über 8.'S Leichenbegäugniß erhalten wir einige Berichtigungen von authentischer Seite, deren Aufnahme um der Wahrheit willen gewünscht wird. Wir heben die wesentlichsten Punkte heraus: 1. Von den eingeladeuen Behörden, ist außer 2 roaugel. Pfarrern auch nicht ein Mitglied mitgegangeu, selbst der Oberbürgermcister, langjähriger Nachbar und Bekannter 8.'S, fehlte. 2. Herr Dr, Salfeld, offizieller Großh. Rabbiner von Mainz, sprach im Aufträge de» Gemeindrvorstande» und auf Wunsch der Familie Leöwann und gab dem Ausdruck, was alle ohne Unterschied der relig. Anschauungen fühlten, daß durch da» gemeinsame Streben der Führer der Gemeinde der Frieden in Mainz auftecht erhalten worden sei, daß 8. unerschrocken gegen Israels äußere Feinde gekämpft und in den Werken jüdischer Wohlthätigkeit fich mit hervorgethaa habe.*) 3. Dr. Marx-Darmstadt hat in seiner Grabrede zum Kampfe oufgerufcu, in unwahrer Weise die Verhältnisse der Mainzer Gemeinde vor 30—40 Jahren bei« Eintritt Lehmann» geschildert uud durch seine Rede allgemeine Indignation heroorgerufea; er hat die >T)V) feiner Partei stark betont, aber taktlos den רקד ארץ vergesse». (Wir rufen dem Verstorbenen den im Tractat Berachoth (S. 64) vorgeschriebenen Scheideruf zu: לך 2(8ל1ם ,wandte im Frieden!- — Red.) Kalle «. K (Or.-Lorr.) Au» unserer an der Lösung der religiösen Aufgaben der Gegenwart in erfreulicher Weise emsig arbeitenden Gemeinde kann ich Ihnen die erfreulich« Mfttheilung machen, daß am jüngsten Sadbath der erste JugeudgotteSdieust unter zahlreicher Betheiligung der Kinder uud der Erwachsenen stattgefunden hat. Derselbe wurde um 4 Uhr Nachmittag mit dem Aschre-Gebet eröffnet, sodann der übliche Abschnitt »erlesen, zu dem drei der daselbst anwesende» älteren Schüler ausgerufeu wurden. Nach dem Absingen eine» EhoralS wurde au die Jugeud eine Ansprache gerichtet, in der auf die Bedeutung des JugeudgotteSdieusteS in unserer Zeft hingewiesen und den Lindern an'S Herz gelegt wurde, denselben pünktlich zu besuchen, um daselbst Verständnis für da» uud Liebe zum Judenthum zu gewinnen. Nach beendig ter Ansprache wurde ein Schluß-Lhoral vorgetrageu uud das Mincha-Gebet beendigt. Sowohl Kinder äl» auch Erwachsene verließen in gehobener Stimmung das Gottes» Haus, so daß wir hoffe» dürfen, daß diese neue Institution unserer Gemeinde als ein« bleibende uud dauerude fich erhalten wird. — Außerdem hat unser Rabbiner Hr. Dr. Feßler io einem Zirkularschreibeu an die Gemeiudemftglieder diese» die Wichtigkeit der religiösen Fortbildung der erwachsenere» Jugend an'S Herz gelegt und von seiner Absicht Senntntß gegeben, auch für di« über 14 Jahre^altru Schüler und *) Di« Rede ist penographirt und wird^gedruckt »erden

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