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Israelitische Wochenschrift · 1890-04-24 · 17 (24.4.1890) · p. Seite 122

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
17 (24.4.1890)
Date
1890-04-24
Page
Seite 122 (sequence 2)
Language
German
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122 — ״Qutxnjunge' zwar eine Beschimpfung der Abst inntung, der Fam-lie, aber noch nicht de« Glauben« oder der Lehre. Aber noch weniger vermag ich unter den einmal herrschenden Ehrbegriffen in akademischen oder militärischen Kreisen ohne Weitere« in da« VerdamwungSnrtheil miteinzustimmen, und am wenigsten ist der Moment, da jeder, der der Bahre eine« auch nur um solchen Anlässe« willen Gefallenen folgt, er fei Ehrist oder Jude, ausschließlich unter dem dominirenden Eindruck der traurigen Folgen de« Raffenhesse« steht, und da« Gefühl hat, daß hier nur ein« und zwar da« anti׳ semitische Gebahren unserer Zeit insbesondere unter der akademischen Jugend mannhaft und scharf festzunageln sei. da darin die stete Ursache der Wiederkehr solcher Duelle zu erblicken ist, am wenigsten erscheint dieser Moment geeignet, auch noch über da« arme Opfer de« Duelluuwesen« mit einem Berdikt herzufallen. Soll man denn diese Tugend, richter, die so rasch mit dem Berdikt bei der Hand sind, an den zwar nicht ganz ähnlichen Fall König Saul« erinnern, für dessen Selbstmord unsere in solchen Dingen doch gewiß strengen Alten noch Worte der Entschuldigung gefunden? WaS ist überhaupt mit Berdikten genützt? E« ist unter Denkenden, vielleicht selbst bei Manchem der sich Schlagenden, nur eine Stimme, daß da« Duell in unserer Zeit ein trauriges Ueberbleidsel eine« unvollkommenen barbarischen GerichtSzustande« de« Mittelalter« sei. Au« jedem größeren Eouversation-lexion kan« mau sich belehren» wie viel schon gegen da« Duellunwesen geschrieben und geeifert, wie viel EabinetSordre« unter anderem dagegen erlassen worden. Wer wüßte nicht: man kann sich selbst im P r i n z i p gegen etwa» aussprechen, e« besteht aber doch al« leidige Gewohnheit |0rt? Mit Verdikten und selbst mit Gesetzen und Strasm find sociale Schäden noch nicht au« der Welt geschafft. Hier hat vielmehr die ganze Erziehung de« jungen Menschen vvrzubeugeu. Diese« in einem besou» deren Artikel in nächster Nummer. Briefe aus Pole«. Warschau im April 1890. Ohne auf den Werth der seit etwa zehnJahre» da« slawische Judenthum begeisternde Idee näher einzugeheu. und in eine Kritik derselben einzutretea, begnüge ich mich vorläufig mit der Sonstatirung der Thatsache, daß die Idee der Kolonisation Palästina'« in eine neue Phase getreten ist, in die der Thäligkeit und vorauSfichtlichen Erfolge au« der de« Träumen« und der Schwärmerei. Wa« diese Wendung in die Lage der Kolonisation Palästina'« gebracht, wa» einen so großen Jubel üu Lager der ״Chowewä Zijon“ hervorgerufen, ist die vor Kurzem vom Minister de« Innern erlheilte Genehmigung, eine jüdische »Palästina-Gesellschaft' zur Förderung und Unterstützung der jüdischen Kolonien, Kolonisten und Hand, werker in Palästina und Syrien, in Rußland zu orgauistre», deren Statuten vom Minister genehmigt und bereit» in den hebr. Blättern de« Lande« veröffentlicht worden find. E« würde zu weit führen, die au» einigen zwanzig Paragraphen bestehenden Statuten hier abzudrucken, «ad wird man auch ohne dieselben gelesen zu haben, leicht be. greifen, daß die Regierung dem Verein so wenig Spielraum al« möglich gewährt und ihn derart beschränkt, daß gewöhn« liche, von der allgemeinen Begeisterung nicht ergriffene Leute e» durchaus nicht begreifen können, wie e» nur in aller Welt kommen mag, daß die Chowewe>Zjjon so viele Hoffnungen auf den neuen Verein setzen, daß fie fich vor Freude nicht fassen können? Ich bade am »»fange dieser Eorr. versprochen, mich in keine Kritik eiazulaflen, obwohl mir die« recht schwer aukowmt; allein ich bin der Ueberzeuguug, daß eia Verein, dessen Leiter gesammelte Gelder in die eigene Tasche steckten; »essen Vorsteher eia Vergnügen daran fanden, alte, graubärtige Männer mit Montestore-Bilderu fangen zu sehe«, al« wenn e» Heiligeu-Bilder wären, unter jeder Kritik stehe. Wohlverstanden, ich bin gegen die Leiter und Vorsteher btt Verein« — nicht aber gegen die Idee. Die Idee selbst, sofern sie nicht« weiter erstrebt, al« für einige Hunderte, oder sogar tausende Inden ein Unterkommen in Palästina zu vrr» schaffen und zwar durch Begründung von Kolonien, verdient e» wohl, von jedem Juden unterstützt zu werden. Besser würde e» auch, sobald die neuen Vorsteher de» russtichen Oüowowo- Zijon-Berein« danach trachten werden, die in dem Verein noch zu bekleidenden Stellen mit Männern zu besetzen, die etwa« mehr praktischen Menschenverstand und weniger Be« geisterung besitzen; diese würden da« Ziel über kurz oder lang vielleicht auch erreichen, aber . . . aber wird damit die Judenfrage in Rußland gelöst sein, wird dadurch da« Elend abgeschafft und die Emigratiou unterdrückt werden?! Emigration! Seinerzeit wurde Ihnen wohl über die Auswanderung von 800 Familien nach Argentinien berichtet, welche nach authentischen von dort eingelaufenen Berichten im scheußlichsten Elend sich befinden. Man sollte nun meinen, daß diese« Beispiel genügen würde» die AuSwandcruagSlust der slavischeu Juden nach Argentinien zu dämpfen, und fie vorsichtig zu machen, sich nicht den ersten besten Seelen« schacheren» anzuvertrauen, von denen e» jetzt in Polen und Littauen wimmelt; man sollte meinen, daß die in Massen eintreffenden Jammerdriefe de« in Ameri ka weilenden jüdischrussischen Auswanderer der Emigration einen Damm setzen wurden — allein nicht« von alledem. Die Gefahren scheinen die tolle AuSwanderungSlust noch zu erhöhen und mit den frohen Worten ,wir werden schon durchkommen' auf den Lippen, treten Hunderte Familien die überseeische Reise au. Wa« wäre wohl im Stande, diese Emigration, welche von un« auSdleidlichen traurigen Folgen begleitet sein muß, wenn auch nicht ganz zu inhibiren, — da« wäre angeficht« der Lage oder Dinge in Rußland niwt eben erwünscht — so doch in richtigere Bahnen zu lenken! Längere Zeit war ich der Met» nung, daß die Kolonisation Palästina'« da» Wunder vollbringen und da« Auge der Masse von Amerika abwenden würde, aber ich hatte mich vollkommen geirrt. Die niedrigeren Schichten der slavischen Judenheil stehen der Kolonisation Palästina'« so fremd, kalt und höhnend gegenüber, wie nur möglich, und die allgemeine Begeisterung der jüdischen Ja« telligenz hat in ihren Herzen keine Wiederhall gefunden. Warum? Vielleicht weil fie e» instinctmäßig empfinden, daß e» doch zu keinem Ziele führen wird, vielleicht auch» weil die russischen Gesetze und Hetzen ihre Herzen zu sehr abgestumpft und für höhere Regungen unfähig gemacht haben. Wie dem aber auch sei, etwa« darf und muß für die Au«- und Einwanderer, welche in Amerika dem größten Elende auSgesetzt find, geschehen. E« darf damit nicht länger gezögert werden, man muß unverzüglich vom Wort zur Thal kommen» uw große Gefahren vorzubeugen. A. L. Aas der Praxi». ״?leisetoste» »erde« »nr de« Gewählte» Mffttetl* Folgende Lection, welche dem in Cincinnati erscheinenden »American JSraelite' vom 27. März entnommen ist, dürste auch manche jüdische Gemeinde unsere« deutschen Vaterlandes fich in« Album schreiben. Sie berührt einen wunden Punkt, auf welchen schon öfter« in den jüdischen Blättern hingeviesen wurde, der aber immer wieder wie eia מספחת in den KonkurS-AuSschreibeu für jüdische Gemeindebeamte, besonder« aber für Lehrer tu vielen diesbezügliche» Annoncen zu« Vorschein kommt. Wer kennt nicht da» »er» häugniß« und bedeutuug«volle ,Schwänzele", welche« solche Suuone:» (und zwar nicht zur Ehre mancher Gemeinden) dem vertrauensseligen Beamte» tu den Worten vor die Rase rücken: ,Reisekosten werden nur de» Gewählten vergütet!?" tzl Der «anmersparniß wegen sei der Artikel jedoch ohne Lommeutar in wortgetreuer Uebersetzungg wiedergegebe», da

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