Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 16 (17.4.1890)
- Date
- 1890-04-17
- Page
- Seite 117 (sequence 5)
- Language
- German
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— 11» — $if*|tsrg L Elsaß. Einer der angesehensten und be׳ lirbttstea Bürger unserer Stadt — heißt e« in den hiesigen «Neuesten Nachrichten", Sonntag, den v. d. Ml«. — ist gestorben. Gestern verbreitete sich'schnell die Trauerkunde, Haß Herr Oberrabbioer Aaron im Alter von 84 Jahren am Donnerstag, Nachts 12 Uhr in ein bessere« Jenseit» sanft entschlummert ist. Nur wenige Tage fühlte er sich unwohl und jüngsten Samttag wollte er >« Tempel eine Predigt halten, entschuldigte sich aber durch Unwohlsein. Doch an einen solch' schlimmen Au-gang dachte Niemand. Da« israelitische Ikonfistorium betrauert in ihm den Heimgang seine« Präsidenten, die Gemeinde ihren geliebten Seelsorger, die Linder den zärtlich geliebten Vater. Wo r« galt. Trauernde zu trösten, Gebeugte aufzurichten und Frieden zu stiften, da war er stet« zu Hand, darum w ro sein Heimgang s, schmerzlich beweint. «Da« Andenken de« Gerechten gereicht zum Segen"; darum wird die vcrwaiste Gemeinde ihm ei» liebevolle« Andenken bewahren und sich an den treff» lichrn Tugenden, die den Edlen im Leben zierten, ein Beispiel nehmen. Oberrabbiner Aaron wurde in Sulz u. W. geboren; er machte ausgezeichnete Studien und wurde in sehr jugendlichem Alter al« Rabbiner bestellt. Ehe er da« gesetzlich vorgejchriebene Alter erreicht hatte, wurde er Oberrabb ner. Unter deutscher Regierung wurde der verstorbene Mitglied der PrüsuugS-Kommisfion für Kandidaten de« höheren Schulamt und der Unterrichts-Kommission de« Bezirk« Unter-Elsaß, über welche« sich auch sein Oberrabbinat erstreckte. Boa der französischen Regierung wurde er durch da» Ritterkreuz der Ehrenlegion, von der deutschen durch den Kronenorden 3. Klasse ausgezeichnet. Der Verstorbene erfreute sich der Hochachtung aller Bürger Straßburg« und unsere« Lande« ohne Unterschied der Konfession. Friede seiner Asche! Ueber da« Begräbniß, da« am ersten Tage Chol hamoed stattfand, berichten wir nach der «Straßburger Post": .-ine unabsehbare Menschenmenge säumte gestern Nachmittag die Langestraße, die Bewerbslaubenstrahe, di« Site Korngaffe und die Helcaengassr ein, al» sich der große Leichenzug de» Oderrabbiners Aron um '1 Uhr nach der Synagoge in Bewegung setzte. Eröffnet wurde der Zug durch drei Synagogendiener mit silberner Kette und dem Dreimaster auf dem Haupte, den Stab mit Flor umwunden, dann folgten die Mädchen der Waise nanstalr mit Florschleter, die Knaben der Handwe,kerschule mit Fl»r um Arm und Hut, der hiesige Vorsänger Hcymann mit zwei Borsängern au» auswärtigen Gemeinden, alle drei im Ornat, der Synagaaenchor in seiner besonderen Tracht, und di« »1«r israelitischen Lodtcngräber. Den zweiten Thril dev großen LeichrnzugeS «rtffncte der Gesangverein »Lyra" und eine Abordnung der Rabbiner aus de« Lande und hierauf kamen, kurz vor dem Leichenwagen, drei weitrre Synagogendiener, der Obersynagogendtener, der aus einem schwarzen Sammerkiffea die Orden de» Berstorbenen trug, und dann der Lerchenwagen, der den in eine schlichte schwarze Decke und in Flor gehüllten Sara erblicken lieh. Die Mitglieder de» Lonfiftorium» der israelitischen Gemeind« trugen die Zipfel der Sarg decke und de» Flores. Hinter de« Leichenwagen schritten die übrigen Mitglieder de» Tonsiswrien Le» iSraelstischen Eultus, die Verwandten, dann Staatssekretär v. Putt» kamer, der Gouverneur, General der Infanterie v. Lewinsky, und im Auftrag« de» kaiserlichen Statthalters Hauptmann v. Thaden, weiter drr Generalvicar Schott, der Präsident de» Directarium» der Kirche Augsburger Lonsessio», Petri, Ministerialrath Hamm, «eich»- tagsabgeoroneter Dr. Petri, der Präsident de» Oberschulrath», Miniperialrath Richter, Bürgermeister Back mit den Beigeordneten Hochapfel und Bergmann, Polizeidirector Feichter, viele Semeinderäth«, Handels» kammerpräsident Scngenwald und andere. Dann fogltrn Abordnungen der i»raelitifchen Gemeinden des Unterelsah, die wohlthätigen Anstalten der israelitischen Gemeinde und de» Schluß bildeten dir Mitglieder der hiesigen Gemein»« in unabsehbarer Reihe. In drr Synagoge konnten die Leidtragenden nicht all« Platz finden und Hunderte mutzten davon gehen, so gefüllt war der Temprl. Drr Sarg war unter den Klängen de» Ehopin'schea Trauermarsche», welcher v»n der Orgel au» ergreifend das Gotteshaus durchtönte, vor dem Altar »iedergesetzt worden und dann stimmte drr Barsänger mit ergrrisender Stimm« einen Tramrgesang an, der Svnagogenchor und der Gesangverein .Lyra" sangen das erhebende -horlied »Herr, wa» ist der Mensch" von Roos, welches auch bei der Trauerseier für die Safferin August« gesungen worden war, und dann hielt drr Oberrabbiner «eil au» «olmar di« Leicheapredigt. In »elcher der Berstarben« al» ein echter Sottesmann, geachtet, verehrt und «liebt »an Tausenden, gepriesen wurde. Der Oberrabbiner «rill au» Metz sprach der FamÜie de« verstorbene» Trost zu und Rabbiner Ur, au» »rumach hielt de« verstorbenen Amtsbrudcr dir Leichenrede, «ach Beendigung de» »Mte»di«nste» setz«, sich der Leichenzug durch die Helenrngass«, Tilcherstub^rsse, über de» Gerber graben, de» alten »ein markr, veththnrmstraße, »ach K»nig»hosen in Bewegung. Ja allen Straßen harrte eine große Menschenmenge de» rndlchm Zuge«. Aus de« tsraelittfchen Kirchhofe in Ktniashofeu wurdea die sterblichen Ueberreste de» Obenabdiner» Aron in die Gruft gesenkt, aufrichtig de» trauert von der htefige» israelitischen Gemeind« und alle», die de« Berstorbenen konnten. Am offenen Grab« sprach zunächst drr Wie«- Präsident des -onsistortum», Bankier Blum-Auscher, erhebend« «orte der Verehrung, derRabbiner Lev y an» Seißeuburg ries dem Berstorbenen namens der Rabbiner de» Unterelsah Wort« de» Abschiede» nach. Weiter sprachen: der Präsident der Berwaltung der hiesigen israelitisch«» Gemeinde, Bauer, der Vorsteher der Wohlthä!igkeitsanstalten, Kaufmann Oberdörfer, der Verwalter Schwarz de» Hospiz ,Elisa", deffen Gründer der Verstorben« war, und ein Neffe de» Berstorbenen, der Rabbiner Aron au» Luneville. -in weihevoller Gesang schloß die Feier am Grabe." תינ׳ציב׳ה* Ztayeru» 7. April. (Or.-Tor.) Am 2g. März beging der wohl älteste Rabbiner Bayern», der im 82. Leben«- jahre stehende Herr DistrictSrabbiner Lebrecht in Schweine« furt, die Feier seine« fünfzigjährigen Amt«jubiläum«. Der erste Theil der Feier bestand in einem Festgottesdienst in der reich geschmückten Synagoge, in Gegenwart der ge« sammten jüdischen Gemeinde, von Vertretern der DistrictS« gemeinden, der städtischen Behörden, der Geistlichkeit beider christlichen Eonfesflonen, der Lehrerkollegien sämmtlicher Bildungsanstalten u. s. lv. Der Gesang wurde theilweise von einem Lehrerquartett, da« sich freiwillig dazu erboten hatte, ausgeführt. Die Festpredigt, die von dem jüngsten Rabbintr Bayern«, Herrn Dr. Eckstein-Bamberg, gehalten wurde, schilderte in trefflicher Weise, ausgehend von der Aotlitt-predigt des Jubilar«, in welcher dieser da« Ideal eine» modernen Rabbiner« aufgestellt hatte, die Thätigkeit deffrlben, wie er e« verstanden hatte, die zwei Parteien, die er in seinen Gemeinden vorgrfunden hatte» die ,Alten" und die vorwärts strebenden .Neuen", zu versöhnen und Friede und Einigkeit herzustellen und zu eryalten. Der Jubilar antwortete in einer schlichten, aber die Herzen aller Anwesenden tief ergreifenden Rede. Er beschrieb die Kämpfe, die er mit beiden Richtungen gehabt, und schloß mit Dank gegen Gott und seine Gemeinden. Noch großartiger al« dieser Gottesdienst war ein Festbanket, welche« am Abend deffrlben Tages wohl 600 Personen versammelte, von denen die Hälfte Ehristrn gewesen sein mögen. Bon Instrumental- und Vokalmusik unterbrochen, folgte Rede auf Rede. Der Vvrfteher der Gemeinde toastete auf den Prinzregenten, Herr Dr. Krausvld, Protest. Deka», unter hebräischer und drntscher Anführung von Ps. 1 B. 1—3 und Pf. 126,3 auf den Jubilar, der Vertreter de« erkrankten Bürgermeister« auf dir LultuSgemeinde. Die Vorstände de« Lehrrrverein«, de» Bürgerverein« und de« naturwiffenschaftlicheu Verein«, deren eifrige« Mitglied der Jubilar ist, brachten ihre Glückwünsche. Diese: anwortete, in dem er diese vielen herzlichen Wünsche nicht nur für sich, sondern auch für seine vielge« schmähte und verfolgte Eoufession in Anspruch nahm. Noch mancherlei Reden folgten, bi« um 2 Uhr der Gefeierte mit seiner Familie aufbrach. S» schloß diese» allen Theilnehmern unvergeßliche Fest, da« in seiner Art wahrlich eia seltene« zu neunen ist. Möge der Jubilar noch recht viele Jahre in ebenso ungetrübter Gesundheit seine« hohen Amte« walten, verehrt von Allen, di« ihn kennen, zum Heile Israel». Möge die Toleranz, wie sie sich in seinem Bezirke zwischen den einzelnen Lonfesfioueu, nicht zum wenigsten durch sein Verdienst, au»gebildet hat, immer bestehen und sich immer weiter verbreiten! Schweiz. St. Galle«, 8. April. (Or.-Cr.) Unsere in der jüngsten Nr. Ihrer geschätzten Wochenschrift ausgesprochene Bermuthung hat sich nur zu bald verwirklicht. Der Eentralvorstaad de« schweizerischen Thierschutzvereine«, sowie die Vorstände der argauische» und bernischen Thierschutzvereine find bereit« am 2. April in »arau zusammen,etrete», um gegen den neuesten Entscheid de» VundrSrathe» Stellung zu nehme». Der Vice- Präsident de« Leutralvorstaade«, Herr Alt-Bezirksverwaeier Keller, referirte über den Stand der Schächtfrage, die nach