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Israelitische Wochenschrift · 1890-04-17 · 16 (17.4.1890) · p. Seite 115

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
16 (17.4.1890)
Date
1890-04-17
Page
Seite 115 (sequence 3)
Language
German
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— 117 tm Lehrer s«ll die Religtvn i» sich strigtA. »der Mcht ans de» Itaerrscht der »«Mich«» •etzwOita« SdertrageN. Sr frt »ich» AntirelPtöse«. wohl «ll»«ti» Religiöse«, «brr nie CMfcffüratl» d«b«t lehren, n» Maifftra in polemischen •tau an* in feindseliger Absicht, die -religiöse» Anschanmngen »»d vedmigen «ndeaer Bekenner hentaersetzend, bekämpfend, desMtrlnd. Nicht «inmel in L»ufesfi»n«sch»le» ist di» ge» ftavat, »er den Ohren der urtheilSloseu Jugend, gesch»«ige i» Stanltanschnlrn, mo die Schüler »erschiedener Religionen und Lorrfesfionen gemischt zusmnmrnfitzan. Denn im Leben haben die Bekenner verschiedener Religimien und Svnfesfivnen friedlich und einttächtig mit einander zn leben und zu »erkehre», «nd bie Schulen haben ans d*!n solchen Verkehr ••r|»bcu1tra und dafür zu erziehen; nützt« aber überträgt sich leichter ans« Leben »nd bleibt darin länger und stärker hasten, n» falsche Urtheile, religiös« Vornrtheile und Srhäsfigk^ilen, »elch« der Jugend von SchnE und Han« her. dnrch Unterricht und Erziehung eingepflanzt und darin de- »nßtlo« graßgezogen »orden find. Der friedliche Lebens« verkehr unter den verschiedenen Religiousdekennern wird also entschieden durch den friedlichen Verkehr der Lehrer und Schüler in genischtrn Simnltanschnlen vorbereitet und ge» fördert, durch d e separirte» Eonfesfionsschnlr» wo Lehrer und Schüler jeder Toufesflo» für sich find, principiell und thatsächlich geschädigt. Denn ber konfesfionrlle Religion«- unterricht wird gar zn leicht pale« sch, und -er gegensätzliche Verkehr der Jugend wird im Leben gar zn leicht ein getzäsfiger. — Eonfesfiansschulen find auch in der Regel unter kirchliche Lufsicht und verinflussuag gestellt, welche kirchlichen Unterricht und confessionelle Erziehung begünstigen, dagegen weMiche Unlerrichttzweige vernachlässigen; nicht mrr der kirchliche Unterricht, auch da« kirchliche Leben entzieht dem westlichen Schulunterricht viele Stunden und Tage. Bei den vermehrten und erschwerten Anforderungen, welche Wissen und Leben an Schule und Schüler stellet׳, ist die» ein entschirdeuer Nachthril, den die staatliche Schulbehörde wohl in« Auge zu fassen hat, um nicht die Unterricht«, und Erholung«- zeit für die ohnedies vielfach überbürdet« Jugend zu kürzen. Für die höheren Schulen ist confessionelle Trennung ein principieller Widerspruch. Universitäten sind keine Erziehung«» auftaltrn, sondern Pflegestätten der Wissenschaft, und der Hauptzweck der Gymnasien ist. die studirende Jugend für di« Universitäten, die Wissenschaft, vorzubereiten. Bon allen Fächern, selbst d«m Studium und der Darstellung der Geschichte, ist ceufessionelle Voreingenommenheit und Färbung ausgeschlossen, muß ««»geschloffen sein. Denn wenn wir die Geschichte der Vorzeit auch studiren, nicht nur um die Geschrhuiffe der Vergangenheit zu wissen, sondern um ihre Lorkammniffe und Erfahrungen für die Gegenwart und Zu» kunft zu benutzen und praktisch zu verwerthen, so ist und bleibt e« »och erforderlich, daß die Gesch-Hvifse objrctio richtig ansgefaßt «nd dargrpellt werden müssen, um darau« richtig« Lonsequenzen ziehen zu köonen. Wird die Stellung zu den Thatsachen verdreht, oder sieht man diese durch gefärbte Brillen an. so erscheinen uns diese nicht van ihrer wahren Seite oder im falschen Licht,. Wir werden dadurch in unseren »nschaunngen und demnach muh in nnserm Urtheil, in unseren «nfichteu und Folgerungen getäuscht. Man kann daher mit der Einrichtung caufesfionrller Valks- und Hochschule» doch nur den Zweck haben und di« Absicht »erfolgen, confesstonrlleu Haß zu säen und ,an, besauber» auiisemitische Feindschaft zu hegen, um nach mittelalterliche« Bordild unter fich wieder die alten Religion«- fthdeu und -Kriege vvrznberriten und die Juden wieder von Wissenschaft, Leden und Verkehr auSzuschließe», politisch und social von den Anderen zu trennen. Man sagt'« nicht '»»tlich, aber wir erkennen die Absicht — und find verstimmt; der Feind »erräth seine Augriff««»tse nicht und legt st« nicht »fftn dar; aber wir haben die Pflicht, sie auszufarscheu Und abznwehren. _ Berichte TerreftßsicheiqeU. StaMten».' Waadeßn« («in Brief Peftalazzi'» au Zschskke). Heinrich Zschokke, dessen mit einer Tafel ^zierte« Gebnrts» hau« nur wenige Hänser »au der Wohnung de« Redaktenr« dies. Bl. hier fich befindet, hatte vor SO Jahren Pestalozzi brieflich «rfucht, »och fernerhin jüdische Sinder nicht in seiner Anstalt anfzunehmru, ohne dieselben vorher znm Lhriftrnthuwe bellehrt zn haben. Al« Zschokke sogar drohte, den Unt rnehmungen Pestalozzi« die Unterstützung zu entziehen, wenn er nickt fernerhin nur christliche Sinder unterrichte und vrrpflogc, da schrieb der herrliche, edle Mann folgende Zeilen an Zschokke, die derselbe in seiner ,Selbstschau- 1799 selbst veröffentlichte. Der Brief lautet (nach einer Mitthrilung de« Herrn S. Wiesenthal in der .Neuzeit-) wie folgt: ,Mein edler Heinrich; Mil allen Kräfte» «eine» Geiste« und «eine» Herzen« »,beite ich feit zwei Zehren dahin, in allen elternlosen Kindein eine ,ctlliche und st liche SemLthSstimmung zn erwecken und z 1 beleben. Ich suche die Kinder bei der ersten Entwicklung ihrer K Ssi« zu Geschwistern zu machen und mein Hau» In den einfachen gleist einer »rrstn Haut» Haltung zu'ammenzuschmelzen! Herb.i br'nze ich «» fertig üb.r Bersckieder heit der Re'i.ion st ll zu sein. Ich will tcn nei igin jütischen ldnaben, den herzlichen armen Waisen, für den Glaube» ihier Eltern Li be eiaflSßen und durch Befriedigung ihier täglichen Bedü fnisje, duich Angewöhnung «oh'thuender Fertigkeiten ihre Herzen geneigt und empfänglich für die!hat der Li>bc nrd die Kraft der Sittlichkeit machen. Da» ist ja loch zunächst die Haupt! elizivnl Ach, neulich, theurer Heinrich, fiel mir eia kleiner Judenknabe, der in Krakau geboren und die Eltern v>rlor» — um den Hai» und ries: Lieber Vater l — Rein, mein Heinrich, wenn D r so unedel sein kannst nnd ta» &!langen steift, ich soll« die arnen Saisin zum Ehristen hume zwingen, bann fehlt Dir d e nSthige EinsichtI Ja Glaubenäsachen muß weder Zwang noch Ge Walt herrscheni Seit Iah,Hunderten lehrt man dar Christrnthum. Welche Gegensätze bringt«», sobald e« sich im Jud>n handelt, zur Geltung. G« sinkt herab zur Niedrigkeit, zur Schmach, verliert die Hohe!׳, bie Arinhci', die Sä:t« der Nächstenliebe, wer״ ci sich nicht »on der Judenseiadschast abwenden kann. Glaubentseindschast entsittlicht «nd verwildert. Mein einzige» Ziel ist: die wahre, »wie Menschenlieb« beihäligen. Willst Du mir h erbet Helsen, s» stelle lein« Bedlngi ngen — nnd beset'g« da» schlechtest der Gefühle — d e Judensi iatschast. Heinrich, sanster, edler Freund, gehorsame I Ich bin Dein ireuer und ergebener Stanz, am 7. April 1789. Pestalozzi.- So schrieb Prstalozzi vor 91 Jahren. Man sagt, unser Eultusminister schätze Pestalozzi sehr hoch; wie schön wäre e« gewesen, wenn er dem Ho'prediger Stöcker gelegentlich der jüngsten Juden-Debalte statt jeder andern Antwort den obigen Brief Pestalozzi'« vorgelesen hätte. Magdeönrg, 13. April. (Or.-Eor.) Einen Theil seiner gestrigen zur Todteufeier gehaltenen Predigt widmete Herr Rabbiner Dr. Rahmer dem Grdüchtniß Ludwig Philippson'«, der nahezu drei Jahrzehnte in der hiesigen Gemeinde segensreich gewirkt hatte. Bei Nennung seine« Namen« erhob sich die ganze Gemeinde in dankbarer Verehrung und harrte in dieser Stellung während de« ganzen Theil« der Predig», in welchem der Redner Philipps»»« Bedeutung für da« Judenthum beleuchtete, die er in den Worten zusammenfaßte, daß der Mann, der 28 Jahre nach dem Tode Mend<l«sohn« in dessen Geburlbort da« Licht der Welt erblickte, da« verdienstvolle Werk de« schüchternen Dessauer Äellweisen um seine Glaubens» genossen maanesmuthig und zletbewußt mit rastlosem Eifer und großem Erfolge sartsrtzte, wofür die ganze Judeuhrit ihm zu großem Danke verpflichtet sei. Ehre seinem gesegnete« AadrnkenI Merkt«. Am 17. Mai begeht Herr Rabbiner und Seminardtrector Dr. Israel Hildesheimer seinen 70. Geburtstag. Ein Somit«( au« der Mitte der zahlreichen Schüler, Arruud« und Verehrer diese« nm die Fördrr^

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