Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 14 (4.4.1890)
- Date
- 1890-04-04
- Page
- Seite 110 (sequence 6)
- Language
- German
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— liC — Caftungcn Fest haltenden find ohnehin daran gewöhnt, für ihre Religion Lpfer zu bringen, und werde» fich zu trösten wiffea, venn ihre Kind« im alleischlimmsteu Fall« durch die Heilighaltung der Festtage ein oder zwei Semester länger di« Schule besuchen oder durch Rachhilfestunden di« enrstandenen Lücken auäsüllen müflen. Nimmermehr aber werde« sich di« Synagogengemeinden auf den ihnen vom Unterrichtäminiper anae» deuteten weg der Gründung von jüdisch-konfessionellen höheren Schulen drängen lallen, weil sie dadurch da» ihnen verfassungsmäßig zustehend« Rechi der Milbenutzung der öffentlichen Anstalten, »u deren Erhaltung Iie beisteuern, thatsächlich preiägrbe» und «in gefährliche» PriUudiz chaffen würden, drffen Konsequenzen sich gar bald auch auf anderen Gebieten geltend machen könnten." Aranüfnrt «. M., 24. März Zur Klarstellung btffnt, wo» der Abp. Stöcker über die hresigrn zwei jüdischen höheren Sck.ulen im Abgeordnrtenhause gesagt hat, theilt die ,Franks. Ztg." Folgende» mit: ,Unsere israelitisch« Real» und Bolkrschule (Philanthrop ^) wurde einige Jahre nach der Mufterschule gegründet (1804) und zwar nicht au» irgmd welchen konfessionellen Gründe«, sondern weil der frisch« Strom de» geistigen LcbcnS am Ende de» 18 Jahrhundert» d׳c treibend« Kraft der AusklärungSperiod« auch die noch im Ghetto abgeschlossenen Juden veranlahte, ihren Kindern den Eintritt in den BldungSgang der deutschen Nation durch rinen geregelten, umfassenden Schulunterricht zn vermitteln. Daß die ongedeuteten konfessionellen Gegensötze in Frankfurt nicht zur Geltung gelangt find, beweist die Lhatsache, daß die christlichen Schulen von vielen Juden und die jüdischen Schulen von vielen Ehristrn besucht werden. Unser« Stadt erfreut sich eine» vollständigen konfessionellen Frieden». Zu brmerken ist noch, daß die jüdischen Schulen in Frankfurt weder dem Staate noch der Stadt etwa» kosten, sondern ganz und gar von dm jüdischen Gemeinden unterhalten werden." -Snigrler- 1. 'Sft■ (Or.-Lorr.) In der ,Israel. Wochenschrift" ist schon mehrfach auf die segensreiche Wirk« samkeit de« verbände» der Synagogen-Gemeinden Ostpreußen» hingewiesen» von dem un» der Bericht über da» Geschäfts jahr 1888/89 vorliegt. Die letzte ordentliche General- Versammlung fand am 30. Sept. 1888 in Bartenstein statt; im vergangenen Jahre fiel eiue solche au» mehriachrn Gründen au«, sodaß nur eine Plenarsitzung de» AuSschuffe« anderaumt wurde, dir am 26. Dezember 1889 in Insterburg tagte. Wir können hier nicht sämmlliche Beschlüsse reprodociren, sondern nur vou den allgemein röteresfirenden Act nehmen. So hat der Mangel einer Mikwah in der Gemeinde Heilsberg Anlaß zu einer Beschwerde beim RegierungSpräsidrnten gegeben. (Wir können nicht ander» als nachdrück ich betonen, daß die Beschwerdeführer dadurch neue» ChiUal h&sohem begangen haben; zur Entscheidung iuiernrr religiösen Nngelcgenheitm sollte nie die Regierung«, behöror angerufen werden! Der Lorresp.) Auf de ien Ersuchen hat Dr. Bamberger eine gutachtliche Aeußerung verfaßt. Bei her Weigerung der Gemeinde zur Erbauung einer Mikwah, soll, ehe die behördliche Entscheidung ergeht, zuvor ermittelt werden, ob nicht au« anderweitigen Fond» eine Beihilfe zu den bedeutenden Baukosten erfliegen möchte. Der Ausschuß jedoch erklärt für genannten Zweck keinerlei Geldmittel zur Verfügung zu haben. — Da« ist ftrrlich ein Armut h»zeugnlß un wörtlichsten Sinne oe» Worte«. Für «u»bildung von Lehrern sind in dem Etat pro 1888/89 300 Mk. vorgesehen, die auch zur Bertheiluug gekommen find. (Der verehrliche Ausschuß verübelt e» un» wohl nicht, wmn wir ihu ersuchen, künftighin die Namen der Stipendiaten nicht völlig auszuschreiben, die Juitialm dürsten genügen; ebenfalls halten wir e« nicht für eorrect, wenn von eiuem Schüler der Mittelschule in I. — der Name wird genannt — gesagt wird, daß, drffen .gänzlich mittelloser Vater" Freischule nicht hat erlaugm könne«. So anerkenne«, »erty auf der einm Seite der «ohlthätige Sinn de» Au«- schuffr» erscheint, so sehr erleidet auf der anderm Seite der Charakter wahren Wohlthun» eiue bedeutmde Einbuße durch Veröffentlichung der Namen der HülfSbedürftige«. Der Lorresp.) Für die in der Strafanstalt zu Insterburg tnternirtm jüdischen Strafgefaugeneu find für rituelle Berpfleguag verausgabt M. 190,49. In der Sitzung dr» verband»-Schiedsgericht, die am gleichm Tage mit der >u«schußfitz«ag tagte, wurde auch die Lötzen-Widmianer Streitsache verhandelt. .Seit einer Reih« von Jahren haben nämlich die der Gemeind« Lötzen statutarisch zugewlesenen, in Widminnen wohnenden Inden dt« Bildung einer selbstständigen Gemeind« ai-»strebt, haben au» eigenen Mit el» «inen Gotte»acker erwo.be», — den Leichenwagen gab di« Lötzener Gemeinde her — und ein« Betstub« mit eigenem Gott«»di«aste an den Festtagen unterha'ten. Ihre Anträge stad jedoch in der Lö)«ner Gemcinde-Lenammlung.»« welcher sie selbst bei lb Famil eahäuptern nur S stimmverech'tgt-Mitglieder stellten, wiedelholt zurückgew'eseu worden. Schließlich ist ihnen «ine mehrere Jahre hindurch Via den Lötzen-rn zugebilligte Beihilfe von SO Mk. jährlich ohne st'chhaltigea Grund entzogen worden. So hatte sich, während Widmianen im Laufe der Jahr« einen Zuwach» an jüdisiten Familien bi» auf lü erfuhr, zwischen dem Gemeinde-Borftand« Lötzen und seinen Widminner Mit» gliedern ein unsriedlicher Berkehr herauSgebildet, bei dem die Widminner eine Bestiedigung de» ritualen Bedürfnisse» und den Unterricht für die schulpflichti:«» Kinder durch den Borstand in Lötzen nicht zu erreichen vermochten. Al» endlich i« Mai d. I. der lange zuvor angedroh'e Auttritt au» dem Judetthume de» höchst besteuer ea Mitgliedes in Aidmtnnen zur Dhaisach« geworden war, zwei andere dir nächsth»chften Beiträge zahlenden Mitglieder «benfall« Miene «achten jene« gänzlich unerwarteten Bo'ganae zu salzen, da brachte der Lötzener Baistand diesen Fall, der sein« Gemeinde mit dem Verluste erheblicher Beisteuern brdrohte, bet de« Ausschüsse de» Berbande» beschwerdrsührend z ir Anzeige und bat um Tin'chrelten b ztehung weise schied» tchterl cher Entscheidung. Der Riß war inzw sch n t« Lause der Jahre tiefer geworden, di« Stimmung der Widminner Juden unversöhnlich geblieben, der Bo:stand in Lötzen zur Aufgabe seine» in gute« Glaub m eingenom neuen, rein formalen, unnachgiebigen Standpunkt׳« nicht gen tgt. Nachdem Davidson al» vettreter der Lötzener Gemeind« gehött worden, derselbe auch zu BeigleichS-BorschiSam nicht rrmächtiat war, fällte da»Schiedsgericht t« deran »brachten Streitsache seinen Spruch dahin: .daß die Gemeinde Lötzen vom nächste» GiatSjahre ab ihre in Widminren wohn halten Mitglieder, anstatt de» bisherig«» Beiträge» von */4 der von den Löp!ner Mirgliedein zu leistenden Beitiäze, nur sortau mit der Hälft« zu ihren Gemeindelastea heranz ehea möge. Ohne den Schiedsspruch abzuwirten traten die IS Fa» mitten in Widminnea zur Bildung einer eigenen Gemeinde, unter Engagement eine» SultuSdeamten, zusammen. Was nun die Schulinspection seiten» dr» Verbände» betrifft, so wird constatirt, big Gemeinde und Lehrer sich ihrer Pflicht dem Religionsunterricht gegenüber bewußt sind, wenn auch leider Fälle zu verzeichnen sin!, wo diese heiligen J:ltereffen rücksicht«loS mit Füßen getreten werden, blo» um fich an der schönen Stimme de» Chase» zu erfreuen. — Zum Schluß klagt der Bericht, über den spärlichen Beitritt neuer Mitglieder zum verbände, denn der Beitrag oin 3 M. p. a. sei doch geringfügig genug. Wir wollen nur wünschen, daß der Appell nicht erfolglos verhallt, damit das Gemeindeweseu in Ostpreußen zu immer schönerer Blüth« gelangt. Die Einnahmen de» Verbände» betrugen M. 6915,02, die Au»« gaben M. 1146,22; e« verbleibt also ein Kaffeobestand von M. 5768,80. Jitta«, 30. März. (Or.-Eorr.) Daß muthige« Au«, harren und freudige Begeisterung zum Ziele führen, hoffen wir bald zu erfahren. Stet» war es al» großer Urbelstand anerkannt, daß die Gemeinde hier keine Co poralionSrechte besaß und daher weder die Gleichgiltigen zu einem Beitrage heranziehen, noch die Wohlhabenden im Berhältniffe zu ihrem Vermögen besteuern konnte. H:rr M. Glaser» der Borsitzende der in Form einer eingetragenen Geooffenschaft oereinigten Gemeindemitglieder, - wandte sich daher schon vor etwa neun Jahre« an da» Ministerium um Erlangung der Lorporatiou«rechte, wurde aber mit seinem Gesuche abgewiesen, weil die Mehrheit der Steuerkräftigeu hiergegen Widerspruch erhob und die Behörde die Beflaudfähigkeit der Gemeinde anzwetfelte. Da e» aber Herrn Glaser inzwischen gelungen ist, nicht nur die Gemeindriastitatiouen zu erhalten, ein Stück Land zu einem Friedhofe für die Gemeinde zu erwerben und diesen würdig etnzarichtea, sondern auch den größten Theil der Widerstrebenden für br; Er-