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Israelitische Wochenschrift · 1890-04-04 · 14 (4.4.1890) · p. Seite 106

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
14 (4.4.1890)
Date
1890-04-04
Page
Seite 106 (sequence 2)
Language
German
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mit Recht unter ben Sleichniß bei Kampfe« betrachtet wird, wie wenig hält derjenige Stand, der den Gegner geringschätzt. E« ist ein untrüglicher Borbote de« Ruin«, wenn einer, der ein geschäftliche« Unternehmen gründet, verächtlich ans diejenigen blickt, die bisher in dieser Sphäre sich bewegt haben, oder wenn ein anderer, der lange Zeit in seiner BernfSarbeir vertranen und Erfolg hatte, zu dem Glauben verleitet wirb, er könne nicht herauSgedrängt werden. Diese Ansicht ist da« Anfang« so bequewe Polster der Gedankenlofigkeit, von dem man nach einer kurzen behaglichen Rast unsanft durch den früher verachteten Nebenbuhler hinweggestoßen wird, der dann mit einer unerbittlichen Bestimmtheit die Forderung au«spricht: erhebe Dich, daß ich wich setze. E« ist ja vielleicht ganz gut, daß da« Schicksal einem Glücksrad vergleichbar ist, welche« ständig gedreht wird, daß sonach diejenigen, die heute oben find, morgen schon wieder nach unten befördert «erden. Aber da« Rad würde nicht so rasch fich drehen, wenn die Glücklichen nicht so achtlos wären, wenn fie etwa« energischer fich den Mächten entgegenstemmen würden, die den Umschwung de« Rade« beschleunigen, wenn fie den Gegner nicht unterschätzten. Und worauf beruhen die Erfolge der Staat«kuust, der Kriegskunst? Die Entscheidungen in dem letzten großen Kriege find wesentlich dadurch herbeigeführt worben, daß unsere Heerführer mit Truppenmaffen, die dem Feinde an Zahl überlegen waren, die Schlacht erzwangen und dadurch von vornherein im Bortheil waren. Die Siege sind darum nicht weniger ruhmreich, weil mit der Tapferkeit auch die Borficht und die Ueberlegung im Bunde waren. Die heilige Schrift erzählt un«, daß Belsazar, der König von Babel, sorglo« schmauste, während die Feinde schon im- Anzuge waren gegen seine Hauptstadt, und Geisterhand habe sein Schicksal an die Wand gezeichnet. Wir lesen in der »Hagadah», baß die« zur Zeit de« Passahfeste« geschehen sein soll, d. h. daß den Belsazar fich nur da« Schicksal wiederholt habe, daein Jahrtausend vorher den Pharao ereilt hatte. Jeder Herrscher, der den Widersacher verachtet, und sorglo« dem Genuffe lebt in thörichter Selbftverdlendung, daß e« zum Aofraffen immer noch Zeft sei. erfährt wie durch Schicksalshand die Berkündung de» Urthril«: Du warft ge» wogen und zu leicht gefunden. Und am allerwenigsten darf eine kleine Minder heit wie J«rael die Feinde gering achten, die un» ring« umgeben, wir dürfen un« nicht in ein falsche« Gefühl der Sicherheit wiegen, nicht durch Uebermuth den Gegner reizen, vor ollem müffen unsere Waffen scharf und rein sein, »üfien wir in Eintracht zusammenstehen und nicht durch Zwietracht in unserer Mitte dem Gegner die Blöße zeigen, gegen die er seinen Stoß richten »ante. Al« vor etwa« länger al« eine« Jahrzehend in der Hauptstadt de« deutschen Reiche« eine Partei sich erhob, deren ganze« polftische« Programm in de« einen Worte Judenfeindschaft fich zusammensaflen läßt, wurde der Feind von un« gering geachtet, wir glaubten, wie ein böser Trau« würde dieser ganze Spuk verschwinden» ohne Spuren in unser» staatlichen und gesellschaftlichen Leben zurückMaffeu. Berlogeu und Berschrobcn wie die Sache ist schm» der Name dieser sonderbaren Gesellen. Denn da« Wort Semiten, tu neuerer Zeit entstauben, bedeutet in der Siffenschast alle Völker, welche tu vorderafien gelebt haben, also eine groß« \ Völker- und Sprachensawilie, von der die Juden unr ein sehr winziger Brnchtheil find; ja wenn «an «rwSgt, daß e» . wesentlich die Aufgabe de« Jnbenthum« war Kront zu «acheu gegen den Aberglauben dieser semitischen Völker, gegen ihre barbarischen Sitten und Gesetze und daß di« heilige Schrift neben ihrem positiven Gehalte auch ein feierlicher Protest gegen die Vielgötterei, den Naturdteust und die Ent-׳ artung der Semiten ist, so giebt e« keine Genoffenschaft, die ein größere» Recht hätte, fich ,Antisemiten» zu nennen, al« die jüdische. Al« unsere Vorfahren noch nuter den Semiten in Sanaa lebten, wurden fie von allen Seiten augefeiudet und fie wurden damals keineSweg« al« gleichge« finnte Geuoffen betrachtet. So trägt diese unserer Gegner Sippe, an der Alle« falsch ist, schon einen falscheuNamen. Aber ist da« ein Grund einen Gegner in dieser Welt, in welcher die Lüge eine Großmacht ist, gering zu achten? Wahrlich für diese Kurzfichtigeu paßt da« Wort de« Propheten: .O über die, die klug find in ihren eigenen Augen und weise vor fich selbst». Mose« litt selbst keine Noth, al« die J«raeliteu in Aegypten gequält wurden; er war der Qualen ledig und lebte al« Jusaffe de« KvnigSpalaste«; aber er fühlte die Marter de« Leibe« und de« Geiste«, die seinen Brüdern zugefügt wurde, als geschähe e« ihm selbst, er wollte gar nicht« Beffere« sein, al» diese Armen und Elenden. Beim Paffahlamm heißt e«: »Ihr sollt nehmen einen Bund von Isob». O, wenn Israel heute ein Bund von J׳»b. ein Bund von Schlichten, Demüthigeu, Bescheideneu wäre, dann könnte e«, wie dereinst in Aegypten, dem Berderber wehren und ihn von der Schwelle de« Hause« fern halten. Wir aber find nimmermehr solch' ein Bund von Jsob. Gerade den Angriffen unserer Feinde gegenüber redrt sich jeder, der auf einer höhrru Stufe der Gesellschaft, de« Wohlstände«, der Bildung, steht, ein: gegen ihn seien die Pfeile nicht gerichtet; Der überfieht, daß gerade da« Gift jener Pfeile darin besteht, daß fie scheinbar da« Allgemeine treffen sollen, in Wirklichkeit aber jrdenEinzelnen verwunden, u.zwar steigt die Empfäug« lichkeit und Empfindlichkeit für diese Wunden mit der Fähigkeit fich für da« Allgemeine und für höher« Ideen zu begeistern. Wer ist gemeint, wenn speciell die Juden gescholten »erben; etwa die Verbrecher? Diese find, unabhängig vom Bekennt» niß und nationaler Zugehörigket, überall »erachtet und au-gestoßen; für dies« gilt nicht der gelb« Fleck, den nn» unser« Widersacher aufheften möchten, fie möchten ihn auch nicht al« Schande ewpstnden; auch die Armen find nicht - gemeint, fie tragen schwer genug au der schwersten Last, an der: nicht« zu haben, um den Neid und den Haß zu entwaffnen; gewiß kann fich auch unter dem verschoffenen Kleide de« Dürftigen ein edle« Herz verbergen; aber e« ist - absurd zu glauben, baß diese ohnedie« von Gott Hetmgesuchten! noch den Haß der Menschen erfahren; fie find vielleicht ein;יי Gegenstand rohen Scherze« seiten« dieser Barbaren; aber da« ist gerade di« Lage, in di« der Haß all« Inden versetzt T zu sehen wünscht. Die Feindschaft ist am heftigsten Denen _ gegenüber, die durch Bildung und Geist »der -י

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