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Israelitische Wochenschrift · 1890-03-20 · 12 (20.3.1890) · p. Seite 94

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
12 (20.3.1890)
Date
1890-03-20
Page
Seite 94 (sequence 6)
Language
German
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Coifionb btr ,Lhcwra-kadischa-; Herr Earl Magen, Mit- 8lieb der Nattborer B'nr-B'rith-Loge. feierte in beredten öortkn die humanen Duden zen d«S Vereine«. Herr kaufmono Sutteutag brachte ein Hoch auf deu sich allseitig«» Eywpathieen erfreuenden Rabbin«r brr Geuieinde ouö und Herr Savsmovn Sach» toastete auf den mit reichen Stimm- Mitteln begabten Cantor Lirbel. Die »Berstei^erung de» Tischgebete«- ging unter grober Heiterlcit d«r Versammlung vor sich und wurde d«r Erlös im Betrage von 137,KO M. für Verl Heilung an die OrtSorwen bestimmt. Erst nach zwei Uhr Moroni« trennten sich die Festthetlrehm r. ztee» a. Rhein, 14. März. (Or-Eorr) In diesen Togln kamen die gedruckten Statuten de« in der ,Wochenschrist Nr. 2erwähnten und unterm 16. Februar d. I. zu Wesel eanstituirten Brrrin« zur Bntheiluug au die Mitglieder. Der Verein führt deu Namen ״Earaa» kefafim* und hat feinen Sitz in Bocholt. Vorläufig find demselben die Synagogen-Gemeinden Alpen, Bocholt. Borken, Eleve, Eoe»- feld, Tin«laken, Dülmen, Emmerich, Geldern, Haltern, Ree«, Schermbeck und Wesel mit 234 Mitgliedern beigetreten; außerdem weist da« Mitglieder-Verzeichniß 3 auswärtige (außerhalb diese« Bezirke« ansässige) Mitglieder auf. Der Vorstand besteht au« einem Vorsitzenden und deffen Stell- Vertreter, einem Rendanten und einem Schriftführer, so wie au« den Borfitzenden der Vorstände der Ortsgruppen oder bereu Stellvertretern. Zum Vorsitzenden wurde für die ersten 3 Jahre Herr Lehrer I. Spier ia Bocholt gewählt. Gegen Zahlung eine« außerordenilichru Beitrage» von mindesten« 306 Mk. kau» die Ehrenmitgliedschaft de« Vorstände«, jedoch ohne Stimmrecht, erworben werden. Im Jntereffe der von ihm vertretenen heiligen Sache ist de« Verein ein fegen«- reiche« Gedeihen, so wie der Bestritt zahlreicher (auch außerhalb de« Bererutbezirk« wohnenden) Mitglieder von Herzen zu wünschen. Lesterreieb-Uwgar». D. Ireßbnrß, 16. März. (Or^Lorr.) Ueber die in vor. Nummer diese« Blatte« behandelte Friedhof«frage der orthodoxen Gemeinde in Budapest ist am 10. d. die Entscheidung gefallen, und zwar ist da« Verlangen der Orthodoxen, einen eigenen Friedhof errichten zu düifen, vom Verwaltung«- Ausschuß einstimmig abgewiesrn worden. Die Motive de« Segen-Memorandum« der Ehewra-Ladischa der Hauptgrmeiude find vollständig gewürdigt worden, und der Oberstadthanptmauu fügt: noch hinzu, daß die Zahl der Friedhöfe an« NützlichkeitSgründeu ohne Noth nicht vermehrt werden dürfe. Andrerseits sagte er. hat die alte Ehewra-Sadischa ihrer humaustärrn und kulturellen Mission bisher glänzeud enisprochen, »ud e« liege daher nicht im öffentlichen Jntereffe. die Wirksamkeit dieser Bereinigung dnrcb Zersplitterung ihrer Hilfsmittel zu breiuträch« tige«. Beachten«»erlh war die Rede de« Staatsanwaltes, in »elcher er hervorhob, daß zu deu vielen Umständen, dir gegen da« Vorgehen und Verlangen der Orthodoxen sprechen, sich noch ein anderer GefichtSpuukt geselle, nämlich, daß e« nicht iw Jutereffe der Hauptstadt und eben so wenig de« Lander liege, der Orthodoxie, al« dem Prototyp der Zurückgebliebenheit(?). Vottheile zu biete». Da« ist eine etwa« scharfe Berurtheilnug der orthodoxen Bestrebougeu im Allgemeinen. — — Bei dem letzten Hofdiner wurde allgemein bemerkt,! daß fich Sr. Majestät mit dem Abgeordneten M. Sahrman», der zugleich Prüfe« der i«r. ReligionSgeweind« in Pest ist, besonder« lange und eingehend über die gegenwärtige durch die Demission de« Ministerpräfidruteu Ti«za hervorgerufene kritische Loge der politische» Zustände unterhastrn hat. HÄttNreeßch» ^aris, 2. März. Man möchte e« kaum glauben, aber e« ist so — an dem Autbruch der gestrigen Mioisterkrisi«, der wie «ia Blitz au« heiterem Himmel kam, ist tatsächlich ein Jude die unschuldig« Vttanlaffung. Der Hergang der Cache war felgender. Der gestrige Ministerroth hatte sich mit der Ernennung de« Vorsitzenden de« ikaffatioa«hofe« ur beschäftigen. Der Safsationßhof entspricht in Frankrenh unserem Reich«geticht und sein Vorsitzender ist der höchste Richter te« Land««. Die meisten Recht« zur Beförderung auf diesen hohen Posten hat Bedarride«, Abtheiluogh- Vorsitzender am Saffationthofe. Tirarb will ihn jedoch nicht ernennen, weil er Jude ist und die Beförderung eine» Jüdin nach der Meinung de« Ministerpräsidenten von den Antisemiten gegen die Regierung und die Republik au«gebeutet wnden lönnie. Er schlug vor, die Stelle dem Senator undehemaligen Jnstizminister Mazeau zu geben, und die Mehrh«it der Minister erhob di-sen Vorschlag zum Beschlüsse. Al« der Brschluß verkündet wurde, bemerke Fahr, daß Eon stau« ein unzustiedene« Gesicht macht׳, und fragte ihn: ,Sie glauben wohl, daß die Ernennung der öffealllrhea Meinung mißfallen wird?- ,Ich bin dessen gewiß-, ant« worteie Eovstan«; ,die Z-itvngen wnden über ur.« hnfallen.- Tirard hatte diese Bemerkung gehört und sagte laut und in giftige« Tone zum Minister de« Innern: ,Ja, die Zeirurgen werden uv« ongr-ifen, namentlich wenn Sie das, Zaicken dazu geben. Wir wissen Alle, daß Sie r« sind, der tie Preßargriffe gegrn uu« veranlaßt-. Inmitten de« plötzlichen t'efeu Schwitzen« der betretenen Minister schwellt« Eonstav« ia die Höhe, g׳ng cuf Hrn. Earaot, der den vorsitz führte, «ntschlossen zu, reichte ihm die Hand und sagt«: ,Herr P, äsident. ich ttete von meinem Amte zurück. Ich. will die Unverschämtheiten (iwxortioonooo) de« Herrn Tirard nicht mehr cinstr «ken. Ich habe e« satt-. Damit wandte er sich d«m Surgonge zu. Earnot suchte chn zurückzr halten und rief: ,Die Sa«he kann doch au«geglichen werden, bleiben Cie doch, seien Sie nicht so übereilt-. Eonston« erwiderte» indem er b«i ter Thürr st»hen blieb: »Nein, Herr Präsident, e« ist keine Ueberrilung. Ich bleibe bei meinem Rücktritt«. Entschluss«-. Dann verließ er den BerachungS-Saal. Ja dem neuen Ministerium hat Eonstan« wieder da« Portefeuille de« Ministerium de« Innern erhallen. ISroßbrttawwiew. <£««**». Da« Testament de» »erstorbenen OberrabbiuerP Dr. N. M. Adler, datirt vom 27. Dezember 188V, wnrde am 1. März er. durch die drei Söhn« de« Verstorbenen, den Schwiegersohn. Herrn Henry Solomon und Herrn Henry Harri« geöffnet und der persönliche Nachlaß auf S7VS St. 3 Sch. 6 d. festgestellt. Die Wittwe und der verstorbene Herr Lionel L. Cohen waren ebenfalls zu TestameutSoollstreckeru ernannt. Nach deu Bestimmungen, die der Berstorbene für sei» Begräbnis gettoffen hatte, heißt e« im Testament wie folgt: .Ich bitte me ar geliebte Arm und liebe» -'»der ernstlich, die verschiedenen Mansche und religiöse» Bmschrifte», die in eine« versiegelte» Papier, welche« fich nach »teinem Hiascheidm unter meine» Popinen rorfiaten «iid, uiedergeschtieben find, zu beobachte» nnd zu «,füllen.... Ick sprrLe meiner Gemeinte meine« herzinnigste» Dank an» für die Lieb« und Achtung, »elch« sie mir fortwährend bezeigt hat. desondn« aber währen» der Zeit, in »elcher mein« abaehmenL. len Kräfte mir nicht mehr gefiattrtea, mich eine« »heile» «einer amt» lichen Pflichte» entlrdi-ien zu könne». Ich vermach« jedem der Hie deren d4 Jacob Neiuowitz nnd Bernard Lpierb (oder den ander» zur Zeit fungtrrndeu Dajant») und «einen» thearenzrrunde Dr. Michael Friedländer, Präsidenten de» Jewtsh Lallege di« Summ« von 10 Pf. St. Nein« Bücher »na Manuskript« «er» «ach« ich meine» 3 Söhnen Mareu« Skathan Adler, Hermann Skathau Adler und Ella» Sialha» Adler. Jedoch mit Stückficht aas weine» Sohn Hermann, welcher de» Stabbinerberuf erwählt und zu «einer grShten Zufriedenheit währen» der lealen S Jahre die schwierige» Pflichte» meiner Berirrtung erfüllt hat, befttuune ich, daß er berechnet sein so», an erster Stell, für fich alle diejenigen gedruckten Bacher jüdischer Lttieratur aukzuwählen, di« er zur Erledigung seiner heilig« Pflichten für gretcmet halten wird. Sollte fein Sohn, mein »»hl Selomen Alfred Adler, fich nicht dem Siabbtuerberase »der eine« and»» religtästn Beruse widmen, so spreche ich hiedarch die zuversichtliche Hofstwng au», daß «ein besagter Sohn Hermann dies« zu de« vorerwähnten Zwecke aulgewählren Bücher meine« Enkl, Herbert Mareu» Adler oder einem andern feiner Skeffen (von de» Sühnen de« Maren» Skaiha, Adler und Alkan Nathan Adler) »elcher stch einem solche, Berns« widme« will, vermache» wird. Ich vermach« noch folgende besondere Schenkungen: ««tat« " Schwicgersohn« Henry Solomon »»d rnrimr Tochter «simch. fest« -

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