Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 12 (20.3.1890)
- Date
- 1890-03-20
- Page
- Seite 93 (sequence 5)
- Language
- German
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93 - noch «chr. wm» man, wir e« feit rinigre Zeit so vielfach gebräuchlich ist. dem Shnagogeuban durch eine Lotterie zu Hülfe tomnt unb an alle bekannten Männer and Gemeinden weithin die Loose vrrsmdet. Da» ist eine durchaus ungehörige Belästigung. Eine Gemeinde, die kein Geld hat, soll auch leine Synagoge bauen; denn sie wird dann auch lein Geld habm, ihre Gemeindewesen und Synagoge angemeffen und würdig im Stande zu halten. Sie wird keinen anständigen Lehrergehalt ausbringen können und bald wird die Synagoge leer sein von Besuchern und die wenigm Besucher werdm dem Gottesdienste nicht folgm können, weil — sie ihn nicht verstehen, weil der religiöse Sinn nicht mtsprechend auSgelnldet ist. (Schluß folgt.) Aunuftadt, im März. Da» Gesuch der i»r. Gemeinden Hessen« um Gewährung «ine» Beitrag» zur Bestreitung ihrer Gllllustosien au» Staatsmitteln, ist in diesen Tagen in der U. Kammer der Hess. Landstände einstimmig genehmigt worden. Die Höhe diese» Zuschusses wird im Verhältntß zur bezüglichen Leistung de» Staat(» für den Eultu» anderer Eonsessionen bemessm werden und dürfte stch somit zwischen 12,000 und 15,000 Mark bewege». Jedenfalls ist damit die Gleichb.rechtigrng der Eonsessionen auch äs faoto vurchgesührt. 3>«twfUbf, im März. (Or.-Corr.) Wie die gerhrtm Leser Ihre» geschätzten Blatte« bereit» au» vor. Nr. erfahren haben, lst unser Großh. Rabbiner Dr. Juliu» Landsbergrr am 3. d. Mt», noch langem, schweren Leidm in rin bessere» Jenseits abberufen worden. Die am 6. d. Mt«. — an Purim — Morgen» 9'/, Uhr erfolgte Bestattung l-gte in beredur Weise Zeugniß ad von dem hohen Ansehen und der Hochachtung, welche der Heimgegangene in allen Kreisen unserer Mitbürger genoß. Trotz sehr ungünstiger Witterung und großen Schneesalle», war rin sehr zahlreiche« Gefolge zur Stelle. Bon den Rabbinern au» den Nachüargemeinden, denen außer der Witterung auch da» Purimfest hinderlich war, erschienen die Herrrn Dr. Salfeld au« Mainz. Dr. Reh. Brüll, Dr. Plaut au» Frankfurt a. M.; ferner al» Präses dr» Frankfurter Meu!)elSsohn>Vercin» Herr Dr. Adolf Brüll. Die hiesigen hüi-eren Lehranstalten waren durch Drputirte vertreten. Al» Geistlicher fungirte zunächst Herr Dr. Eelver, der bereit» während der Krankheit de» Dr. Landsberger al» Hülf»rabbi»er und Prediger hierher berufen wurde und gleichzeitig auch da» Landrabbinat verwaltete. Da eine Traueifeierlichkeit in der Synagoge au» mehreren Rücksichten um einige Tage hinausgeschoben werdm mußte, so sollte Herr Dr. Selver programmgemäß in der Trauerhaie de» Kirchhof» nur Worte de» Abschiede» und de» Danke» sprechen. Der stimmungsvollen und wohlgeformten Rede gelang e», der besonberm Situation der schmerzlichen Abschiedsstunde dm rechtm Ausdruck zu gebm. Al» langjähriger Freund und engerer Kollege de» Hingeschieden«, sprach Herr Dr. Salfeld. Er schilderte die Größe de« Verluste», dm die Juden heit, da» Rabbinat Darmstadt und die gramgrbeugten Hinterbliebmm erlsttm. Alsdann betrat Herr Dr. Neh. Brüll die Rednerstätte. Er kennzeichnete in meisterhafter Form die Bedeutung der litterarischen Thätigkeit de» Verstorbenen. Wenn r» im Talmud heiß«, daß mst Rabbi Meir, derjmige hingeschirdeu sei, der Geist und Wesen der F a b e l dichtung zu erfassen und zum Ausdruck zu bringm vermochte, so könne dies auch von dem Hiutritte Dr. L.'« gesagt werden. Mit ihm scheide ein Mann, der auf diesem Gebiete der litterarischm Forschung «in Rabbi Meir, «in Leuchtender, «in Lichtspenver gewesen. Aber auch sonst war er ein lichwoller Heller Dmker und Forscher; seine titterarischen Arbeitm sind ebmso klar und formvollendet, wie gründlich und gediegen. Gediegmheit und Wahrhaftigkrit war der Grundzug seine« Wesm». wie in der Wissenschast, so im Leben. Herr Dr. Plaut, al» vierter Redner, verbreitete sich mehr über die Vorzüge und Tugenden, welche Dr. L. als Mensch« au»zeichnetm. Ramm» de» Frankfurter Mmdelssohu-Berein», dessen Etsrmmitglted der Verstorbme war, sprach Herr Dr. Adolf Brüll; Ramm» de» hiesigm Verein» für Kunst und Wissenschaft sprach Herr Prof. Dr. Henneberg. Am Grab« sprach der Präses unsere» Gemrmdevorstande», Herr Eommerzimrath Blumenthal, der erst vor Kurzem sein 25jährige» Borsteherjubiläum feierte und dem Verstorbenen während diese» lang« Zeitraume« auch als persönlicher Freund sehr nahe stand. — Die Trauerfeierlichkeiten in der Synagoge fanden Sonnabend, dm 8. d. Mt«, im Anschluß an den MorgengotteSbimst statt. Herr Dr. Seloer hielt die eigentliche Gedmkrede, unter Anlehnung an da» Bibelwort: »Und Deine Augen sollen Deine Lehrer sehen", schilderte er Wesen und Eigenart. Keim und GeistrSblüthe, Wiikiamkeit und LebenSthat de« Verstorbenen. Charakteristisch für diese waren Dr. L.'s Empfänglichkeit und feine» Berständniß für morgmländische Dichtung und sein gleichzeitiges Durchdrungensein von dem Geiste neuzeitlicher Wissenschaft und Eckenntniß, Bildung und Humanität. Die Keime der ersten empfing er bereit» im Elternhause, da« eine Pflegestätte altjüdischer Frömmigkeit und Gelehrsamkeit gewesen. Hier vernahm er die »Stimme Gott.a in Kraft" und »die Stimme Gotte» in Schönheit." Letztere ertönte ihm in der heiligen Dichtung der Bibel, in WeiShritsspruch und Gleichnißrede und sie weckte in dem Gemüthc des poetisch begabten Knaben liefen Wiederhol!. So empfing er früh die Richtung, welche er in seiner litterarischen Thätigkeil als Herausgeber und Bearbeiter morgenländischer Dichtung verfolgte und die ihn zugleich al» Homiletiker und Sanzelredner zu jener geistreichen Auslegung der midraschischeu und talmudischen H iggada befähigte» welche seine Predigten so anziehend und volksthümlich machte. In demselben Maße beseelte ihn aufrichtige» Streben nach Wahrheit und wiflknschafilicher Erkenntniß. Diese» Streben führte den 18 jährigen Jüngling, der bereit» als solcher auf den Talmudschulen Mähren» mit dem Rabbititel geschmückt worden war. nach dem Mittelpunkt dmtschrr Bildung und Wissenschaft, wo er durch beharrlichen Fleiß sich bald zur vollen Ebenbürtigkeit mit den Besten und Begabtesten seiner Ge« nossen emporrang. Und so gesellte er stch auch gleich zu Beginn seiner geistlichen Wirksamkeit zu den Männern, welche in der ersten Hälfte unsere» Jahrhundert» die Durchdringung de» religiösen Leben» mit dem Geiste wahrer Bildung und Humanität anstrebten und anbahnten. In dem Geiste dieser Männer fortzustreben, möge die Gemeinde als ein heilige» Bermächtniß de» Heimgegangenen ansehen: dann werde ihr sein Andenken zum steten Segen gereichen und e» werde sich da« alte Wort bewähren: »Da» Grdächtaiß der Gerechten ist ein Segen." Leotzfchlltz, 7. März. (OoCorr.) Unter zahlreicher Betheiligung fand gestern, am zweiten Purimabend, die Feier de» zehnjährigen Stiftung-feste» der hiefigen Ehewrakadischa statt. Herr Vorsteher Siegmund Luft begrüßte in warmen Worten die erschienenen Mitglieder und gab der Freude Ausdruck über da» stet» steigende, rege Interesse, da» sich im Schooße der Gemeind« für den Verem kundgebe. Herr Rabbiner Dr. Krakauer warf einen kurzen Rückblick auf die Thätigkeit de« Vereine» und führte, anknüpsen» an den Schrift»«» (Spr. 10,8) unter gespannter Aufmerksamkeit der ganzen Versammlung dm Gedanken au», daß der mit weisem Sinn au-grrüstete Mensch, weit entfernt, die Erfüllmrg der einzelnen, wenn auch schweren religiösen Pflichten von sich abzulehnen, dieselbe vielmehr suche und anstcebe, well in Folge der bekundeten religiösen Tharkraft, die wahre Herzm»f«udt immer reicher und mächtiger erblühe. In desonderen Ansprachen wurde dec greise, mir bewundcrung»- Würdiger Geistesfrische au«gerüstete, alloerehrte Hr.Lommircienrath Teichmann gefeiert, der seinerzeit den Verein begründen half und auch bei diesem Stiftung-feste sein hohe» Interesse für den Verein unter Anderem durch die Verlesung eine» von chm verfaßten schwungvollen Festgedichte» bekundete. Auch sonst wurdm zahlreiche Toaste au»gebracht; so unter Andere« von Herm Bankvorsteher Michaeli» aus den