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Israelitische Wochenschrift · 1890-03-20 · 12 (20.3.1890) · p. Seite 91

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
12 (20.3.1890)
Date
1890-03-20
Page
Seite 91 (sequence 3)
Language
German
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ktAtfitbcttn Vorschläge» mir «cht Mieter de» Vorwurf ,kfierarchisch« Gelüste" zuzuziehr», dem» jeder Einfichtige »ird;»gebe» müssen, daß sich dieselbe» nur «uf dem de» Rabbäern ureigenen Gebiete bewein. Ich spreche auch nicht pro domo; den» alle hier aufgeflelltr» Forderungen werden m uuserer Gemeinde seit jeher dem Rabbiner ohne Weitere» de»iligt. Zur Etthrilnug der definitiven Anstellung und zur Aufstellung einer PrnfiouSwirmale «erden verständige n»d wohlgefinnt« GemeindrvorstSnde auch ohne gesetzlich«, Zwang schreiten. Die autoritative und unabhängig«« Stellung de» Rabbi»«» -der wirb anch sein Wirken segeuSrrich befrnchte», »« Religion gum Heil und d« Gemeinde zur Ehre gereichen. Laro-Pilsen. S«u1or«t u»d Skationalität. Hochgrehrt« Hnr R<dacteur! Die bewährte Tendenz Ihre» gesch. Blattes: ,Für Wahrheit, Recht und Frieden" nehme ich in Anspruch für die Bitte um Aufnahme folgender Zeilen, zu welchen die etwa» «inseitige Kritik Anlaß gegeben, die rin vom Berliner Shuagogen-Vorstand zu einem bestimmten Zweck gethan« Auäsptuch in d. Bl. N10 .״ gefunden. Ird« Beruf «heischt wenigsten» «ine hervorragende Eigenschaft, nach welch« erster« hauptsächlich beurtheilt wird. Diese Eigenschaft ist beim jüdischen kaotorenb«uf »ntwrifelhaft die Stimme. Diese ist ab« eine Natur« gäbe, die zwar durch fachnänoischen Unterricht und Fleiß veredelt, ober nicht herborgebracht »»«den kann. Be« kanvtlich (?) ist diese Naturanlage am häufigsten bei den Slave», vornehmlich ab« bei den Juden au» slavischea Länder», anzutreffen. Dah« ist au» diesen Bedielen der vorzugsweise Expott für den Belxnrf an jüd. Caatoren nicht nur für die weisten Gemeinden in Deutschland, sondern auch für die der ganzen Welt. Die Broßgemeinde ®alin «acht also hierin keine»weg» eine Au»nahmr vor andern Broßaemeioden. Jndeß tritt auch noch ein ander« Umstand hinzu. Ab» gesehen davon, daß unt« den lnutschru Juden vertzältniß. mäßig toenige Stimmbegabte zu finden, eignen sich die jüd. Knaben in Deutschland zu »venig Kenntnisse in den Reli« gionüvorschttstrn und in v« Littrrgie an; sie haben auch zu «enig Zeit hi«zu. E» kau» dal»« auch der Ttinnubegabt« nicht sobald daran denken, den ikantoreubrruf zu rrgretfeu, wen» dies« letzte« auch mehr verlockende» bäte, al» « chatsächlich bietet. Bei der in Allgemeinen vorhandenen Bildung und herrschenden Auschmung unter den deutschen Juden, wendtt fich doch d« rrirklich mtt h«vo«age»der Stimme Begabte, wenn « fich (Möthigt ficht, seine Naturanlage pekuniär zu »«werthen, lieb« d« Op« zu. E» Jiebt dah« z. Z. thatsächlich uni eine äußerst geringe Zahl!antorra deutscher Nationalität, die mit hervorragender Stimme begabt find, und diese vleuige» find recht auspruch«. voll. Sie wollen nur erste Kantoren und in reich« dotirtr» Stelle» sein. B«li» stellt ab« (leid«l) web« erste Predig« noch erste Kantoren an, »nd da» Honorar der lchtereu ist auch nicht besonder» hoch, und kann doch nur hervorragende Kantoren gebrauche»; dafür ist eben v«liu — Verl im Und so ko «»nt e», daß bei ein tretenden Vakanzen daselbst dentsche Kantoren ersten Range» refufireu, und daher ist Berlt» in d« Lhat fast nur auf »Slave«' angewiesen. E» ist die» aber »ved« ein so große» Unglück »och irgend tiac Schande. Die Lond« ner Gemeinde hat auch nur »slavischr" Kantoren und e» hat fich doch »och Niemand gesandt», d« fich darüb« «eifeitt; und in London find die VerhäWMe für die Kantoren bedeutend best«, al» in Berlin l Daß den »Slave»" der vortrai, deutscher Gebete üb«, tragen »orbe», dürste wohl kaum zu rechlfertigru ftin; wenUten» sollt« mm» dmuit »arte», dt« ß» vollständig gerrnanifirt find. Ab« wa» ch»!'«i Dies« kurzen Gebete tu drntsch« Sprache find doch nur nebensächlich, und "es ist wahrlich »icht uöthig, darob de» Nationalitätsstreit unt« die Kantoren in Deutschland zu schlendern. — Eine Vorliebe für ,Slaven" ist gewiß beim B«liu« Synagogeu-Borstanb eben so wenig z« finden, wie bei dem Berf. de» Artikel» ,Da» jüdische Lantorat". Aber solche Artikel find schw«lich geeignet, den B«lin« Synagogen »Vorstand von seinen Intentionen ab-ubringen. Eantor S. DubowSky-Samt«. Kerichle «»d GOrrespMrdensra.^ Dewtschlnnd.Z Magdeßnrg, 1«. März. Vom Landgericht in Chem« nitz ist der Kaufmann H. Z. au» Annaberg wegen einfachen Bankerott» zu vier Monaten Gesängniß v«- urtheilt worden, weil« nach der Ansicht de» Gericht» seine Bücher ungenügend geführt und übermäßigen Aufwand -rfühtt hat, bevor « seine Zahlungen einstellte. D« Angellagte hatte zur Entschuldigung, seine» Aufwandes angegeben, « habe al» strenger Anhänger de» mo« fatschen Glaubens rituell leben müssen und deshalb da- Fleisch, desien er drnöthigte, au» Dresden bezogen, wodurch größere kosten entstanden seien. Dieser Einwand «schien dem Gerichte von geringer Be« drutung; e» prüfte ihn. ja doch und kam im Urtheil darauf zurück. Dott hieß e»: D« Behauptung de» Angeklagten steht die glaubhafte Aussage seine» Glaubensgenossen L. entzu führen. L. habe, so sagt da» Urtheil weiter, selbst wegen d« zu hohen kosten eine derattige Leben-weise wieder auf» gegeben. Selbst wenn man dem Angeklagte» beistimme» wolle, daß für ihn jene Lebensweise unumgänglich gewesm sei. so könne doch nicht angenommen werden, daß die dadurch entstandenen kosten so hohe waren, daß man dadurch den gemachten Aufwand erklären könne. — Die Revis io n de» Angeklagten, welch« kürzlich den dritten Strafsenat de« Reich»gericht» beschäftigte, rügte u. A. Beschränkung der Verthridigung durch Nicht» Vernehmung zweier Sachverständig er. Da-Reichs« gericht trat dies« Auffassung bei und hob da» Urtheil auf unt« Zurückweisung der Sache in die erste Instanz. WeMn, 16. Märtz. (Or.-L»«.) ,Spät kommt er, doch er kommt zur Einsicht", nämlich der He« Professor Adolf Wagner. In «io« am jüngsten Freitag abgehaltenen Versammlung d« ,christ-sozialen" Partei, d« auch die neue Zierde de» Reich»tag». der Herr Lirbermaun ». Tonnenberg beiwohnte, sprach d« vereinsbrudrr de» Herr» Stöcker den Satz au», daß die soziale Frage auch ohne Juden fich gebildet hätte; « wie» auf Amerika und Belgien hin, wo e» arische Eapltalisteu seien, die da» arbeitende Volk ausbeuteten und kam zu dem Schlaffe, daß e« nicht jüdische National- «igeoschaften, sondern die Natur de» Kapital« sei, welche die sozialen «mb wirthschastlichen Nothstände gezeitigt hätten. Der «hrenwetthe He« Lirbermaun von Sonnend«» war üb« diesen »uvermntheten Eiuwand natürlich sehr wenig erbaut, und e» bedurfte ein« kleinen Weile, ehe « seinen Eontext wiedergrwan». Da « doch nun einmal ausschließlich auf die Judeufrag« abgerichtet ist, kann man ihm diese» Zögern nicht Übel nehmen. Die Antwort, die er gab, war übrigen» klassisch: wenn dem auch wirklich so wäre, führte nämlich der geehrt« Häuptling de» Radauantisemitttmu» au», so sei doch gewiß, daß die Juden die soziale Frage ,»«schärst" hätten... Ja. sein »Br»d" läßt er fich nicht nehmen, d« H«r 8ied««aaa von Sonve«b«g . . . D« Antisemitismus muß übrigen« recht einträglich sein. Go hat fich H«r Drument mtt den Einkünften sein« Schriften «La Franoe jai▼«* vnd aDexni»re bafcaille“ eine reizend« Villegiatnr im Döpattemeut Marne gekauft. Da sage ein«, baß die Arier keine»-Geschäftsfian hätten!

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