Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 11 (13.3.1890)
- Date
- 1890-03-13
- Page
- Seite 86 (sequence 6)
- Language
- German
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88 » jbMb«• in «dar MÖO. (Ban wäre d nicht kfamrt, ba| mise« Kinder, welche die öffentliche» Sch»len besuchen, daß ganze Jahr hiudnrch nicht in der Lage find, am Satte»- dienst theikzunrhme» und dadurch auch »icht da» BerstLndniß besitzen, in der schulfreie» Zeit, in den Ferien oder an den Festtagen demselben zu folge». Um diese» Nebel nicht Weiter u« sich greise« zu!offen, sind in der hiesige« Gemeinde mehre« für ihren Glauben bearisterteMSnnerzusammrngetreten, um mit vereinten Kräften dafür zu sorgen, daß ihren Kindern da» Erbtheil ihrer Väter, die Lieb« zum Gottesdienste, erhalten bleibe, damit sie dereinst auch als erwachsene Männer der Ge« mriude Israel» zur Zierde gereichen. Zu diesem Zwecke fft im vorigen Jahre ein« eigene Synagoge (Svnoenstraße Rr. 25) herxerichttt worden. Doch lastet auf den Unternehmern dir au» den regelmäßigen Brürägen nicht abgetragen werde» kann. Dazu droht jederzeit der Verkauf de» Grundstück», auf dem die Synagoge «richtet ist. so daß, wenn nicht di« ganze bisher oufgewandtr Mühe verloren sein soll, man zum Aukauf deffelbrn schreiten muß. Die Mittel hinzu sind nicht vorhanden. Wohl haben bneit» einige hochherzige Freunde einen schöne» Anfang zum Bausand» geschaffen, doch r» fft eben nur der Anfang. D« Vorstand de« Verein» zur Fürd«ung de» Iuiknds»ttr»dirnst׳» und die Baukommission (die HH. Rabbiu« Dr. P. Neustadt, Hirsch Freund, M. I. Henschel, N. KoSminSki, Dr. Loui» Neustadt, LH. Oschiuöky, A. Rosenberg, M. Wund.) wenden sich deshalb an unsne GlaublnSgenrffe» mtt der Bitte um Beiträge zu dem heiligen Werke eine» Cynagogenbam» für die Jugend. Die Rabbin« d« hiesigen Gemeind« DDr. Io» l und R o s e n t h a l empfehlen da» gute Wnk. Erst«« schreibt: ״Set gute Zweck, der Jugend Gelegenheit ju geben, ohne Colltfloa mir den Schulstunde», «ine« Gottesdienst« anwohuen zu können, spricht für sich selbst und bedarf keiner Lmpfehlung. Ich steh« daher nicht an, auf Wunsch auch «einerseits zu erklären, daß die Sache Förderung und Unterstützung verdient.' Zum Schluß sei noch bemerkt, daß die ,Synagoge für den Jugendgolrerdtlnst" und die mit ihr verbundene ,hebräische UuterrtchtS-Anstalt nicht allein für die Schuljugenv der hiestsen Gemrirte sorgin, sontem daß auch Kinder von au»- wärtigen Glaub«n»g:noffen, insbesondere von Gemeinde« beamten, durch dieselbe ׳hre religiöse und allgemeine Au»- dildung völlig unentgeltlich erhalten. Breslau» ö. März. Wieder einmal stand heut« der NabbinatS» amtS-Candidat Max Bernstein von hier vor Gericht. Da» Forum, vor dem rr sich verantworten sollte, war di« unter dem Vorsitz de» LandgerlchtSdirector» Herzog tagend« I. Strafkammer; Vertreter der Staatsanwaltschaft war Staatsanwalt Dr. Schulz; Bertheidtger Rechtsanwalt Dr. Sternberg. >l» Zeuge» waren geladen: fünf jüdisch« Knaben, deren Sagehörig« und der Rabbiner Dr. Rosenthal, sämmtlich von hier. Ferner waren al» Sachverständige anwesend der GerichtSphvfikuS Proseffor Dr. Lesser nnd der Geheime Medieinalrath Professor Dr. Wern icke, dieser alS Bertreter de» hiesige» Medeetaal» Collegium». da» in der Krag«, ob Brrnstei» zurechnungsfähig sei oder nicht, ein Ober-Gutachten zu rritattea hat. Dr. Leffer vernei nt diese Frag«: da» Mrdieiuai-Collegiu« b ej a h t sie. S»S der llntersnchnngS» Haft vorgeführt, betrat Bernstein die Anklagebank. Sein Gesicht ist glaürasir» nnd recht hager. Da.egen war der ArSdrnck I« Gegensatz zu früher heiler und zuversichtlich. ,Sie find am 25. Oktober 186» ««»»?י fragte der Vorsitzende. Bernstein bejahte- »Am 21. Februar 1888 sind Sie wegen Körperverletzung zu drei Moimte» Gefängniß verprtheUt wo,de«. RechtSkräsiig m dleseS Erienntniß noch nicht. Der Prcheb schwebt gegenwärtig beim Reichsgericht', fuhr der Vorsitzende fort, Bernstein bqaht« wieder. Jetzt erhob sich der Bertheidiger und beaMragt« den Ausschluß der Oeffentlichkeit. »Wollen Sie den Na» trag bald begründen', sprach der Vorsitzende. Dr. Steruberg that dies» indem rr rinsach darauf hinwie», da» in der vorige» Verhandlung (der zweit«», di« mit de» veschlnff« endet«, über de» Geisteszustand dr» Urgeklagten ein Ober-Guiachten de« Medirinal-Colleginm» «in- »«Helle») auf Antrag de« Vertreter» der StaatSanwaltschas» de» Staat«- anwalt» Liudevberg, der Gerichtshof di« Oeffentlichkeit und »war für di« ^uize Dauer der Verhandlung anSgeschloffe» Hab«. Dr. Schulz erwiderte, daß er die Rvthnnndigkeit, die ganz« verhandln« aehei« durchzuführen, nicht einzuseheu vermöge, daß er den Ansschluß der veffeuuichketi nur während der Vernehmnag der Knaben beantrage» «mrdtl Im - übrig«, beantrag« rr, öffentlich zu verhandeln. Er thur. da« i» Hinblick ans da» g-oße Anftehe», nwlche» der Fa» im g^ande wie im AnSlande hervorgernsen habe, und »nf die Auslegung, welche dir HaadlungSweise de» Angeklagte, in manche» Kreise» gesunde». Gerade deshalb et es erforderlich, durch «in« öffentlich« Verhemdlnag völlige Klarheit über die Angelegenheit z» verbreite». Aul diese»» Grnnd« sei auch die erst« «rhandlnag gegen Bernstein auf Antrag der Staatsanwaltschaft ein« öffentlich« gewesen. DI« Mitglieder de» Gerichtshofes wollten sich hierauf znr verathnng znrückziehe«, al« der Staatsanwalt bemerkte, daß der Bertheidiger noch «in«, Antrag stelle» «olle und daß die» am besten wohl sofort geschehe. Der Bertheidiger beantragte nunmehr, wegen de» diametralen Widerspruch» in de« die beiden bi»h«r etageforderten Gntachtea über den Geisteszustand des- «noeflaattn zu einander stehen, die Sache z» vertagen und in der be» wußten Frag« «in oberste» Gutachten der wissenschaftlichen Deputation zu Berlin e'azuholen. Rach läaaerer Berathung erhob der GerichtShch diesen Antrag zum Beschluss«. In der Begründung bemerkte der Bor» sitzende: E» sei zu bedauern, daß der Antrag erst heu« und nicht schon na» de« Eingänge de» Gutachten» de» Medicinal^koleglum» gestellt worden, weil dadurch viel Zeit verloren gegangen sei. Bernstein. d5r aus di« Fraze, wa» er zu dem Vertagungtantrage seine« Bertheidiger» zu bemerken habe, erwidert hatte: »Ich bitte, daß so beschloffen werde I', unterhielt sich «ährend der Berathung de« Gereichtähose» ang-legentlich «ad anscheinend in recht guter Laune mit seinem Vertheidtaer. Nach der Verkündigung de» Beschluss«» wurde er in die Haft zurück» geführt, während die Zeugen und Sachverständigen rnilaffea wurden. — Hierzu noch einige Sorte. Wir haben vor kurzem, oelegentlick der Aatisemtten-Debitt« im österreichischen Abgemdnetenh ini», wobei der .Fall Beraftetn' ausführlich Erwähnung fand, auf di« Bedeutung diese» Falle» hiagewiesen und im Anschluß drran auSeinaadetgesetzt, wie geboten, um alle irr gen und böswilligen Deutun-en al» solch« anch zu kennzeichnen, eine Iffentltüe Erörterung diese« Falle« ist. Wie in der ׳rften Verhandlung gegen Bernstein hat dte» auch heut der Bet reter der Staatsanwaltschaft »,umwunden anerkannt. Um so be» ftemdlicher muß hiernach da« Verhalten de« Vertheidtaer» wirken» Ist e» der autdrücklich« Wunsch seine» Elieoten, daß di« Oeffentlichlett an»:e'chloff«n werde, so läßt sich gegen seinen auf Ausschluß der Oeffentlichkei« abzielende» Antrag anführen. daß er wohlgethan hätte, durch «ine Bemerkung Inndzueeven, daß d r Angeklagte diese« besondere 8er» laugen habe. Ist der Bertheidiger aber au» eigene« Antrieb« gegen die Oeffentlichkeit d.r Berhaidluni. so muß erilSrt werden, daß dt« letzten Schlüffe dieser Weisheit »icht recht ,u erkenne» find. Glaubt der Bertheidiger etwa, dadurch, »ad dir» drrf er doch nur wollen, «ine« Clienten und der Sache selbst z» nützen? Die Sache hat, was hre allgemein« Brdeutnag betrifft, dir Oeffeuttich'est »icht zu scheuen. Will mau sie dennoch geheim behandeln, so kann die» nur dazu diene», dt« Lürk, Lueger «ud Böckel zur Bildung von neuen Mären und Schauergeschichten zu ermnntern. Ksmt»r§, beu 7. März. (Or.-Lor.) Auf Anregung einiger Zuhörer der Borträge dr« Oberrabbiuer» Herrn Hirsch, welche derselbe Abend» tu seinem Hanse, abwechselnd an» dem Talmud und de« Schnlchaa-Arnch hält — (allsabbatltch, wenn keine Predigt stattfindet, trägt er in der Gyuagage au» dem Jttarim von Aldo vor) beschloffen Jene ^drmselben am Purimfeste LIs-doäoaoa, bestehend an» Krou^ Schild und Zeiger al» Geschenk zu überreichen. Die Uebergäbe fand durch eine Deputation uutrr Führung de» Herr» H. Sumpertz, Btce-Präse» de» Synagogen-Verbaud», Katt, der eine feierliche Ansprache an de» Herrn Obrrrabbiuer hielt. Auch,aud«rweitig waren diesem theil» werthvolle. 1 Heils zu משלוח &נות sich eignende Geschenke übersaodt worden, ein Bewei», wie schnell Herr Oberrabbiner Hirsch fich die Liebe und Verehrung der Mitglieder de» verbände» erworben hat. Kein Wunder l ist derselbe doch bemüht, bei allen setue» Amt-Handlungen auf die Parteien in friedlichem Sinne feinen Einfluß zu üben, und wenngleich e» ihm nicht so leicht g». lingen wird, den eingefleischten Fanatikern ei« Haiti zu gebieten, so werden seine Bemühungen, in versöhnlichem Geiste zu wirke«, doch jedeafall» dazu beilragen, die zwischen den Parteien bestehend« Kluft allmählich zu beseitigen oder mtudeften» einzuengeu. Dieß zeigte flch, al« Herr Hirsch bei der Kabronim- Mahlzeit der Laugenfelder Separat-Beerdiguug«-Brüderschaft am 7. Adar eine« zur Bersvhuaag mahnende» Vortrag hielt und einige Heißsporne ihm zu widersprechen versuchten; da hätte, wie man erzähll, wenig daran gefehlt, daß einer dieser Hitzköpfe au die frische Lust gesetzt worden wäre. <K» soll derselbe dann später versucht haben, den Herrn Obrrrabbiuer um Verzeihung zn bitte«, welcher indessen erklärte, keine heleidigeadeu Worte gehört zu haben. — Möge Herr Hirsch nur fortfahre», mtt klugem Sinne wie bi»her seine, LHLnakeit im Syuagogen.verdande zu übe», so wird e» ihm hoffentlich gelinge«, die Zerstreuten wieder zu sammeln und zu einer Heerde -n gestatten. viel wird fett einiger Zeit von ttnrr Anfaahme 'in das