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Israelitische Wochenschrift · 1890-03-13 · 11 (13.3.1890) · p. Seite 87

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
11 (13.3.1890)
Date
1890-03-13
Page
Seite 87 (sequence 7)
Language
German
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J»de»chum ,esprochsa. »eiche Herr Dr. Leimbörfer vollzogen hat. E« ist rin Kräukei» Forme« Dom Wiever Burg-Lheoter, Welche fich «m Die»-«« mit dem Baron Heinrich 0. -Saig«. Mirler, Sohn de« Herrenhaus > Mitgliedes, Baron« Moritz ». Köuigswarter in Wien, verheiratete. Da« Frühstück, melche« der Trannng folgte und an dem auch der Geistliche ttzeilnahm, fand im Hanse der Eltern der Braut statt und >»« selbstverständlich streng koscher von einem jüdischen Hotelbesitzer geliefert worden; doch zu Mittag vereinigte die «äste ein« Mahlzeit in einem unserer ersten Restaurant«, da war von Koschruth natürlich keine Rede mehr. (NSHrrr« über diese vermählnngsfeier im beiliegenden ,Familienblatt'.) <£ifT« (Posen). Am 1. März verließ der Lehrer und Kontor Satz unsere israelitische Gemeinde. Sein Scheiden wird allgrwcin bedauert; denn Herr Satz, der während seiner dreijährigen hirfigea Wirksamkeit in seinen amtlichen Ber» hältuifse« mit mancherlei Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, wußte fich die Achtung seiner Vorgesetzten, die Liebe und da« Bertranen seiner Schüler und deren Eltern in vollstem Maße z» erwerben. Al« tüchtig geseschulter Sänger hat er sich «aftrritig um den htefigeu Synagogen chor eia große« Berdienst erworben. Zur Verherrlichung de« Mischen Gotte«» dienste« hat er damit wirtuugsvoll beigrtragea. Die hiesigen Lehrer aller Konfessionen verlieren in ihm einen lieben Kollegru, der hiefige Lehrerverriu ein rege« Mitglied. Wie Wir HSer», ist dem Scheidenden in Anerkennung seine» tüchttgen hiesigen Wirken« eia Ehrengeschenk in Form eine« Brtllaotringe« überreicht worden. Großstettwwoira. ekondo« (Schluß). Eia zweiter Gegenstand hat in den letzten paar Wochen die Londoner Judeuschast in Aufregung gesetzt, und da« ist, wie bekanntlich in der Welt-Politik, die Lontorn -qaMtioD, «der dir.Oeftliche Frag«' der Londoner Juden. Einer neuern Statistik zufolge, wohnen nämlich augeablicklich im Osten von Loudou etwa SV,000 Juden, di« fast aste au« Alstchtliugea ans Rußland und Rumänien bestehen, welche tu den letzten paar Jahren eiu Asyl in der Mttropole Englant« gesunden. Die Frage ist nun mit unwiderstehlicher Macht aufgttreteu: Welche Mittel müffeu angewandt werden, »m diese durch russische und rumänisch« Barbarei unculttvirt gebliebene» Menscheumaffeu einigermaßen der Sivilisatiou »ah« zu bringen? Für die Erziehung der Kinder derselbe» -sgrgt die großartig angelegte jüd. Freischule, welche von mehreren tansendeu van arme« jüdischen Schülern «urut- «eltlich besucht wird, aber «elche moralisch« Unterstützung kan» denen gegrbeu werden, dt« nicht mehr schulfähig find? Magst hielt da« Louueil der Uatte» Synagogue unter dem Borfitze de« Lord RochschUd eine Sitzung, worin beschlossen wnrb«, im Oste» von Loudou eine etwa 1000 Mäaaersitze «tthattend« Synagoge zu errichten und einen Rabbiner oder -Magtd' und ,Dajau' auzustele», dem die getstücheu Fnnkttoneu derselbe» übertragen werdeu solle«. Sta( solche Synagoge kau» jedoch nur als rin Bersnch angesehen «erden, nod werde» später verschiedene andere erbaut werdeu »üffeu, mn auch den religibsr» Bedürsniffeu der übrigen 49.000 Hube» im Oste» von Loudou gerecht zu «erden. Eia großer »heil de» rrwatteteu günstigen Erfolge» wird natürlich von der Persönlichkeit de» zu erwählenden neuen Rabbiner» ab׳ Hänge». Sollte dieser zu der Klaffe der halbgebildete» oder gar nicht gebildete» Rabbiner gehören, so ist e» sehr frag» lich, ob in seinem Wirkuugökrri» der at»tua qao irgend eine Verbesserung erfahren würde. Ei» Privatmann, da» Palameatsmttglted Herr S. Mo» tag ne, hat kürzlich auf eigene Kosten riueu Rabbiner im Osten von London auf drei Jahre augestellt. Bei der Wahl erschienen vier Kandidaten, und zwar sollten alle vier an einem Rachmittage jeder «ine Probepredigt halten. Die» — eiu Unicom ohne Gleichen — geschah nun auch mW Dr, Leruer, ei» Schüler nnd Protetz« de» Dr. Hilde», -heimer, wurde an jene« Nachmittag «ach «i»er Probepre» dtgt gewählt. Derselbe, selbst au« Rußland stammend, hatte dem Geschmack seiner Lande«geuoffeu am besten entsprochen und soll auch moderne Bildung besitzen. Krrmischte und »errrste Uwchrichlr«. Berlin, 5. März. In der heutigen Sitzung de« Abgeordneten. Hauses wurde die Petition der jüdischen Gemeinde in Segeberg (Schleswig) um Bewilligung einer Beibifle au« Staatsfonds zur Be» kolduug ihres R-liglonslehrer» nach de« Anträge der Kommission durch »llibergani der Tagesordnung' erledigt. Der Referent der Uuterrlchtskommission erklärte, das letztere bereit gewesen wäre, die Petitio» zu unterstützen, daß aber der Regierungskommiffar dagegen «wesen sei mit der Begründung, drh keine Staatsfonds bestände», um Mittel für solch« Zweck bereit zu stellen. Nich dem stenographischen Vericht hat der Regterungskowmiffar des Kultusministerium» in der Unterrichtskommijsion wörtlich gesagt: Er warne vor der Aon» sequenz, da doch die jüdische Religionsgemeinschaft immer nur eine konzessionirt geduldete »n unserem Staate sei. — Diese Aeusterung ist ganz unverfaffunasmäbia. Die jüdische Rellgioasgemeinschas« ist nach der Berfaffung keine ,konzessionirt g«. duldet«' sondern ein« vom Staate anerkannt« und mit Korporation», rechten versehene Religionsgesellschaft Breoila». Herr Professor Dr. Graetz ist zum Ehrenmitglied« der trioitv Mniety hiatortoal in Texas ernannt worden. Ureibur» i. B., 6. März. Der akademiscke Senat hat sich!ln de» l^ten Tagen mit der Dnellsach« Salomon-Bering beschäftigt und eine »reihe strenger Disziplinarstrafen gegen die Betheiligten aus» gesprochen. Zunächst wurde das JtaM ,Rhenania' für dieses und da» nächste Semester suspendirt; der Duellgegner Salomon», Student Bering, sowie di« fünf studentischen Mitglieder de« Ehrenraths, Angehörige der verschiedene» Korps, wurde relegirt. Ueber wettere Be» theiligtea sind Lareerstrasen v»hängt worden. Darm stabt. Am 9. d. M. verstarb nach längerer Krankheit der Landesrabbiner Dr. Julius Landsberger. Ein Menfchenalter hindurch stand er an der Spitzt der Gemeind« «ad hat auf dieselbe s». wohl durch sein« Gelehrsamkeit und Beredsamkeit wie überhaupt durch sein ganzes sehr umfangreiches Biffen und Können einznwlrken gesucht. Bei seinem fiebzigsten Gebuitstag«, den der Berblichea« im vergangenen Sommer beging, wurde er vom Großherzog mit dem Phllippsorde» erster Klaffe dewrirt. N.L.1U.N. — Ihn vertrat während seiner Krautheit Herr Rabb. Dr. Selver, der nun wohl sein Nachfolger werde» wird. München. Die Verwaltung der israelitsichen Lultusgemeinde Hierselbst hat den Rechenschaftsbericht der israelitischen Waisenstistung für das Jahr 1989 versendet. Es kann freudig eonstatirt werden, da» der Stammfonds der Stiftung i« verflossenen Jahre um 13,925 Mt. 4t) Pf. angewachse» ist und »war al« Schenkungen 10,875 Mk. 40 Pf. und als Einkaufsgelder zur Ge-eakfeier für Berstorben« (Erwähnung der Namen derselben in eine« besonderen Gebete, «elche» am Sabbath der Jahrzeitwoche in der Shnagoge gesprochen wird) 2950 Mk. Das Einkaufsgeld beträgt mindesten» 100 KL, beim gleichzeitigen Einkauf« «ine» Ehepaare« 150 Mk. Da» Kapitalvermögen der Stiftung ist aunmehr auf 195,480 Mk. 58 Pf. angewachsea. Die Gesammtrinnahm« belief sich auf 4784 Mk. 8» Pf, di« «elammtauhabe 2894 KL London. Der Eröffnung einer jüdischen Suppenanftalt wohnte auch der Lordmajor Isaaks bei, der mit lauter Stimme Ri dem ersten Jmbiff« den Seaensspruch (Morn) sprach. — Lord Gladstene, über die judenseindltch« Bcwegung in Lagland nicht befürchte, da die englisch«» Inden fich der ihnen gewährten Fvethett würdig zeige». Woris. Der Bereia ,So^vsnir trnnoaino', dessen Präsident der General Lemal ist und der zu« Zwecke hat, die Gräber der Sol, date» und Seeleute, welche den Tod für« Batrrland grstorben stad, zu eoaservirrn, hat auf ftine dessallstg« Anfrage vom israelitischen Co »ststorium die Erlaubnist erhalte», t« Tempel der Lao äo In Victoir» eine Gedächwihfeier zur Erinnerung an diejenigen Bürger, welch« ihr Blut uic Bercheidigang des Vaterlandes vergossen hatten, »bzuhalen. Lieft Feier, bet welcher der VLerrabbiner, Herr Zadok Kahn, die Gedächtnißrede hielt und dft Gebet« sprach, hat am Sabbath de» 1. März Krim». Durch Diviffionsbefehl de» General» ä« l» Hatzre, Lommandaat von hier, vom 19. Kebr. »erde» di« Bcrdienste de« durch di« Altersstuft in den Ruhestand tretende» Stabsarztes Dr. Still der Arme« bekannt gemacht; in de» schmeichelhastesten Sorten werdeu di« groben Verdienste des erprobte» Chirurgen erwähnt, der sich allftitiger Zufriedenheit und Beliebheit erfteut. Metersbmetz. (04.) Bei dem am S. März d. I. abgehaltenen Schlichakte der Petersbnmer Universität wurde für bi« beste» Arbeite» 11 gol» den«, 17 silbern« Medaillen «nd 14 Belodungsderrete vertheilt, wovon 5 goldene, 6 silberne Medaille» »nd 4 Belobungsdecret« an Juden sich«. An allen Faeultäte» der Universität haben 125 Inden »origes Jahr stndirt. «

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