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Israelitische Wochenschrift · 1890-03-13 · 11 (13.3.1890) · p. Seite 85

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
11 (13.3.1890)
Date
1890-03-13
Page
Seite 85 (sequence 5)
Language
German
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m ®* »Bnläuwduagund Bei läst«ruog haben unser Volk durch die Jahrtausende begleite», eS hat feine Würde und Ehre tiotz oller kchriterbkmsea und Blutprozrfse ia uugrschwSchler Makellosigkeit erhalten l" — aber wodurch? doch nicht etwa dvrch llnthätigkeit, sondern weil e« nicht ermüde, die Lngriffe ans feine Ehre abzuwehren, »veil e« vor keiner Ge. fahr zurückschrrckte, wo eS die Ehre und Heiligung seiner Rel'giou galt, weil e« nicht entmuchigt und rntmuthigeud sprach: »eS nützt ja doch nicht, es ist zwecklos!״ Wir stellen schließlich derAnsicht de« Dozenten de« orthodoxen Rabbinerstminarin Berlin die de« Direktors des Pariser Rabbtnersemival»,de« Grand-Rabbin LWoa ue, entgegen. Dieser gelehrte Redocteur des konservativen ,1-1)01*«, ünilite1, Äließt einen zustimmenden Artikel im eben erschienenen Märzhrst mit den Worten: »Leo XITL übt «inen Ungeheuern Einfluß auf einen großen Theil de« Menschengeschlechts au». seiueStimme wird gehört werden. Die Synagoge ist die allere Schwester der Kirche, ja ihre Mutter, indem dir Kirche diese chrt. wird sie sich selbst ehren!* Maabeöura Jute« Simon veröffentlicht im,Matin* einen größeren Artikel über die jndenfeindliche Bewegung tu Frankreich. Derselbe ist in gleichem Sinne, wie der in vor. Rr. vonun» veröffentlichte über «Unduldsamkeit,* gehalten. Sr widerlegt die Lügen der Versammlung von Neuilly, in welcher man von 40 jüdischen Präfekten in Frankreich ge« faselt, in Wahrheit gibt e« deren nur vier. Jules Simon hebt die Tapferkeit, die Ehrenhaftigkeit der fraujSstsche Ossi» giere und Soldaten jüdischen Glauben» hervor und geißelte ia geistreicher Weise die hohlen Phrasen der Anti» semiteu. Wir empfehlen diesen Artikel de» französischen Akademiker» dem preußischen Hofhistoriographm H. von Lrettschke und dem Hofprediger Stöcker. —L Nertt», 1. März. (Or.-Tor.) Der ״Verein der Hörer der Lehranstalt für die Wissenschaft de» IudruthumS* beging am 26. Februar im Festsaale de« Hotel zum König »an Portugal sein 2. Stiftungsfest. Zu den Stugeladeueu gehörleu — außer den nichtiukorporirtev Hörern «nd Hospitanten ber Lehradstolt — die Lnratoreu und Dozenten derselben ferner dir Rabbiner und Prediger BerliuS, die Vorsteher der jüdischen Schulen und sonstige jüdische Gelehrte, kurz ein Kreis vou Männern, deren Jutereffe für die Lehraustalt zweifellos erschien. Fast alle hatten sie ihre Bettreter, wenn auch io noch so geringer Auzahl entsandt; da» Lehrerkollegtum war seldstverständlich vollzählich erschienen. Der zeitige Prtfide RabbtuatS»Land. Dr. Blumenthal eröffnete die Feier bald nach S Uhr, begrüßte die Lheilnehmer nud legte, in löugtter Red« die Ziele und Bestrebungen de» Bttetn» Har. Klärung der Aufichteu über alle die moderne jüdisch« Lheologie bewegenden Krage», sowie Förderung de» Bewnßtsein« btt Zusammengehörigkeit unter den Studtrendeu — HteS seien die beide» Haoptpriuzipien de» BrreiuS; jene» suche er durch einschlägige Borträge und zwanglose freinrüthige Debatten» diesem durch geschloffene« Auftreten in alle» die Hörerschaft interesstrendcn Angelegenheiten gerecht zu werde». Hinauf ttgriff Herr Rabb. Dr. May bau« da» Wort, »« als Zeitiger Vorsitzender de» Lehrerkollegium», die Glückwünsche desselben de« Vereine darzkibrtngeu »nd ihm in einig«» kräftigen Worten eine Direktive für seine fernere Wirksamkeit zu gebe». Gleichzeitig sprach er seine volle Sympathie für Gründong eine» Darlehnsfond für bedürftige Mitglieder, ähnlich dem Liwiath - Oh*n de« Breslauer SemiuarS, begründen wolle. I» Anschluß hieran toastete der Schriftführer dr« Verein« Rabb.: Tand. Samuel ans da» Luratortum der ,Lehranstalt* und gedachte hierbei de» dahingrschtedeuen Lurator» Dr. Ludwig Philippsou mit wannen Worten. I« Namen de» LuratorinmS erwiderte > Herr Prof. M. LazaruS als Präsident deffelben mit eine« längere« Toaste, in welchem er an da» bekannte talmndische , Matt «nvrv * אי חברותא (.ohne Geselltet kein Leben*) | ^nknüpfend, die Vorzüge »nd Botthetle des geselligen Ber-! kehr» und gegenseitige» MeinnngSauStanscheS pries und mit eine« Hoch auf den Verein schloß, deffen Tendenzen er hohe Anerkennung zollte und weiteste Berbreitnng wünschte. Rabb. Sand. Kalt sch er toasttte auf die 4 Dozenten an der Lehranstalt, worauf der Senior derselben, Herr Dr. David Tasfel, sich erhob, um in ein« humorvollen, an treffend angewandten Bibrlcftateu reiche» Rede die wahren Ziel« der Lehranstalt gegenüber so mannigfacher Verkennung und Verdächtigung in» rechte Licht zu setzen. Nachdem Rabb.«Tand. Mitelmaun auf die Mäuuer der Kanzel ein Hoch anzestimmt, wie» Herr Dr. JoSl Müller darauf hin, daß mit dem Abend de» 28. Februar bereit» der 7. Adar zugleich dtt Geburt»׳ und Sterbetag unsere» großen Gesetz» geber» Mose begonnen habe, und stellte denselben als Bordild für einen» jede Heuchelei verschmähende« und überzeuguug«treuen Lehrer der Religion hin. Nach ihm «ahm Hnr Prediger Dr. Landsberger da» Wort und anknüpfend an da« Lulher'sche Watt, wonach dtt Predig» in« Blaue dtt Lehrer in« Grüne rede, wir» Redntt besonders auf die Wichtigkeit der Vorbereitung zum praktischen Berufe de» JngendlehrerS hin. Nachdem daraufRabb.-Tandidat Diamant «och den Gästen im Allgemeinen einen kurzen aber herzliche« Toast gewidmet und Herr Dr. Maybaum ,der bestvrrläumdete der Berliner Rabbiner", — wie er mit einem Ansinge oonStolz sich selbst naunte—nochmal» daSWort genommen hatte, um zu «klären, daß da» hiesige RabbinatSkollegium, so verschiede» auch die religiöse« Richtungen seiner Mitgliedtt seien, doch noch niemals Separatvota abgegeben habe, schloß der offizielle Theil dtt Feier mit der Verlesung zahlreich eingelaufentt GratulationSschreiben von korrespondirenden Mitgliedern de» BtteinS und mehreren dtt denitS amtittnden Hörer der Lehranstalt. Die Fidelita», die Land. Samuel leitete, brachte diverse deklamatorische und «ufikalische Borträge Erwiderungen von Gästen, in dtten Namen die Herren Lehrer Auerbach und Rabb.-Tand. WormS sprachen, Eiuzelvorträge und Gesänge füllten den Rest de» Abends au« und hielte« zahlreiche Theilnrhmer noch bi« tief in die Nacht hinein gemüthlich beisammen. Merk». Vs« fachmäuuischtt juristischer Seite wird einem hiesigen Blatte geschriebeL: ,U war nut daukbrr zu begrüßen, baß tn der Sttzuag.de« Abgeordaeteahause« »o« 8. Mär» d. I. der Abgeordnete Zelle die Krage aaregt«, ob e« zulässig sei, daß Vekenaer de« israelitische» Glauben», wen» auch nicht prinzipiell, so doch thatsächlich von dna Geschworenen» Amt« ferngehalte» würde». Die hier ans von dem Leiter de« Justiz» «!uisteriim» «heilt, Amwort dagegen, erscheint ungenügend. Einmal soll e« «nerfiidlich sei», wie «in OberlandeSgericheopräfideut in d« Lage sein kLaae, anf di« Auswahl der GHchwörenen kiazuwirten, da dies« in dtt Hand eine« AuSschusst» liege. Hlttbei «btt ist «in wichtiger Punkt ganz übersehe». Eia zu« Theil an» Rtcht-Juri-ea aeblldei« Au »schuß für di« Vorschläge bezüglich dtt Schöffen und Geschworene« besteht allttding« bet jede« AmtSgericht »ach gg 40 und 67 de» Gerichtiüwrsaffungrgesetze«. Allein dies« Autschnß mecht nur dir sögenannte Vorschlagsliste. An« de» sämmUtchen Borschlagtlisten dtt Amt«g«!chte. welche vor JahreSschluß au den Präsidenten de« Land» aericht« «inzufeade» sind, wählt nun dieser im Verein mit Vitt «ichtern de« Landgericht« Diejenigen an«, welch« «I» Geschworene ans Mt JahreSItste de» nächsten Jahre« gesctzt werde, sollen. 89 «nd 90.) Ans Grand dies« Iah««liste ab« erfolgt dann Me AuSloosuug zu »n, einrelaen SchwurgertchtSperlod«». Wenn »un natürlich die VorschlegSlistrr dtt Amtsgerichte znsammeugeuomme» «heblich «ehr Personen enthalten, al« für M« JahreSliste» M« Laudgttichte» gibraucht wttden. so ist e« ganz tu die Hand de« Landg!rtchr«Präsidenten und der ihm nutttg«ordnete» Vicht» gegeben, ob au« den Vorschlagslisten irgend ei» Ino« mit aus di« Jahreiliste komme, soll oMt niht. Spricht »», d« OberlaudeSgerichtSvrisident gegenüber untergebenen Präsidenten dtt Landgttichie (fei 6 auch nur vertraulich) den »nasch au«, »aß Me Jude» utcht zu« Geschworenen-Amte zugelaffcn werde» möchten, so kann e» nicht Wunder nehme», wenn tn d« ganze. Provtuz kein Jude aus die JnhreSliste kommt, womit der gewünschte Effekt erziel« wird." SS schttut sich wirklich so zu vtthalten; aus mehrrre« Städteu wirb seit einige» Jahre» übtt di« Feruhaltuug vou Juden vom Geschworeneu-Amte Klage geführt. Zur Aufkläruug btt Sache dürfte e» sich empfehle«, hterübern statistische« Material zu veröffentlichen, nur so Abhilfe geschaffen wttkiu.

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