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Israelitische Wochenschrift · 1890-03-13 · 11 (13.3.1890) · p. Seite 84

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
11 (13.3.1890)
Date
1890-03-13
Page
Seite 84 (sequence 4)
Language
German
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84 — daß sie i» letzten Jahrzehnte über 700,000 fl. für wohlihättge Zwecke jeder Art, vorwiegend zur Unterstützung armer Kranker und zur muntgrltlichln Bistottuog von Tobten verwendet habe und diese ousgebieitete, segensreiche Wirksam» keit gelähmt würde, wevn eine Eoucurrrnz-Lhewra genehmigt werden sollte. Vorwiegend praktischen Charakters ist da» im Memorandum entwickelte Argument, daß die Hauptaufgabe einer Cdewra-kadischa in der unentgeltlichen Bestattung armer Verstorbener bestehe und daß bei der Existenz zweier Chewra's die Frage austauche, welche vou ihnen die Pflicht habe, dir unentgeltliche Bestattung zu besorgen. Tine Frage, welche umso schwerer zu lösen ist, als bei zahlreichen Tod»rn nicht zu constatiren sein wird, ob sie sich bei Lebzelten zur orthol oxrn oder neologen Anschauung bekannt haben. Die Chrwra-kadischa girbt nun der Besorgnis Ausbruch daß das orthodoxe Concorrrnz-Jnslitut nur die Besorgung der dezahlten Bestattungen übernehmen, sich jedoch gegen die GrattSbestattungrn sttäuben würde — was dann auch die Behörde interrssiren wiro, da die Leiche schlieblich doch be« stattet werden muß und, wenn keine der beiden Chrwra's dieübernimm», dir Behörde die Kosten zu tragen hat. Der Entscheidung de» hauptstädtischen BerwaltungSausschuffeS wird mit Spannung rntgegengesrheu. Düsem Berichte will ich noch die Lhatsache ausügea, * bah hin in Prchburg zwei jüdische Friedhöfe bestehen, und zwar schon fest dem Jahre 1872, zu welcher Zett die Foitschrittsgrmeinde ins Lebm trat. Zur Errichtung eines eigenen Friedhofs wurde die letztere moralisch genöthigt, weil die Orthodoxie.nicht gestatten wollte, daß rin Prediger im Ornat auf dein alten Friedhofe Leichenreden halte, oder die Gebete vom Cantor allein recitirt werden.**) Ebensowenig erlaubte fie genagelte Särge au« rohen Brettern, oder eine andere Grabschrist als rin« hebräische. Bor einigen Jahren lieh rin otthodoxes Gemeindemitglird auf den Denkstein für seinen Vater auch eine deutsch« Grabschrift an» bringen, mußte sie aber, nachdem der Leichenstein brrrtt» einige Wochen gestanden hatte, ausradiren lassen. — — Die Budapest« Gemeinde Hot auch soeben durch ihren Präses, Abgeordneten M. Wahr«ann, bei d« Stabtbehsrde angrsucht, es möge die städtische Jahressubvention für diese Gemeinde von 8000 fl. ans 12,000 fl. erhöht ««den. Preßburg, 6. März 1800. Dr. David. Gerichte «Kt S-rrefPO»de<qe«. Magbesurg, 10. März. Während wir von viele» Seiten au« dem In» und Auslände Zustimmungen zu unsere« Vorschläge, den Papst Lurch eine geweinsame Vorstellung von Rabbinern Europa'« zu ein« Berurtheilnng L« ans« neue anstouchenbev, und durch dir Lagespreste in innu« wettere Schichten d« christliche» Welt hineingetrageueu bodenlosen Blutbeschuldigung — etwa i» einen Htrtmbriese — »» veranlassen, erhalte», und die un« zugehenden jüd. Blätter de« Auslandes, besond«« die holländischen und srauzöfischeu, »ns beipflichte», sind es in Deutschland zwei Gattungen von Blättern, die dagege» eifern: die autise«i» tische», die dari» eine .Ueberhebung*, und die jüd^ortho» doxen, die dari« eine .Selbsteutwürdipw,' des Jude». thumS erblickcu. Herr Lr. B erliuer, Dozent am orthodoxe» Rabdttwrsenmwr i» Berlin ist es, d« sich tu einem längere», a» inner» Widersprüche» leidend» Artikel t» d« »Jüd. Pr.* dagege» sehr echanfsirt. Sei» Gedankenaang ist folgend«: »««sei eia« «eleidiguua der Bekeuurr des «hristeuthum», weu, dieses noch über das kindischste all« Märchen belehrt mtbtn soll-', **) Betauntlich gestattet dies t« Borpaud -«.Berliner Ge» »el«d» n ch» einmal den Aadb-ner» vvd Pred'g«, d« vou d« «e» »eindekcjj« siidveuücitir ea Kilialgemeiade, mit «»»nahm« da Geist» liche» d« Neforn». «i, uichtzaltlger «rmid für dies« Atgörosttät, die bet de, Kilialpmiivde« schon viel »rditleruu- «regt har, ist m» erfindlich. («e».) und «I sei ein« .keIbflntt»Srdi«1»g de» Judeutd«»-, den» «trJude», aas«« Gelchr'cn and vlabbia«, fia» dl« eiuzlg Berns«»«», di« toisea» schastlich« Bestätig»«« dies« hiftorischea Lüg« »a crtheileu." Er (Brr» lia«) Hab« »war selbst das Gatachie» des Papstes kleweas XIV. ». I. 1759 edtrt, aber was vor ILO Jahr«, ,»rhig war, sei jetzt »ach Proklamirava d« Menschenrechte, da Gat and Lebe» aal« dem Schatz« d« Gesetze gesichert seien, nicht »rehr aSihtg. llebrigeas hätte» ja früh«« Päpste bereit» ähnliche Erklärungen abgegeben, ab« die Blatlüge sei damit dennoch nicht aus d« Welt geschafft . . . Darm» sei «ine «neute Erklärung des jetzige» Papste» zwecklos. Selbst dt, Antisemit«» katholischen G'aabea» würden sich dem Machtwort« Leo'« TTTT nicht beagen, and di« bet hörte» Massen seien!jeder Be« lehruag und AufUäraag unzugänglich. Berlin« schli« «Ü de» dathetischen Volten: Berleumdung and Berläfteraag habe» aas« Loli begleitet durch die Jahrtausend«, es har wie seiue» äußere» ««stau», so auch die vürde und Ehre trotz all« Scheiterhaufen nid Blutprozefs« in ungeschwächt« Makellosigkeit erhalten " Der denkende Leser merkt die Widersprüche selbst, so daß wir «ns eine eingehende Widerlegnng, die uns Herr B. sehr leicht gewacht, wohl ersparen können. Wir heben nur hervor 1. daß Herr Berliner den ganzen Standpunkt zu dieser Frage verkehrt hat; es handelt fich nicht darum, daß wir, uns vom Papst attestiren kaffen, wir seien keine Kannibalen, soudmn, daß der Papst denjenigen Ehristen, die da- »och immer von uns glauben, eine austlärende Belehrung zukommrn kaffe. 2. Daß wir jüdische Gelehrte die einzig bnufene« Er» klärer unserer Religion settn, ist ja richttg, aber wo wir ««geklagt werden. — wen» auch schuldlos— da find wir Partei, und darum bedürfen wir der Zengniffe Anderer; je höher diese stehe», je eivfinßreichkr. desto bester. Ja wir berufen uns ja vorzugsweise auf die Aussprüche anderer Autorttäteu — so Bloch io seinem Prozeffe gegen Rohling, und in seiner ausgezeichnete» Rebe im österreichische» Ab» geordnetenhanse, die gerade durch die schlagfertig angeführten Eitake so wirkungsvoll gewesen. Brauche« wtt Herrn Ber» li»rr erst an da« rabbintsche '211&X9 אי| חכי® מתיי (.der Gefangere tonn sich nicht selbst befreien") z« erinnern? 3. ,Daß mau jetzt nicht mehr solcher Zengniffe bedürfe, da unser Gut und Leben unter dem Schutze der Gesetze ge» sichert seien.* —Ist das wirklich Ihr Ernst, Herr Berliner? Weil unser Gut und Leben gesichert ist, darum habe» wir nicht biePfltcht, für unser« Glanbensgrnaffe» in der Ferne, deren Gut und Leben dem Pöbel schutzlos prrisgegebeu ist, Schutzmittel zu schaffe». Will Herr Berlin« all' das unschuldig« Blut, das ob dieser Blutlüge »och v«geffeu werden könnte, auf sein Haupt nehmen? 4. Daß die ähnlichen Erklärmige« früherer Päpste jetzt nicht «ehr wirkten, übrrhebt uns doch nicht der Pflicht eines Versuches, dem erneutenAustanchen der Blntlüge eme er» nenteErklLruog des jetzige» Papstes ,ntgmmzusttllm; wen« im Kampfe da» Schwert stumpf ober rostig geworden, so muß es für den erneute» Kampf wttder geschliffen oder durch ei» neues «setzt werden. v. ,Doch wozu da» Alles? Es ist ja zwecklos, die Anttsemiten werde» sich nicht belehren lasten* — aber die Zahl der von den Anttsemiten Bethörten und der Blntlüge» Gläubigen wird immer größer, wenn wir die Anklage« w widerlegt lasten. Weil Türk und Schönerer und Böckel und Bachler (Red. der ,Staatsbüraerzeitung*) jeder Belehrung »»- zugänglich sind, und fort und sott die Lüge immer wieder erneuen — jetzt wieder beim Prozeß ^Bernstein* — dar»« sollen wir mü verschrrnkteo Anne» dasiehen und unthättg mitansehe«, wie der Glaube an diese Blutlüg« immer wetter um sich,greift? gitt da nicht buchstäblich das Verbot לא תעמוד על דם רעך .Du sollst nicht müPg stehm bei« Blut e deines Rebenmeuschen*! —.Da sollen wir uns einschüchter» lasten von dem Rufe der Anttsemismblätter: »Welch jüdische Uebrrhebuog I" — Da« nennt Herr Berliner׳ »Selbstent- Würdigung* — wir negnen es ,Feigh ett!" Seit van« lasse» wir uns von dm antisemitische» Blätter»vor» schreibe», was für Wege wir zur Bekämpfung ihrer Irr» lehre» einznschlage» für praktisch stoben?

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