Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 11 (13.3.1890)
- Date
- 1890-03-13
- Page
- Seite 82 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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SM Riednschreibeu rinn solchrn Tchlußfolgnung heraeb« ttniev. Den« dir Beschuldigung, Blut, und zwar Mmschmblut, zu religiös« Zweck« zu gebrauchen, wurdr msprüuglich gar nicht grgrn dir Judrn, sondern gram dir rrsten Christen erhob«. Dir Hridm behauptete»», daß dir Christen Mmschmblut gebraucht«. Man lese hinübn da» Buch Trrtuliau» »Apologie grgrn dir Hridm", dr» Märtyrer» Justin«» Buch »Apologie sür Antonius״ und Eusrbiu» Läs. I. V in srinir »ldonnrohi* EooIeaiMtioa'. (Sag(. Lrvinsohn'S דמים DUM Eist in 13. Jahrhundert autbt bitfr Beschuldigung gegm dir Judm arrichtrt. Im Jahrr 1247 vert heidigte Papst Jnnocrnz IV. sie grgm dieselbm; dassrlbr that 147V Papst Sixtu» IV. Papst Alrxaudrr II. lobte dir fron• zösischm Bischöfe (1060), wril fir dir Judrn beschützt haltrn. Papst Urban IV. mißbilligte dir Brrlmwdung» daß dir Judm sich de» Menschenblute» bei ihrm rrligiösm Cnrmonirn bedienten. In rincm Briefe de» apostolischen Runtiu» Bis« conti (1763). auf Befehl Königs August HI. von Palm im Staatsarchiv veröffentlicht, heißt r»: ,Seine Hrillgkrit beabsichtigt bekannt zu machen, daß da päpstliche Stuhl dir Gründe untersucht hat, welche zu dem Glaubm Anlaß gegeben habm, daß dir Juden bei Brrerlung ihrer ungesäuerten Brode sich de» Mmschrnblutr» bÄieueu und dirsnhalb angeschuldigt werden, Thristenkiuder zu mordm. Eh hat sich hierbei hnaoKgrstrllt, daß kriu Zeugniß zu erbring« ist, welche» hinlänglich zeigt, daß dir Judm sich je eine» solch« Verbrechen» zu einem solch« Zwecke schuldig gemacht habe«, ungeachtet da» alte Borurtheil, welche» bei manchen Böllern auch noch heute forttesteht, sich gegen sie gerichtet hat. Deshalb darf ein solches Boruriheil nicht ergriff«n wndm, um dnartige Beschuldigungen zu bekrästigm, sondern die Ankläger müffen durch Erbringung strmg legaler Beweise allem ihre Anklagen zu nhärtm i» Staude sein." — Wie oft ist diese Beschuldigung abn schon erhobm und widnlegt wordml Würde e» daher nicht geeignet sein, diese Thatsache zu bestätig«? Sie kmnen gewiß die Geschichte ,da» heilige Kiod vo« La Guardia." Man hatte die Berleumdung au»gestreut, daß im Jahre 1488*) ein Christmkind von S Judm und 6 ueugrtauften Ehristm ermordet wordm sein sollte. Wa» hat abn dn Prozeß ergeben? z. Die Angaben der Zeugen, durch die Falter oder durch Androhung derselben »rxreßt, find voller tvidertzröch« and Umoahrscheinlichkeiten and schließen jede Möglichkeit de» Lhatbefiande» au». 2. Pit Richer haben weder «in« Untersuchung, noch «in« Feststellung der Ihatsachen vorgenommen, um di« Wahrheit zu entdecken; fie haben kein« ihrer Pflichten erfüllt. 3. Sie haben da» Datum de» verbrechen» nicht bestimmen können, haben weder da» vers<hwind«n eine» Kinde», noch den Leichnam oder sonstig« Ueberrest» irgend eine» christlichen Rinde» entdecken können. Mithin war da» Lrgebniß r Der Kin-ermord von La Guardia hat »iemal» stattgefundenl Ich führe diese nur al» eine Probe dnartigcc Beschuldigungm an, die s» vnabscheuuugSwürdig sind, daß man sich wundern muß, wie ein anständige» Blatt ihnm seine Spalt« äffn« kan«. Sichnlich ainnent Sie sich auch noch dn berüchtigt« TiSzla-ESzlaer-Afioire von 1882. Wa» «ar ihr Resultat? Bin Judm warm angetlagr, m on Synagoge ein Kmd ermordet und fünf andere, an dem Verbrechen theilgeuommm zu habm. Herr Eötvö», Mitglied de» ungarisch« Parlammt» trat für sie auf. Die Sache kam Mi׳» Gericht und alle Angeklagten wurde» frergesprocheu. Daß die Anklage erhoben wurde, betonst durchaus nicht«. Ich stelle übnhaupt in Abrede, daß je eine wahre und begründete Anklage diesn Art nhoben wndm konnte. "1 Bergtdi« hochinteressante Schrift de«Herr« Isidore Löb ״Le •»int enfa&t de U Gnardim“, nach welcher da» SrelaMß in den labrm 1490 u. 91 stottfaub; drggleicheu di« Rezeufion i« Litt^vl. JÄ» «r. 16 von L. Lohen. Blutvergießen ist den Juden «in Greuel. Dn König David dmfte dem Her« kein« Tempel bauen, weil a in sein« Krieg« so vcel Blut vngieß« ließ. »Du sollst nicht morden I" gebietet »nsn Gesetz. Der Talmud, welch« Hen Desportes falsch darstellt, lehrt: ,Wenn ein Hebrän sem« Dienstboten tödtet, sei diesn männlich« ober weiblich« Geschlechts, Hebrän odn nicht, so muß n de» Lode» sterben." (Synhedrin.) Mein Brief ist schon langwinig gmug. Ich hoffe zuvnsichtlich, daß Sie eii.gestehm «nden, daß da» von mir angeführte Beispiel on Päpste, welche die Beschuldigung mißbillig«, Jhrn Berücksichtigung al» eine» brav« Katholikm werth sei und daß Sie öffentlich erklären wnd«, daß auch Sie die Beschuldigung, daß die Jud« Mmschmblut vngieß«, für unwahr, gottlo« und Verabscheuung«- würdig halt«. Ihr ngebmstn koroira dloudo», Rabbiner dn spanisch« und portugiesisch« Gemeinde." Wir knüpf« hinan folgmde» Schreib« de» Herrn Or. theoL M. Schwalb, Prediger» an der reformirten Kirche zu St. Martini in Bremen, da» daffelbe am 24. Februar c. au dm Redakteur dn »Monatsschrift sür Geschichte und Wissenschaft de» Judenthum«", Her« Arthur S. Seißmann in Wien gerichtet hat: ,Sehr geehrter Herr! Mit Kummn erfahre ich, daß tu Oesterreich, wie tu Deutschland, dn Judenhaß sich wiedn kräftig regt. Daß abn in anftsemitischm Kreis« da» fluchwürdige Ostn» märcheu wiedn austauch« würde, fände ich, w«n Sie e» mir nicht sagten, bi» auf Weitne» unglaublich. Hat denn die Freisprechung der arm« Dulder von Ti»za-E»zlar die Lmte nicht von dn Ruchlosigkest dn Bnleumdn überzeugt? Habm d«u die Gutachtm christlichn Theolügm, nammtlich eine» Franz Delitzsch, die Leute nicht belehrt? Hab« dmn die »gläubig«" Christ« in ihrn Bibel, in »Gotte» Worte" noch immn nicht die Gesetze gesund«, die jede« J«raelilm untn Androhung dn Tode»strase verbiet«, Blut zu trink« odn zu eff«? Wahrlich, e» scheint wohl, daß Diejmig« mit dn schlimmstm Taubheit behaftet sind, die nicht hör« wollen! Bielleicht könnte man sie, odn doch einige untn ihn«, zur Besinnung bring«, w«u mau ihn« auf einem Zettelch«, iu groß« Lettern gedruckt, die betreffende» jüdisch« Gesetz«; namentlich I. Mos. S, 4—S. HL Mos. 3,17, 7, 26-27 untn die Lug« legte, untn die Nase rieb«. Bielleicht auch wäre e» nützlich, ihnm zu sagen, daß chr vngöttertn, angebetetn Mefftn am letzt« Abend seine» Leb«» noch da» jüdische Ostermahl feierte —ohne Heid«, blut zu trink«, daß n am folgend« Tage grausam gekr«zigt wordm fft von römischen Hm kern, well « dn Messta», dn Wetter und König Israel» sein wollte — de» Volke», da» manche seiun Aubetn hass« und verfolgen. Doch — geg« die Dummheit und Bosheit kämpf« von jeher auch Göttn umsonst. Möge Jahwe sein arme» liebe» Volk mit besondere» Schutz umgeb« und mst neuem Segm beschenk« iu dn kommmd« Osterzeit! Die» wünscht von Herz« Ihr ergebmn M. Schwalb."