Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 10 (6.3.1890)
- Date
- 1890-03-06
- Page
- Seite 78 (sequence 6)
- Language
- German
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7• — fcrtnff« der Bestrafung derjenigen Personen, welche ohne ordentliche Bestellung eine Trauung vornehmen, eine neue strafrechtliche Bestimmuna zu erlassen; auch sei die Negierung oufzufordern, dir Errichtung von jüd. Seminarien zur Heranbildung jüd. Religionslehrer und Rabbiner zu fördern. A*a»kret«b. J ^art?Lu« Jubiläum ״der Archiven iorceliteo“,die ibren fünfzigjährigen Bestand feierten, ist eine reichhaltige Jubelschritt unter dem Titel ,1» Gerbe“ erschienen. Dieselbe enthält folgende hochinteressante Abhandlungen und Bri'fe: 1 Vom Houptredacteur Isidore Cahen: Geschichte der Zeitung. 2. Vom Grandrabbin Zadoc Lahn: Aufgabe des Archiv«, unterstützt durch das Rabbinat. 3. E. A. Astruc: Warum find wir Juden? eine sehr geistreiche Abhandlung, »elche alle bestehende»: Religionen einer kurzen Betrachtung unterzieht und die Lichtseiten des jüdischen Glauben» darzustellen sich bemüht. 4. Lin halbes Jahrhundert — von Joseph Lohen. 5. Von Ferdinand Cremieux, Sdvocat am Pariser CassationSbofe und früherer Deputirter: Lin halbes Jahrhundert. 6. Von Armand Ephraim: Die Iudenfrage i. I. 1848. (in Briefform) 7. Bon Adolphe Frank, Mitglied de» Institut»: Die Juden und die bumanität. 8. Von Ludowig Halevy an der französischen Akademie: Lin Brief an den Redakteur. S. Ron Joseph Hirsch, Oberivgenieur der Straßen und Brücken: Die Rolle des Iudeuthums in Frankreich. 10. Bon Daniel Levy: Lindrücke einer Reffe (Fragment). I I. Von Moritz Levy. Mitglied de» Institut»: Lin Brief. 12. Bon Eugene Manuel: Zarte Lrinnerungen; «in Winkel der Vergangenheit. 13. Von Loui« RatiSkönne: Lin Brief. 14. Bon G. Säe, Professor der Medicin: Lin Brief. 15. Von Julr» Simon: Unduldsamkeit. 18. Von Alexander Weil: Die Juden von Paris vor 50 Jahren. 17. Reffe um die 50 Jahrgänge der ״Archive»“ von Prague, Mitredactrur der Zeitung. (Wir kommen auf einige dieser Beiträge noch ausführsicher zurück.) Lenden, Ende Februar. (Or.-Cor.) Noch nie hat wohl der Tod eine» jüdischen Geistlichen in irgend einem Lande der Welt so viel Auffehen erregt, al« da» jüngste Hiascheide» unsere« Chief-Rabbi. Daß all« jüd. Blätter de« In- und Auslände» diesem traurigen, obschon nicht widernatürlichen Tode» ihre volle Aufmerksamkeit schenken würden, war vorauSzuseheu. Aber mehr al« man e« je erwartet hätte, ergab sich hie: eine innige Theilnahme christlicherseit» kund, die den Juden in England ein beredte« Zeugniß von der hohen Meinung abgab, welche di« englischen Christen von ihnen al« Religion-genoffenschaft und von ihrem geistlichea Oberhaupt haben. Die einflußreichsten, von Christen redigirtrn Tage»- und Wochenblätter brachten lange Nekrologe und Abbildungen de« Hingeschiedenen, und enthielten zugleich manche schmeichelhafte Bemerkung hinfichtlich der ehrenvollen Stellungen, welche so viele im britischen Reiche wohnende Juden in der Wiffeuschaft, Litteratur, Politik, de» schönen Künsten, und im engliche» Wclthaudel rinnehmen. E» bewahrheitete sich da der alte Spruch בקרבי אקדעי, indem de Chief Rabbi seiner Gemeinde, und diese wieder ihrem geistigen Führer und Leiter Ehre machte. Daß Letzterer eine Mwtissiwa persona dei allen Juden England« gewesen sein muß, ist au« dem Umstände erfichtlich, daß in allen Synagogen de« britischen Reiche«, sowohl in den majestätischen Tempeln, wo der Orgelten die Herzen ergreift uud erschüttert, al» auch in der gemiethrten Belftub». wo noch die sogenannten ,Mitzwoth* während de« Gottesdienstes verauktioutrt werden, überall wurden Trauergotte«diruste und ״Hespeds“ abgehalten. Und in der That verdiente der selige Dr. Adler, die ihm im Leben wie im Sterben von Orthodoxen und Reformern zügle ch erwiesene Ehre. Erster« erblickten in ihm während seiner langjährigen AmtSthäligkeit einen würdigen Repräsentanten ihrer eigene» rettgiöse« Ansichten, und wenn gar mancher unter ihnen «» al« eine Sünde und Sabbatheutweihnug erachtete, a« heilige» Ruherag im größten Regenguß eine« Schirm zu tragen, se beriefen fie sich auf da« ihnen vorgehattene Beispiel, «ud waren im Gedanken selig, diesem nachahmea und uachetfer» zu könne». Die Reformer wieder ihrerseits, obschon fie de» Patron und Bertheidiger de» Sohalohen araoh auf Schritt und Tritt nicht folge« konnten, so hatten sie vor seiner klaffischeu Bildung, seinem allgemeinen gediegenen «iffe», seinem festen Character, seiner edlen Abkunft und seine» sonstigen gute» Eigenschaften vollen Respekt. Wrr je sich berufen fühlen wird, die Geschichte der Rabbiner und der Juden England« zu schreiben, der wird im Leben und Wirken de« seligen Dr. Adler ungemein reichliche« Material daz» finden, ein Material, worau« ein geistige« Monument dem edlen Hingeschiedenen errichtet werden kann, da«, dem Zettströme trotzend, bi« in die spätesten Jahrhunderte fortdauera und forlbestehen dürfte. (Shlug folgt) Afrika. V.Aertzafrika. (O. S.) Die politisch bedrängte u materiell so ungünstige Lage der Juden Tripolitannien« und Barke'« ist eine notorische. Al» ich mich za Beginn de« Jahre« 1887 in der Hauptstadt de« Lande«, za Tripolis, aushielt, konnte ich mich persönlich von diesen Leiden überzeugen. Nun muß allerding« in Betracht gezogen werden, daß ein gut Theil de« Uebelstande«, 0:1 welchem die dortig« Judeoschaft laborirt, nicht minder auch auf den übrigen Bewohnern lastet, die infolge der ungünstigen wirthschaftlichea Lage de« Lande« au« Mangel an ErwerbSzweigen in der elendsten Lage dahin» stechen; hierzu aber tritt bei den Juden noch der politische Druck und hiermit eine Verschärfung der Mißlichketten, die an« Unglaubliche grenzen. Ueberdie« ist noch zu berücksichtigen, daß unter den Auge« der Cousuln, die in der Hauptstadt ihren Sitz haben, die Insulten und thätlicheu Angriffe einer fanatischen Bevölkerung gegen die Judeaschaft sich nicht in dem Maße hervorwagen, wie in den kleineren Ortschaften, iuSbesoadere denjenigen i« Innern de« Laude« belege»««. Größere Gemeinden befinden fich außer in Tripolis in den Aüstevplätzen Lebda und Slitten, ferner in den Nette«» Ortschaften de« Dschebel Geria. etwa zehn deutsche Meile« südlich von der Hauptstadt, in Beugest, der Hauptstadt de« Bilojet« Barke, in Derna »ad Merg, demselben Verwaltung«- bezirk zugehörig, vereinzelt oder mit vorübergehenden Aufenthalt find fie anzutrrffen im Fezzan, ein fcem Pascha ees Tripolis untergebener Distrikt, auf dem Wege «ach dem Sudan. Wenn man die Serlenzahl der Juden in der Stadt Tripoli auf etwa 7000 schätzt, so kann man fich «inen Begriff von dem Elend einer Bevölkerung machen, die fast durchgehend« auf die mannigfachen Er»erb«zweige glücklicher wirthschaftlicher Verhältnisse einer Hafenstadt angewiesen ist. E» läßt fich nicht verkennen, daß hinfichtlich der dortige» Judenschaft vttl gewonnen wäre, wen» mau einen Theil derselben einer Beschäftigung zuführen würde, die körperlich sowohl wie geistig so oortheilhaft wttkt; ich glaube, daß ein Unternehmen dahingehend zuerst eine gewisse Anzahl von Familie» und nach gewonnener Ciuficht einen größeren Theil dem Landleben zuzuführen, dem Ackerbau uud der Viehzucht, der Unterstützung würdig ist. Ihr Temperament sowohl, wie ihre Genügsamkeit reden solchen Bestrebungen «iftig da« Watt. Nun ist die nächste Umgebung von Tripolis Stadt zwar für eine derartige Colouieengründung wenig geeignet, der Bode» wenig ergiebig, destomehr aber winken die blühenden Gefilde der alte« Cyrenalka, dem heutigen Barke, die nnr der schaffen« den Hände warten, um de« menschlichen Fleiß mit den Herrlichsten Gaben der Natur z« erfreuen. E« dürfte wenig bekannt sein, daß gerade die alte Lyrenätta zur Zeit der egyptischen Ptolemäer der Sitz blühender jüdischer Colontru war, die mit der damaligen Metropole Alexandrien durch enge Vaud« »iffrnschaftlichrr und kauf-- mänaischer Beziehung in Verbindung standen.