Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 10 (6.3.1890)
- Date
- 1890-03-06
- Page
- Seite 77 (sequence 5)
- Language
- German
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über icne Behauptung ju bitte«. Derselbe ,ab hirr««f officiell « de« »«»schoß die Erklärung ab, er sei ket« «uüsewtt, vtel«ehr bereit und eutschlossen, für die «ufrechterhaltimg der Menschenuud Bürgerrechte aller Wähler, welche« Bekeuutuiffe sie immer aogehvren eiuzutreteu. Der Vorsitzende, Herr Hofrath G. Meyer, übersandte mir da» Schreiben mir de« veifügln. da« »uftreten Menzer« im Reich«tage habe nicht den geringste» Anhalt für eine antisemitische Richtung deffelbr» geboten. Er würde sonst trotz de» Startet!» nie für ihn eingelreten sein. Er halte den AntifemitiSmu« für eine der häßlichsten und bedenklichsten Erscheinungen der (Segenwart; jede» Paktieren mit dieser Richtung sei ihm unmöglich. Die Erwiderung Menzer» und die Anschauung de» Au»- fchusse» hat Meyer in großer Versammlung zur »ffeutlichea lkrnntniß gebracht. Die beiden Briefe Meyer-, mit welchen er da» Schreiben Menzer» übermittelt und zurückerbeten hat, liege» R. v. hier bei.*) Hiernach kann ich meine» Glauben»- »enossen die Brurtheiluug meine» verholten» bei der Reich»- tagSwahl überlasten. Dr. Sondhrimer, Bez.-Rabbiner. «Leipzig 1. März. Ein Act der Pietät, wie er in der Judrnheit wohl heimisch ist, aber selten in so erhebknder und wehrvoller Stimmung au-geübt wird, hat am Donnerstag, dr« ersten JohrrStage de» Tode» unsere» verstorbenen Rabbiner» Dr. Goldjchmidt, vier stattgefunden. Der Einladung de» Vorstände» folgend, hatte sich ciue prößere Versammlung nebst der Gattin uud den Sühnen de» Seligen um 1! Uhr vormittag», auf dem Friedhofe, im Belsaale, liugrfunden. Nachdem der Zug sich geordnet, begab sich die Bersammluug unter Führung de» Rabbiner Dr. Porges und der beiden Tavtoren, denen vorerst die Leidtragenden, begleitet von den anwesenden Damen und dann die Herren folgten, nach der Grabstätte de» ehemaligen Rabbiner». Ein Gebet in auldruckvoller und erhebender Weise wurde von Eantor Jacobsoha, in hebräischer Sprache, verrichtet, und hierauf erfolgte vor stummer, lautlo» athmender Bersammluug die Enthüllung de» Grabstein», der da» Weihegebet (Kodisch) der leidtragenden Sühre folgte. Würdevoll ordnete sich der Zug in früherer Weise und nahm wieder seine Richtung nach dem Betsaale — Eantor Tausig verrichtete hier in feierlicher Weste ein hebräische» Gebet, worauf Herr Rabbiner Dr. Porgr» die stanzet betrat. In klangvoller und beredter Sprache führte er au», welche Gefüllr die Versammlung an dieser weihevollen Kchwerzen-stättr in dankbarer Erinnerung befangen halten. Ein edle» Menschenleben sei dahingegaogen, von dem wir mit Recht sagen könnten, e» ist nicht dem Tode verfallen. Wenu der erste Lehrer uud Gesetzgeber ,Mose»', deffm Xotxttag, nach alter Sage, am 7. Adar, wohl für da» Erstrebe» v»S Guten nach göttlichem Gebote mustergiltig und doch unnachahmlich sei, so ist da» Ringen nach dem Besteren im Dienste der Menschheit in ähnlichem, wenn auch nicht gleichem Sinne, rin edle» Ringen nach Erfüllung de» güttlichen Veboir». — In diesem Sinne strebte und wirkte der verstorbene. — Die Anerkennung seiner dankbaren Gemeind« folgt ihm allezeit nach. Da» Andenken de» Gerechten bleibt zum Segen! Hierauf folgt ein hebräische« Gebet, gesprochen M« Rabbiner Dr. Porge» — und die Versammlung verließ tiefergriffen die Stätte de» ewigen Friede«»! H««A»rg, 27. Februar. Die Beerdigung de» langjährigen Obercautor» de» d«»tsch>i»rarlitischen Synagogen- »erbond», H. Lewandow»ki, fand heute statt. Die zahl« reiche Bethriligung legt« ein beredte» Zeugniß für die allgemeine Beliebtheit de» verstorbenen ab. Da» Gefolge bestand au» 40 Wagen uud mehrrren hundert Fußgänger«. I» Trauerhause selbst fand unter Lheiluahme der Spitzen de» Stzuagogcnverbande» und der deutsch-i»raelttischen Ge- «einde, sowie zahlreicher Freund« und Bekannten eine er« hebende Trauerfnerlichkett statt. Herr Oberrabbiuer Hirsch *) Mir Hab«» m■ ksMfca Al» ficht «min «ed Haara da» f m IcfUMfiR• (Hgfe,) widmete dem so plötzlich, in der Nacht vomß24. zum 2b. Dahingstchiedenea einen warmempfuudenen Nachruf. An» knüpfend an die Ueberliefeniag de» Talmud, daß am heutigen Tage (7. Adar) der Todestag de« große« Lehrer« Mose» sei, wie» Redner darauf hi», daß die heilige Schrift demselben al« einzigm Nachruf die Worte »Er war ein Knecht Gotte»" widme. Mose» werde als »treuer Diener" bezeichnet. Dir Anwendung dieser Bezeichnung auf den Berstorbraen bildete den Inhalt der tiefempfundenen Red«. Die Leich« wurde auf dem israelitischen Friedhöfe in Ohlsdorf dem «chooßr der Erde übergeben. Der Herr Oberrabbiner hatte schon in voriger Woche einer in Ohlsdorf beerdigten Leiche da» Geleite und die letzten Liebesdienste erwiesen. Damit erscheint der seit Jahren in der israelitischen Gemeind« schwebende Beerdigungsstreit in versöhnender Weste geschlichtet. Auch im Laogenfelder BeerdigungSoerein hatte der Herr Oberrabbiuer kürzlich bei einer Fessteier in versöhnende« Sinne, hoffentlich uicht vergeben», gesprochen. -Oesterretcd-U»aar«. Ans Alugar», 26. Februar. (Or.-Eor.) Mit der Mahnung zu Frieden, Versöhnung und Einheit schließt der Erlaß de» Ungar. Unterrichts-Minister», Grafen Esüky, vom 10. Februar, welcher dem Gesuche der Orthodoxie um Trennung de» Judeuthum« in zwei besondere Glaubensgemeinschaften wohl modinirte Ablehnung ertheilt. Nicht nur haben die 239 orthodoxen Rabbiner in ihrer Petition vom 9. März 1889 nicht die dogmatischen Unterschiede kenntlich gemacht, welche sie von den Mtttrl- und Fortschritts-Gemeinden trenne«, sonder» entbehrt da» Gesuch sowohl in der heimathlicheu Gesetzgebung, ol« auch in dem Htaweise auf die preußische Gemeinde-Organisation jeder Grundlage. Die Gewissen»- freihrit sei durch die Freiheit der v erei n» b ilduu g, die Möglichkeit mehrerer EultuS-Gemeinden in einer und derselben Stadt, gewährleistet. Im Prinzip« aber könne nur eiue jüdische Glaubensgemeinschaft angenommen werden, in welcher nicht nur die Existenz der Religions-Gemeinde wurzelt, sondern auch da» Standesamt (die Matrikenführuug) al» Staat«-Jastitution begründet ist. Die Gemeind« möge daher, bei abweichende» Normen und Formen ihrer Glieder und Parteien, ihre Freiheit nach Junen bewahren, nach Außen aber, sowohl in Bezug auf die Zugehörigkeit zur ReligiouSgemeinschaft. al» auch zum Staate eiue Einheit bilden. Der gegenwärtige UnterrichtSminifter theilt demnach in Bezug auf die Gemeinde - Organisatioa ganz die Auschauuug u. den RechtSstandpuokt seine» LmtSoorgänger« Träfort. — Jüngst hatte Schreiber diese» die Errichtuu, de« Internat» in Ofen vom konfesfionellen Gesichtspunkte au» zu erörtern, und auf diese neueste Schöpfung uusere» Lultu»- Minister» hinzuweiseu Gelegenheit gehabt. Obschon diese Lehruud Erziehungs-Anstalt gerühmt wird, so hat doch ei« Hervorrageuber Schrtftgelehrter uusere« Lande», Profeff. Arpüd von Török, tu einem tu Budapest erschienenen. ,Internat" betttelreu Gedichte sich im Prinzip« gegen solche Institute ««»gesprochen. Der Berfaffer erwähnt, daß der Fürst-Kanzler von Bismarck wraige Tage vor der EuischeiduugSschlacht bei Sedan, am 26. 187V länger al» eiue Stunde da» Internat von Bar-le-duc besucht hatte uud zu dem Ergebniß gelaugt war, daß die deutsche Schule ihre Zöglinge wett ivntger und lebendiger mit der F a m t l i e und dem Baterlandr verbinde, al» die Abgeschlossenheit de» französischen Systeme». E» sei besser tumultuarische» Treiben der Jugend, al» Monotonie und geistige Erschlaffung, besser die Zugänglichkeit der Lehrstätten für alle Stände uud Klasse» in Glauben und Staat, al» eine, wenn noch so wohlgemeinte Sonderung in dieser Mchtung. Wie». Die Eommisston de» Herrenhauses ist dem Beschluss« de» Abgeordnetenhaus«» über da» Gesetz betreffend die äußeren Rechtsverhältnisse der i»r. RrligionSgeuoflenschaft beigrtreten und beantragt die Annahme de» Gesetze«. Ferner beautragt die Eommisston, die Regierung sei aufzufordera, daß an Stelle dr» alten nicht mehr anwenvbare» Gesetze»,