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Israelitische Wochenschrift · 1890-03-06 · 10 (6.3.1890) · p. Seite 79

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
10 (6.3.1890)
Date
1890-03-06
Page
Seite 79 (sequence 7)
Language
German
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s?»■? — 7t — t Di« heutige Bevölkerung Barka'« ist im BerhSltutß zur! Größe de» Lande», da» etwa den Alöchemau» der Insel Sardinien in flch vereint, eine geringfüge. Saum 200 000 s Seelen dürften heute da» Land bevölkern. Die Bewohner find zum bet weitem größten Theil al» Nomaden anzutreffen, die heute hier, morgen dort ihr« Zelte aufschlagen, je nachdem fich ihren tzeerden die Weidegründe biete«. Bengast und D r r n > find die einzigen Ortschaften mit seßhafter Bevölke- .rang, alleosall» auch noch da« im Innern de« Landebelegene Merg. welche» wenig Bedeulung besttzt. Der Ackerbau ist in arger Bernachlasfiguug theil« der geringen Bevölkerung, theil« auch mangelhaften Verkehrswege halber. Einige Pflege findet derselbe in der Umgebung der genannten Süstenplätze, der Nomade baut richr mehr au al» seine» Leibe» Nothdurft ihm gebietet; da» vom Himmel gesegnete Land liegt beinahe ganz brach da. Außer >n Bengast und Derna befindet fich auch eine Mische Gemeinde in Merg; die Seelenzahl ist indeß in allen drei Plötzen nur eine beschrönkte. Mehr al» 100 Familien durften in ganz Barka nicht anzutreffen sein. Krrmischte unk ututfkt Nachrichten. Berlin. Bon den städtischen höheren Lehranstalten wurden di« »0 Gymnasien, Realgymnasien und Oberrealschnlen wahrend de» Berichtsjahre» 1888/89 durchschnittlich 10N invgesammt 18.922 Schülern besucht, 61 weniger als i« Bottnhr«. De« religiösen Bekenntniß nach waren evangelisch 10,806 — 77,61 pEt., katholisch 399 mm 2,87 pLt., mosaisch 26TO — 19,18 und andertgläudlg" 48 — 0,98 ptkt. Laiyztß. Der geh. Kirchenraih Prof. Dr. Fran» Delitzsch, der bedeutendste christlich«. Hebraist und grober Kötner der jiid.-rabbinische» Litteratur der Gegenwart, der Rohling al» Falschmünzer entlarvte, den Antisemitismu» mit den wuchtigen Schlägen derSIffeafchafi auf» Haupt schlug und besonder» auch di« Blntbestbuldtgung al» scheustliche, bodenlos« Lug« nachwie», ist am 4. März 78 I. alt gestorben. Arieddera (Heffen), 26. Februar. Sin Letchenzug, wie Ihn unsere Stadt wohl noch nie gesetzt» h-t, bewegte sich gestern Rachmittag dem jüdische» Friedhöfe zu. Galt «* doch, di! irdischen Ueberreste de» hckdenmüihige» Jüngling«, de» 22jährigen Moritz Löb de« «iuztgea Sobur« de» hiesige» Aruchthündlrrl L. Löb), dem Schosste der Erd« -» übergeben, der am Sonnabend aus dem Rauhrtmer Teich« bei Er» rettung Anderer erironk. Alle Civil- und Miliiär.Behördrn, da» Lehrer- und Prediger-Seminar, Männer und Krauen, Jünglinge und Juagsrauen Friedberg» und der ganzen Umgegend gäbe» dem Ldleu da» letzte tkhreageleile. da« nach Tausenden g׳rechnet werden kann. In kernigen, von Herzen kommendr» uud zu Herzen gehende» Sorten schilderte Herr Lehrer Ehrmann di« Tugend«» de» jungen Helden. Angesicht» diese» Ehrengeleit» au» olle« Eo»f!ssione« müßte» alle dieieuige» übersüh t sein, die fich bemühen den Samen de» Haste« und der Zwietracht zwischen den Bekenrern verschirdener Religionen au»- gupreue׳. >«» de» Elsaß. Der glücklich« Gewinner de» hohe» Loose» der Pariser Au»stelluug»lo1terie (bestehend in einem Juweleuschmuck zu« Werth« von 200,000 Krane«) Namen» Joseph Levy au« Elsaß, rst ei« Jude. Derselbe erzählt bi« «igenthümlichr Art und Seif«, wie er in den Besitz de» Loose« gelang folgendermaßen. Al» er i« varigen Sommer mit seiner Krau in Pari» war, ging Frau Levy in eine« Taback»laden, um 8 Freimarken zu kaufen. Da sie kein kleine» Selb hatte, gab sie dem Ladentnhaber «inen Napoleon, worauf dieser ihr da» übrige Geld in kleine» Silber- und Kupfermünzen zurückgab. Frau Lev» erhob Einspruch gegen dies« Handlung»w«i>«, da die klein« Münze ihr nur lästig wäre. Der Ladeninhaber fragt« st« deßhalb: »Sollen Sie nicht einige Lotterieloose nehmen? damit wlre ihnen ja aeholfe« I" Krau Levy nahm 6 Loose uud bracht« sie mir nach Hagenau. Sie hatte kaum mehr an dieselben gedacht und erst 10 Tag« »mH der Ziehung fiel e» ihr ein, di« Gewinnliste einmal nachzusehen» wobei sie wenn zu ihrer größte» Ueberralchung sand, laß 8 ihrer Loose und zwar «ine» »st de« höchsten Gewinn gezogen waren. Mn« Bayer«» I« -Pforzhelmer Auzeuer" ist zu lesen: Hier waren und find seit 18 Jahren 4 Reserveoffiziere und 8 Sanitüt»offizl«r, israelitischer Religio» unter 40 Offizieren im Ganzen. Bilsen. (Or-Corr.) Am 9. d. M. f« ert der Schulleiter uud Oberlehrer der hiesige» deutsch-i»r. volktschule, Herr Lazor Klein, sein vierztgiähriae» ««»»jubiläum. Bet de« umstand«, daß «in sehr großer ÄTHeil der Gemeind« zu den Schülern de» verdienstvollen Lehrer« gehört, einer umfaffend«» vethältgung der Liebe und Dankbarkeit, die er hier erworben hat, entgegenzusehen. Klei» ist übrige»« durch sein« vtelverbrritete hebr. Lesefibel in weitere» auch rrich»ländtschen Kreisen bekannt. Et» hebr. Sprachbuch von ihm befinde« sich unter der Drucker- »und entspricht, fo wett wir kartn Einsicht genommen, «Le» che» und pädagogischen Ansprüche». Möge e» de« Jnbilar Mt» -vnttt sein, noch recht lang« I» »nftrer Mitte zn» Hell» der Jngeud .IN wirken. '' V«ri<. Zu seinem Glückwunschretben an die »Archive«' «acht Profeffor See den Redakteur auf da« Erscheinen einer Arbeit über die Tubereulose bet dr» Juden aufmerksam. Di« in London von Behrend veröffentlichte Arbeit enthalt« «inen schweren Jrrthum. Di« Akademie der Medikin in Par!« wird sich nächsten» mit der Frag« beschäftigen. — Die »llniv. Jkr." bcsLästgt flch in einem Leitarttkel mit der Frage, ob man aus ktaa:!semiltfchen Angriffe in Frankreich schweigen oder aniwoit n solle. Bekanntlich hat in d:r Jahreäverlammlung Dr. «tack», juirs» Adolphe Frank für Schweigen, Isidor Löb für Kämpfe», resp. Bekämpfen gestimmt. Jidensall» muffe man nach dem Bestpiele Zadoc Katzen, der in der ,Tempi" den bekannten Brief abdrucken ließ, die Antisemiteu auf ihren eigenen, allen offenkundigen Gebieten angreife», wa« nützen sonst die Leitarti'el in den jüdischen muß jedenlall« immer wider den Antisemiten ihre Ungerechtigkeit, Lügenhaftigkeit und Fälschung der Bergangenheit und Gegenwart Vorhalten. Pari«. Aus die Pariser Oberrabbinerstill« haben sich sämmtlich« sech« Paris!« Rabbiner und die Oberrabbiner von Lyon und Brüffel gemeldet. Für die G ederbesetzung de« Oberrabbinale« in Nancy hat sich zur Borbereiiung der Wahl ein Eomitee gebildet. — Da« Duell zwischen Baron Edouard v. Rothschild, dem Sohn Alphonfe v. Rothschild, und dem Marqui« de Gouy, halt« kein« anti» s-mitische Ueraniastung. sondern war privater Natur. — Da» Dueü aber, da» zwischen dem Marqui« de More» und dem Abgeordnete» Camille Dreyfuß, dem D rector der ,Ration", stattsand, war anläßlich der Versammlung in Neuilly entstanden. Nancy- Hier wurde eine Zusiuchttstät׳« für alte israelitisch« Leut« durch freiwillige Beiträge eröffnet. Dec Neubau ist großartig und entwricht allen Anforderungen einer lolchen Anstalt. Winsehoteu (Holland). Der hiesig« evangelisch« Pastor, Re». D. C. Rademaker, feierte im vergangenen Monat« sein Amt»- jubiläum. Bon der Geldsumme, welche er bet der Feier diese« Ereigniste« vertheilen ließ, bestimmt« er auch «inen Theil zur Bewirthung der Kinder der jüdischen Schule. E« giebt doch noch andere «van» ,«lisch« Geistliche, al» die Züchter de« Jude »haste«. Gouftantinopel. Anläßlich de« Hiuscheiden« de« Grafen Abraham v. Camondo sand in den Tempel in Gal ata, der Borstadt Constantinopel», unter allgemeiner Theilnah« «in« Lrauerseter statt, bei welcher der Oberrabbiner und der Direktor der Camondo-Schul«, Felix Bloch, ergreifend«, da» Andenken de« großen Todlen ehrend« Ge« dächtnißreden hielten. Ersterer sagt«: .Go lange Abraham von Camond» in Constantinopel lebt«, konnte keiae Uneinigkeit tu der jüd. Gemeind« herrschen. Sie hatte «Inen Chef, welcher jedermann znr Achtung gezwungen, und welcher jedem fein Recht zukommen ließ. Herr Felix Bloch sagte, daß hauptsächlich da« Anseben Camondo'« da« Mißtrauen de« Sultan» und der türkischen Bevölkerung gegen di« Schule der Allianz überwunden Hab«. Amerika. Wir können mit Vergnügen melden, daß der Präsident der Mreinigtea Staaten den Oberst Mathe«» auf« Neue zum Lonsul der marokkanischen Psotte ernannt hat, nachdem der Posten einig« Jahre von einem andern verwaltet wurde. Keiner wird dies« Ernennung freudiger begrüßen, al« diejenigen, welche mit den Handel«» »ad Regleru»g«verhältntffen in Marokko, wo der hochherzig« Charakter und der uapatteiisch«Gerech,igkeit»stnn diese» hervorragenden Amertkaaer» demselben «inen benetden«wetthen Ruf eingetragen haben, bekannt sind. Besonder« ließ e« sich Oberst Mathew» stet« angelegen sein, seinen großen Einfluß zum Schutz« der harnrlosen und schwer bedrängten Juden gellend zu machen. Ne«<ste» vom V. O. B. B. N«W-B»rk, End« Januar 1890. Eine der «ohlt-ätigsteu Inftttutione» de« 1. Diftrilt« ist di« Hetmalh für ,Betagt« uud Gebrechliehe" in Ponker», weit« zu bauen und einzurichten 188,000 Dollar» erheischte. Ja dieser Anstalt werden Mitglieder de« Orden« »der deren Krauen oder Sittwe« ansaenommea und bi« zu ihre« Lebendend« kosteasrei verpflegt. E« befinden fich gegenwärtig in der Anstalt 68 Insassen. und »war 41 «Lnnlich« und 21 weibliche. Ela Brwei«. wie »öthig da» Institut ist, geht daran« hervor, daß i» vergangenen Jahre 80 («eil« gebrechlich«, theil« betagte, unbemiitel e Personen um Auf- »ahm« in die Anstalt nachsuch!«», von denen 10 zurückgewiese» werde» mußten. Dl« Unterhvllunglkofte» der Anstalt b-liese» sich tm vergangenea Jahr« auf D. 16,666.31 und da keine genügend« Borsorg« getroffen worden wrr, di-se Kosten zu decken, so «atftind « « Deficit zum Beirag« von D. 4,869.88. Si! diese« gedeckt w.rdea soll, und aus welche Seife «an in den nächst«, Jahren ähnlich« Difieit« derhüte« könne, bildet« «ine, Hauptpunkt der Debatte. E« wurde alsettig zua-gebe», daß e« die Ehr« de« Diftrlcie» erheische, die .Heimarh" in dersetde» Seif« wie bi»h«r sottznsühren und deren Srksamkelt wonröglich zn erhöhen. — E« sei auch noch der Btdliothek Elwähnung aeihan. E« liege» in derselbe, nicht weniger al« 52 täglt te Zeitung«», Sache»- blättrr und Mooatä-Joornale auf und di« Zahl der Bünde, welchr de» Mitglieder» de« Orden» zur Bersiiguno stehe», ist eine eben so reichhallig» wie »»«guAioli« uud batrtlgt 34,666, daran er ein großer Theil iantscher Weck». Die Tatalzatzl »er Lirenlatton derselbe, betrug in dem letztr» Sah«: nßiQ.

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