Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 9 (27.2.1890)
- Date
- 1890-02-27
- Page
- Seite 70 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/6492344-5935074-5956696--0087-5373714- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
,«druckt »orlietzt, gtftn die n« de» Vergmeiüer ansgesprachene» »nwabre» Bescknldtgnn-eu «xd fer»i,l ihn meisterhaft ab. Der vortra« ist in der Geueral-Bersamm »», de« Gastwirth- Verein« für den oberschlefischen Jndoftriebezirk zu Benthe» O. S. am 11. Deeember 1889 »an Herrn Reich gehallen »arde» und trägt den Lite!: Drei Fragen und ihr« Lösung. Der Herr Verfasser weist in seiner Broschüre» der »ir de» sander« in Schlesien eine recht »rite verbreit»», wünschen, »1t haarscharfer Logik noch, -daß da» Zutrauen der oberschl«fischen Arbeiterbevüikrnng zu der Tüchtigkeit, Solidität und Rrelltiät den jüdischen »aufleut« und Gastwirth« ein unerschüilerlichel ist: sie lege» ei» unwiderlegliche« Zengniß dafür ab, daß alle t» tausende» von Hetzschrlftea auf di« jüdisch«» Seschdftsleute gehänsten Beschuldigungen nicht« al«Au»ge» barten de» Haffe» und der Mißgunst, nicht» al» Lug und Trug sindl Nicht» kann günstiger für di« jü ischeu Geschäftsleute sdrechen, al» die Thatsach«, das, di« Arbeiterbevölkerung, dir na» den tausendfach wiederholten und tausendfach widerlegten Anklagen hoher und aledriger Hetzer angeblich unter de» Druck« der Juden seufzt und von ihnen «utoebeutet, au»gesaugt oder bewuchert wird, — daß dies« selbe Arbeiterbevülkeruag, di« «» doch a» besten wisse» mutz, ob diese Anklagen wahr find oder nicht, vor wie nach bei den jüdischen Geschäfttzleute» ihre Ledeusbedürfmffe hauptsächlich gegen Baarzahlung entnimmt und au» freier «Saht die treuest« tkuadfchafr derselben bildet. — Dt« Arbeiterbevölkerung bedarf eben in diesem Punkte, der fi« doch zunächst angeht und der ihr eigenbe» materielle» Jaterefl« betrifft, keine» Vormunde»; sie weiß sehr wohl zwischen guter preiswerther vaar« und billige« Schund ju unters Lei den: sie probirt bei dem »der jenem Geschäftsmann, sie versucht «» auch mit dem Loniumoerei» und zuletzt wendet sie ihre dauernd« Nuudschast demjenig-a GeichLst« »u, welche» sich in Bezug auf Güte der Waare und reelle Bediennug ihr valle» B-rtraue» erworben hat, gleichviel ob diese» Geschäft sich in christ» licken oder jüdische» Händen befindet. — An dieser mit Musenden Zungen redende» Tbaisach« läßt sich nun und »immermrhr rütteln, trotz tausender Bände von Büchern u. Zeitschriften mit den «üthendften Hetzartikelnl Die oberschlesifchea Arbeiter, di« in diesen Hetzarlikeln al» uu» glückliche Wesen dargestellt werden, di« sich ihrer jüdische» Peiniger und Würger gar nicht entledigen können, al» erbarmung»würdlae Opferlämmer, zu deren Befreiung vor dem sichere» Hinschlachten «adlich einmal Hilfe gebracht werden mutz, wiffea aber lammt »ad sonder» von der schrecklichen Noch, in di« sie durch di« Juden versetzt sei» sollen, kein St«rb«n»wort und sie lachen Jeden, der fi« theilnahm»» voll oder ueugierig wegen ihrer Bedrängnisse befrilgt, einfach an», »der zeigen ihm ein« ganz ander« Stele, wo sie der Schuh drückt. — Sonderbar! Wenn in den Arbeiterkreise» selbst absolut nicht» davon bekar n» ist, datz die jüdischen Krämer und Schänke! dir Arbeiter aussaugen, an»beuten und bewuchern, wo ist denn da di« nie versiegend« Quell« für all« diele Beschuldigungen z» suchen? Wo den» »ander», als j» den Köpfen gewissenloser Hetzer, di« die von der Aussauguag der Arbeiter durch di« Inden erfunden »nd erlogen haben nnd 0:c sie unaufhörlich wiederholen «ad weiter» verbreite», um selber im Trüben fischen zu könne»! Solche Verhetzungen verfangen nur in uncivilifirlrn Ländern, wie Rußland, dahi» gehören auch die saubrru Autoren derartiger Hetzchrifteu; ein preußischer.Königlicher vergbeamter" der »ach rusfischen Mustern arbeitet, schändet da« Epitheton ,Königlich', da« er seinem Titel vorsetzea darf, und da« ihu in erster Reihe zur Wahrheit «ad zum Nufrechlerhalteu de« frtedlicheu Zusammenleben« seiner Mit» dürger verpflichtet, i» unverantwortlicher Weise. Knie a. K. Der vorstaud der hiefigen Gemeinde Nagte gegen einen völtchermeister, weil derseld« während de« jüdischen Gottesdienste« auf seinem der Synagoge benachbarte» Grundstücke die Böttcherei betrieb und durch bar damit verbnndeneu Lärm den Gotteädieust störte. Kläger wurde vom Reichsgericht durch Entscheidung vom 15. Januar mit der Klage ab ge» lesen, weil der vorstaud selbst da« Hineiudriugen de« Lärm« tu die gottesdienstlichen Räume durch die Bauauäsühruug ermöglicht nub verschuldet hatte. Daß der Beklagte au« Ehikaue handele, wurde nicht angenommen; in dieser Beziehung waren auch keine schlüssig« Behauptungen ausgestellt. Udesterreteb-Umgar». N. In» Hlngarn, 20. Februar. (Or^Lorr.) Da« Eretgniß de« Ableben« de« Grafe» Juli«» Andrässy drängt alle anderen Begebenheiten bei uu« in Leu Hiutncgrnud. X« hat noch eia Staat«manu sich und seine Ration sa gewaltig dnrch Rächt znm Labte emporgetragen, wie der verewigte. Den von Franz Denk begonnene» L»«gleich mit der Kcoue und dem Staate Oesterreich« «fl« rühmwürdig abgeschlossen, mit der Krönung de« Kaiser« Franz Joseph zu« König v«, Ungarn den dualistische« Einheitöftaat Oesterreich-Un^ru'» begründet zu habe», ist da« grobe Verdienst da» ungarische« Ministerpräsidenten; da« Freundschaswbündniß unsere« Mo« norchen mit dem deutschen Reiche hergrstrllt zu habe«, di« unvergSngliche Thai de« öster.«ungar. Minister« de« An«« wärtigen, Grafen Juliub Andräffy. Unter Führung diese« liberalen, weit über die Grenzen de« Vaterland«« hinan« betrauerten Staat«manne« ist auch die voll» Gleichste!» luvg der Juden Ungarn'« zum Gesetze erhobeu worden. Die Einführung der obligatorischen Eivileh« war gleichfalls von dem Heimgegangenen inteadirt, dem die Geschichte «in unverwüstliche« Denkmal setzen wird, da« bie Inschrift trage» wird: kor oruoora ad laoem. Der Mann, welcher im Jahre 186j in affigie an de» Galgen in Pest geschlagen ward, bedeutet für all« Zetten der neu ouferstaudeueu Monarchie Erhebung und Verjüngung, Segen und Fortschritt, Glauz. uud Herrlichkeit! E« hat daher der Name Aadräffy's für all« Gedrückte», »ach Recht und Gerechtigkeit riugeubea Seele», besouder» für die Volksseele de« vo» antisemitischen Trübungen so sehr heimgesuchte« Judenthum« seinen besondere« Zauber. Wie». Die beste Erwiderung auf die Angriffe gege» den jüdischen Glaubensstamm im österreichischen Parlament gab der Baron König-warter dnrch die Rede der Thai, die Hundert-Tauseud-Gulden-Speude für alle Eonfesstoue« zu« Zwecke der Wärmestubeu Wien'«. Dem vorstaud« de» genannten Verein«, der de» hochherzigen Spender in ehr«» den Worten den Dank überbrachte, erwiederte der Baron: ,Keinerlei äußere Einflüsse, sondern allein der Drang seine« Herzen« di« Lieb« zu seine« Baterlaudr und da». Mitgefühl mtt den Armen und Elend!« habe ihn bewogen» im Interesse seiner verarmte« Mitbürger die Humanitären Bestrebungen de« Verein« zu fördern." — Merkwürdig t Au demselben Tage wurdm im Reich«rathr Petitionen verhandelt, die von der Regierung ein Antisemttenzesetz fordern mit strengen vrstimmungru gegen die Einwanderung uud Niederlassung ausländischer Jude» in Oesterreich. Obgleich die Antisemiten bereit» tue Messer wetzten und da« Indenthu« wieber zu srziren begannen, wurde der llebrrgaug zur Tagesordnung beantragt uud mtt großer Majorität angenommen. Wann wird «an endlich über den ArttisemitismnAüberhaupt zur Tagesordnung übergehen? Derselbe edle varoa hat 20,000 Gulden für das- Hospttal in Reu deck (bei Karlsbad) gespendet. Akwtzlawd. B. Marsche». (Or.^Lorr.) Der berühmte poluische Maler ׳ Matejko hat für sein letzte« Kunstwerk: .die Aufnahme der Juden iu Pole» im Achre 1096" al« Thema gewählt. Ein schöne« Thema für den großen Künstler. Er ist wohl der Elfte, welcher der achthundertjährigeu Erinnerungsfeier einen Vorsprung abgewiant. Matejko liebt e«. die hiswrisqen Triumphe der frühen, polnischen Könige darzustrlle«. Sa hat er auch bei diesem Bilde, in treffucher Suffaffuna, de» Triumph de« Edelmuthe«, welchen der polnische Köoig Ladt«» lau« Hermann damal« durch die Aufnahme der vielverfolgten Juden bekundet«, in reizendster Farbenpracht wiedergegeben. Der Kunstkenner wird wohl entzückt sein, wen« er diese« Bild betrachtet. Aber schmerzvoll und besorgt muß e« den Jude» stimmm. Wie wett stad wir gekommen iu diesem Lande! Wenn »ir die Zett im Geiste duichfliege», wie da die Juden, einem Spielballe gleich, nach der Laune der Geisüichkeit, der polnischen Herrscher, der Landtage Synode» »nd Jesuiten, hm- und hergrworse«. kaum in die Höhe gettiebea, bald tief hmabgeschleudett wurden, und wen» wir die in Ihre» geschätzten Blatte in letzter Zeit hervorgodobeuc» antiseminschim Preß-Agitationen in Betracht zieh», so lounnt Emem doch aruh der Gttxruke, an eia Asyl, wohin man i» nothwendigsteu Falle sich flüchte« könne. Ich bi» hier wert en^rnt, an Utopien, oder au irgendwelche