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Israelitische Wochenschrift · 1890-02-27 · 9 (27.2.1890) · p. Seite 68

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
9 (27.2.1890)
Date
1890-02-27
Page
Seite 68 (sequence 4)
Language
German
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staatlich« Einflußnahme — unter Ausficht der CultuSge- «eiude. Diese Aufsicht führen die hierzu fiatuteumäßig derufen«« Orgaoe. Das Herreuhau« hatte diesem Paffu« noch .unter Mitwirkung des Rabbiner«" hiuzugesetzt. Da« «bgeordnetenhau« hat diesen Zusatz gestrichen und sich hiermit den Dank der Rabbiner verdient, deneu jede Berührung mit Beraal tung Sangelegenheiteu unerwünscht ist. Im Braßen und Ganzen beruht da« Besetz auf gesundeu Brandsätzen und wenn die zu erwartend«» Durch« führuugSverordauagen von demselben Geiste de« Wohlwollen« und der Achtuug vor der Autonomie der Gemeinden getragen fein werden, *>srn werden sich auch die wohlthätigen Folgen de« neuen ZAtU$t* zum Heile de« Judenthum« bald bemerkbar machen. Zwei wichtige Punkte aber, die wir bisher übergangen haben, die Bildung von TultuSgemeinden und die Stellung der C ultu Sbeamt« n, müssen, wir einer eingehenden Besprechung unterziehen. 6. K«richte mrd Correspondenferr. Deutschland. Magdeburg. Betreff« unsere« Borschlage« (im erste« Leitartikel der vor. Nr.) erhalten wir folgende beachten«werthe Anschrift unsere« geschätzte» Mitarbeiter«, de« Herrn Rabb. Dr. Rothschild-Alzey, dessen Vorschlag wir» obwohl wir sein vedenke« nicht in dem Maaße theilen, dennoch der großen Wichtigkeit der Sache wegen gern acceptiren. Der geehrt« Herr Kollege schreibt: ,Alzey» 23. Frbr. Der .Aufruf", welchen Sie im vor. Leitartikel, geehrter Herr Redacteur, an meine Bemerkungen über die Antwort des Papstes knüpften, an diesen im Namen aller Rabbiner Deutschland« oder Europa« ein Gesuch zu richten, die gegen die Juden erhobene Beschuldigung, daß sie für ihrer» Ritus de« Christenblut» bedürfen, als Unwahrheit und böswillige Anfeindung zu erklären, läßt doch auch auf die Möglichkeit rechnen, daß der Papst sich vielleicht weigere, eine solche Eiklärung abzugebca, und rust da« Bedenken wach, ob rin solcher Mißerfolg die Sachlage nicht verschlimmere, ob daraus unsere ganzen und halben Feinde nicht geradezu folgern würden, die Anklage beruhe gewiß, oder könne doch vielleicht auf Wahrheit beruhen, welche der Papst nur sich weigere, öffentlich zuzugeslihen. Es erscheint daher wohl rathsam, vorher durch Bermittelung des Dr.Adler den Eard.Manning zu bitten, beim Papste onzufragrn, ob ihm die Abnölhigung einer solchen Erklärung im Interesse der Wahrheit und Gerechtigkeit grmhm sei, oder durch den jüd. Vorstand oder das Rabbinat in Rom die Meinung de« Papstes darüber vorher erforschen zu lassen. Nachher, wenn wir den Mißerfolg beim Papst nicht mehr zu fürchten haben, mögen die weiteren Schritte in der fraglichen Angelegenheit in Erwägung gezogen werden. Dr. Rothschild. Urber die Sach« selbst schreibt der .Morning Advertiser" in einem längeren Leitartikel u. A.: .$* scheint sehr sonderbar, daß in dem Jahre des Heil» »890, irgend ein mit gesundem verstände begabter Mensch noch eine Meinung vertheidigcn will, die schon zur zeit Barbarossa's gänzlich v«r> altrt war." Dann fährt das Blatt fort: .Vas Schreiben de» Lardinal» Rampolla an Lardinal Manning dürste aber kaum als eine ״amende honorable“, wie man sie hätte erwarten können, angesehen werden. Ivir steuen uns, durch eine so unparteiische Autorität, wie die seiner eigenen Seeretärs, zu erfahren, Satz Leo XUJ. nicht als «in Evangelium bettachtet, was Jnnocenz IV. schon als ein Mährchen lächerlich gemacht hat. tvir steuen uns, zu erfahre», daß ein kindischer und schändlicher Aberglaube, welcher schon längst von den deutschen Mönchen den ungarischen Bauern abgetteten und in der jüngsten seit von den ungarischen Bauern pariser Skribenten überliefert wurde, nicht leichtgläubig von dem »Statthalter Lbristi auf Erden" acceptirt wird. Jedoch, wenn wir auch gerne annehmen, Saß die Billigung»- äußerungen de» Papste» so absichtslos gethan wurden wie di« Lieb«»- betheuerungen, mit welchen ein« jung« Dame einen Brief an ihren ärgsten Feind beginnt, fo halten wir doch dafür» daß er der jüdischen «Sefammtheit ein« vollständig« und ausführliche Erklärung schuldet. Die römisch-katholische Airche hat in der jüngsten Heft sich ihrer liberalen Gesinnungen und ihrer Toleranz -egen Andersgsäubige öfter gerühmt; aber Läsar» Gemahlin muß über allem verdacht erhaben sein." Die »Daily News" schreibt: »wenn Lardinal Manning hätte hinzufügen köntttn, daß der Papst besohlen Hab«, diese» Buch und andere ähnlicher Lenden; in» Feuer zu werfen, ohne sich um «in« später« Prüfung bemühen zu wollen, so würde die Angelegenheit ein« befriedigend« Lösung gefunden haben." Au« zterki» schreibt man UN« unterm LO.Frbruar: Sämmtliche KultuSbeamt« der hies. Syaagogenqem rinde, die Schächter mit einbegriffen, wurden gestern, soweit fie nicht preußische Staatsbürger oder Sngehöriae de« Deutschen Reiche« sind, vom Gememdevorstaad entlassen, nachdem da« Ministerium de« Innern ihnen auf Grund der einschlägigen Gesetze in Uebereiastimmung mit dem Polizeipräsidium die AmtSbefuguiß entzogen bat. Der Anstoß dazu ging sicherem Vernehmen nach von dem bekannten Prozesse au«, in welchem der Gemeindevorstand unlängst wegen Anstellung eine« ausländischen Kantor« verurtheilt worden war. ,ES fft übrigen« bezeichnend, daß die Juden in Deutschland ihre KultuSbeamtm von au-wärt» beziehen" — fügt ein hiefigeS Blatt hämisch hinzu, und diese Bemerkung ist e«, die un» veranlaßt, auf den Prozeß zurückzukommea, dessen traurige Folge e« ist, daß eine Anzahl Familien, die seit Jahrzehnten hier ansässig, plötzlich brotlos werden. Die Schuld trägt nicht zum kleinsten Theil der hiesige Gemeinde-Vorstand selbst. Es war nicht da» erst« Mal, daß dem Berliner Gemeindeoorstande Wege»! Anstellung von Ausländern al« LultuSbeamte seiten» der Staatsbehörden Schwierigkeiten bereitet wurden. Mit Recht fragte» letztere: ,Girbt e« keine deutschen Landidatea zur Besetzung fraglicher Vakanzen?" Nun, wie wir wissen, hatte der Berliner Vorstand in allen Fällen trotz aller Ungelrgrnbeiten seiten» der Behörden di« Anstellung der von ihm präsentirten Taadidaten durchzusetzen gewußt, obgleich es gewiß einer Gemeinde von ca. 80,000 Seelen zur gesetz- und ordnungsmäßigen Besetzung ihrer Vakanzen nachweislich nicht an tüchtigen, würdigen Männern gefehlt hätte, die sowohl den Behörden al« auch der Gemeinde nach menschlichen Begriffen voll und ganz zu genüge« imstande waren. Hat sich doch sogar der Vorsitzende de« Vorstände» in seiner BertheidigungSrede vor Gericht zu dem ־־"־'־*" ' "־ ־־־'־' ' ' ' . .. . angewiesen". Nicht nur, daß dieser Ausspruch eine Beleidigung des gesammten deutschen Beamtenstandes involviert, zeugt die« von einer solch' krassen Unkenntniß der thatsächlichen Verhältnisse, daß man in hohem Grade darüber erstaunt sein mußte, und die« um so mehr, aldie Residenz eine Anstatt zur Ausbildung von Lehrern und Eantoren unterhält, auder nachweislich hecvorragend« deutsche Cantoren hervorgegangen stad, die selbst einer Berliner Gemeinde zur Zierde gereichen könnten. Wenn eine klriue Gemeinde der ,Billigkeit halber" zur Anstellung von Ausländern gezwungen ist und all« Hebel bei den Behörden in Bewegung setzt zur Anerkennung der« selben, so wäre die« noch einigermaßen zu entschuldigen; aber wenn eine Berliner Gemeinde sich Unbequemlichkeiten bereiten läßt, um für die verhältnißmäßig sehr geringe Anzahl von Beamten, di« sie für chre 80,000 Seele« unterhält, Duldung seiten» der Behörden mit allen Mitteln hrrbeizuführen, so können wir unser Staunen kaum unterdrücken. Am allenoeaigstea können vir aber mtt unser« Mißfallen zurückhalten, wenn sie sich zu Au«flüchten herbeiläßt, die " " " ~ ‘ ״ ~ "י 1 ־■■"־! Monaten der Redaktion diese« Blatte« einen läugerm Artikel: ״Der Prozeß de« Berliaer GemeindevorstaudrS /und die deutschen CultuSbeamteu" eingrsaadt, um gegen jene Aeußeruug de« ersten Vorsteher« der ersten deutschen Gemeind« energisch zu protrstirru; aber die geehrte Redaktion uutertteß de» Abbruch um — wie sie ua« schrieb — ,(eine Brenzsperre zwischen den jüdischen LuttuSbeamtra tu Dersschland zu erricht«»". Aber soll deua di« der deutsche» Etti« entsprossen« jüdsschr Eultutbeamteuwett — leider müssen wir hier einmal «sinn solche» Unterschied konstatieren — die bet

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