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Israelitische Wochenschrift · 1890-02-27 · 9 (27.2.1890) · p. Seite 67

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
9 (27.2.1890)
Date
1890-02-27
Page
Seite 67 (sequence 3)
Language
German
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׳ r—«7 — 1'" O, daß sie doch durch Sännt traurignt Fall anfgc• xttteb, an allen deutschen Universitäten dir» endlich thSten, dam» wärest Du wenigsten» nicht umsonst so früh, in Deine« M. LedenAjahre, gefallen. Run, früher oder später werden sie r» chun. »erden sie es thun müffen, dann wird au« Deiner Gruft der Geist der Versöhnung emporsteigen, um Re einst feindlichen Brüder noch näher an einander zu bringen, dann teuft, auch Du da« Deine dazu beigrtragrn baden, den Frieden anzubahnen, welchen endlich herbejzu« sichren, jeder Deutsch« als heilige Pflicht, al» nationale Ehrensache betrachten muß. So zieh' denn hin zum Ort« de« ewigen Frieden», zu de« Ort«, wo «» für Rassenhaß und politisch« Parteileidenschäften leinen Raum girbt. Wägest Du vor Gotte» Richter« thron al» lichter Engel erscheinen, um Trost zu erflehen für di« klaffende Herzrntwnndr Deiner armen Mutter, für Deine gebeugten Brüder und Swwestrrn, für Alle, di« um Dich trauern. Mögest Du aber auch Erleuchtung erflehen für die in siinsterntß wandelnden, damit sie endlich in sich gehen und Umlehr machen; BTfl Q־D 5) 371»־־. B. M. 21,8 b) -dann wird ihr» Blutschuld versöhnt, dann wird Dein unfthuldig vergoflme» Blut gesühnt sein". ,Möge Gott dem Tode seinen Stachel benehmen; möge er die Zädre ttoetnen von jegliche« Angesicht". Lmenl Der Sarg de» «llzuftüh dahingrrasstea, hoffnnngöoollen jungen Manne« mar überreich «tt prachtvollen Kränzen» Palmmedeln und Blumen geschmückt; mir bemerkten darunter solch« von der lluiverfität, »ou sämmtlichen akademischen verdtuduugeu, von den Studierenden der Medizin, von der israeliteu Gememde hier x. Unter den Ktängru de« Veethooeu» scheu Trauermarsche» setzte sich der Zug von der Leichen- Halle nach dem israelitischen Friedhof tu Bewegung;j zu beiden Setten de» ganzen wetten Wege» hatte fich eine angeheure Zahl Rrugiertger augesammelt. Der jüdisch« Fried- Hof mar zu klrm, um auch nur einen geringen Thett der Meng« aufzunehmen. Mindesten» dreimal so groß war di« Zahl derjenigen, die sich um denselben und auf der Umfaffuug»- nuwer gehäuft hatten. Im offenen Grab« sprachen noch zwei Studirugeuoffen diese» unglücklichen Opfer» der Intel«, ranz und de« Rassenhasses und noch Verrichtung der rituellen Gebet« hatte dt« ergreifende Feier ihr Ende erreicht. Wir laffen hier noch den Bericht de» ,Freiburger Bote" vom 17. d. Mt», folgen, n« eine Randbemerkung daran zu knüpfen: ,Gestern Nachmittag wurde die Leiche de» erschoffenrn Mediziner« Solomon «tt dem üblichen studenttschen Gepränge «l Grabe geleitet. 15 Korporationen waren bet der Trauerftierlichkett vertreten. Wenn je da» Flittm:rk eine» Studentenbegräbntffe» den Eindruck innerer Leere und Hohlheit bet un» hintrrlaffen hat, so war e» hier der Fall. Dieser Eindruck teurd« auch keine»weg« abgeschwächt durch dt« stelleumeise wahrhaft niederschmetternde Red« de» amttrenden Rabbiner». Hnldtgtr doch auch dieser bei all' de« Ergreifenden, Wahren, »aü er sprach, de« verhängnißvollen Jrrthum, der Gefalle« hätte nach der herrschenden Sitte nicht ander« handeln können. Wenn Solomon mirkltch tu seinen heiligsten Gefühlen gekräntt war, gab r« fürwahr einen andere«, vor dem Forum de» gesunden Menschenverstandes oollgtttigeren weg, die dadurch etwa verursachte ,Makel" abzuwaschen.") Da» ihm «gewiesene ,Marthrium" hat darum sein« sehr bchenkltche Sette. Im übrigen «bchten wir «tt de« wohlmeinenden Redner hoffen, daß der entsetzliche lu»gang de» frevlen Spiele» zum lustoß werde, de« herrschenden Duellunfug im Vereine «tt de« «ayenhaffe endltth einmal entschieden Ein- •j Ader tzitttk aum dann nicht wieder »ou ,der Aeighrtt dir zndetr" g-tpr-tz« f »•» iß dt» iaam Awaagslaw, ta »« sich der!Sad»kat»dcha»rt aad»t»chaln»»Mimtzr»r"stnap«lt. (Rob) hott zu gebieten. Ob ober mit den verlegenen Gesichtern der narbenreichen Theilnehmer. di« bet manchen Stellen der Leichenrede einen wahrhaft bedauern»w«rthen Anblick gewährten» schon ein Anfang zur veffernng gemacht fei, müffen wir einstweilen billig bezweifeln. *•) Ate» dem österreichische« Aeich»r«the. u. Nach dreitägiger Generaldebatte, au» welcher die Antijemiten geschunden und zerbläut hervorgingen, ging endlich da» Abgeordneteuhau« am vierten Sitzung«tage in die Spezialdebatte über da» Gesetz zur Regelung der äußeren Recht»- vrrhSttutff« der Israelitischen Rrligionsgenoffenschaft ein. Die vom Herrenhaus« oerbefferte Regieruug»vorlagr wurde mtt einigen wenigen Aruderungeu angenommen. Statt der Bezeichnung ,jüdisch" wurde aui Vorschlag de» Herren- Hanse» überall ,t»rae litt sch" gesetzt. Die autonome Cultnügemeind« bildet fortan die gesetzliche Erscheinung de» Judntthum» in Oesterreich. Kür die Zugehörigkeit zu einer Enllnsgemeinde bildet der Wohnsitz da« Kriterium, der Au«trttt wegen ,religiöser Bedenken", mit welchem in Preußen ein so schnöder Mißbrauch getrieben wird, ist nicht gestattet, der Bildung von Srparatgemeiudchen nach bekannten Mustern ist ein für allemal der Riegel oorgeschoben. Dabei ist aber di« Gewiffrn«fteiheit ausgiebig ge» wahrt. Di« Statuten einer jeden Ge»rinde müssen die Bediuguugen enthalten, unter welchen die Errichtung und Er- Haltung von Bethäuseru für die von der Hauptgemeinde ab- »eichenden Ntteu genehmigt »erden. Verwaltung und Rad bi not muß aber stet» gemeinsam sein. Für die Gemeiudesteueru nach Maßgabe de» von der Behörde genehmigten Budget» wird die politische Exemtion gewährt. Den antonomeu Wtrkung«krei« de» Vorstände», deffeu Mitglieder der Be- Hörde anzuzetgeu find, regelt da» Statut, welche» folgend« neun Punfte enchalten muß: 1. Di« Be,kick«ung der Irttlchen »remen M ttmtinbegtMttt» und du Angabe oe» Sitz«» de» Bemeiud'vorftaude»; ». die Ausammenschuug. An der Bestellung and Kauctionobauer de» Vorstand««, sowie »tr übrige Organisation der iultu»ge«eü»d« ig »), dann die vefttmtuuug de« Wirkuag»tr«ise» der betreffenden Organ«, «tdesoadere »ach rückflchUtch der Bqagni« zur vearkundua, »ou RechNgeschiifte» für di« Laltuitgemeind«; S. di« Art der Bestellung de» Rabbiner« und der ädrigen guurtioullre, ihre Rechte uud Pflichten (g 18); 4. die Rechte und Pflichte» der »euteütdeaugehvrigen uud der Zugewteset eu (g 6), inobesonder« du Bestimmungen über Wahlrecht«; ». ) e Art der Besorgung. Leitung und unmittelboren Beaufstchitauua dt>< RaHaioudunterrtchte»; 8. vesttmauwaeu über ßrioatbethLuser und gemeinschaftliche Aadachttübuug» Etz »», >8); 7. di« Art der Aasbringuag der sär di« Monomischen Uedürftttff« der Lultusgeiurind« ersorderlich« Rttttel, mtt genau« Bueichauu, »er «tsguttl'grnd u Letstmtgen und «tt Bestimmung der Dill!mal grenze ihr« Höbe (« IS), smate d« Art d« veraalagung; 8. Bestimmung en über die Aultraaung der au» dem Gemeind»- verba»de «ntstetzeaden Ttretttoketten eonsesst«-ell« Rat«) 5. »a« Bersahren bei Amderuug de» GtaMU». Die Staatsbehörde hat darüber zn wachen, baß die Organe der Lultusgemetnden ihren Wirkungskreis nicht üderschreilen. Zu diese« End« können di« Behörden gefetz- »der ftatutenwidrig« Befchlüffe anfheben, den Borstand anflöseu und Geldbußen, sowie sonst gesetzlich zulässige Zwang»« mittel anweuden. Auch rinzrüte Mitglieder de» Vorstandes» sowie Religioußdirner, deren Amtsführung die »ffeuttiche Ordnung zn gefährden geeignet ist, können von der Behörde ihre» Amte« entsetzt werden. Ein au« solchen Gründen ad- «setzt« Rrligtonsdiener verliert für die Daner von drei Jahr« die Fähigkeit, rin Amt in einer Lnltnsgemeiude zn bekleiden. Ille Vereine nnd Stiften gen rein konfessioneller Natur stehen — unbeschadet der in den Gesetzen begründeten •) »1 berichten Mt heutigen Lagtedläitor schon »ou einem! «rue» PtstoleubmL au» Wiesbaden »«sch« vr. moä. K. and Resereabaitu» E., b«ch deffm aat«semitisch« Auge«««»» "steter fich beleidigt (Eiche unter ,Biebrich-^ (Red.)

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