Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 8 (20.2.1890)
- Date
- 1890-02-20
- Page
- Seite 60 (sequence 4)
- Language
- German
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P, Jlnllv 16, Februar. Wir Haben j, der tcMci* Nummer der „Wochenschrfft" ein Berz-uhniß der vo» de« politische« Parteien für die bevorstehendrn ReichttagSwahlm ausgestellten Kandidaten südischen Glauben«. Diese Liste war unvollständig; r* mag und daher gestattet sein» dieselbe i« Folgenden zu ergänzen. Neben den Herren Dr. Ludwig Lamderger. Dr. Richard Grelling, Dr. Ludwig Fla» tau und de» Sozialdemokraten Ginger und Auerbach find oufzuzählen: 6. Rechttanwalt S «bey (Memel-Heydekrug), 7. Stadtrichlcr Friedländer, (Löwenberg i. Schüssen). 8. Rechtsanwalt Dr. Friedemann (Rothenburg-Hoyer«- werdo), 9. Prlvatdozent vr. zur. Hugo Preuß (tzalberstadt), 10. Dr. Max Hirsch (Bitterfeld-Delitzsch), 11. Dr. Meschelsohn ((Erfurt). 12. Prof. Dr. Seelig (Huium- Tonderu). 13. Dr. G utfleisch (Gießen), 14. Redacteur Adler (Mecklrnburg»Strel tz). IS. Rechtsanwalt Arthur Siadthagen (Teltow-Leeakow). Merkt». Da« Stöckersche Antisemiteublatt „Volk" schreibt: Kürzlich kam eine Anfrage au« unserem Leserkreise, ob«» aktive jüdische Offiziere gäbe. Wir glaubte« die« verurineu zu müssen, da i» dem preußische» Heere diese Elemente »och keineu Einlaß gesunden haben. Dagegen theilt mau uo« au« Bayern mit, da« der Leutnant Wilhelm Fried manu i« 13. und der Premier- Le «tuaont Holler da uw im 10. Infanterie-Regiment nicht alleiu jüdischer Abstammung, sonderu auch mofatsch er Religiou find. Unser Gewähr«mauu hat beide Offiziere im Jahre 1880 selbst gekannt und erfahreu, daß dieselben fich wenigsten« damal«, al« aktiv« Offiziere, noch zum Glauben ihrer Bäter bekannte». Dem bayerische» Heere gehörten beide, der Rangliste zufolge, noch heute au. Reserveoffiziere mosaisch,u Glaube»« enthält da« bayerische Heer «ehr al« da« »reußiche. Doch, find uu« in letztere« auch et» halb Dutzeud bekannt, darunter zwei Laufleut« in vre«lau uud ei» Recht«auwalt tu Lottbu«. Merkt«, den IS. Februar. Ja der bekannten Anklage gegen die Vorsteher der hiesige« jüdische« Gemeinde und den HülsSvordeter Diagotschio wegen Vergehen« gegen ß 71, Absatz 2, des Gesetz,« über die Verhältnisse der Juden vom 28. Juli 1847, worin von der II. Strafkammer de« Land» grricht» I. auf Freisvrechung erkannt worden war, harte die Staatsanwaltschaft Revision eingelegt, we.ch« gestern vor dem Strafsenat de» Kammergericht« verhandelt wurde. Der Senat erkannte» der „Rordd. Allg. Zrg." zufolge, auf Aufhebung der freisprechrnden Borenischridung und verurtheilte je den der Angeklagten also sämmtliche Mitglieder de« Vorstände« zu je 60 Mark Geldstrafe «ve«lu-ll 4 Tagen Hast. Höttluge». Weil einige Mitbürger de» freifinuigeu Verein beigetrrte» find, lägt da« hiesige Leibblait der Ratioualliberaleu, die „Göttinger Freie Presse', »ater dem Scheine liebevoller Ermahuuug folgend« unschöne Drohuug von Stapel: »Sollten die Gegensätze fich im Lauf« der Zest dahin entwickeln, daß die Nationalliberalen eine ausschließlich christliche Partei würde», der De»tsch>Freifi»u aber al« der einzige Vertreter der Jutereffeu unserer tSrarlstischeu Mitbürger erschiene, so müßte doch ernstlich bezweifelt »erden, ob solche« den Jutereffeu de« letztere» «utspräche." Dem» »weuu «au einmal versuche» würde, die Rechte »er Israeliten zu beschränkeu, so wäre e« zu beklage», wenn die »atioualliberale Partei, durch die koufrsfionellcu Gegensätze verbittert, solchen Kämpfen th eil- »ahmSlo« gegenüberftällde. statt mit Lust »ud Liebe für die israelitischen Mitbürger einzmretru." Da« ist doch deutlich l echt natiouallibrral l Nicht au« Liebe zur Gerechtigkeit, sonderu al« Lohu für Liebedienerei will wem für die Rechte der Juden eiutreteu. W. Hreotze», 12. Februar. (Or.Eolr.) In einem der stet« vor dichtgedrängtem Zuschauerraum im Stadtverordneten» Sitzungssaal gehaltene Boe»räge und zwar am verflossene» 6. Februar sprach Herr Hosprediger Benz über de« .Häuslich«» Sinn'. Dieser gefeierte Kan^lredurr hob im Begiu» seine* bi* tu di* Altertbäi» zurückgrrifradm Bort rage« staAz besonder« den tief autzgeprüßten Familieustna deSjüdischtU' Volke« hervor, der auch dm Bekenner« der «osasscheu Eo»-^ fession bi» auf dm heutigm Lag i» hervorrazmder Nits« verdliebm sei. — — 3r eine« letzten der im engeren Rahmen gehaltenen Borträge dehiesigm,Brüder»Berein«' hielt deffm Vorstand«- mitglieo Landau «och einen zweiten Vortrag: „Zum 20. Februar. eia 100jährigm Gedenktag füc alle Frmade der Humanität und de* Fortschritt«', t« Verlaufe deflelbm tu warmherziger, begeisterter und begeistemdrr Geis« da* Lebm uud Wi km Kaffer Josef II. voa Oesterreich (grfiorbea a« 20. Februar 1790) mtt vielen neuen und iateresstrmden Einzelheiten schildernd. Auch dieser Bortrag fand eine sehr freundliche Aufnahme und reichsten Beifall. — W. Hreodm, 13. Februar. (Or.-Eorr.) Dir syaagogale Feier d.« SOjährigm Bestehen« der hies. Synagoge fiadtt Freitag, den 28. April, Abend* statt. Da» Fest-Eomit* ersucht mittel« Eirkular die Gemeindemstzlieder um Zeichnung von Spenden für Rmbffchasfung voa Vorhängen (PoraaohM), Kanzel» und Betpultdecken, Thoramäutelchm und stlbernm Gerüchen. — Ein Gemeiademitglied spendete vor kurzem 15JO DHL für in Roth gerathrne Familien und 1000 Mk. für bedürftige Wöchnerinnen zu je 60 Mk. ohne Rücksicht auf da* Gla ubenSbekeuntntß. Auf Ersuchm de* Vorstände« har da» städtische Armenamt die Auswahl mitgr« troffen und die Betreffend» unter Bffcheiuigung ihrer Bedürftigkeit uud Würdigkeit zu Eingaben veraniaßt. Die Berchriluog ist nun zu Ende geführt «ad stad 600 Mk. a« jüdische und 1900 an christllche Bedürftige gewährt ward«. Unter Letzterm 24 Familien und 14 Wöchnerinnen. Ei« echter Liäcknoolr-truoolrow, besonder» hier. Areilurg L Mr., 10. Februar. Heute früh verstarb tu der hiesigm chirurgischen Klinik der circa 28 Jahr« alte Kandidat der Medizin Eduard Salomo» aus Neuwied (Rheiupr.) in Folge einer Verwundung, die er fich am Douuerstag, deu 6. Febmar, bei einem Pistolenduell zugezogm hatte. Die Geschichte diese« Duell« ist eine so ttaurtge, daß sie die Aufmerksamkeit weitester Kresse verdient. Der Verftorbm« befand fich im medizinischm Staatsexamen. Er hatte foebm die »orletzt« Slatisu bestanden «ad feierte da« bi« dahtu glückliche Geltageu sei««* Examen« am Sonntag Abend bei eine» Schoppm Bier tu der hiesigm GambriuuShalle. Ein« herumziehmde Säuger» gesellschaft gab gerade et« Konzert, uud so konnte e« nicht fehle», daß di« Stimmung de« zahlr«lch versammelt» Publckum« eine lebhafte wurde. Auch Salomo» befand fich »ach reichlichem Biergeuuß in hetterfter Laune, al* er mtt d« a» einem bmachbartm Tisch« fitzenden Mitgliedern do* Korp« „Rhenanta" Streitigkeiten bekam. Im Laufe derselb» wurde er voa einem Rheuaum »Krummer Judenjunge" genannt, auf welche Beleidigung hi» Salomo« erwtederte, daß fich die ganze Gesellschaft al« moralisch geohrfeigt detrachtm könne. Am »ächsteu Morgen wurdm ihm drei Kontrahagm überdracht, uud zwar zwei auf Pistole», einauf Säbel lautend. Da aber Salomon bereit« früher in einer Säbelmmsur zwei gefährliche Hiebe erhalten hatte, von den» der eine eine andauernde Schiefstellung bei Kopfe* verursacht, wurde auch diese Säbel-Louttahage vom „Ehrengericht" tu eine Pistolmforderuug verwandelt. Die erst« dieser Mmsurm wurde am vrrgaugeum Donnerstag auSgefochtea. Salomo» war gezwungen, dem Gegner sein« zaoze Brettsette z« bttteu, da er infolge der linksseitig» Lähmung dne Hal«mu«kel» de» Kopf nicht ander« geradean« hallen konnte, al« daß er «tue halb« Wendung nach recht« machte. Er war also durch dttsm Umstand tu großem Nachtheil »m Berhältuiß zu seine« Gegner. Ber dem ersten Kngelwechsel versagte der Schuß de« Rhenaum. Auch Salomo« ttaf nicht — höchstwahrscheinlich hat er absichtlich in die Luft geschossen, den« er