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Israelitische Wochenschrift · 1890-02-20 · 8 (20.2.1890) · p. Seite 59

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
8 (20.2.1890)
Date
1890-02-20
Page
Seite 59 (sequence 3)
Language
German
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dft Dfonoan bei deutsch« Schulderem», naanU de» Aatiffmftttauj* «ine Erbärmlichkeit ob»e ein? Spur von sittlicher Unterlage. Joque» schlichseine »it begeistertem Beifall ausgenommen« Rede mit fielgraben Worten: »Der Antisemitismus ist nicht eine politische Partei, er ist «in Geschäft! (kehr richtig! link».) kr ist da» Apostolat der grüßte» Herzrnsrohheit und der tiefsten Unbildung. (Bravo, Bravo) (Rufe linls: Er ist eine pestartige Krankheit). Mir ist nicht bange, daß diese Rohheit bald verschwinden wirb, besonder» au» Oesterreich. Mit de« ersten Heran« grane» einer wederdhreaden Zeit de» Liberal!»«»» — und die ersten fahlen Streifen einer rothen Morgmrüthe sind schon sichtbar — wirb der Antisemiti»««» in die Rächt derschencht werden, an» der er havorgeaangm ist. (Lebhafter Beifall. Redner wird von vielen Seiten beglückwünscht). Dm vernichtendsten und tüdlichstm Schlag gegen di« aatise» mitischen Tugendheldm aber führte der Berichterstatter Hofrach Ritter ». Guie«o»z, eine» der hochgeachtetst« und einflußreichsten Mitglieder im Poleuklub und im Rrich-rath überhaupt. Er schloß seine wirksame Red« mit einem Borwurf gegen die Antisemiten, wie er vielleicht noch nie gegen eine Partei echobm worden ist. Er sagte: »Sie wollen sag«, r» sei Ihn« ernst mit der ethische» Aufgabe, die Sie Vorgaben sich gestellt zu haben? Rein, da» Gegentheil ist der Fall, e» find ganz ander« Gründe dahinter und Ihre Flagge, unter der Sie kämpfen, ist nicht rein, «an fleht da» an» Allem, wa« Sie thun. Sie kann nicht rein sein, denn Jeder urtheilt so von dem Anderm, wie er e» selbst ist.* (Lebhafter Beifall durchdrvhnte da» Hau».) Flieg! verlangt dm Ordnungsruf für GniewoSz, weil er seine Partei l»eschimpft Hütte. Da» Han» lacht und der Präsident rührt sich nicht. GniewoSz aber antwortet: »Wenn Sie eine besondere Rücksicht für Ihr« Partei verlangen, so frage ich: wie haben Sie sich dmn gegm dt« anderm Partei« bmommm? (Beifall.) Sie habe« jede Partei beschimpft und schon langst verdient zur Ordnung geruft« zu werdm." (Lebhafter Beifall.) Mit hoher Gmugthuung stell« wir fest, daß auch die feudale und konservative Rechte dm Antisemit« ihre Ber» achtung bezeugte, sich oft demonstrativ an dem dm liberalen Rednern gezollt« Beifall bet heiligte und der Borlage «it Interesse und Wohlwollen gegmüberstand. Rodlaaa« •bligel — (Siehe unter »Wim*.) Laro-Pilsm. Gerichte «g> Da«tschlw«d. Magdeburg Im »Figaro* verüffmtlicht der griswolle Satyrtker Albert Wtllaud unter de« Pseudonym »Feu Diderot* (der selig« Diderot) eine »kotit« Lno^olopüaia xanaianna", au» der wir folgmde Artikel mittheilm: ^n» tiaanait«: Synonymonvou Neidhammel. A. sind ge- »ühnllch Jndividu«, dir durch vörsmspiel ein große» Ber- «ügm zu erverbm versucht habm, und die dabei Pech hatten. Der A. rächt sich dafür au dmm, die mehr Glück wie er hatte». Jaif d. i. jeder Financier, Eopitalist, Besitzer großer und industriell» Etablifsemmt». Man ist nur dann ein »Jude*, Man man Geld hat. Sonst ist mau ein einfacher Israelit. E» giebt Judm, die Profesiorm sind, wir Manuel, Oppert, Derenbourg, Frauck; Musiker, wie Meyerbeer, Halävy; Politiker, wie Raquet, Reynal. Reiuach; berühmt« Advokaten »ft Strauß; hob« Beamte, wie B üdarride»; Maler, wie Levy; Theaterdirrktorm, wie Kaning, Journalist«, wie Hect. Trümieux, Balabrbgue» Albert Wolfs, E. Blum. Aber da diese Persoum «ristm» lei» Geld besitz«, und d« Ruhm einem gefüllt« Beutel vorziehrn, find sie Judm, ahne Judm zu sei» ... (Da» Letztere ist eine witzige Berhühuuug de» Herr» Franci» Laur, der auf dir peinliche Frage, wir er sich dm» zuseine« jüdisch« Partrtgmofftn Raquet stüftlkaatwortetr: »Oh, Raquet ist kein Ino«, den» er hat keinZGeldi*) Merkt». I« »Melcher Weift von wnservativ-antisemittscher Sette gegm die Judm jetzt vor dm Wahl« wieder gehetzt wird, zeigt folgender dmch und durch Verlag«« Arükel riae» hiesig« im Hamuterstriu'schen Geiste (?) redigirtm Blatte» über die Wehrpflicht der Judm: _ .E» ist statistisch (van wem? Red.) sestgeftellt (?!), baft dir Juden etwa viermal weniger alt die Christen btt .Blutsteuer* de» Waffendienste» entrichten. Während nach dem Prozentsatz ihrer Bevölkerunzs- Ziffer fast 4090 Inden Soldaten sein müßten, sind «» in der Lhat nnr etwa» über 900. E» ist bekannt, daß dieser Unterschied an» zwei Ursache» herrührt. Einmal eignen sich di« Inden mg«» ihrer Körperkonstitntion ««Niger zur Bethätigung de» Kriegshandwerk». Daran» kann man ihnen weiter keinen Lorwnrs machen. Sodann aber — «ad da» ist weniger rühmlichl — steht e» sest, daß dt« Juden in einer leider noch nicht genügend bekannten erstaunlichen Anzahl sich de« Dienste für'» Saterland entziehe«. Eine» sprechenden Beleg aiebt nn» dafür die List« der Wehrpflichtigen, welche sich i« Bezirke de» tandgerichl» Straßburg im Jahre 188« der Gestellung entzogen haben, und deshalb znm 8. März 1890 vor das Gericht geladen »erden. Unter dieser Liste von 93 Personen befinden sich mindesten» 18Inden. Rach der Bevvlkerungsziffer kommen ans 92 Wehrpflichtig« etwa 1*/« Inden. Unter denen, die sich der Wehrpflicht entziehen, kommen ans 92— 18 Inden, d. h. die Inden entziehen sich im Bezirk de» Landgericht.» Straßburg etwa 15 mal mehr, al» die Christra dem Heeresdienst. «G Da» wirft «in neue» Licht auf den Patriotitmus der Inden l Tollte man nicht ernstlich daran denken, diese« armen Inden, denen augenscheinlich da« Waffentragen »nd Schießen einen so unüberwindlichtn Widerwillen eiaflößt, gegen Zahlung einer gehörigen Steuer ganz allgemein die Wehrpflicht zu schenken? Uns würde wohl sein, wenn «Ir dies« wenige» und wenig, tauglichen LaterlandSvertheldiger aus der einen und die vielen (?) Anklagen wegen Entziehung der Wehrpflicht auf der anderen Seite los wären. Ihnen aber würbe besser sein, wenn sie von der Qual des anfgezwnngenen Baterland-Bertheidiger.» befreit, sich gänzlich dem ihnen angeborenen Berufe de» Geld verdienen» htngeben könnten." ' _ Wir würden un» selbst herabwürdigen. wollten wir solche« lügnerische, allen Thatsache» in» Besicht schlagend« Geschreibsel einer Widerlegung würdigen. Wir haben e» nur de«halb einer Erwähnung gewürbigt, um zu zeigen, mit welch?» Waffen man gegm un» kämpft. Merlin, den 13. Februar. Wie wir einem schlesischen Blatte entnehmen, bat der Kartellkandidat für den Wahlkreis Rothenburg-Hoyer-veerda, Graf Arnim-MuSkau. in einer Wahlrede dm freisinnigm Gegmkandidaten. Rechtsanwalt Edm. Friedemann, al» .Juden* verhöhnen zu sollen geglaubt. Graf Arnim erianert dadurch an jmen Bogel» der sein eigene» Rest — sage» wir — nicht ganz respektvoll behandelt. Die Arnim» sind bekanntlich jüdischen Ursprung«, eine selbst in der «»»ländischen Aristokratie wohlbekannte und viel bemerkte Thatsache. So schreibt Lord Beaconsfieltz, der berühmte englische Staatsmann, in seinem Werke „Coning»- by* (S. 234 der Tauchnttz'schrn Ausgabe): »Graf Arni« trat in da» Kabi.net, und ich sah einen preußischen Juden.* Der Graf Arnim-MuSkau, LegationSrath a. D., ist der Sahn de» verstorbmen Staatsminister» Arutm-Boytzeuburg, dm Lord BeaconSsteld gemeint hat. Die prononzirt scharfge» schnittenen Züge de» Herrn Graftn laffm trotz seiner blonden Haare dm semitisch« Ursprung leicht erkmnm. Roch klarer trat derselbe bet Harry Arnim hervor. Urkuudlich hat sich die Familie ehedem „Arnheim* genannt; daß sie noch früher „Aron* geheißen hat, ist eine uckermärkischr Sag«; für welche unsere« Wissen» bisher dokumentarisch« Beareise noch nicht aufgefundm worden sind. Bemerlenswerth in dieser Beziehung ist auch die Thatsache, daß sich die Arnim» unter den ost-elbischen Junkergeschlechtern durch ziemliche Intelligenz ausgezeichnet haben und oft auch durch ein« starke „R«»ch»frindschaft*. Der Kartellkandidat für Rochmburg-HoyerSwerda hat seinerzeit sogar, rote der erste beste „jüdische Demagoge*, seine paar Wen-« wegen Bismarkbelechigung abgebrummt. Da» scheint er jetzt freilich, al» rin in den Kartellpferch ein« gegangene» Lamm, durch antisemitische Blöken vergrffe» v»achm zu wollen.

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