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Israelitische Wochenschrift · 1890-02-13 · 7 (13.2.1890) · p. Seite 54

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
7 (13.2.1890)
Date
1890-02-13
Page
Seite 54 (sequence 6)
Language
German
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ein •ebugcaef Porträt Senan’«, Me •eaeinfee Lhrast (Gebnrtfurt de« Dichter«), ein Bild de« Gebmtghause« de« Dichter«, die Enkelinnen Friedrich Hebdel'« (Riga) ihre PH«- t»«r«phien, die Dichterin Ada Ehristeu eine Silbertafel mit TÜberkanz n. «. A. — Der in Pari« lebende Bildhauer Leer an« Wien hatte eine Porträtbüfte de« Judllar« künstlerisch modellirt, die alle Gratulanten durch sprechende Aehulichteit überraschte. Zn» Angaru, 7. Febr. (Or.-Lorr ) In der letztm Nummer Ärer ,Wochenschriftbrachten Sie einen Artikel, der Breuer'« Trauerrede über seinen Schwiegervater Hirsch skizzirte urd charokterisirte. Jed»ch bezüglich der Talmudstelle van den Bügeln דממלדי וקיימי will ich Ihnen zur nähern Beleuchtung mütheilen, daß die Idee, die der Redner hier ausspricht, sowie die ganze Auslegung jener Stelle gar nicht originell sind, sondern in einer Trauerrede gedruckt zu lesen sind. Ein bereit« verstorbener Onkel des Herrn Breuer, Jsoock Wiener, der Rabbiner in llrmänh war, ließ t« Jahre 1865 unter dem Titel TD קול einen *»חם drucken, den er auf süuf verstorbene Rabbiner, darunter auch den Rabbiner Ullmann in Pan« hickt, und dort ist auf Seite 7 da« Ganze buchstäblich zu lesen. Die RÄ>e ist in hebräischer Sprache nud mit jüdisch-deutschen Einschaltungen abgefaßt. Ich citire hier wörtlich: ,Da« Wort ,Boqel" ist eine Bezeichnung für Männer, die nicht fest am Glauben halten, sondern gleich den Bvgeln girrend von einem Gedanken zum andern fliegen . . . Die Wurzel מדל bedeutet im, Talmud und Midrasch ,spotten, scherzen", wie »לחולי ואיכזלולי, und nun sei die« der Sinn der Stelle: al« Rach« mani starb, wußten Abaje und Rata kein« Anhalt-punft, ihren He«ped zu basiren; da gingen sie hinan« in die freie Pest und sahen die Bögel, da« heißt die Leichtgläubigen ר&&רלי, die Alle« bekritteln und bespotten. So lange der Fromme lebte, konnle er ihren Scheinglanz verdunkeln und ihre List aufdecken, nun aber der Fromme todt war, konnten die Religionslosen fteien Spott mit der Thora treiben, DVI, konnten Bestand haben mit ihren lügenhaften und nichtigen Spöttereien uud Bekrittelungen der Thora, ohne daß Jemand e Unverschämtheit oufdeckte; und sie sprachen nun: »Da der Anhaltspunkt, worüber zu trauern ist, und beklagten chu gebührend." — Zn diesem Absätze macht der Berfasier noch die Bemerkung: Diese Sache ist bereit« von mir gedruckt im Hamagid Nr. 3, 5, 6, 22. — Der genannte Rabbiner war ein sehr gewandter Hebraist uud ein au«ge« zeichueter Maggid uud nicht ohne Bildung; jchoch der kri« Äschen Exegese, auch den modernen Forschungen stand er als einstiger Schüler de« Lhatam Sofer noch fern. ZN» Mähre«, 20. Januar. (Or^Tor.) In Bo«ko- Witz ist am 12. Januar Hermann Ungar im 77. Leben«- jahre zu Grabe getragen worben. Mit chm schied die Stütze der dortigen Orthodoxie, welche seit fünf Jahren die Ge- »einde nicht zur Ruhe kommen ließ. Als Enkel eine« dortigen Rabbiner« war er in großer Rrmuth geboren uud hatte da« Bäckerhaudwerk erlernt; später aber wandte er sich de« Geschäfte zu uud e« gelang ihm durch Fleiß uud glückliche Anlagen e« zu einem sehr bedeutenden vermögen zu bringen, welche« »ach Hunderltauseuden zählt. In seiner Art war er sehr wohlthätig, d. h. er gab mit offenen Händen aber nur nach Palästina, an die ungarischen Jeschibah», an solche Wanderbeitler, welche Zeugnisse von orthodoxen Rabbinern -beibrachten, an Müßiggänger, die fleißig Psalmen sagten und ähnliche Leute. Auf Bitten, da« Fortkommen jungen Leute zu befördern, hatte er nur die fteriothpe Autwo«: Ich gebe nicht mein Geld, damit man den Sabbath entweihen lerne. Rur bet der Vertreibung der russischen Juten im I. 1883 hat fich da« jüdische Herz von der Kruste der Parui-Religion befreit. Er gab wahrhaft großartig und in aller Stille. Ueberhaupt ein rechtschaffener Tharatter, nach jeder Richtung hin gut angelegt, wurde er nur durch seinen Fanati«mu«, der immer größer und heftiger wurde, je »ehr er fich darin verbohrte, geradezu menschenscheu. Rach de« Tode de« Rabbiner« Abraham Placze» war e« Ungar der »ft seinem Anhänge jede «enwahl vereftelte, die nicht nach seine« Geschmack war. Allem» M» Neuerung war, war er begreiflicherweise ein heftiger Feind. Unter Anderem that er den Au«spruch, daß Anstand t» Gottethanse vftnolea» hmgoj set. Au keinem Beispiele zeigt fich. wie fromme nad rechtschaffene Naturen durch die Priucipieureiterei der Orthodoxie auf Abwege ^rächen wüsten. Sein ehrftche« «ollen aber verdient ein ehrenvolle« Andenken. §t11n(tei41• $f«ri». Da« antisemitische Gift dringt tu die verschiedeusten Kreise. Ein Mädchen (natürlich christlicher Lau« fesfiou) wird in einem Kloster durch körperliche Züchtigung mißhandelt, der Vater deffelbeu beklagt sich unter Bellegnng eine« Atteste« eine« jüdischen Arzte« bei dem StaaManwalte. welcher eine Geldstrafe über den strengen Klosterbruder ver« hängt. In der vertheidiguug erlaubt fich der Anwaft, die Ehrenhaftigkeit de« jüdischen Arzte« in Zweifel zu ziehe«, worauf dieser bei der Anwaltkaminer fich beschwert. Ich könnte Ihnen eine Menge solcher Scharmützel« irn im Lande Voltaire'« und Rousteau'« anfführen, doch ist die Lectüre derartiger grundloser Lhieanen nicht angenehm. Glücklicherweise stehen diesen jndenfeiudftche« Demonstrationen auch vertheidiger und ,war die berufensten christlichen gegenüber. — Fracisque Sareey verüffentlicht in den ,polfttscheu und literarischen Analen" einen Artikel über ,Shylock' und daran anknüpfend äußert er fich de« Sängern über den Eharakter, den Patrioti«ma« und die soziale Stellung der Juden. Hauptsächlich beklagt der Verfasser, die voreingenommenheft der französischen Kraue« gegen die Juden. Der Srtftel ist zu interessant und werde ich Ihnen in der nächsten Nummer die ausführliche deutsche Uebertragung geben. — «in katholischer Geistlicher hat, nach einem Briefe de« Lyoner Rabbiner«, gleichfall« eine schöne Apologie der Juden und de« Judenthum« gegen Drumont« neueste« Machwerk: ,Da« Ende der Wett" veröffentlicht. sspnrt». In der Akademie der Wissenschaften widmet der Präsident den im 44. Jahre verstorbenen Artilleriehauptmann Halphen einen au«gezeichneten Rachruf, dessen wissenschastliche Tüchtigkeit und Pattiott«mu» besonder« hervorhebend. Der verstorbene hat au der Teste Faidherbe den Rordfeldzug 1870 mitgemacht und der General sagte s- Zeit: die Batterie Halphen hatte eine ausgezeichnete Position auf der linken Teste von Fraucilly genommen und während de« ganzen Tage« «ft an«gezeichneter Tapferkeü gekämpft. Aßart». General Boulauger mißbilligt entschieden die Siumischnug antisemfttscher Tendenzen in die Boulaugisttsche Bewegung. Dem Hemm Lan r schrieb er, daß er deffe» Verbindung mst Drumout verabscheue; gleichzeitig theilte er demselben seine Abficht mit, ein Manifest gegen die anttsemitische Agitation zu erlassen, fall« diese« für ulthig erachtel werden sollte. (StefMiMwicii• «London. Der Ausbruch der ,Influenza" hat die Existenz der in Deutschland bestehenden ,Vereine für uaturgemäße Lebensweise" wieder in Erinnerung gebracht. Man sagt nämlich, daß die Mftglieder desselben fast gänzlich von dieser Krauchest verschont geblieben worden. Die Regeln dieser Vereine find so einfach, daß sie allgemein bekannt und und befolgt zu werden verdienen. Sie schreiben bloß frische Luft, Bewegung und Mäßigkeit im Essen uudTrticken vor und find in mancher Beziehung den hygienischen Gesetzen Mose« ähnlich, durch deren Beobachtung unsere Glauben«- genossen ohne Zweifel in den herrschenden Epidemien weniger gelitten haben, al« unsere nichtjüdischen Nachbarn. Die genannten Vereine schreiben, wie da« mosaische Gesetz, strenge Reinlichkeft, Ruhe und Erholung au jedem fiebeuteu Tage vor. — Unsere Leser werden bemerken, daß e« die Art der jüdischen Sabbachhetliguug und nicht die puritanische Art seiner Feier ist, welche hier empfohlen wird. Hier.

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