Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 7 (13.2.1890)
- Date
- 1890-02-13
- Page
- Seite 55 (sequence 7)
- Language
- German
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- Mohel 1× ep/1006163
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1 — öS — |«kB »tr also rin ändert» Beispiel einer modernen >n. schaumig von der Würdigung der weisen Lehren de» Pentateuch und dieseuigeu Inden, welche ihnen gleichgültig gegen» üderstehen, indem fie glauben, daß die mosaischen Gesetze für andere Zeiten und andere Erdstriche gegeben waren, »erden ihren Jrrthum erkennen, wenn fie sehen, daß die größten Geister de» IS. Jahrhundert» bi» heute keine beffern Mittel zur Erhaltung der Gesundheit und de» Wohlbefinden» der Menschheit haben entdecken können, als die, welche uu« in der Thora empfohlen find. fUw. Der Tod der beiden Rabbiner ToScano und Cavaliere Mose» ASearelli ruft Erinnerungen an vergangene Jahrhunderte in un» zurück. Bride waren gelehrte Hebraisten, besonder» der Letztere. Außer ihren geistlichen kiionen übten sie aber auch die wundärztliche Praxi». Erwähnung dieser Thatsache werden jüdische Geschicht»« forscher sich der Namen berühmter Juden früherer Jahrhunderte erinnern, welche besonder» in dm lateinischm Ländern die Heilkunst neben einem religitsm Berufe pflegtm. In unserer Zeit gehürm solche verschiedenartige Beschäfti- »Augen zu den grvßtm Srltmheitm, denn die Mohelim dürsten den Wundärzten im eigentlichen Sinne de» Worte» nicht zugezählt werden. Die bevorstehend« sech-hundertjährige Iahreafeirr der Gründung der Universität zu Montpellier erinnert besonder» an die große Anzahl jüdischer Aerzte, Welche während de» Mittelalter« in Frankreich lebtm und deren medizinisch« Schristm die Wissmschast jmer Epoche Wesentlich bereicherten, vom Beginne de» 11. Jahrhundert» nahmen solche Aerzte eine hervorragend« Steilung unter dm Aerzten Südfrantrrich» ein. Die Schulm zu Rarbonne »nd Montpellier hattm eine große Anzahl jüdischer Professoren der Medizin und einig« derseldm, wie Rabbi Abbu rmd Bm Limchi in dem einm, und Profatino in dem «ndem Orte warm außerdem auch noch wegm ihrer astronomischm Lmntnifse berühmt. ydm»«X|. Der .Nied. ftr. Walch» berichtet, daß dt« Gesuche der Eolontstm Judm im Ehersoner und Ekaterinoetawrr Gouvemement um Rückerstattung der ihnm zugetheiltm und später entzogenen Grundstücke — abgewiesen wnrden — bi» zur allgemeinen Entscheidung über die Zulassung der Juden zu Grundstücken, wa» jedoch in Lurzrm erledigt werden soll. — tu« Anlaß der Ausweisung der Judm au» Larskie» Sielv find zwischm den Hanseigenthümeru und Judm Mieth» gius-Streitigkriten entstanden, die zu Gunsten der Juden — «l» ,par foroe vaajour» ausgewiesen- — entschieden wurden. ziSnrschn«. Der Minister de» Innern hat der Laralteu- Geweindr hier — welche jetzt circa 2000 Personen zählt — die Anlage eine» eignen Friedhof» bewilligt. — Infolge einer längst etngereichteu Reclamation hat da» Ministerium de» Innern jetzt entschieden,'daß die Gyuogogensteuer auch ,pu-ländische in Polen wohnende Juden zahlm müffm —'— ja, wenn man sie nicht uuterdestm vertrieben hätte! Vermischte nttfe neueste Nachrichten. Berlin. EInehelllosePrügelei hat unter denAntisemite» «« Kreilag Abend im Saale bei Buggenhaaen slattgesuuden. Diejenigen, «elche Wahlen Haltung pkollamirten, prügelten sich mit denjenigen, welch« Wahibetheiliauag verlangten, die Böckelschen mit den Försterscheu. Man beschimpf,e sich gegenseitig aus da» heftigste. Der Bericht der Setkonlervaiivrn »Post», dem wir solgen, uotirt «ehrmal« Tumult, »iigelei und Hinau»wersen einzelner Ruhestörer. Rachdem man langer« Zeit gegen einander geichrien hatte, sür und gegen die Wahlbeihelllguug der Autisemiten, entstand ein solcher Lärm, daß überhaupt kein Wort mehr zu verstehen war und di« Versammlung geschlossen werde» mutzt«. Unter einem wüsten Durcheinander von Ho«>usen «ms Bäckel und de« Absingen de» Liede« »Deutschland, Deutschland über alles» leerte sich der Saal. Cl«rnif«n. (Posen.) Unser Bürgermeister entwickelt ei« '«tzrende Sorg« u» da» Wohl der tsraeUtisch«» Wähler, seitdem die Freifinntgm In unserem Wahlkreisen die Agitation ausgenommen haben. Am Mittwoch ließ er denBorstand der israelitischen Gemeinde nebst dem Rabbiner zu sich kommen, stellt: ibn-n, für den Fall eines Sieges der Freiinnigen bös« antisemitische Folgen in Aussicht und schloff mit des Mahnung an alle Jude», sür den kon'e-vativeu Herrn von Kolmar-Mehenburg zu stimmen. (Die lkonservativen agitirea mit solchen Mitteln, daß eine etwaige Wiederwahl de« Herrn von Ikolmar zur lkaffation führen dürste, bemerkt die .Freis Zig») Odessa. Die Summe, welch« mit Allerhöchster Bew lligung, zu Gunsten »er Familie des im Jahre 1887 verstorbenen Rabbiner» Dr. Schwabacher gesammelt wurde, beträgt 12,000 Rubel, die der Wittw« des verstorbenen ausgehlndigt wurden. Diez, a. d. Lahn. Im hi:s. deutfch-isr. Kinderheim finden zu Ostern einige Zöglinge Ausnahme. Gesuch« sür Waisenknaben deutscher Rationalitöt sind untir Bei'üzuna von G:buriS-, Armuth». und Gesundheit»« resp. Schulz-ugniffen bis spätesten» dm 15. Februar an Herrn L. Mainz, hier geil 1. zu richten. (Warum wird diese Bekanntmachung nur im Mainzer Organ der Orthodoxie inserirt? Haben vielleicht nurOrthodoxc zu diesem Kinderheim beigesteuert? U.A.w.g.Red.) Zn Wien beleidigte ein Privatmann kürzlich einig« Herren in einem Pserdebahnwage» durch antisemitisch« Redensarten und wurde dafür vom Gerichte zu 24 Stunden Haft verurtheilt. Zu seiner Rechtfertigung sagt; der Angeklagte, er sei betrunken gewesen; wenn er nüchtern sei, sei er -in ganz anständiger Mensch, nur wenn er betrunken sei, sei er ein Antisemit. Biüss l. Der pensionirte Oberrabbiner Löb, ein geborener Pfälzer, der vor Astruc das belgische Oberrabbinat versah, ist im itt. Jahr« gestorben. Loutzou Ein Geschenk des Herrn Jacob Schiff von 10,000 Dollars zur Gründung «inet semitischen Museums am Havard Lolleg« soll »um Ankauf von Entwürfen, Manuskripten, Inschriften, welch« zur Jllnstration der semitischen Btlker dienen, verwendet »erd«». Gneis» Rachdem di« Bestätigung des Präsidenten der Republik sür di« Ernennung Zadoe Kahn'» erschienen, ist das Paiiser Oberrabbinat zur Wiederbesepnng ausgeschrieben; auch das Oeberrabbinat in Ranch ist zur Bewerbung ausgeschrieben und sind die Landidateu auf beide bedeutend« Stellungen sehr zahlreich. Die Universität Montpellier feiert nächstens ihr 60t)jährig«s Jubiläum. Da bebe.tende Israeliten wLhrend des Mittelalter» Mediein und Astronomie aus dieser Hochschule lehrten und lernten, so wäre eine wissenschaftliche Arbeit über dies« Materie seitens eines golehrten Israeliten sehr willkommen. Paris. Der russische Gesandt« von Mohrenhelm stellte de« jüdischen Arzte Dr. Rächtet sein Hotel zur Verfügung zur Veranstaltung einer Wohlthätigkeitslotterie Parts. Herr Moritz Loewy, Subdireetor am Observatortu« und Mitglied der Akademie der Wiffenschastrn, ist zum eorrespondirenden Mitglied« der Akademie der Wiffenichaften zu St. Petersburg gewählt worden. Swhrnn. Bon hier ist da» Erscheinen einer neuen jüdische» Zeitung in französischer Sprach« JSt Rouvelliste*, welche alle 14 Tag« erscheint, zu melden. Bi» heute war di« jüdische Presse de» Orients auf hebräisch-spanisch« Blätter beschränk. Da» neue Blatt steht unter Protection de« Sultans, welcher di« Herausgab« durch einen Firma» geschützt hat. Sttzueh. Am 17. Dezember enthüllte der Präsident von Reu- Süd-Wales, Sir Henry Parkes, eine elegante Fontaine, welch« di« Kinder de» verstorbenen Herrn Lewis Wolfe Levh mit «ine« Kostenaufwand« von 60,000 Mk. tu unser« Orte errichten liehen. Herr Levh war einer der ersten Kolonisten, welche sich im Jahre 1843 hie» ansiedelten und Mitglied des gesetzgebenden Rathes. Bei Erwähnung der parlamentarischen Thätigkeit «es Verstorbenen sagt« Herr Parkes, daß derselbe seine Pflichten «it solcher Tr«u« und solche« glänzenden Erfolge erfüll« hätte, dah er andere hierdurch als Muster voranleuchten könne. Al» Kaufmann und Bürger der Stadt stand er bei allen Mitbürgern in hoher Achtung; besonder» ist es aber sein RusalsWohlthäter, der seinem Ramen die Unsterblichkeit sichern wird. Neuestevom V. O. B. B. Berlin. Am 9. und 10. Februar tagte h er die Grohloge de» 8. Diftrift» (Deutschland) im L^rnlokale (Brüderstr. 3.). E« waren d0 und etliche Repräsentanten erschienen. Di« Gefammtzahl der Mitglieder de« deutschen Distrikts belief sich Ende Dezember 1889 auf 3456 (Zuwachs 3401. Gestorben »aren im abgelausenen Jahre 20 Bbr. Boa wichtigen Beschlüffen sei hervorgehoben: Die Aushebung der Sterbekaff«, Verteilung des Reservkfond» (von 33,438 Mk.) pro rat» an die Tochterloge», die dazu beigetragen, sür denen Wittiren» und ttiaisen- Fonds, und Ueverweisung de» Dispositionsfonds von 11,937 Mk. au den neuzuschaffenden .ltenlral-Wiilwen- und Aaisen-Unierstützuiigsfonds", zu welchem jeder Br. 3 Mk. jährlich beizuk agcn hat. * Ein Antrag: die endgilti-e Rechtssprechung im 8. Distritt durch «inen eigenen obersten Gerichtshof, in Deutschland anzuftreben, sand keine Majorität. Dagegen wurde der Antrag, alle Schotte zu «hun, um sür den Orden in Deutschland die landesgesetzlich«Genehmigung zu erlange» — einstimmig angenommen. Zu Repräsentant«» für die im Maie InRichmond stattfindend« Louveutiou wurden der Exgrohprästd. Julius Fenchel fand Expr. Simmel gewählt.