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Israelitische Wochenschrift · 1890-02-13 · 7 (13.2.1890) · p. Seite 50

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
7 (13.2.1890)
Date
1890-02-13
Page
Seite 50 (sequence 2)
Language
German
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tut wohl nicht zu beinerken, daß «ine Aussage dieser Art. fall» fi« unbeanstandet durchgehen darf, da» größte Unglück Hervorrufe« könnte. Ich habe daher dar vollkommenste vertrauen, daß «, Eurer Eminenz gelingen werde, der lvelt den autoritativen Bewei» von der Unwahr* heit de, in den Zeitungen Behaupteten erbringen zu können. Mit der Versicherung meiner aufrichtigsten Hochachtung, bin ich, hochgeschätzter lierr Lardinal Manning Ihr ergebenster Hermann Adler." Darauf erfolgte umgehend folgende Antwort: n. „Erzbischöflicher Palais, Ivestminster, vec. zr. lnny. lverthgeschatztrr Beer Rabbiner vr. Adler! Ich weiß nicht, war Leo XHI. über den in Ihrem Schreiben beregten Gegenstand gesagt haben mag; ich will aber sofort den Inhalt Ihre»Schreiben» nach Rom melden. Sie dürfen rerficherr sein, daß ich für solch« Beschuldigungen w«d«r Sympathie beae, noch albern genug bin, denselben Glauben zu schenken. Ihr aosrichtigfter Henry L. Lard, Erzbischof." B >r Wochen spater theilte der Erzbischof den folgenden ö'eschriv diu: III. «Erzbischöfliche» Palai», lvestminstrr, Ianuar z«, zago. lverthgeschatzter Herr Rabbiner vr. Adler! Ihr Schreiben sandte ich nach Rom und wiird« dasselbe offiziell dem Staatrsecretör Lardinal Rampolla mitgetheilt. vie eingetroffrne Antwort lautet: — „Der Papst ließ wie gebräuchlich dem Autor den Empfang de» Boche», ohne dasselbe irgendwie zu empfehlen, durch ein Schreiben bescheinigen. Die» geschieh» bei Iedem, der ein Buch einschickt, noch vor deffen Prüfung, ja oft sogar, ehe her Papst da» Buch gesehen hat. Nicht« konnte de« Papst« ferne« lieg«»» als unnerdie«t«ri»eise da« ««fühl der jüdische» Natio» z» verletze«. Ihr aufrichtigster Henry L. Eard. Erzbischof." E« ist nun Pflicht jede« einflußreichen Juden, diese Eorrespondenj in den Tageblättern zum Abdruck bringen za lasten; hat doch die „Sreuzzeituug" noch in ihrer gestrigen Nr. (Dienstag d. 11.) die freche Stirn, in einem giftfprüheuden Artikel über die rusfifche Judeufrage zu behaupten, daß »bekanntlich" bei denselben — resp. den Lhasfidim — dag Blatritual eine große Rolle spiele. Auch in den süagsteu Verhandlungen im österreichischen ReichSrath habe» die Anti« semüea wieder dieses »roch« Gespenst" über die Bühne schreite« laste«. _ Die Jude» ««d die SieichStags wähle». Si»e »rplit mit Anmerknuge».") Unter obtger Ueberschrift brachte die Nr. S diese» gesch. Blatte» einen Attikel der nicht unerwiedert bleiben darf, wenn wir nicht auf Selbstachtung verzichte« wollen.**) Ich kann die sonderbarcn Vorstellungen de» bez. Artikel» schreibet», ol» ob die freisinnige Parteirichtung zur Socialdemokratie führen müsse,***) und eine parlamentarische Regierung nicht stark sein könne, unbeachtet lasten, da ich e» "i Um dir Ei»- «ud «egenrede rasch zu beendigen, habe» wir di« »Replik" dem Verfasser de» Leitart.'« i» Nr. b zugesond», mit de« Ersuchen, seine .Gegenbemerkungen" au den Rand zu schreiben. Wir bringen sie al« Fußnoten. (Red.) "') Der Berfaffer de« betr. Leitartikel« erlaucht sich di« Bemerkung, daß er feiner Zeit anf Selbstachtung nicht verzichtet hat. """) Der Herr hat offenbar den betr. Artikel nicht gelesen, denn davon, daß der «ntvr dieser Ansicht huldige, war in dem Aufsatz« nicht« z» lese». für überflüssig halte. Jemand, der solche» öffentlich an»->7 spricht, eine» veffrre» belehren zu wolle». W»rauf r» mir - bei dieser Entgegnung ankommt ist: im Namen aller wahrhaft jüdisch denkenden Männer*) gegen die Zumuthnng zu protrstiren, nicht für die freisinnige Partei zu stimme», obgleich sie allein e» ist, wetche für die Dahrmachung der un» laut verfaffung jugrsicherten Gleichberechtigung offen eiatritt, und mit der Begründung, für die ich keinen parl««» mmtarischrn Ausdruck habe,**) weil.fie klein und rinflaßlo» sei. Also der Mehrheit und der augenblicklich mächtige» Partei — und wenn sie un» auch mit Füßen tritt,***) — sich anschließen. ist die Parole diese» Herrn. Run, wir selbst sind eine Minderzahl, da hätten wir ja nach dem Grundsätze diese« Herrn nicht« Beste«» und Dringendere» zu tha», al» mit Sack und Packs) zur Mehrheit üderzugehea. De» Erfolge» im bürgerlichm Leben wären wir ja dann sicher. Aber wir harren au» in der Minderzahl, überzeugt, daß der Tag kommen wird, wo unserem vekenntaiffe Gerechtig- - feit widerfahren wird, und wir dafür, daß wir ihm tre» bleibe«, nicht zn leide» habe« werden. Und der Freisinn? Ist den« der Herr der Zukunft so stcher, daß er glaubt, e« könne in unseren politische» Berhültnifle» kein Umschwung eiatretea 7 Mit lwllem Herze» hat die freisinnige Partei der Ansprache de« Kaiser« an die Kadetten, sowie den beiden Erlaffen, in Betreff der Arbeiter zugestimmt, während' die anderen Parteien, wenn auch verschämt und verhüllt, ihr Bedenken kund geben. Liegt es also nicht in de« Bereich der Möglichkeit, daß auch dt» aii'erren Ziele der fteisinnigen Partei, die gerade geeignet sind, eia auf der Liebe de» ganzen Volke» bernhende» und darum stärkste« Königthum zu gründen, die Anerkennung unsere» hochsinnigen, sein Molk zu beglückt« strebende» Kister» finden? Doch wir wollen hier nicht Polittk treiben. Da» Juden« thum al» solche» hat mit Parteiwsten nicht» zu schaffe«,ss) aber r» lehrt: „auf drei Dinge« beruht di« Welt, (d. h. jede» Gemeinwesen) auf der Wahrheit, auf dem Rechte und auf dem Frieden." Wir dürfen also keine Männer wählen zur Vertretung de» Lande«, welche unwahr sind, indem sie behaupten liberal zu sein, aber für Männer eintreten, welch«; wir, Puttkamer und Genoffen, un» wieder in Ghetto'» sperren möchte», welche gleiche» Recht für All« nicht zur vollen Lu«fühöl»g bringen, welche den Frieden durch da» Gewährenlaffen der anttsrmitischen H tze stören. Ich kann e« mir ersparen,sss) die Angabe de» bez. Attikel«, als ob wir dir Berletznnge» . der un» zustehenden Rechte, blo» weil wir Juden sind, nicht empfänden, zu widerlegen. *) Der verf. de« Leitartikel» ist seit nehezu zwei Jahrzehade» Rabbiner und glaubt auch wahrhaft jüdisch zu deuten. **) Der LerH-hat keiaea parlament-rischen Au«druck dafür, daß ihm ein Grund al» entscheidend nnlergeschoben wird, den er selbst nur al« nebensüchlich bezeichnet hat. Rann der Herr «n» dl« Stell« zeigen, an der ihn die Regta» rang mit Füßen getreten hat? Sin« Regierung, die Jude« zu Reich«, «erichwräthen, zu Regierung«r«hen u. s. w. ernennt, verdient diese» Vorwurf nicht. ft Rur .Pack" geht «>t Sack und Pack zur Mchrhrtt «er. - tft Brav»! Da« mar auch der Grundgedanke ufm» ttt) Gewiß kan, er sich« «spare», de,» e« steht ^r »ich, »rinne».

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