Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 6 (6.2.1890)
- Date
- 1890-02-06
- Page
- Seite 46 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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■ v > ■■ ‘ _■ -' .■ .. v? . *■ ’ " — 45 5 .koctwürdiqster fj«rr HabWnerl Sohr gM^rttr fytt Doftorl fl ifi mir fei* Aufgad« UM«fafl«n. €n>. ^ochwsrden im Hamen Wt DorfktnBt» vom Jeraeiittfihen Jüngling»-Verein hierseldß da» anliegend« ckhrenmitglied-Diplsm mit der ergebensten Bitte zn überreichen, mr» durch Annahme desselben erfreuen zn wollen. Der genannte Verein ist sich wohl bewußt, wo» er seinem hochherzioen Stifter zu verdanken hat, auch wenn Raum und Heit eine weit« rllust zwischen Beiden geschossen, und er erfüllt nur «in« Pflicht der Pietät, wenn er an seinem Jubeltoae seine» ersten Tvohlthüter» in verebruna und Dankbarkeit gedenkt und durch einen schwachen Bewei» der Würdigung Ihrer Verdienste Ihnen da» Diplom überreicht, da. Sw. Kochwürden Mgleich zeigen soll, daß Ihr edle» lvieken und Streben bei un» unvergessen bleibt. Serehmen Sie den Ausdrutk meiner vorzüglichsten Kochachtung, in wecher zu verharren die Ehre hat Der prüfe» de» irraelitischen Iüngling»-Verein» (gez.) B. wolff, Lehrer. Oefierre1<d»U«g«r«. WreßAnrß. 31. Januar. (Or.-Lor.) Gestern fand hier ei» Säbelduell zwischen zwei Osflziereu statt. Die Veranlassung war, daß bei« Eintritt eine» jüdische» Freiwillige» in« Laffeehaus der ei»e Offizier z»m andern abfällig« Bemerkungen über die Juden «achte, von denen er behauptete, daß fie keine guten Soldaten seien. Zuerst verwuthete man, daß der wegen der Judeukeschimpfuug entrüstete Offizier ei» Jüraelit sei» wüste, doch e» stellte fich heraus, daß er christliche» Glaubeu« sei und uur Straft seines «Militärischen Ehr. »vd Rechtsgefühl« fich gegen de« anlisemitischeu Sohn des Mars ewpvrtr und ihn frrderte. Do« gehört wohl z« den seltenen Erscheinuge» und darf zur öffentlichen Keuutntß gebracht werdrn. Ehr« de« wacker» Kriegerl In» zkßß»e». In der vor dem Piesecker Kreisgerichte pottgefundenen Schlußverhontloog gegen den des S tr akonitzcr Tewpelraubes uud Einbruches, sowit der Ie«pelschäuduog avgeklagten 18jährigen Schustergesrllen Stetka, wurde derselbe zu 18 Monaten schweren Kerkers »erurtheilt. Derselbe erklärte die Strafe nicht auzuaehmen, W«U »ach seiner Anficht die israelitische Religion keine Religion und seine rohe, vandaltsche That nicht strafbar sei. Di« fllbernt» Thorabrkleidvngen, die als oorxor» ckaUotr auf dem Gerichtstische lagen und dem Burschen bei seiner Brrhoftuvg in BudweiS abgenommen worden waren, find verbogen, zerhackt und für immer unbrauchbar. Die Tempel» uhr hat der junge Mensch in» Master geworfen, in Bezug auf die am Boden liegenden Thoras gab er an, daß sie selbst zerriffen, als er sie aus der Bundeslade warf, was bei dem starken Pergament rin Ding der Unmöglichkeit ist. Behufs Schätzung der verschiedenen Schäden und Erklärung der Wichtigkeit der zum Gottesdienste gehörenden Gegenstände und Paramente waren der Präses und der Eontor der Strakouitzer Gemeinde als Zeugen geladen uud anwesend. Krawkretch. Wart», 3. Februar. Gestern Bormittag schlugen fich an der belgische» Grenz« der pariser Abgeordnete Eamille Dreyfus und der Marquis de Morö«, beste» Name seit der antisemitische» Rede, die er am 25. Januar in der Wähler- Versammlung in Neuilly zwischen Drumont uud Därotttädr hielt, üfter genannt wurde. Am 27. ging Dreyfus in seiner „Ration" mit dem Marquis unsanft ins Gericht und dieser schickte ihm den nächsten Tag sein« Zeuge», de» Boulevardier de Dion uud den Publicistru Fruillant. Sie trafen Dreyfus im Palais Bourbon uud brachten ihm ihr Anliegen vor. Er tat die Abgeordnete» Lockroy und Pichou, ihm als Secundanteu zu dienen und man einigte sich darüber, daß der Zweikampf auf Pistolen am 2. Februar in Belgien stattfinde» sollte. Es sollten 8 Kugeln auf 20 Meter Distanz und auf Kommando gewechselt werde«, allein Dreyfus wurde schon beim erste» Gang am rechten-Bordrrarm verwundet, nicht gefährlich jedoch, denn nach Anlegung des Verband«» konnte er mit seine» Zeugen de» Zng von Eommines «ach Lille benutzen. -ß^wtssAttäott. Mnllareß, 16. Janwor. (Or.-Car.) Mit besonderer Geuugthnuug theile ich Ihne» mit, daß »nser' allverrhrte- Glaubensgenosse Dr. Alm»ge», Stadt« und Serichtsa^s in Hasst, zum neue»Jahr von unser«» Ksatg K »rol um de» rnmäuischen Kronenorden deeortrt wnrde. In «usernr Lande wurde »och keine« jüdische» Arzte eine solch« Ehre zu Theil. Es ist das somit et» Crrigntß, welches nicht verfehlt hat, Aufsehen aber auch Geungthnung hervorzurnfrn» nicht dlos unter Aerztrn jüdischer, sondern auch christlich« Eoufrsfio». Mein Hausarzt, eiu Christ, der mir diese Mit» theiluog machte, bemerkte mir: „das hätte schon längst geschehen sollen, Dr. Almoge« hat fich um der Hygieine de- , sonders hier zu Laude sehr verdient gemacht." Dr. Almogm erfreut fich aber nicht nu unter seinen College» eines »roß» Ansehens, sonder» auch in der jüdischen Bevvlkernug als treuer Berather uud begeisterter Anhänger des Judenthums. Ls war vor einigen Jahren, als die evglischeu Inden bet Salisbury wegen Bedrückung ihrer Glaubensgenossen tu Rumänien fich beschwerten, uud die rumäaische Press« über di« Juden herstel, weil fie fremd« Intervention aurufeu, da trat Alwogen »ermiltelud eiu, indem er die rumänischen Preßorgaue zur Ruhe uud die Juden zur Geduld ermahnte. Das wurde ihm von manchem Kurzsichtigen Übel angesehen und von jüdischer Seite mißdeutet. Da richtete er an die „Fraternität«** uud dem Bukarest» „Tagedlatte" eine Er« Närung, in der folgende Worte vorkamrn: „Ich bin mit jeder Faser meine« Lebens ein Jude und bin bereit für «eine bedrückten Brüder mein Leben mit Vergnügen zu opfern, wenn es ihnen nützen sollte." Dies« Aeußrrung hat ihre Wirkung nicht verfehlt. Die Jude» haben es etugesehen, daß fremde Intervention ihnen nicht nur nicht« hilft, sondern den Haß und die Feindschaft nur noch steigert, fie haben es seit jener Zeit auch Unterlasten, au di« Lertragsmächte zu appellirr» und sie rücken ihrer Smaucipatiou allmählich näher. Sffttffland. Kt. Hkelerotnrg. Die „Gesellschaft zur Verbreitung der Cultur unter den Juden Rußlands" hat am 6/18. d. M. die jährlich« Generalversammlung abgrhaltea. Dr. H arkavy hielt eine Trauerrede für den verstorbenen Dr. Ludwig Philippsou. Nach Ablesung de« Jahresberichte« wurden die ausscheidendeu Eomite-Mitglieder Banquiers H. Wawelberg und Warszawski einstimmig wiedergrwählt. Der Mufikadend, welchen die Gesellschaft behufs Unterstützung armer' jüdischer Studenten gab, hat der Caff« bedeutende Summe» etngebracht. — Dir fett 1884 bestehende „Gesellschaft zur verbreitnug von Liebe zum Ackerbau und Handwerk unter de» Juden", hat nach eben veröffentlichten Berichte bis zum October », I. Rubel 121,426 an jüdische Arbeiter und Handwerker Unterstützung gewährt. Kt. ^eteroturg. Die Frage, ob Kindern uud Frauen jener Juden, welche in Folge eines Gelehrtendiploms das Recht erlangten, in ganz Rußland zu wohnen, auch Grundstücke an Orten, wo Juden nicht wohnen dittfru, kaufe» dürfe», hat der regierend« Senat in St. Petersburg verneinend entschieden. Kiew- Aus Anlaß einer Anfrage der Kiewer Fiuauzkammer und au« Anlaß der Gesuche von 7 Kaufleute» I. Gilde*), denen als Israeliten das weitere Recht hierzu verweigert wurde, decretirte der Fiuanzmiuister, daß Juden- Kanflentrn, die weder gerichtlich bestraft, tu Coutrebande nicht verwickelt waren und nicht unter Polizeiaufficht stehen» trotzdem die Stadt Kiew nicht zu« Aufenthalts-Terrüordr« der Juden gehört, denselben dennoch gestattet ist, stabil in Kiew zu wohnen uud wmde die Finanzkammer beordert, de» beregten 7 jüdischen Kaufleute» Patent« I. Gilde zu ertheileu. (Selbstverständlich bezieht fich dies uur ans iuliu^ Zur L Gilde gebSre» in «nßlnnd Neufleute, luelche iibm- 1000 tziuoel Steuern zahten — »«eu Banquiers, Fabrikanten uud» Großhandinngsfirmen hauptsächlich verpflichtet find.