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Israelitische Wochenschrift · 1890-02-06 · 6 (6.2.1890) · p. Seite 45

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
6 (6.2.1890)
Date
1890-02-06
Page
Seite 45 (sequence 5)
Language
German
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״ Zu und der Meier Michel David'schen Freischul«, viele hWeprraaende Gemeiudeinitgkieder, Kreise, die sich, noch der AuggsttSttde de» Verewigten erinnerten, und die Schüler der Anstalten waren erschienen. Nachdem da» Minchahgebet vom €*at»( E. Hoffmann in besonder» feierlichem Ton vor««- tragrv'war, begann die Feier mit der Recitatio« de» Psalm 91, dessen letzten V׳r« der Synagogenchor in ergrrifenoer Weise Wiederholte. Darauf hielt Herr Landrabbiner Dr. Grone« mann:die tiefempfundene, wohldurchdachte Trauerrede. Auf die Beziehung hindrutend, in welcher die Gnnnnde Hannover und die Gemeinde d«» damaligen Königreich» Hannover zu dem B^ewigten standen, hob er die Thätigkeit desselben in diesem Anne hervor. Er betonte die Weisheit, mit welcher er zur Zeit bei den verschüdenen Strömungen, welche der Eintritt in die neue Bewegung unter den Israeliten hervor» ries, e« verstand, da» Alte zu erhalten, und doch in ein würdige» neue» Gewand zu hüll'n, die Zustände zu regeln, Gottr«dienst und Schule neu zu ordnen, die Bildung von Gemeinden zu leiten, und die Einheit zu hüten. Er be» tont« die Anerkennung, w lche der Verewigte nicht. nnr bei den Gemeinden, sondern auch bei den hohen und höchsten Behörden sich zu erringen verstand, so daß er thril« durch ihre Vermittlung zu dem hohen Amte berufen ward, in dem er dieselben Tugenden übte und in seinem fast über den ganzen Eedkrei« sich erstreckenden Amtsbezirken ebenfalls Spaltung ui verhüten, und da» heilige Erbe der Väter in versöhnender Verbindung mit neuen Aulgaben und Bestrebungen zu wahren »übte. Er wandt« auf ihn die Worte an. welche Gott dem Mose am Meere zugerufen: 121 את סמך Din, er zeigte, wie ihn die 4 Kronen geschmückt, wie er, selbst ein Ahronide, ganz in dessen Wegm gewandelt ist und auch wie dieser, von ganz Israel an allen Ottrn der Erde beweint werde. Er schloß mit dem Gelöbniß und der Aufforderung, sei» Andeoken hier zu erhallen, indem man in seinen Wegen weiter wandte. — Noch der Rede, welche einen ttefen Eindruck »achte, trug der Tantor Hoffmann da» El mole raohamim vor. worauf der Herr Landrabbiner ein innige» Seelengebet für den Verewigten verrichtete. Mit dem bei Seelenfeiern üblichen Gesang, den der Thor in trefflicher Weise au»» führte, schloß die Feier, bei welcher auch Spenden für da» hellige Land von allen Anwesenden gegeben wurden. Set da» Andenken de» Verewigten auch hier weiter zum Segen! H. B. Schnei de» ützk, L Februar. (Or.<Lorr. Herrn Dr. Adler, dem erlten wiffenschaftlichrn Lehrer an der hiesigen städtischen höher« Mädchenschule ist vom Herrn Tultu»win1strr am Sel,urt»iage Sr. Majestät de« Kaiser» der Charakter al» ,Oberlehrer" beigelegt worden. Unsere Gemeinde ist durch diese so ehrende Auszeichnung, die xinem Lehrer zu Xlpil geworden ist, der bei allen Eonfesstonen in hohem, wohlve!di:nten Ansehen steht und sich auch stets ein warme» Heq für seine Glauben»genossen bewahrt hat, auf da» Freudigste berührt worden. — Unsere Synagoge steht inmitten eine« freien Platze». Bisher gestattete dir diesige Polizeibehörde auf diesem Platze die Auffüllung von Caeousstl« und andern Buden, wodurch eine Belästigung für ü׳e, die Synagoge besuchenden Gemeindemittliea-r und »uh oft eine Störung dr» Gotte»- dienst»» statlfond. Auf ui seee Beschwerde an die königl. Negierung zu Biomdeeg hat lrtziere nun angeordnet, daß forian der bet! ffcnke Platz zur Aufftellung von Earouffel», mechanischen Eu-ineit.n, überhaupt zu großen Schaustellungen nickst mehr benutzt werden darf. B. Dresden, 26. Januar. (Oc.-Eorr.) Der hiefiege ,Brüser-Verem" veransta!trt schon seit Jahren öffentliche, Jedermann frei zugängliche Beiträge, die sehr gut besucht .werden. Am 29. K Mt», hielt ein Ehrenmitglied des Verein», HenRed.cteur u»dSchriststellerAlphonseLevy au»Freiberg, i» demselben einen intcressanten Vortrag; e» war der 39. der feit dem B stehen de» Vecciu» gehaltenen Vorträge. Reuerding» hat nun die Bereinslntuug, um die Geselligkeit auf eine höhere Stufe Zu heben,' auch Borträge im engeren Rahmen vor Mitgliedern, deren Familie« und Gästen, einzuführen »ersucht »ad mit dem besten Erfolg, Im December v. I. sprach Herr ReligiouSlehrer Guide büchst instruktiv über ,Herode» der Große- und am verfloffeuen Dienstag der, erst« Schriftführer de» Verein», Herr Journalist A. Landau über: ,Philalethe», ein Fürst und Weiser al» Vorkämpfer für die Emanctpation der sächsischen Juden". Nach Quellenstudien auSgearbestet, führte der Vortrag die Antheilnahme König Johann'» von Sachsen, insbesonder» al» Prinz und Mitglied der 1. Kammer, an der Durch- Führung der verbesserten bürgerlichen Stellung, sowie der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung der Israeliten Sachsens im knappen Rahmen vor. Der Vortragende citirte charakteristische Stelle» aus den Kammerreden de» Prinzen, während der großen, sogenannten Judendebatte der Session 1833/34 und 1837, wie auch in später« Jahren, besprach die Unterstützung dieser Bestrebungen durch hervorragende kammermitgliedrr, da» Verhalten und die ablehnende Stellungnahme der damaligen Dresdener Bürgerkrrise, und skeifte auch die schriftstellerischr und dichterische Thätigkeit König Johann'» (Philaleihe») und die von ihm aufgestellten Grundsätze, die besonder» kennzeichnend sind. — Schließlich brachte der Borttagend« noch einiqe interessante Fakta, z. B. au» dem Verhältniß de» weisen, menschenfreundlichen Fürsten zum verstorbenen Oberrabbiner Dr. W. Landau» sowie Selbsterledte», und -trat der vielfach aus Unkrnntniß entstandenen falschen Beurtheilung de» Wirken» diese» Fürsten entschieden entgegen. Der Vorttag fand eine sehr freundlich« und beifällige Aufnahme. 3P»« FthtiN» im Jan. (Or^Eorr.) ,Die Orthodoxie hat ihren Kopf in Berlin, ihr Herz in Frankfurt, chre Galle in Mainz und ihre Hosentaschen in Wiesbaden." An diese» geflügelte Wort wurden wir erinnett, al» un» während eine» Sommeraufenthalt» in de« schönen Wiesbaden von einem Prozeffe erzählt ward, der damal» vor dem dortigen Bezirksausschüsse verhandelt wurde. Ein sogenannter Orthodoxer au» einem bei Wiesbaden gelegenen Dörfchen wollte sich bei seiner Niederlaffung in W. der dottigrn Separatgemeinde anschlirßen. Um nun aber ohne weitern Aufenthalt in den alleinseligmachenden Hafen der Separatgemeinde ein-!aufm zu können, erklätte unser Orthodoxer — trotzdem seine Heimathgemeinde bi» auf die obligate Unordnung, der getreue Abklatsch der Wiesbadener Separatgemeinde, zu religiüseu Bedenken ihm auch nicht den mindesten Anlaß geben rannte, ja, trotzdem sein eigener Vater al« Vorsteher in dieser Gemeinde fungirt — feierlich vor Gericht, daß er au» ,religiösen Bedenken" au» dieser seiner Heimathgemeinde scheide. Nur hatte der gute Mann, der zweifellos nach berühmten Mustern handelte, übersehen, daß er dem Vorstand« der Hauptgemeind« eine schriftliche Anzeige seine» Su«kitte» au» tat Heimathgemeinde zu machen Hab« und wurde in Folge deffen zu seinem Entsetzen von der Hauptgemrinde zur Steuerzahlung ««gehalten. Da ein« von ihm beim Bezirk». au»schuß eingebrachte Klage selbstverständlich ohne Erfolg bleiben mußte, so hatte er zu seinem Schade« noch den wohlverdienten Spott. Wer wollte behaupten, daß hier nach dem jesuitischen Grundsätze, der Zweck heilige da» Mittel verfahren worden seil 6 nein, nur nach dem Erfahrung»- satze: die Orthodoxie hat ihre Hosentaschen in Wiesbaden. Au» Hstfrterlaud. Die diesseitige segensreiche Wirksamkeit de« Herr« Dr. PH. krön er» jetzt Rabbiner und Religionsschuldirigent der Gemeinde B'ne B'rith in Berlin, ist auch in diesen gesch. Blättern öfter» rühmend erwähnt worden. Bor einiger Zeit ist demseben, wie ich erst jetzt erfahre, von dem Israelitischen Jünglingsverein in Aurich ein Beweis freundlichen Gedenken» zu Theil geworden, der den Dr. Lroner in gleich hohem Grade wie den Verein ehrt. Herr Lehrer 8. Wolff, rin früherer Schüler de« Herr« Dr. Sroner, richtete an denselben bei Uebersendung de» betreffenden Dokument» folgende Zuschrift:

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