Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 6 (6.2.1890)
- Date
- 1890-02-06
- Page
- Seite 44 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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mügli chen Borzüg« de» Geiste« harmonisch in sich vereinigte", der »der ganze» Menschheit etwa« gewesen ist, was Niemand zn schildern vermag", der ״mit weisem Blick VP.1!ברו!־ d. h. mit prophetischer Inspiration" seine Pflicht erkannte, bei dessen Tod endlich ,eine dev ganze» Erdball erleuchtende Sonne untergegangen war." Bei solchen Uebertreibuugeu kann weder der Parteistandpunkt, noch die verwandtschaftliche Stellung, noch persvnltche Verehrung entschuldigend geltend gemacht werden. Da« ist einfach Schuld der Unbildung. Was auf uuserer Rechten durch Mangel au wissenschaftlichrm Sönueu gesündigt wird und mit welcher Selbst- Lberhebuug andererseits man diesen Mangel auf den Gegner überwälzt, da« ist wohl brkaunt, doch verdient e« etwa« niedriger gehäugt zu werden, schon deswegen weil Herr Breuer meint, daß Hirsch, dessen ganze« geistige« Streben eine Negation aller Wissenschaft war, »unwissenschaftliche Lügen" dloßgelegt habe, er, welcher den Ergebnissen der Bibel und Talmudkritik statt jeder Prüfung nur Verkehrrung entgegensetzte. — Breuer schreibt .Nachwem" statt Nachmaui uud.Siftih" statt Gifte, er übersetzt פטלרי ובייבי mit »Schatten machten und Halt gewährten', statt »im Schatten standen". Da« soll ihm hingegen, aber seine exegetische Sunst ver» dient, einigermaßen beleuchtet zu werden. In der Weise der alten jüdischen Prediger, in der Zeit de« tiefsten Verfalle« der Sanzelberedsamkeit sucht sich Herr Breuer al« eigentliche« Thema eine recht unverständliche talmudische Stelle herau« (Lada Mezia 86a). — Dort heißt e«: , ״Als Rabba Bar Nachmanl ftarb, gingen zwei seiner Schüler »m ihn zu betrauern. Da sie ihn nicht fanden, gingen sie zu einem Teiche, oder wie Lreuer übersetzt) in» Freie und dort sahen sie Vögel, »elche mit ihren Flügeln Schatten machten und stehen blieben. Da sagten Sie: .Dort ist er und betrauerten ihn.' Wie erklärt nun Brrucr diese Stelle? Im Psalm 11 übersetzt er den 1. Ver« nicht wie jeder vrnlüustige Bibelerklärer, wenn er voranSsetzt, daß derselbe überhaupt erNärlich und nicht im Texte korrumpirt ist, mit den Worten: »Auf dm Herm vertraue ich. Wie könnt ihr sagen zu meiner Seele, flieht z» mrem Berge de« Vogel gleich" — sondern er sagt: mft seinem Schwiegervater: »Wie könnt ihr sagen zu meiner Seele: wanket! — euer Berg ist ein Vogel." Da» soll heißen: »wie könnt ihr Reformer zu mir sagm, wanke in deine» Grundsätzen, «eil sie keine Zukunft habm. Im Gegmtheil: eure Grundsätze, die ihr für eium Berg auseht, find unstät wie ein Vogel." Daraus schließt uun Armer: Die Vögel die an dem Leiche Schatten machtm und, o Grau«! Halt gewauum, die find da« Bild der gotttosm Umsturzmänuer. Wie uun der alte Bar Nachmaui gestorben war, wußtm ihn seine Schüler nicht zu bettaoeru, d. h. sie sahm nicht ein, M» denn an dem Todesfälle diese« Manne«, der auch einmal sterben mußte. Traurige« sei. Da sahm fie in der Welt die lustigen Vögel fich breit wachen und jetzt faudm fie erst »den Schwerpunkt, worauf fie ihre Trauerrede legen konnte»." So ist e« auch in dem Falle Hirsch, seitdem er nicht mehr ״mit seinem Herzblut« auf der Warte fleht", ist für alle Vogelgrüßen, denen er bisher so erfolgreich widerstanden hatte» freier Raum geschafft. Wenn da« echte jüdische Theologie sein soll, dann darf Niemand mehr von uu« Logik lemeu. . U (34 maß noch hinzusügen, daß diese Exegese auf Deutung eine« Accentes beruht, der nicht vorhanden ist. E» soll nämlich aus dem Worte 1ורו der Accent Oleh wejored stehen, wa« weder in Ausgaben noch in dm Werken eine« Salomo Norzi oder eines Bär und Dclitzjch zu finden ist. Ich verwuthe daher, daß Hirsch oder Breuer den Accent itebia Magrasch für Oleh wejored ansah. Möglich wäre e« gewiß bei diesen Herren, welche ״die unwissenschafilicheu Lügen" so gerne bloßlege».) Ich würde eS gmug sei» lassen de« grausamen Spiele«, obwohl auch die Aeußerung festgmagrlt zu werden verdient, baß man in Philantropi» zu Frankfurt am Main die Sinder lehrte Schinkm z» esse». Ich will mich damit br»»ügM,s nochgewitsm zu habm, daß dir Anschauung, die Herr Bröftf. vertritt und die sei» Schwiegervater creirt hat, eine gWg« Verkommenheit mit fich briugm muß, vor der jeder wahrhaft.. religiös gesinnte Mensch fich und die Getnm hütm muß,; wen« er nicht will, daß die Religion kulturfeindlich wirke, statt daß e« ihre Aufgabe ist, die von Gott geschaffene» ׳ geistigen Lräste zum Rutzm der Menschheit und zur 9t•■, Werbung de« eigenen Seelmftiedm« zu verwerthm. ' -) Krrrchle ttttfe Correspmrdenzr». Deutschland. Magdeßnrg, 27. Januar. Die Sonnabmd, den 25. Ja«., Abends, abgehaltene Jahresversammlung de« auf Am»- gung unseres Rabbiners in« Leben gerufenm und fest Ende de« Jahre« 1872 bestehmden »Jsraelischm Wittwm« und Waism-UnterstützungSverrmS" eröffnet« derzeit-Vorsitzend«, Herr Oberstabsarzt a. D. vr. Rosenthal, mit einem allgemein« Rückblick auf die Leistungen de« Verein« im abgelauftnm Jahre, über welche sodann der Sasstrer Herr S. Singer auf Grundlage der ziffermäßigen Nachweise de« gedmckt» Rechenschaftsbericht» einige nähere Erläuterungen gab. Danach bettug die Gesammt-Ei n nah me de« Jahre« 1881 6242.87 SRI; diese setzt sich zusammm au« einem vom Jahre 1888 verbliebenen Sossenbestande von 1516.10 8RL, dm regelmäßigen Jahresbeiträgen der Mitglieder in Höh« von 2688.56 Mk, dm Zinsm de« unantastbaren Grundkapital« von nahezu 60,000 Mk. und endlich dm außerordentliche« fteiwilligen Spenden wohfthätiger Mitglieder, welche bei dm verschieden stm Anlässen freudiger oder trauriger Att. Hochzeiten, GeburtSsesteu, Todtmfeiern u. s. w. «ingegangen stnv. Unter dm Ausgaben, welche sich in«gesammt auf 5344.80 Mk. beziffern, stehen die UntrrstützurgSgelder für Wittwm und Weisen obenan; unterstützt wurden 13 arme Wittwm der Israeliten-Gemeind« mit MonatSgabm von 6—15 ML: ferner wurdm Pflegegelder für 11 Waisen bezahlt, von deum ein Knabe in dem Waismhause zu Seesen, ein Waismmädchm in dem hiesigm Reichswaisenhaus« Unterkommen fand. E« bttrugm die JahreSauSgabm für Wittwm und Waism zu« sammen 3162.10 Mk. Der BermögenSbestaud de« Verein» hat sich im Jahre 1880 um 1316.34 Mk. vermehrt und erreicht nunmehr di« Höhe von 60,220.04 Mk» während die Mitgliederzahl von 257 (Ende 1888) bi« auf 271 angewachsm ist. Nach Begründung de« Rechenschaft«- bericht« durch dm Herrn Sasstrer und nachdem dem Vorstände für die Geschäftsführung im verfloffmm Jahre seiten« der Versammlung Entlastung erthellt wordm, erfolgte dk Neuwähl von drei statulm mäßig auSscheidmden VorstandSmtt« f ^.י ' ~ ' wird Herr Albert Heymann von der Versammlung ttm gewählt; bezüglich der drei anderm Vorstandsmitglieder, der Herrm G. Friedeberg, Max Nathan «ad S. Singer, mlschted «an fich für dir Wieverwahl. — T» folgten all« gemeine Besprechungen und Anregungen, und nachdem da« ständige Mitglied des Vorstände«. Herr Rabb. Dr. Rahmer; noch darauf hingewiesen, daß um da« Ziel de« Verein«, Er« richrung eine« iSr. Waisenhauses am hiesigm Ort« — uniec Ausdehnung auf die ganze Provinz Sachsen — z» erreichen, r» glößerer Zuwendungen durch Lega,e bedürft; wurde die Versammlung geschlossen. Kannover, 2. Februar. (Or.-Lorr.) Heute fand hier in der Synagoge Nachmittags 4 Uhr eine Trauerfeier für den verewigtm Londoner Obrrrabbiner Dr. Nathan Adler V'At, der früher das hiesige Landrabbinat bcktewete, statt. In der festlich erlmchtttm Synagoge, deren heilige Lade wie am BersöhnungStage mit weißen Vorhängen bekleidet war, halte sich eine sehr zahfteiche Versammlung «»gefunden. Der gesammte Vorstand, die Repräseatanteu, die Beamt» der Gemeinde, die St.ftsgelehrtea, die Lehrer der VUdungS«