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Israelitische Wochenschrift · 1890-01-30 · 5 (30.1.1890) · p. Seite 38

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
5 (30.1.1890)
Date
1890-01-30
Page
Seite 38 (sequence 6)
Language
German
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rz 8S - nicht einzig. Dagegen die Zeit, in der Snlzer oustrat, da« war die Zeit de« Erwachen« de« jüdischen «eiste« an« mittelalterlichem Schlaf and Drvck. Man rieb sich die «ugrn vor der hereinbrechrnden Morgrnröthe, matt raffte fich ans und reichte einander die Hände zom grn'einsam« frommen Werke, zur Veredelung und Berherrlichung der jüdischen «otlr-verehrnng, und unter neuen «ächti-en Impulsen rang man nach einem Allsdruck für dasjenige, wa« in Aller Herzen lebte, »a« Alle bewegte, und wa« doch Seiner zu sagen vermochte. Snlzer war e« Vorbehalten, da« Geheimuiß der jüdischen Bolk«seele zu erlauschen und den entsprechenden A»«drvck für da« gemeinsame AndachtSbrdürfuiß zu finden. Er war Mose« und Aron in einer Person, indem er nicht bloß den mufikalischen Gedanken für da« S u, e in fichtbaren Zeichen hinstellte, sodann ihm auch für da« Ohr mit seiner bezaubernden und bewältigenden Stimmen den vollendetsten Au-drnck verlieh. Bei der Schilderung großer Männer erwartet der Zuhörer in der Regel, daß der Redner anführe, wa« fie Reue« geschaffen. Diese Erwartung mag ihre Berechtigung haben. Jndrffen ist bekanntlich da« Neue nicht immer da» Gute und da« Gute nicht immer da« Neue. Sulzer'« Größe besteht meine« Erachten« gerade darin, daß er nicht« Neue« geschaffen, nicht« Neue« schaffen gewollt hat. Wa« er un« geboten, womit sein Lüdermünd Tausende und aber Tausende entzückte, wa« seit fünf Jahrzehnten in den jüdischen Gottes- Häusern auf dem Erdenrund in Sulzerschen Weisen zur Ehre Gotte« erklingt — da« ist eben da« Alte, da« ist der alte Sang und die alte Melodie, die schon unsre Väter bald erschauern, bald frohlocken gewacht halt«. Sie feierten in Sulzer nicht ihre Schöpfung, aber ihre Wiedergeburt, ihre Auferstehung. Zuerst freilich mochte Mancher, dem 'Sange lauschend, sagen: »Siehe da« ist neu", aber bald erkannte da« entzückte Ohr den alte« Saug in jugendlicher Schönheit. Nie hat Jemand so für da« Neue durch Erhaltung de« Alten gesorgt wie Sulzer. Darum ist er einzig. Nun ruht Deine Hand und Dein Mund ist verstummt, aber Deine Harfe klingt fort, berührt von dem Hauche Deine« Geiste». Wir Du mit begeisterter und begeisternder Stimme di« Wuuderthaten Gotte« vor den lauschenden Ohren dreier Generationen erzählt und besungen hast, so wird mau von Dir erzählen bi« in die spätesten Zeiten al« von dem gottbegnadeten, eiuzigeuZiouSjäuger. Ziehe hin in Frieden!« Mief« an» Muß, iw Januar. (IL Brief. — Schluß.) Dieser Vorgang — er fällt gerade in die schöne Zeit, wo Ernst Wehli Präses der Gemeinde war — ist auch eine Bestätigung für «eine Ausführung«, daß die SynagogeuBeamtru eine blo« auf den engen Srei« ihre« Bethause« beschränkte Stellung hatten. Und so blieb e« auch während der Zeit de« Provisoriums, in welcher die RabbinatSgeschäfte von RabbinatSverweseru versehen wurde». Ja, e« wurde» sogar die zwei Prediger, welche allgemeine« TrauungSrecht hatten, — di« übrigen Prediger waren blo« per delegationem Trauungen zu vollziehe» berechtigt, — in Ausübung dieser Function auf Angehörige ihrer Synagoge beschränkt. Auch während diese« Provisorium« wurden nur die bestellte« RabbinatSverwrser in die Gesammtgeweinde betteffeuden religiöse» Angelegenheiten zu Fragen gezogen, und wenn von Diensten sür die «esammtgemriude die Rede sein kann, so bestand« sie darin, daß bei für da« allerhöchste Saiserhau« von de» Semeiudevorftand veranstaltete» Feftgoite«di«steu zuweU« Herr Prof. Sümpf uud auch der verewigte Dr. Stein mrt Abhaltung der Festrede betrauet Word« find.! Da« geschah aber auch nur autuah»«weise, den» in der j Regel hatte der verew. RabbinatSverweser Adler diese Red« : j." hatte». Prof. Sämpf und Dr. Stein hatten auch gar ' »icht den Wunsch, neben ihrer Wirksamkeit al« Prediger, auch im Geweinderabbiualh Sitz und Stimme zu haben; j aber im Sinn« de« schön« talmudischeu Ausspruche« über die geistige Lhätigkeit: »Eia Licht für Einen ist auch eiu! Licht sür Hundert", haben sie durch ihre segeaSvolle Wirk- > samkeir al« Stz»ag»g«prediger auch segeu«reich>sür bU|«c> sammtgemeiud« gewirkt. Bor einig« Jahr« wurde ber^Gemeinderepräsentan« von der Statthalterei eröffuet, baß e« von der bisherig« Gepflog«heit, den i» dm Synagogen angestellten Predige« da« TrauungSrecht zu gewähren, sein Abkomm« haben müsse, da nach dem Gesetze einzig uud allein den Funktionär« einer Gemeind« diese« Recht zustehe. Um nun d« Predige« die vo«ahme von Trauungen nicht ganz unmöglich zu mach«, rrtheilt« die Repräseotauz ihn« den Titel »Rabbinat«- affefforeu ad hoo", (Regieruag«rath Prof. Sämpf erhielt dm Titel »Rabbiner") d. h. mit der ausdrücklichen Bestimmung, daß fie zu keiner andern rabbiutsch« Funktion, nur blo« zur Vornahme von Trauungen berechtigt sind. Nach diesen Ergänzuagen «einer früheren Darlegungen wird mir der Lorrespondent in Nr. 1 und 2 der »Wochenschrift", der fich einen »guten Prager" nennt, auch »icht znmuthrn, etwa« von dies« Ausführungen zurückzunehmen, ich muß der Wahrheit gemäß alle« aufrecht halten, nur da« Wort .Jahrtausenden" gebe ich ihm gerne Prei«, da« übrig eu«- auf Rechnung dr« Setzer«, den« ich schrieb .Jahrhunderten", zu schreib« ist. Hervorzuheden wäre noch, daß zu Stellvertretern de« Oberrabdiner« während der AmtSvacan, nicht eine, sondern zwei Person« bestellt worden sind; auch hat der Vorstand fich-nicht an eine Autorität »um einen Ober« rabbinec" gewendet, soo ern um Rominirung von befähigten Gelehrten für die Oderrabdiuerstelle. Diese Autorität hat übrigen« nicht eiu« und einzig«, soadem mehrere Laodidaiea genannt, darunter einen, der al« Proberednrr im hiefig« Tempel nicht entsprach« hat, ohne zu bedenken, »aß wer einem Theile nicht geaügt, dem Ganzen sicherlich nicht genügen kann. Ceterum censeo: die Repräsentanz mit dem hochgelehrt« Präses und Präse»-Stellvrrtreter an der Spitze werden wohl dafür sorg«, daß der Rahm der altehrwürdigen Gemeinde Prag durch »Männer de« Wissen», Männer der Wahrhaftigkeit und Feinde der Gewinnsucht" in ungetrübtem Glanze erholt« bleibe. Großbritawwie«. London, 28. Januar. Wa« wir befürchtet, ist leider eingetreten. Unser Ehief-Rabbi hat zum ewigen Schlafe die Augen geschlossen. Dienstag Morgen 8’/« Uhr, nachdem er seine 3 Söhne und 2 anwesenden Töchter aesegnet halte, entschlief er sauft und mit dem Wort« im auf den Lippen, zur ewig«, selig« Ruhe. Seme (zweite) Gattin (eine grb. Lehfeldt), seine Sühne und Töchter, sowie sein treuer Diener Joseph umstand« da« Sterbelager. Da« Bewußtsein hatte ch» bi« zum letzt« Augenblick nicht verlass«. Am Samstag er noch an dem Gottesdienste in seiner Privatsynagoge theilgeoommen und am Auögange desselben »Habdalah" gemacht. Sonntag Nacht hatte er ein« unruhig« Schlaf, fand aber Beruhigung bei der Recitatioa der Psalmen und sonstiger Gebete, welche seine Söhne gemeinschaftlich mit ,h» betet«. Am Montag Morgen konnte er noch »Tallith" uud .Tefillin" anlegm und da« ganze Morgengebet verrichten." Im Laufe diese« Tages unterschrieb er noch eia Gratulatioasschreibm zur Geburt eine» Urenkel«. Die folgende Rächt schlief er wieder ganz ruhig. Al« er aber seine Kräfte schwmden fühtte, sprach er da» ganze Sch'ma-Gebet, trank eine Taffe Kaffee und mtschlief eine Stunde hierauf sanft und gottergeben den Todesschlaf der Gerechten. (Wir ent» nehmm dem »Je». Stand." dm Bericht üb« die Leichenfeierlichkeitea, diese« wahrhaft ftommen und tiefgelehrt« Oberrabbiner«, der einem edlm priesterltchen Geschlecht entspross«, eiu wahrer Hoherpriester gewesm, der da» Wohl seiner Glaube»«aenoffm auf seinem Herzen trug, und dessen Tod, wie der Aron«, vom ganzen Hause Israel tief betrauert wird. Red.) Da» Begribniß de« Ehief-Rabbi fand Donnerst« statt und ist wohl fest der Bewrdigung de« Rabbiner« Dr. Artom eine notz ihr« Einfachheit so großartige Srremouie hier nicht wieder geseh« word«. Da« Wetter war aafang«

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