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Israelitische Wochenschrift · 1890-01-30 · 5 (30.1.1890) · p. Seite 37

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
5 (30.1.1890)
Date
1890-01-30
Page
Seite 37 (sequence 5)
Language
German
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.‘X? 87 die frinUdt S-tlaffun« de» ftonbtbalfn Dr. IX. Goldberg, zur Zeit dttett» Rabbiner tn Horic (Böhmen), unter Ueberrrichvng de» Robbtterdipsom« durch dm Seminarrabbiner Dr. Lewy. Adschiedsworte d » Entlassenen und Gesang schlossen dir würdige Feier. — Um bic diesjährig« Prei». «beit: »Darstellung und Beurtheilung der Ethik de« Eaadia den Joseph" waren zwei Bewerbungen emgc. Sngen. Der eine» Arbeit, deren Berfafier »tuä. phiL David au fit, wurde einstimmig vom Lehrer-Collegium der Prei« zuerkannt; die andere Arbeit wurde der ehrenvollen Erwähnung dr» Ramen« de» Berfaflrr» — atad. phil. Paul Rieger — würdig erkannt. Au» dem gleichzeitig ao«gegebeuen Jahresbericht ent« -nehmen wir. daß die Hörerzahl de« Seminar«, obwohl jetzt nur Studierende oder solche, die ihre Studien vollendet haben, ausgenommen werden, in stetem Wach«thum begriffen fit und die Zahl 66 erreicht hat. von ehemalig'» Schülern de« Seminar« wurden im Laufe de« Jahre« al« Rabbiner berufen: Dr. Richard Grünfeld nach Bingen, Dr. Mose« Krakauer von Lauendurg nach Leobschütz, Dr. Adolf Poznan«ky nach Reichenberg (Böhmen), Dr. Bernhard Ztmmel« nach St. Pölten (Riederösterreich), Dr. Eäsar Seligmann »ach Hamburg, Dr. Mose« Goldbrrg, nach Horic (Böhmen), Dr. Berthold Einstein al« Rabbi» natsvrrtreter, nach Heilbronn. Einen schmerzlichen Verlust hatte da« Seminar'durch da« Ableben seine« ehemaligen Hörer«, dr« Rabbiner« Dr. Mart Sedök, zu verzeichnen. — Die einzelnen Gedenktage der Anstatt wurden in üblicher Weise begangen. Auch für die verewigle Kaiserin Augusta halte am 11. d. M. eine Gedächlnißfeier stattgefuuden. — Dem Jahresberichte ist eine kalendarische Arbeit de« Herrn Dr. Zuckermann beigegeben: »Die astronomischen Grundlagen der tabellarfiche» viiaabe zu den jüdischen Kalendern." Dem wissenschaftlichen Texte derselben find S Berechnungstabellen zugefügt. Im Anschlüsse an den Jahre«bericht veröffentlicht der Leretu ,1-iwjattr Ollau-, dessen Aufgabe e« ist, unbemittelte Hörer de« Seminar« zu unterstützen, die Namen derer, die chr Juterefie für den Verein während de« vrrflofienen Jahre« kundgaben. In edelster Weise haben verschiedene Rabbiner durch Sammlung in ihren Gemeinden die Mittel de« Verein« zu heben gesucht. Im Jntrresie de« Verein« wäre e« durchaus geboten, wenn solch« Beispiele Nachahmung fändeu, zumal di« im Berhältuiß zur anwachsenden Hürerzahl unzulänglichen Einuahmeu e« nicht gestatten, den an den Verein gestellte» Anforderungen in einem auch nur annähernd genügenden Maße aereckit z»n werden. — " Freose», 22. Januar. (Or.-Eor.) Die hiestge Gemetud« hat durch da« Hiuscheiden unsere« langjähriger», verdienten Synagogeuvorsteher« Herrn E manuel Levy einen großen Verlust erlitten. Die Worte de« Psalmifte«: "pro? WTIp mw »Dein Hau« zieret Helligkeit" erhob der verewigte zu seinem Wahrspruche. ^Diesen bethätigte er durch hingebenbr», edle« Wirken, durch Reorganisation unsere« Gottesdienste« und manche Leistung auf dem Getnete unsete« wohlorganifirteu Armeowrsen«. — Die Beerdigungsfeierlichkett am IS. er. lieferte ein glänzende« Zeugnis von der Liebe und Verehrung de« ebenso thätig Wirkenden, als rastlos Strebenden. — Die Predigt und da« Gebet unsere» Rabbiner» Herr» Dr. Winter verliehen de» tiefempfundenen Schmerzgefühlen der hochansthulichen Trauerversammluug' de» würdigsten Ausdruck. Die erhebend« Feier selbst wurde durch einen Mäunerchor unter Mitwirkung de« Eautor« Wotssohu riugeleitet. Am offenen Grabe rief dem Heimgegangenen, Namen« der Fretdeakerlogr, Herr Rechtsanwalt Emil Lehmann in ergreifenden Worten den letzten Abschiedsgr»ß zu. Ktettiu, 24. Januar. (Or.-Lor.) Eia unabsehbarer öeichenzug war e«, der fich heute »ach dem Friedhof bewegte; gatt e« drch, unsere» laugjährigen Vorsteher J."Baumaun bi« letzt« Ehre zu erweisen. Sett 32 Jahren gehört« er der verwaltaugIuusrrer Gemeinde au, bavo» die letzt» 16 Jahr« dem vorstaade, deff» Vorsitzender er seit 1883 war. Groß war b|c Lieb« und Treue, «tt der er sei» Amt verwaltete; jede» Gegeustaud. ob groß «der klein, widmete er die gleich« Sorgfalt uud Hingebung und uoch laug« wird di« Lücke, die sein Hiuscheiden grriffe«, empfuaoeu werden. Der Letchenzug legte Beweise ob von der Liebe, deren er fich erfreute, fast die ganze Gemeinde war vertreten. Vorstand uud Repräsentanten selbredend vollzählig, ferner die Vorsteher aller wohithätigen Vereine, sowie die Zöglinge de« Waisenhauses, von welchem Institut der verstorbene auch fast IS Jahr« Vorsteher war. Möge ihm die Erde Leicht sein, den trauernden Hinterbliebenen aber wolle der Lenker der Welten Trost und Beruhigung senden! Oesterreicd-Uugarn. Mi«», 20. Januar. Heute Nachmittag wurde Salomon Sülze r zur Erde bestattet. Da« innere de« Gotteshaus«» in der Seitenstättengasse, in welchen der Sarg getragen worden, prangte im Traurrsrymucke, und über dem Portale hing eine Trauerfahne. Der Tempel war von Trauergästen gefüllt. Die Elite der jüdischen Gemeinde und zahlreiche Vertreter von Gesang«-, Eantoren- und Wohtthätigkeit«- vereinen waren erschienen. Oberkantor Singer entzündete da« Seeleulicyt und stimmte mit dem gesammten Chorpcrsonal da» Sulzer'sche Requiem (Ps. 49) an, worauf Dr. Jellin e k eine sehr ergreifend» Trauerrede über die sehr paffenden Textworte au« der. vorangegangenen Sidra: pTtTP nVTlpn »Die Stimmen sind verstummt!" hielt. Unter rituellen Gelängen wurde sodann der ,Sarg nach dem vor dem Gotteshause stehenden vierspännigen Galaleichenwageu getragen und unter großem Leichengesolge zu Fuß und zu Wagen nach dem Tentralfricdhof gebracht, worauf Herr Rabbiner Dr. Gübemann folgende tiefempfundene Red« an Sulzer« Bahrc hielt: »Auf daß Du davon erzählest vor den Ohre» Deine« Sohne« und Enkels". So laute» die Wort«, mit welchen die h. Schrift iu dem diesmaligen Wocheuabschallte ihre Schilderung eröffnet von den Wuuderthateu Gotte« iu Egypten. An diese Worte will auch ich ankuüpfeu, indem ich in kurzen Zügen da« Bild Salomo» Sulzer'« zu zeichueu versuche, bevor wir ihn zur letzte» Ruhe bette». Große Ereigniffe und große Männer bekunden eben ihre ewige Bedeutung dadurch, daß man, wie die Schrift iu ihrer einfachen Weise fich »»«drückt, vor ihnen erzählt und wieder erzählt vor den Ohre« de« Sohne« und de» Enkel«. Denn auch fie find Wunderthaten Gotte«, die, wie er selbst, unvergänglich find. So wird mau von Salomon Sulzer erzählen bi« in die spätesten Zeiten. Wir meinen gewöhnlich in dem Tital, den Einer führt, auch sein Wesen, seine Größe, den ganzen Umfang seiner Bedeutung ausgedrückt zu sein. Während indeffrn Titulaturen sehr oft den Kleinen vergrößern, verkleinern fie den Großen. Denn in die Schablone paßt nur wa« nach der Schablone ist. Sulzer führte den Titel eine» erste» Kantor«, eine« Oberkantor«. eine« Professor«. Aber alle seine College» werden neidlos zugebeu, daß keine dieser Tllulaturea seine Bedeutung erreicht. Sulzer war kein erster Eintor und kein Oderkautor, sondern er war einzig. E« hat vor ihm keinen Sulzer gegeben und e« wird nach ihm keinen geben. Darum wird mau von ihm zu erzählen nicht aufhvren vor den Ohren de» Sohne« und de« Enkel«. Und was wird mau von ihm erzählen? Eben die«, daß er wie kein Zweiter verstanden hat, die Wuuderthaten Gotte« zu erzählen und vorzutrageu. Gewiß hat e» auch vor Sulzer gefeierte Vorbeter gegeben, die au Wohlklang der Stimme und Juuigkeit de« Herzen« ihn erreicht, au Frömmigkeit ihn vielleicht übertroffeu haben. Aber fie gehörten nur den Gemeinden au, innerhalb deren fie wirkten - nicht der großen jüdischea Gesammtheit. Ihr Zellalter verftattete ihnen wohl, di« Ersteu unter ihre» Berufsgenoffen zu sei», aber fie wäre» 1

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