Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 5 (30.1.1890)
- Date
- 1890-01-30
- Page
- Seite 36 (sequence 4)
- Language
- German
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ialoienmtc Staffen finden, die ebenf« verwerflich find wir jene intoleranten Lhrtstm. Welcher Aderwitz gehört aber dazu, gegenüber dem Aussprache der Geschichte von sperifisch jüdischer Intolerant zn sprechen.- Doch, Herr Llberti, auch de« Feinde geziemt es Gerechtigkeit widerfahren zn lasten, zumal wenn er fie selbst nicht zn üben versteht. Darum sei zugegeben, baß bei vielen Inden stch das Grldprotzenthnm orrstudet, daß «ine gewisse Sucht zn witzeln und zu kritzeln sich bei ihnen findet, daß eine gewiffe Sone von Juden die unangenehme Bildungsheuchelei als Merkmal an fich trägt. Sehen wir uns aber, Herr Alberti. diese zugestaudenen Fehler etwas näher an, »in, irn «t »ine atudio. Verwerflich ist unzweifelhaft der Mensch, der seinen Reichthum den Armen gegenüber ausspielt, der letzteren seine materielle Ueberlegruheit zu fühlen giebt. Schwer ist es, unter dem Joche der Armut zu leben, aber es dünkt schier unerträglich, wenn diese Armuth dem von ihr Beherrschten so recht hämisch zum Bewußtsein gebracht wird. Aber Herr Alberti I Sie sollten doch Nwa« von drm nicht minder unerträglichen, tief verletzendem GebuNSstolze, der beleidigenden Ahnenprahlerei gehört haben? Ich glaube, wenn ein Srauljunker Ihnen Ihre bürgerliche Abkunft zum Borwnrf machte, oder auch nur ironisch im näselnden Tone davon spräche. Sie würden in Ihrem Ehrgefühl und fittlichen Bewußtsein fich ebenso tief verletzt fühlen, wie jener Arme, den der Geldprotz beleidigt. Der Jude, der mich die Armut fühlen läßt, der Junker, der «eine Herkunft belächelt, sie beide find mir in tiefster Seele zuwider und beide verachte ich gleichsehr. Ein fernerer gehler einer großen Zahl von Inden ist die leidige Sucht, zu witzeln und zu kritzeln, zu sticheln und zu Häuseln. Wie können Sie aber behaupten, daß die jüdischen Kritiker fade Witzelei für baare Lritik ansgeben? Ich habe Ihre große Ignoranz satt und verspüre kein« Lust «etter. Sie zu belehren und Ihre Jnthümer auszudeckeu. BeNiefeu Sie fich gefälligst in die Werke eines Boerne, den Sie gar nicht zu kennen scheinen. Studien Sie ferner die Werke eines Laffalle! Sie werden in diesen Männern echte kritisch« und zugleich kritisch productiv« Männer finden, die in Ihren wirren stopf viel Licht hineinbringen können. Lesen Sie nur über diese beiden, vielleicht einzig in der Geschichte dastehenden Kritiker, die Unheile grade der nicht-jüdischen Denker nach, z. B. die Uriheile eines Humboldt, Boekh rc^ wenn Ihnen diese Männer, die keine antisemitischen Romane geschrieben, ebenbürtig erscheinen sollten. — Drittens und endlich sei zngestanden, bei Juden findet fich anch Bildungs- Heuchelei. Herr Alberti l Es gab eine Madame Staöl, die sagte tont comprendre, oVat tont pardonner. Comprenes et p&rdonnez monaienr Alberti! Comprenes! Der bekannte Prof. Dodel-PoN sagt über die Juden: »Die Unterdrücker und Verfolger sind selbst schuld daran, daß die verachtete Nation der Juden heute allen anderen Racen geistig überlegen ist. — Wer gerecht urtheil« will, muß fich gestehen, daß die Ueberlegruheit der Juden von heute genau das ist, was kommen mußte.' Der Nichtjude gesteht otf» den Juden geistige Superiorität zu. — Perdonnes, monaienr Alberti 1 Der geistig höher beanlagte Jude untersteht wie der geistig mcht ebenbürtige Ntchtjude dem Zwange der materiell« Verhältnisse, dem hemzurage so heiß entbrannten stampfe um das Dasein. Wo die materiellen Jntereffen so in den Vordergrund treten, wie in unserer Zeit, wüsten die ideellen Schaden nehmen; der Trieb nach echter, tiefer Bildung ist bei geistiger Superiorität vorhanden, kann aber bei der Herrschaft der materiellen Interessen nicht intensiv befriedigt werden. Oberflächlichkeft und Bildungsheuchelei ist notwendige Folge der gegenwärtigen Berhältniffr, ableitbar aus dem Drängen und Treiben nach den materiellen Gütern. Geben Sie den stampf um das Dasein auf und Sie entfernen zugleich alle Bildung-Heuchelei. — Ich habe genug, Herr AlbeNi! Sie haben keine Ahnung von Ehristmthum, keine Ahnung von Judenthum, kenueu ihre Fehler und ihre Tugenden nicht. Ihre Arbeit gcM|t von Ignoranz, Geschwätzigkeit und impertinenter Mißachtung der Wahrheit. Das Judenthu« hat au Ihnen einen schlechten Sohn verloren, das bedentet nur Gewinn. Es ist nur zu wünschen, daß alle Juden Ihrer Denkungsart sich vom Judeuthume abwendm; Auslese und Zuchtwahl wirken nur förderlich. Die Intelligenz und Charakterstärke kann nur gedeihen durch dieses Ausjäten der schlechten Elemente. Run. Herr Alberti Herosrratnlus, lebm Sie »ohll Sie haben versucht, au den Tempel des Judeuthums Feuer anzulegen, in der Hoffnung, die aufleuchtend« Flamme »erde Ihr Dichterhanpt mit dem Glorienscheine umwehen. Sie haben fich geirrt. Der Tempel ist nicht in Flammen aufgegangen; Sie aber haben fich. wie jene« stind, das die bekannte Regel nicht befolgte, schmählich die Finger verbrannt. Gerichte rmd Corr»fp»»dr«zerr. Deutschland. P. Zterliu, 26. Januar. Der »Reichsbotehatte Inserate zu fangen gesucht, daß er Geschäftsleuten rc. durch Avis miltheilte, die Laiserin gehöre zu seinen, des Reichsboten, Abonnenten. Al« Organ d«S Stöcker leugnete das ftomme Blatt jene Thatsache, die beweist, daß der »geniale Instinkt, alles zu verwert-«-, auch den Edelsten d« Ration (der Eigenthümer desReichsbvtm ist ein solcher, sogar ein Baron!) und den Stillen im Lande (der Letter des Blattes ist der Pastor Engel) kein Fremder ist. Jetzt ist die »Volkszeitungin der Lc^e urkundlich nachzuweisen, daß der »Reichsbote* zur Erlangung eines Inseratevon 6 Mk. dar Ramm der Laiserin mißbraucht habe. — Eine moralische Berurtheilung erlebt« der Stöcker dieser Tage in dem Prozeß Wttte-Leuß. Der Bertheidiger des Pastors Witte characterifirte da« Verfahr« des Stöcker als ein solches, daß man es, wenn man fich fein ausdrück« wolle, Zmgmbeeinflußung nennen müffe, drücke man stch gröber au-, Verleitung zum Meineide, worauf Zuchthaus steht. — — Die Antisemiten haben in folgmdeu Wahlkreise» Eaudidaturm proclamttt: in Lastet: P. Foerster, Fritzlar- Homberg L. v. Sonnenberg, Rinteln-Hofgeismar: Werner; Bochum-Witten: König, Leipzig Stadt: Fritsch, Leipzig Land:Scheuner, Zwickau-Fritsch,Hamburg: H ü b u e r. Hierzu komm« noch Zäblkandidaturm in Chemnitz, Liegnitz, sowie I Landidatur in Obrrhessm. Wir hoffen, daß unsere GlaubmSgmoffen in dm Wahlkreis« mtt allen Kräften gegen die obm genannt« Jndividum agttirm wert»«. — Im »Figaro« schreibt Henri Fouquier über die Judm: »Wie eS fich mit der jüdisch« Raste verhalt« möge, wer will bestteit«, daß die Judm bei uns Franzosen geworden find? ... Unsere Israeliten haben fast durchgehend« dm Eharacter ihrer Umgebung angenommen. Sie lieb« das Vaterland mit Feuer ...; lange Zeit an» dem Heere gestoßen, kehrten sie 1789 dorthin zurück, und wurden vortreffliche Soldaten. Der militärische, so lange unterdrückte Geist ist mtt Macht wieder erwacht.« (Auch Rs»an har das Wort für die Juden genommm angesichts der unter den Boulangistm auSgebrochm« Antiscmttenpest. Wir bring« darüber in nächster Rr. einen ausführlich« Artikel. Red.) Are»!»», 27. Jan.(Or>Corr.)Jn üblicher Weise beging heute das jüdisch-theologische Seminar dahier—gleichzeitig mit der Geburistagsfeür S. Majestät des LaiserS — zum 36. Male die Gedächtnisfeier für sein« Stifter, den verewigt« Lommnzienrath Jonas Fränckel. Die Feier eröffnet« das vom »Gksangverein jüd. Theologen« vorgetragme Lönigsaebet. Die stch anschließende Geoächtnißrede hielt der zeitige Vorsitzende de« Lehrerkollegiums, Herr Dr. Rosiu; derselbe berührte zuerst die vaterländisch; Bedeutung des Tage« und ging dann tm Rückblick auf di« hochherzige Thal de» verewigt« Stifters auf sein eigentliche« Thema, »di« Opfer- Willigkeit unter dm Juden-, über. — E« erfolgte darauf