Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 4 (23.1.1890)
- Date
- 1890-01-23
- Page
- Seite 32 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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so auch bei Vornahme Bon Trauungen zu enthafte«. (Bergl. Wolf, Joseph Werthheimer, 192 f.) Beachtenswerth ist, baß bei damalige Semeiodepräses Ernst Wehli gegen die Entscheidung bei Statthalterei den Recnrs ergriff, indem er aogab, die Rabbiner seien nicht den Geistlichen anderer Loufesfionea gleichzostelleo, sie fungiren blo« als die ersten Gelehrten der Gemeinde, und hätten blos über religiöse Fragen Belehrung zu eriheileu. Das sei aber kein b, sondere- Borrecht da e» jedem Gemeiudemitgliede frei stehe, auch noch andere Talmndgelehrte zu befragen. Ter Recnrs wurde aber abgewieseo, und die Statt» hallerei gab al» Motiv für die Aufrechthaltuog ihrer Entscheidung an, dah nur dadurch die seit vielen Jahren mit Erfolg in der Prager Judengemeinbe bestehende einseitliche Religirusleitung gesichert werben kann. E« könne daher durchaus nicht gestattet werden, durch Bestellung von Predigern bei den einzelnen Synagogen Eingriffe in den Wirkung«, kreis der Rabbiner zu machen. Die Stellungnahme le« hochgebildeten und für da» Judenthum so warm fühlenden Ernst Wehli gegen den Oberrabbiner Rappaport erklärt sich dadurch, daß Ernst Wehli seiner ganzen Geistesbildung nach al» einer der letzten Ausläufer der Biuristen bezeichnet werden kann, die für den Fortschritt um jeden Preis waren, und durch das Schreckbild einer jüdischen Hierarchie befangen, die Einschränkung der Machtbefugniffe der Rabbiner als geboten erachteten. Die damaligen Stimmführer der Meiselsynagoge, voran der damalige gelehrte Prof. Wessely, waren überhaupt für Einführung weitgehender Reformen, um es dem Tempel voranznthnn. Davon zeigt auch die Berufung de» radicalen Lepold Grain auch>Fra«surt am MüKt zur Abhaltung der Eioweihungsrede. Auch Rappaport var bei der am 4. August 1863 erfolgten Einweihung zugegen; ein schöne» Zeichen der Friedfertigkeit de« großen Lehrer« der Gemeinde Prag. Die meisterhafte und fast im konserBativen Sinne gehaltene Rede wurde mit allgemeiner Begeisterung ausgenommen. Man bot Leopold Stein die Predigerftelle mit einem großen Gehalte an, doch er erklärte, die Predigerstelle in einer Synagoge sei keine Stellung, hingegen wäre er bereit auch für die Hälfte des stipulirten Gehaltes in den Dienst der Gesammt gemeinde als Prediger zu treten. (Schluß folgt.) H. Kraß, 12. Januar. (Or.. Cor.) ®.ne unserer edelsten Familien ist von einem schweren Schlage getroffen worden, der in unserer ganzen Gemeinde tief mitempfuuden wird. Der «egen seiner Wohlthätigkeit und seines lebhaften Jutereffe« für alles Edle und Schöne in den weitesten Kreisen Prag» hochverehrte kais. Rath S. Beer hat seinen hoffnungsvollen einzigen Sohn, Dr. Emil Beer, Beamten der FinanzlandeSprocuratnr in Folge der Influenza verloren. DaS Leichenbegängnis, da« letzten Sonntag unter Thellnahme der gesamwten Bevölkerung unserer Stadt erfolgte, gab dem tiefgebeugten Vater den klaren Beweis, daß Tausende mit ihm den Schmerz therlten. Dem Leichenwagen voran fuhr ein Wagen voll prachtvoller Kränze, dem Sarge folgte der Pedell der Juriftenfecollät in Parade, daun die Leidtragenden (kais. Rath Beer und Prof. Dr. Krasnopoleki, Letzterer Schwager des Berdlichenen), dann das Rcddinat im Ornate, diesem folgte die Eultusgemernderepräsentanz, zu deren eifrigsten Mttgliedern B. zählte. Ein zahlloses Gefolge, in welchem simmttiche Honoratioren Prag« vertreten waren, bildeten den Beschluß des unübersehbaren Gefolges. — Herr Rath Beer hier hat, in Folge Ablebens seines einzigen Sohnes, 10,000 fl. an die verschtedneu israel. WohUhätigkeits-Jnstitute vertheilt. 14 Kraß» 21. Januar. (Or.-Lor.) Und er kommt doch l Sr tha: nur spröde, schmollte ein wenig, »gehet aber dennoch in die Lande". Herr Dr. Ehrenfeld kommt doch, er ist klug «ob weise nud weiß, daß i« Schatte« der Laube gut ruhe» ist. Warn» auch nicht? der Prüfe« will es, zum Trotz aller derjenigen Gemriudeglieder, die es wagen, ihre Stimme dagegen zu erheben: , L’4t*t o’eafc moi*, »die Gemeinte bi» ich!" Und doch ist dieser Abolutismns eben sh-' unreligiös als »«politisch. Unreltgiös: Es heißt deit Talw. Bablt Berach 55a: »Man setze nur dann ei» Obel» Haupt über die Gemeinde, wenn mau sich mit der Gesammt-' heit berakhen hat." Unpolitisch deshalb, weil die Judo»' leutesttzn am Ende doch die Geduld verlieren', und sich die letzten Vorgänge während der Wiener Eultusrepräsentanteawahl al« Beispiel nehmen könnten, indem sie sich darauf besinnen, daß eigentlich die Herren der Repräsentanz» bezüglich aller ihrer Beschlüffe vor den Wählern oerautworttich find. Die diesbezüglichen Interpellationen würden diese Herren ein wenig aus dem sanften Schlummer rütteln. Kodßöqe (bei Krakau). Die Zahl von Nekrologen die Ihr sehr geschätzte« Blatt in der jüngsten Zeit brachte, über Männer, deren Herz für ihre jüd. Glaubeagenoffeu warm schlug, komme ich leider um einen zu vergrößern. Der ungeladene russische Gast, die Influenza, die auch bei uns sich eiobürgerte, versetzte der hiesigen Gemeinde eine« schweren Schlag, den sie lange nachempfinden wird. Am Samstag den 4. Januar c. verschied hier Herr Josef Liban im 48. Lebensjahre, nach einer kurzen aber heftigen, infolge der Influenza entstandenen Lungenentzündung. Der verblichene war Stadtrath, Präsident der isr. Eultusgemeinde und auch Mitglied der Handels- und Gewerbekammer in Krakau. — Roch am 30 Dezewb r 1889 wohnte er einer Stadlraths» Sitzuug bei. bei der er wiederholt das Wort ergriff, immer das Wohl seiner jüd. Mitbürger im Auge habend. Seine überzeugnugskräftigeu Reden waren stets vom Danke der israelitischen und der Bewunderung der andersgläubigen Mt» räthe begleitet. Podgürze, besten Lirzwohnerzahl innerhalb der letzten 18 Jahren von 4000 auf 11000 stieg, wovon die Hälfte auf die jüdische Confessio» fällt, hatte bis zum Jahre 1888 weder einen israelitischen Friedhof »och irgend einen isr. Wohlthätigkeits-Berein (mit Ausnahme des bewährten Frauen-Unterstützungs-Bereins). Nur der Energie und der warmen Hingebung de« seligen Herrn Josef Liban verdanken wir die Existenz des hies. isr. Friedhofes, der Ehewra-Kadischah und der Ehewra Machfike-Cholim. Die besonderen Eharakterzüge de« Verstorbenen waren: Milde, freundliches und bereitwillige« Entgegenkommen gegen Jedermann, ob Jude oder Christ. — So folgte auch am 6. d. M. seiner Bahre ein nach Tausenden zählender Zug. Alle Stände. Juden und Andersgläubige, Reich und Arm, begleiteten den so früh Dahingerafften, unter allgemeinem Bedauern gebeugten Hauptes zu Grabe. Zum Leichenbegänguiß waren erschienen, mehrere Mitglieder der krakauer Handelskammer mit dem gewesenen Präsidenten jetzigen Landtagsabgeordneren Herr Dr. Weigel, der Stadt-Präsident von Krakau Dr. Schlachtorcki, die Stadträthe von Podgürze in corpoz» mit dem Präsidenten Herrn Notar Adamski u. v. A. auch eine große Anzahl krakauer distinguirter Bürger. Sein Andenken wird stets von uns in Ehre« gehalten werden, dt. J. Arankreich. Üfafi». Der Präsident der französischen Republik hat seinen Geschäftsträger in Tanger den Auftrag erlheilt, seinen Einfluß bei dem Sultan von Marocco zu Gunsten einer beffereu Behandlung der Juden verwenden zu wollen. — Isidor Löb ist von seiner im Jmereffe der Baron Hirsch'schea Stiftungen nach England unternommenen Reise znrückgekehrt und wird nächstens einen Bortrag in der Gesellschaft der jüdischen Redner über das Thema »der Jude, der Legende und derjenige der Geschichte" halte». — Rach dem »Uuivers Jsraelite" habe« wegen ihrer Verdienste um die Eouvertirnug der russische» Anleihe« Alfons B. Rothschild und Bleichröder den St. Aunaordeu I. Klaffe «nd Gustav v. Rothschild dr« Stanislausorde« I. Klaffe erhalten. — Osiris Jsfla. der bekannte Wohlthüter, hat der Stadt Rauch ei« Statue der Jeaone d'Arc zur Aufstellung, auf einem der freien Plätze der Stadt zu» Geschenk gemacht!? . .. i I' ^_: