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Israelitische Wochenschrift · 1890-01-23 · 4 (23.1.1890) · p. Seite 31

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
4 (23.1.1890)
Date
1890-01-23
Page
Seite 31 (sequence 5)
Language
German
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—029 — Barstktzrr« Wt jüd. Gemeinde» i» Rachvmimacht ei«» Ha«. Termin« eine Klage zur buraer Kollegen a» Lag«! Mt de» angesetzten T ki de« hiesige» Landgericht anhängia gemacht« Vertretung. deren Gegenstand die Forderung eine« früheren BordellvirtheS gegen eine der ehemalige» .Damen" desselben war. Bor der Eröffnung der Verhandlung äußerte der den Vorsitz führende Laodgerichtödirertor Hoffman» sich in dem Sinn«, daß die Verhandlung vielleicht nicht stattstnde» werde, »eil sich doch wohl kein Liechttanwalt zur Vertretung solcher Sache gefunden haben dürste. Hierauf erwiederte der Vertreter de« Kläger«. Recht« an walt Dr. Werthauer, daß, weun diese Aeußerung de« Präsidenten gegen ihn, den Recht». . anwalt, gerichtet sein sollte, er sich da« verbitten müßte, worauf der Präsident sag«, daß hier im GerichtAsaale sich Niemand etwa« zu verbitten, daß hier nur er. der Präsident, etwa« zu sagen habe. Al« der Herr Landgericht«dirrktor Hoffman« Herrn RechtSinwalt Dr. Werthauer auf der Straße begegnete, unterließ e« Dieser, Jenen zu grüßen. Da« veranlaßte Herrn LaudgnichtSdireklor Hoffmann, Herrn LandgerichtSroth Wulferl zu Herrn R»cht«anaalt Dr. Werthauer zu senden, bezw. ihn in seinem Ramm zur Red« zu Stellen; er sagte ihm, daß er, der Rechtsanwalt Dr. Werthauer, »urch die Versagung de« Gruße« den Landgerichttdirektor Hvstmoun beleidigt habe, ebenso, daß dadurch sich auch di« anderen Richter beleidigt fühlten, und er deshalb den Herrn Rechtsanwalt ousiordere, zu erklären, daß er in Zukunft grüßen »olle bezw. werde, und daß, wenn er diese Erklärung nicht gebe, der Landgerichtädirektor Hoffmann Genugthuung dmch die Waffe fordern würde! Herr Rechtsanwalt Dr. Werlhauer lehnte e« indes! entschiede« ab, die geforderte Er» kläruog zu geben, indem er bestritt, daß der Herr Landaerichtädireklor Hoffmann der Beleidigt« sei, und indem er behauptete, daß vielmehr er, der Rechtsanwalt, beleidigt wordeu sei, in Folge deflm er auch nur noch amtlich und nicht wehr privatim mit demselben zu verkehren habe. Einige Lage nach dieser Unterredung begegneten sich die beiden Herren, Herr LandgerichtSdtrrktor Hoffmann nnd Herr Rechtsanwalt Dr. Wertharer, wieder auf der Straße, und da der Letztere wiederum nicht grüßte, sandte der Erster« Herrn Landgerichtärath Siegel zu Herrn Rechtsanwalt Dr. Werthauer mit einer Fordrrung auf Pistolen! Dieser erklärte jedoch, daß er die Forderung im Prinzip zwar annehme,*) da er ober au« den schon Hmrn LandgerichtSroth Wulfert dargelegten Gründen Herrn Landgerichtädirektor Hoffmann nicht oeleidigt haben könne, er, Rechtsanwalt Dr. Werthauer, viel» »ehr der Beleidigt« fei, lehne er die Duellsorderung ab! Der Leipziger Anwaltöverein wird sich in seiner nächsten Sitzung mtt der Affatre beschäftigen. T. Iöesterönrg, 10. Januar. (Or^Corr.) Da« widerwärtige Treiben der Anttsemitea hat auch in unserer friedlichen Gegend Einkehr gehalten. Herr Zimmermann au« Dresden nnd Herr Dr. Böckel au« Marburg suchte« in einer l'/,stüudigen Red« di« Zuhörer, welche sich wohl auf 180 belaufen mochten, zu überzeugen, daß alle, bi« jetzt i« Reichstag vertteteueo Fraktionen nicht lebensfähig feien. Rvr die antisemittsch« Pattei, welch« ganz sicher im nächsten Reichstage »«affenhast" ««treten fein werde, sei dir allein echte, welche unbestreitbar die Zukunft gehöre. An diese wunderlichen Ideen, an die Ideen eine« TollhäuSlrr«, reihete« sich nun Schmähungen gemeinster Art gegrn Juden und Judenthn», welche in dem au die Zuhörer gerichteten Ersuchen aipfetteu, um keinen Brei« bei eine« Juden auch turr da« Geringste zu kaufe». Sorglos sahen wir JSraeliten Westerburg« dein Komme» und Gehe» dieser Aufwiegler -entgrgev, da wir wußten und wiffen, daß di« zwischen den verschiedeneu Eoufrsfione« herrschende Eintracht in unserer engere« Heimach keioeSv»«^» dadurch berührt, geschweige ") Da da« Reltglaa». »ad Strafgesetzbuch, göttliche» »,d ««»sch. Uche« Mach«, da» Duell sär d.iwerptch eraRreu uud fteeug verbiet»», f, Med« Herr «echwaunatt da» DuellgauchLimg »riu, nuauuehm.bar «rtlämu salb». gestört werde» wird. Die nächste ReichStogSwahl wird ven beiden judenfriadlichen Rednern den unwiderlegliche» Beweis liefern, daß hier für derartige Wahlagitationen wenig Spiel» raum »orhaaden ist. ' Momöerg» Lippe-Vetmold. (Or.-Lor.) Am 9. d. M. fand in nuferer Stadt die Wahl eine» Stadtoerordnet«. Vorsteher« statt. Herr Fabrikant Gersou Stahl der de. reit« 9 Jahre da« Amt als Stadtverordneter bekleidet, »urd« mtt großer Majorität als Vorsteher de« Stadtcolle» gium« gewählt. - Au« demseldeu Orte wird uu« berichtet: Am hies. Plaz sollte am l. Januar d. I. ein« FortbttdungS» schule gegründet werde», für christliche Lehrling«. Zu diese» Zweck« wurde eine gemeinschaftlich« Sitzung (Magistrat uud Stadtverordneten) auberaumr. Obschon hte^ 6 evangelisch« Lehrer an der Voltsschule thättg stad, wurden unser« Hern» Lehrer Gally Roseubaum die Hauptfächer übertragen. (Herr R. leitet seit Jahren 2 christl. Gesangvereine.) tvestervetedUagenm. Q 9ti"f« an»?li|. IL In meinem ersten Brief« au« Prag (Nr. Kl) gäbe ich von der hohen Wichttgkett der Einheitlichkeit in unserer Gemeinde gesprochen, habe dargelegt, wie diese Ein» hettlichkeit da« alt« kostbare Kleinod ist, welches unser vor. stand sorgfältig zu bewachen berufen ist, uud auch ««»geführt, welche Maßnahmen zur Förderung dieser Einheitlichkeit uoth. «endig find. Für die Richtigkeit meiner Darlegungen bdr ich in ter Lage mich auf ein« Autorität zu berufen, bereu Ausspruch gewiß maßgebend ist. Diese Autorität ist keine geringere al« der verewigt« Oberrabbiuer Rappaport. Die Leranlaffuug zum Hervortreten RappaportS war die im Jahre 1802 von dem Vorstände der Metselsyuagoge beabfichttgie Anstellung eines Predigers. In diese« Jahre wurden nämlich, zum Zwecke der Einführung d«S modernen GotteSvieasteS, bauliche Umgestaltuugeu au dieser Synagoge vorgeuowmen. Der geschichtlichen Wahrheit g«. treu, darf nicht oerschwiegen werden, daß der Beweggrund zu diesen Umgestaltungen weniger Reformbestrebungeu waren, als kleinliche Eifersüchteleien gegen den »»«gezeichneten Pr«, diger de« Tempel« seiten« eine« Eollegen im höheren Lehr, fache. Durch Einführung de« neuen Gottesdienste« mtt Predigt sollte dem Tempel und besonder« seinem Prediger Loueurreuz geboten werden. Wie der im Jahre 183V geplant« Umban der Altsynagoge — nicht in den zwanziger Jahren, denn erst 1837 wurde der Tempel eröffnet — in den couservatioen Kreisen der Prager jüdischen Gemeind« vttl Aergerniß erregte, M. Samuel Landau hiett kurz vor seinem anno 183b erfolgten Tode eine Derascha, in welcher er in sehr scharfen Worten gegen die NeuernngSsüchtigeu loSzog, so wurde der Umbau der Metselsyuagoge umsoweniger gebilligt, da vorzugsweise unlauter« Motto«, »ämltch die Schwächung de» Ansehens de« Tempels, dabei «ttsptelte«. Rappaport, der sich nicht blo» als Heros der Gelehr. samkett, sonder» auch durch die weitgehendste Toleranz und Friedfertigkeit auSzeichurte, sah fich tue Interesse der Go» metndeeinheit bewogen, bet der Statthalteret einzuschretteq, daß nur t« Einvernehmen mit dem Rabbiuate bauliche Um» grstaltungeu au einer Synagoge zu gestatten seien, uud wie» auf da» eigenmächtige Vorgehen de» Vorstandes der Meise!» synagoge hin. Auch gegen die Anstellung der Synagogen» Prediger, die wohl, wie er hrrvorhrbt» keiueSweg« de« vollen Wirkungskreis der von der Sesammtgemriud« bestellte« Rabbiner haben, legt« er Verwahrung ein. Als Begründung führt Rappaport vorzugsweise au, daß dadurch di« Ge» sammtgemeiud« in eine Anzahl lletner Gemeinden fich anflöseu würde. Die Statthalterei gab tu ihrer Entscheidung dem Ansuchen Rapport» Folge, und ordnete «ry daß bei baulichen Umänderungen au ttner Stpmgoge da» Gutachten der bestehende» Rabbiner (Oberjnrist«) «iuzuver. nehmen sei. Auch haben die tu den Synagogen bestellte» Prediger, sich ohne besondere Ermächtigung der Statthalterei jeder AnSübmeg von RabbtuatSfunettonrn, daher insbesondere

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