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Israelitische Wochenschrift · 1890-01-16 · 3 (16.1.1890) · p. Seite 22

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
3 (16.1.1890)
Date
1890-01-16
Page
Seite 22 (sequence 4)
Language
German
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Wahlwolle« bcarfcfc« hatte, »ersammesteu sich die Zögltug« z« tinm erhebe»»«« Travergotte» dienst. — Wie die verewig'« Kaiserin Augusta nicht uur für da» unter ihr'» Brotectoral stehende »Augusta-Hosttttal", sondern auch für andere humanitäre Anstalten besorgt war. geht an» nachfoigrndem Schreiben hervor, da» die Kaiserin unter Zusendung eine» Beschenk» von 1500 Mark an de« Lorstand de» hicsigen jüdischen Krankenhaus«» z. Z. richtete: »Ich habe mit vieler Theilnahme die Denkschrift: »Zur Geschichte der Krankenpflege in der jüdischen Gemeinde zu Berlin" eutgegrngenommen. welche an» Anloh de» fünfuadzwanzig» jätzrigen Bestehm» der Krankenverpfleguog»«Anstalt der jüdischen Gemeinde verfaßt worden ist. Ich kenne aus eigener Wahrnehmuna die vorirefflichm Einrichtungen derselben und freue mich, dem Borstande meine Glückwünsche zn dem Gedenktage auSsprechen zu können, der die Fürsorge der Gemeinde für ihre Kranken in ehrenvoller Weife »eranschaulitt " — Fleeti« 11. Ja». Wenn oft über den schwache» Besuch der Synagogen und nicht mit Unrecht geklagt wird, so kann glücklicher Wcise in Bezug auf die Jugend üholiche» nicht behauptet werde». Mau braucht nur den Gottesdienst für sie eni sprechend einzurichteu. und in großen Schaaren füllt die Jugend beiderlei Geschlecht» die Räume der Synagogen. Leiter mußte hier wegen nothwendiger Reparaturen in der Reue» Synagoge die Institution der JugendgotteSdieofte am Sabbath Nachmittag» unterbrochen worden. Da aber die Reparaturen doch zu lange dauern, hat man sich entschloffcn, einstn eilen in der allen Syi agoge diese Kinderaodachteu adzuhalten und heute nach langer Pause konnte die jugendliche Gemeinde zum ersten Male wieder ihre Herzen im Gebete erheben und den belehrendrn und erbauendru Worten de» Rabbiner» andächtig zuhören. Die Alte Synagoge war bei diesem Anlaß zum Erdrücken voll. Ueber da» Ritual dieser Gottesdienste wurde seinerzeit den Lesern diese» Blaue» beriibet. Ich will daher nur bemerken, daß heute da» 3. st. pitel de« zweiten Buche» Mose au« einer kleiner» Tora- Rolle, die ein Knabe au» der Lad« gehoben, verlesen wurde, daß uur Knaben zur Toro-Borlekung vorgrrufen wurden, und daß die Vorlesung dann vom Herrn Rabbiner Dr. Ungerleider in deutscher Sprache wiederholt wurde. Nachdem ei» Knabe die Tora-Rolle in die heilige Lade hinringestellt und da» entsprechende Lied von der ganzen Gemeinde abgesungen ward, bestieg Herr Dr. Ungerleider die Kanzel, um in einer schlichten aber s'hr ongemesienen und wohl auch den Klei, sten unter den Kleinen verständlichen Rede einige religiös sittliche Lehre« an'« Herz zu legeu. Referent beobachtete ihre Wirkung auf die kindlichen Zuhörer, und kann konstariren, daß diese namentlich an zwei Stellen eine ergreifende war, und zwar da, wo der Prediger von der »rettenden Thal" der egyptischen Fürstin zu den vielen »rettenden THaien" der edlen Fürstin überging, deren Ableben da» ganze deutsche Vaterland in Trauer versetzt hat; und dann am Schlüsse der Rede, wo der Prediger die Jugend al« den »heiligen Boden" (2. Mos. 3,5) oezeichnele, auf dem da» Willen de» reiferen Aller« vorderestet werden muß. Wie Mose sich erst im Kleinen bewahre» mußte, bevor ihm Größere» anoertraut wurde der Midrasch vom verirrten» den Durst stillenden Schäfchen, da« Mose zurückträgt, wurde hier sehr paffend eingestreut), so verhalle e» sich mit der Jugend. Wer die Pflichten der Jugend, weil sie noch unbedeutend und gering sind, verschiebt oder vernachlässigt, wird nicht zu eiuem nützlichen Mitglied« der Gesellschaft heranwachsen können. — Nach Beendigung der Rede, welche heute ausnahmsweise länger al» sonst gedauert (20—25 Minuten, — offenbar wegen de« Trauer-Paffu«), forderte der Prediger die Kinder auf mst ihm für die selige Kaiserin «ud Königiu zu beten und verla» ein zu diesem Zwecke oerfaßte» deutsche» Gebet. Alle »rtheilSfähigen und vou Borurtheileu nicht Geblendeten wiffeu dem Vorstand« für die Einrichtung de» JugeudgotteSdieustk» uur Dank. Ad.r e» giebt auch vo» dieser Regel leider Au»«ahme», und strfereut hat mit Belrütmiß wahrgenommen, wie einige Ultra'», obwohl für sie ein besonderer Gotte»die«ft schon vorher abgehalteu worbe» war, gleichwohl die geringe« Kürzunge», die im Mincha- Gebet für die Kinder vorgeuommen werde« mußte«, laut während der Andacht bespöttrlteu und verhöhnte«. — am. 3t«rfl«, 8. Januar. In der srädtffcheu?ch»ldeputatioa wurde heute die Antwort des königlichen Provinzial-Schul» kollegium« an die Deputatton betreff ad den Fall Boretiu» mitgetheilt. Daffelbe stellt sih nicht auf de» Standpunkt der städtischen Schuldrputation, welche ur einem ausführlich« Berichte beantragt hatte, Fräulein Boretiu» wegen der Zurückweisung jüdischer Schülerinnen zu rektifiziren. 4)a» Prov^ Schul-Kollegium findet keine Bcranlaffung zu Maßnahme« gegen Fräulein Boretiu», da rin Anspruch der Estern auf Aufnahme ihrer Kinder in eine bestimmte Prioatschule nicht anerkannt werden könne, die Anmeldung und Zulassung der Zöglinge bei Privatansttltea vielmehr der Bereinbarung der Betheiligten überlassen bleiben müffr. Ohnedies könne eine prinzipielle Ausschließung jüdischer Schülerinnen seilen» des Fräulein Boretiu» nicht behauptet werden, da eine westere ulassung derselben erst beanstandet worden sei, nachdem die ahl jener Schülerinnen ein Drttel der Gesammtfiequenz der Anstalt reichlich überschritten hätte, während zur Zeit noch ein Fünftel der Schülerinnen der jüdischen Religion ongehöre. Erst wenn für jüdische Eltein bezüglich der Unterbringung ihrer Töchter in höher« Mädchenschulen nachw.is» lich Schwierigkeiten sich Herausstellen lallten. würde die etwaige Ausnahme entsprechender, die Zulassung jüdischer Schülerinnen fordernder Bdingungen in künftig zu ertheileude Konzessionen in Erwägung kommen. Drffen bwürfe es zur Zeit nicht, da die jetzt angestellten Ermittelungen ergeben hätten, daß im November 1889 die hiesigen öffentlichen und privaten höh«« Mädchmschulen unter 17,000 Schülerinaeu von 3457 jüd scheu Mädchen besucht worden seien, «ud daß noch etwa 5000 Plätze und zwar 900 alleia im Westen Berlin» für einen zu rrwartenden Zuwachs zur Verfügung ständen. Einer au» der Mille der ilädlischen Schuldeputatroo gegebenen Anregung, über diese Angelegenheit an den Minister zu berichten, wurde au» dem Grunde keine Folge gegeben, wcil, wie versichelt wurde» vorausgesitzt werden könne, daß da» Schreiben de» Provinzial-schulkollegium» nach eiugeholter minlstriieller Zustimmung erlaffen sei. Ein Mitglied der Deputation biscyränkte sich schließlich darauf, den Unterschied hervorzuheben, der zwischen dem in einer ähnlichen Angelegenheit erlassenen Reskript de» Kultusministers Falk und dem vorliegenden bestehe, woran» sich ergebt, daß die Unterrichls-Berwaltung jetzt in ganz andere Bahnen rinleuke. Iterki», 13. Januar.*) Bor etwa 10 Jahren wurd« hier eine »Hilfskasse für jüdische Eantoreu uud EultuSbeamte" begründet, di« den CultuSdeamte» da» sein sollte, wa» die .Achawa" den Lehrern ist; sie sollte e» sein, aber sie ist e» nicht, weil i« den bethetltgte» Kreisen da« rechte Bersttudniß für den Gegen einer solch« Bereinigung noch zu fehle» scheint. Wem» die ,Htlf«kaffe" gleichwohl einen Fond vo» etwa 15,000 Mark aufzuwetse» hat, so ist da« Apwachsea deffelben zum allergrößte« Thetle auf die äußerst rührige Thätigkeit de» früher«« Leretu«» Vorstände», dem auch edeldenkeude Laien augehöreu, al» auch auf dir allezest zum Geben bereite» Mstglirder der hiesige» Gemeinde zurückzuführeu. — Am 30. Dezember hielt diese Vereinigung ihre vierte ordentliche Geueraloersammluug ab, zu welcher sich eine Anzahl Mitglieder mit zu» sammeu gegeu achtzig Stimme« rtugefundra hatte». Der Ernst uud der Eifer, mit welchen die Debatten geführt wurden, laffen hoffen, daß die Hilfskaffe nunmehr eine regere Thätigkeit nach Innen wie nach Außen entfalten werde; hierfür zeugt vornehmlich der Beschluß, Provinzial-Be r- *1 In Folge Erkrankung de» Korrespondenten unlieb verspätet. (Keb.)

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